Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1928)
- Date
- 1928-07-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 29 DIB STIMME sui»* TUCHHAHDUIHfl „ZUR SCHÄFERIN“ ALBERT HARDT WIEN I.. FREISINGERGASSE I (Ecke BiierBmrkt) Original englische Damenmäntel- und Herrenm odestoffe Das hebräische Schulwesen in Osteuropa Wie dem auf der Zoppoter Konferenz der hebräischen Kultur- und Schulorganisationen «Tarbufch» erstatteten Berichten zu entnehmen ist, verwaltet die Tarbuth-Organisation in Polen 72 Kindergärten, 145 Volksschulen, 15 Gymnasien, 5 Lehrerseminarien und 22 pädagogische Kurse. Die Tarbuth-Schulen werden von mehr als 25.000 Schülern und Schülerinnen besucht. Außerdem werden in 86 Städten mehr als 10.000 Jugendliche in Abendkursen im Hebräischen ausgebildet. In 235 Städten befinden sich hebräische Bibliotheken mit insgesamt einer Million Bücher In Li tau* *» existieren 10 hebräisch* FröMachulen mit rund 1000 Kindern, 86 Volksschulen mit 6220 Schülern und Schülerinnen, 12 Gymnasien mit 3185 Schülern, 11 sonstigen Mittelschulen mit 645 Schülern, ein Lehrerseminar mit 50 Studenten, ein Theaterstudio mit 22 Studenten und 38 Bibliotheken. 93 Prozent der jüdischen Schulkinder besuchen T a r b u t h - S c h u 1 e n. In Lettland bestehen 28 Volksschulen, 8 Fröbelschuten, 2 Volksschulen und 2 Gymnasien und ein Lehrerseminar. Io Estland bestehen 3 Fröb'elschulen, 2 Volksschulen und 2 Gymnasien, in der Tschechoslowakei 5 Volksschulen und ein Geymnasium. In D a n z i g bestehen verschiedene hebräische Kurse, eine hebräische Anfanigsschwle soll demnächst, eröffnet werden. In Estland, Tschechoslowakei, Lettland und zum Teil auch in Litauen werden die. Tarbuth-Schulen vom Staate subventioniert. In Polen muß um die Subventionierung schwer gekämpft werden. In den verschiedenen .Ländern werdenmehr als 2000 Lehrer und Lehrerinnen für die Tarbuth-Schulen ausgebildet- ■ Terminhandel mit Gräbern Die jüdische Bevölkerung in Samarkand betreibt seit alten Zeiten einen schwunghaften Handel mit — palästinensischen Gräbern. Nach einem überlieferten geheiligten Brauch soll jeder tote Jude, wenn schon nicht wirklich, so doch wenigstens in effigie in Ereiz Israel bestattet werden. Dies wird in der Weise erreicht, daß man sich'bei Lebzeiten eine Grabparzeile im heiligen Lande käuflich sichert. Die Samarkander Juden befürchten, wenn die Toten auf erstehen und aus allen Teile der Erde ihre unterirdische Wanderung in das messianische Erez Israel antreten werden, so werde das heilige Land zu wenig verfügbaren Boidien haben,- Sie sorgen daher weise vor und erwerben kontraktlich im Wege der Samarkander Chewra Kadi s,ch$,h eine. Grabstätte in Erez Israel um den Einheitspreis von fünf G o 1 d r u b e I n, die beim - Präsidenten des heiligen Vereines erlegt weiden und für die man den auf Namen des Todeskandidaten lautenden Kontrakt erhält Beim Begräbnis wird dieses amtliche Schriftstück der Leiohe mitgegeben, die so den Anspruch auf ein palästinensisches Grab, lieferbar zur messiamsebem Zeit, bescheinigt erhält. Wer zahlt die Zeche? Diese Frage wurde in R1 a u s e n b ui r g durch einen Prozeß aktuell, den die j ü d i sehen Pächter des Hotels und Kaffeehauses „New York“ gegen die