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Die Stimme · 1928-07-19 · Heft 29 (19.7.1928) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 29 (19.7.1928)
Date
1928-07-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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fit» orruui? UlC 3 lim WIE, Seile 3 m. 3ö MP' 1 II ...11 ■■■■■■■— ....II ■■l.ll—I.. 4) Mft Bezug auf di* L andres* rve, die von der Jewtsb Agency gestöbert werden sott, abgesehen von den Böden des Jüdischen NatfonaSfends, ist die Konferenz der entschiedenen Metmmg, daß solcher Boden imr unter Sfcherwngen weitervsrkainft werden darf, die garantieren, daß der Boden in Jüdischen Händen frieübt und die Interessen des Nationalhelms beachtet werden. e) Die Konferenz ist der Ansicht, daß das Minimum - Budget von 1,000.0000 Pfund unzureichend ist und weder der Größe der Aufgabe, noch den auf die erweiterte Jewish Agency gesetzten Hoffnungen entspricht f) Die Konferenz erwartet, daß die erweiterte Jewish Agency nach ihrer Konstituierung ein bindendes Programm abgrbt für die Sic h erun g der Gelder, die wenigstens das in dem Bericht der Kommission vorgeschlagene Minimalbudget decken sollen. AHe diese Vorbehalte, die — besonders m der ‘Präge de® Budgets — einer Ablehnung der Vorschläge mehr afc ähnlich sehen, wurden in derselben Jahres- Konferenz formuliert die Lord M e 1 c h e 11 (Sir Alfred Mond!), da® englische Mitglied der Jewish- Ageney-Kommtssion, zum Präsidenten der zionistischen Federation Englands wählte. Die englischen Zionisten gaben also Lord Melchett s t r i k t e Richtlinien für die weitere Behandlung des Berichtes mit bei der er sicher aktiv einzugreifen haben wird. Sie haben im übrigen sehr entschieden gegen die Landesverweisungen und Prügelstrafen ln Palästina Stellung genommen und in ihren diesbezüglichen Resolutionen richtig hervorgehoben, daß diese Methoden der Palästina-Verwaltung mit der Verpflichtung der Mandatsmacht die Entwicklung des jüdischen Nationalbeiims zu fördern, unvereinbar sind. Viel ziu der allgemeinen Unzufriedenheit mit dem Ergebnis der Londoner Verhandlungen hat die Art der Berichterstattung über die Konferenz bergetragen. Die Berichte kamen geradezu zögernd heraus. Jetzt erst ist der volle Bericht der Kommission (130 Seiten stark) erschienen; er enthält auch die bisher nicht veröffentlichten Expertenberichte. Aus ihnen hat man nicht den Eindruck, daß die Untersuchungen sehr tiefgründig waren; ein Beispiel häefür bietet die Darlegung über die verschiedenen S1 ed 1 u n g s t y p e n. Dort heißt es zunächst: „Die relativen Vorzüge der verschiedenen Biedlimgstypen bilden eine wichtige und gleichzeitig sehr schwierige Frage. Von einem rein wirtschaftlichen Standpunkte aus, liegen noch sicht genügend Daten vor, um bestimmen zu tonnen, welche von den neuen Siedkmigstypen imstande sein wird, sich selbst m erhalten. E® ist keine Frage, daß der Kwuzah-Typ kn ersten Stadium flie nach dieser Methode organisierten Kolonisten in Öen Stand setzte, in kooperativer Arbeit Resultate zu erreichen, die 'bei individueller Initiative nur mit rößeren Schwierigkeiten hätten erzielt werden können- Soweit die 7Men etwa® aussagen, scheinen sie die Vermutung uahezulegen, daß der Moschaw ein wirtschaftlich brauchbareres Instrument ist, als die Kwu'zah. Jedoch Ist auf diese Schlußfolgert! n g aus den verschiedenartigsten Gründen wenig Verlaß.“ Dann aib^r läßt sich der Bericht in sehr schwach fundierte psychologische Untersuchungen ein, auf Grund deren dekretiert wird: die Kwuzah (für deren Versagen es bisher keinen Beweis gibt) ist schlecht und soll nicht aufrechterhalten werden. In dem Abschnitt des Berichtes über die Ran k- und Kreditproblerne findet sich ein bisher unbekannter, sozusagen unverbindlicher Vorschlag der Kommission au! Gründung eiries Instituts für Industrie-, Pflanzungs- und Exportkredite mit einem Kapital von 750.000 bis 1,000.000 Pfund. Dieses Institut soll aber beileibe nicht von der erweiterten Jewish Agency begründet werden, d, h. für eine solche Summe wollen die Tupchtzionisti'schen Partner keine Verpflichtung übernehmen, sondern es soll gewissermaßen „angeregt“ werden. Man erinnert sich dabei unwillkürlich an die berühmte DotMar- Share-vRamk, die Mr. Lee K. Frankel im Vorjahre vorgeschoben hat. Nicht® charakterisiert die „Unverbind'Mchkert“, mit der die nichtzionistischen Partner an die Sache gehen, besser als dieser letzte, auf ein Nebengleise gestellte Vorschlag. ZWISCHEN PETERSPLATZ UNO TUCHLAUBEN TELEPHON ee-O-77 SÄMTL. ARTIKEL, ENTWICKELN UND KOPIEREN nSll=*aBBälill«5|BNI Die