Stadtgemeinde sowie gegen das Kriegsministerium und das Ministerium des Innern angestrengt hatte. In Erinnerung sind, uoeb die großen a nt i s e m i tischen Studentenausschreitungen Ende 1926, als am 18. Dezember um die Mitternachtsstunde eine Gruppe rumänischer Studenten in den dichtgefüllten Festsaal, in welchem der jüdische Frauenhilfsverein ein W o h 11 ä t i g k e i t s f e s t veranstaltete, eimdrangen, die Festteilnehmer mißhandelten und die gesamte Einrichtung zertrümmerten. Zu: gleicher Zeit wurden die großen Spiegelscheiben des Kaffeehauses zertrümmert, hunderte von Studenten drangen in das Lokal und richteten schauerliche Verwüstungen an. Die Pächter beziffern ihren Schaden auf rund 150.000 Lei und klagten die in Betracht kommenden Behörden auf Ersatz des Schadens. Die Stadtbehörde, weil nach dem städtischen Statut das Sicherheitswesen der Stadt obliegt, das Ministerium des Innern, weil die Polizei diesem Ministerium untersteht, und das Kriegsministerium; weil in der Stadt KteusenbuFg die Bewilligung zur Abhaltung des Wohltätigkeitsfestes vom Kriegsministerium erteilt wurde, welches nach Ansicht der Kläger auch dafür zu sorgen hatte, daß die Veranstalter vor Ueberfätten geschützt werden. Alle drei angeklagten Behörden versuchten die Ersatzpflicht auf den Nachbar in der Behördenhieratchie abzuwätee«, und man konnte In dem seit zwei Jahren geführten Prozeß mit tiefer Trauer wahrnehmen, wovon so oft Wohl und Wehe, Leben und Gut der jüdischen Bevölkerung ln den vom Antisemitismus verseuchten Ländern und Städten abhängt. Es stellte sich nämlich heraus, daß zur Zeit der Ausschreitungen nur deshalb nicht genügender Polizeisc.hutz zur Stelle war —- wie gegenwärtig in Wien —* weil zwischen dem Bürgermeister und. dem Polizeipräsidenten ein persönlicher Zwist bestand, so daß der Polizeipräfekt die Erfüllung der Weisung des Bürgermeisters rundweg mit der Begründung ablehnte, daß er in der Rangstufe dem Bürgermeister nicht untergeordnet, sondern koordiniert und seine Vorgesetzte Behörde der Minister des Innern seL Deshalb mußten damals so viele jüdische Männer und Frauen blutig geschlagen und so viel jüdisches Vermögen ruiniert werden. .Vorläufig hat das Gericht die V er an t Wörtlichkeit der Städtgemeinde und deren Ersatzpflicht ausgesprochen. Es ist jedoch fraglich, ob die Stadtgemeinde angesichts der bevorstehenden großen Zahl ähnlicher Schadensersatzprozesse, die aus den verschiedenen antisemitischen Ueberfällen und Raubzügen in den letzten Zwei Jahren entstanden sind, sich mit diesem Gerichtsentscheid zufriedengeben wird. Kleine Nachrichten Die Charkower jiddische Tageszeitung JDer Stern** veröffentlicht eine Reihe weiterer Fälle von raWatwv» Antisemitismus in den Soabriken. In der Kiewer Fabrik „Sichel und Hammer“ griff ein« Gruppe Arbeiter einen jüdische« Arbeitskollegen mit eisernen Knütteln und der Fenerwebrspritze an und zwang ihn, die Fabrik zu verlassen. Die kommunistische Fabriksaufsicht griff nicht ein. Aehnlichc Tatsachen werden aus der Charkow e r Fabrik „Lenin“ mitgeteilt. In Rabat begann am 5. Juli die für mehrt"«><?* Dauer berechnete Nordafrika-Konf«r<»tiz, der der französische Minister-Resident von Tunis und der Gouverneur von Algerien beiwohnen. Auf der Tagesordnung der Konferenz stehen wichtige Reformen, die die Rechtslage und die allgemeine Position der Jüdischen Gemeinden Nordafrikafl betreffen. Unter anderem wird über ein Gesetz beraten werden, das den fortgeschrittenen Elementen nnter ftftufh ®om Wien, II., Taßoisfifl^e JTr. Sa JfTodeme fcAuAe aus bestem JVTafetfof gediegen«# aus&efiitoaet Jlut seriöse Preise den marokkanischen Juden die Erwerbung der französischen Staatsbürgerschaft erleichtert Rabbi Solomon Poliatscbek, der aus Meitshet stammende, als „Hui“ verehrte hervorragende Gelehrte, der seit vielen Jahren als . Dekan des tahnudischea Departements der Rabbi Jizchak Elchanan-Jeschiwa in New York gewirkt hat, ist dort Im Alter von 51 Jahren an den Folgen einer Kieferoperation gestorben. * Wie amtlichen Statistiken zu entnehmen ist, Vdie Zahl der jüdischen Schulen in Preußen, di« noch vor dem Kriege 192 betrug, letzt insgesamt 96 Schul e'n. In Bayern ist die Zahl der jüdischen Schulen von 84 vor dem Kriege auf kaum die Hälfte, ln Württemberg von 19 auf 7 zurückgegangen. Die Ursachen dieses Rückganges sind Geburtenrückgang und Abwanderung der jüdischen Bevölkerung aus den kleineren Gemeinden. In Dü na bürg wurden der Tempeldiener Mowsk'i, seine Frau und seine 17jährige Tochter ermordet; die Tochter war vorher geschändet worden. Die Wohnung wurde ausgeraubt. Zwei junge Burschen wurden als der Tat verdächtig verhaftet. Nach einer Meldung des „New York Herald“ ans Jerusalem haben 3000 Wahabiten die Grenze zwischen Irak und Neschd überschritten, um einen Druck auf England dahingehend äuszuüben, die Verhandlung über die Weitegwährung der finanziellen Unterstützung, die die britische Regierung dem Sultan zur Aufrechterhaltung der Ordnung gewährte, wieder aufzunehmen. In Lemberg ist, 88}ährig, der Oberrabbiner Arje Leib B rau d e, der sein Amt seit 1907 dortselbst inne hatte, gestorben. Er war ein ausgezeichneter Gelehrter und genoß höchstes Anseben ln der Jndenscbaft Polens; seine Sympathien galten dem nationalen Judentum. Mit dem Hingang Braudes verliert der Lodzer Oberrabbiner und frühere Senator Dr. Markus Brande seinen Vater. * In Brüssel wurde eine jüdische Genossenschaft für gegenseitigen Kredit nach dem Muster der in Paris und in Berlin bereits bestehenden jüdischen Kreditgenossenschaften begründet Die Gesellschaft trägt den Namen „Crödit Mutuel Ivria“, SocWtö Cooperative de Banque, und verfolgt den Zweck, kleinen jüdischen Urinnb ln Gute für öffentliche und fix Angestellte sowie deren Angehörige SonMiiiiim Pauschalpreis inkl. Fahrt in 5 Teilzahlungen abzüglich eventueller Visum- und Fahrtbegünstigungen einschließlich, erstklassiger Logis, Verpflegung, unbeschränkter Bädergebräuch samt Zelt, Kurtaxe etc. Reiseantrltt schon nach AnzahBung gewährleislet Auskünfte und Prospekte durch die Generalvertretung des internationalen Reisebüros F. GRIGOLON & (O. WIEN, I., KOHLHARKT 3 (Eingang Wallnerstraße) Telephon 69-4-17 Kaufleuten und Handwerkern, denen es sonst nicht möglich Ist Bankkredite zu bekommen, Dar’ohcn gegen niedrige Zinsen zu verschaffen. m Der Präsident der Pester Jüdischen Gemeinde, Oberregierungrat Aladar Kaszab, beging, in diesen Tagen seinen 60. Geburtstag. Er . wurde aus diesem Aiiaß von dem: Vorstand der Gemeinde und verschiedenen zentralen jüdischen Körperschaften Ungarns,.sowie von dem ungarischen. Pr» Palästina-Verband, dessen Präsident er ist, feierlich begrüßt * Das Krakave^ zionistische Tagblatt „Nowy-Dziennik“ hat. aus Anlaß seines zehnjährigen Bestandes eine reich-, haltige Jubiläumsnnmmer herausgegeben. Oesterreich Die Ungelernten. Vor mehr als 30 Jahren gab es einmal in den Straßen Wiens eine kleine Sensation: der letzte einer Reihe von Ziegelwagen wurde von einem Kutscher gelenkt, der die Tracht eines Qstjuden trug und Seitenlocken hatte. ,.£lle$ blickte diesem Manne verwundert nach, Fragen, Sportweite flogen auf und auch die jüdischen Erwachsenen, In deren Gesellschaft ich mich befand, äußerten sich so erstaunt, daß es mir Knaben sogleich klar wurde, hier stehe man vor einer äußerst seltsamen Erscheinung. .Die Straßenpassanten wußten offenbar nicht, daß es im Osten Gegen-] den gibt, wo 4as Kutschergewerbe nahezu ausschließlich von Juden betrieben wird. Das weitere Schicksal dieses Kutschers würde, mich interessieren. Hat sich Hersch, so wollen wir ihn nennen,' nicht sofort aus all der Roheit und Rüpelhaftigkeit, die er in seiner Umgebung unstreitig zu spüren bekam, gerettet, dann mußte er trachten, sioh raschestens seiner Umgebung anzupassen. Bald dürfte er aus Ersparnisgründen in Hernals oder sonst wo draußen bei einem verheirateten Arbeitskollegen Bettgeher geworden sein, vielleicht hat er auch ein christliches Mädchen geheiratet, und heute kann man nur noch aus dem Namen, gewiß aber nicht aus dem Wesen des alten Schwerarbeiters ersehen, daß er Jude ist. Solcher Hersche gibt es nicht wenige. Besonders in der Kriegszeit und unmittelbar nach dem Kriege kamen ’ viefe junge Leute ohne jeden Beruf nach Wien, In ihrer Heimat hatten sie dem Talmudstudium gelebt oder, ohne Lohn, den Verwandten in deren Gewerbe geholfen. Nun standen sie zugleich vor Arbeits- und Obdachlosigkeit- Wer keine hilfsbereiten Förderer fand und nicht ,verkommen wollte, der konnte nicht, wie früher solche Leute, sogleich Dienstraann, Handeljud oder Hausierer werden. Jetzt gab es langwieriges, krasses Elend, bevor' eine Stelle als Geschäftsdiener oder Hilfsarbeiter gefunden war. Herbe Not weicht auch dann nur selten von ihnen Und Immer wieder drohen sie ins Lumpenproletariat herabzusinken. Auch ihre Kinder müssen möglichst früh zum Haushalt beisteuern ' und so werden sie häufig Laufburschen, ‘baufmädchen, Kolporteure, Gelegenheitsarbeiter, Geschäftsdiener und Hilfsarbeiter. Sie sind über ganz Wien zerstreut, wohnen oft dort, wo das Gros der Juden nicht, wohnt, und so merken wir kaum, wie groß diese neue iüdische Proletarierschichte ist. Es sind durch Not und Arbeit hart und oft auch stark gewordene Menschen, Nicht gering ist ihr Selbstbewußtsein, denn sie wissen sich anHHiBiuinitiiimtiiiiimmniiitiiiitiiitnimHtiNMaa/muliiiftmtmimurumi'imitttHnnißiMHHiftmnRMNMi Vergessen Sie nicht bevor Sie eine Urlaubsreise antreten, eine Reisegepäck - Versicherung bei der Nordstern Allgemeine Yersicherungs A. G. ‘ Wlan, l., Wlppilngerstr. 12, Tel. Sl-Z-fl abzuschließen ißgHmiiiiiimimuiiiiHiHHmtmüHitiinniiniuiiRiüitrnmmtiimiiüWHtiiHWWSHweesffUBaMBiiaMtmwiii