Poale Zion gegen den Agency-Bericht Der Bericht der Joint Patestine Survey Commission hat in allen Landesorganisationen des Weltverbandes Poale Zion starke Unzufriedenheit hervorgerufen. Es dürfte bereits jetzt feststehen, daß die Vertreter der Poale Zion in der bevorstehenden Sitzung des zionistischen Aktionskomitees gegen die Annahme des Berichtes mit ganzer Kraft kämpfen werden. Von besonderer Bedeutung sind die Beschlüsse, welche von einer Sonderberatun-g dies Zentralrates der palästinensischen Landespartei der Poale Zton «Achduth Haaivodah» gefaßt wurden, kl diesen Beschlüssen wäd der Agency-Kommission das Recht abgesproohen, der zionistischen Bewegung ihre Meinungen in bezug auf die Kolonisation in Palästina autfzuoktroyieren. Denn die Kommission sei vollkommen einseitig zusammengesetzt, da an ihr weder ein Vertreter der zionistischen Bewegung, noch auch ein Vertreter der Arbeiterbewegung beteiligt sei. Die meisten Beschlüsse der Kommission stehen in absolutem Gegenoek Beste PROVIANT FÜR REISE, SPORT OURISTIK SINO SCHOKOLADE UND BONBONS | m satz zu den nationalen, gesellschaftlichen und moralischen Grundsätzen des Zionismus. Das beziehe sich insbesondere auf den Versuch, das Privateigentum an Boden zur Grundlage der Kotonisationspolitik zu machen, ferner in der gesamten Kolonisation das längst bankrotte Administrationssysteon wieder aufleben zu lassen. Die «Achduth Haavodah», so schließt die Resolution, werde zusammen mit dem gesamten Poalc-Zion-Verbande gegen die Annahme dieses Berichtes sowie gegen diese Agency mit aller Kraft kämpfen. «Achduth Haavodah» befahre nach wie vor dien Gedanken der Erweiterung der für den Palästina-Aufbau tätigen Kräfte verlange aber nachdrücklich die Wahrung des Volkscharakters der Agency und die demokratische Grundlage ihrer Zusammensetzung. Profile unserer Jewish Agency-Partner. Der bekannte Schriftsteller Reuben B r a i n 1 n skizziert im New Yorker «Tag* die führenden Köpfe der «Fifty», der nichtzionistischen Mitglieder der erweiterten Jewish Agency: «Alfred Mond — eine Synthese aus englischem Patriotismus, großindustriellem Sdhöpfergonie und praktischem Zionismus. Er ist ein guter Kenner der zionistischen Geschichte, aller Richtungen und Strömungen in unserer Renaissancebewegung und ist auch mit den modernen Pro? blemen besonders vertraut Ein realistischer Ziffern-, denk er, leicht, elastisch, immer auf dem Sprunge, vom Zeitgeist getrieben und erfüllt. Mond gehört irgendwie zur geistigen Familie Walter Rathenaus, ist aber mit dem Judentum tiefer verbunden als dieser. James Rothschild — erbte die reine zionistische Gesinnung seines Vaters, des berühmten Pariser «Barons*, und wurde in der religiösen Atmosphäre seiner frommen Mutter, der Tochter des glaubensstarken Frankfurter Rothschild, erzogen. Baron James ist Zionist durch und durch, Sportsmann und Phantast. Er kann hebräisch, hat tiefe Beziehungen zu allen zionistischen und jüdischen Problemen und ist ein wahrer Freund der jüdischen. Massen. Er hat die Launen eines Barons und Bohemiens zugleich, lebt bescheiden, einsam und leistet sich zeitweise eine recht sarkastische Verspottung des gedankenlosen Assimilantentums. vor den Obren von Leuten, die i n aller Welt überhaupt nichts kennen und anerkennen, als nur die Berechtigung und Notwendigkeit der eigenen Existenz. Es klingt paradox und Ist doch Wahrheit: Auch zum Vertreter des Deutschtums könnte der Jude nur dann werden, wenn er ganz bewußt Jude ist. Beaconsfield wäre als Kanzler Englands unmöglich gewesen, wenn er alle Welt beständig versichert hätte, er sei der echteste Engländer, statt daß er stolz darauf war, Jude zu sein. Diese Zusammenhänge ahnt Trebitsch im Unbewußten. Er rettet sich aber in krasse Tollkühnheit, Ipielt den Dickfelligen und bleibt doch überempfindsam. Die monomane Angst, nur ja nicht als Jude angesprochen zu werden, drängt Ihn in die albernsten Streitigkeiten. Er ohrfeigt einen Gesinnungsfreund, weil dieser Ihm die Berechtigung absprach, im Namen des deutschen Volkes öffentlich reden zu dürfen. Er führt einen langwierigen Prozeß, weil Herr Irgendwer seine Dcutsch'heit angezweifeüt hatte. Er verkracht sich allmählich mit allen politischen Gruppen, verärgert die Natlonalscwialen, überwirft sich mit Kirche und Klerus. Er kommt schließlich dahin, Rom und Juda in einen Topf zu werfen. Der Katholizismus ist das Werk des ludentums und mithin das Werk des Teufels. Er zieht lortan in einem Atem gegen «Juden und Jesuiten» vom Leder. Er veranstaltet Vorträge und zieht von Stadt zu Stadt, Diese Vorträge nimmt er ungeheuer ernst. Er behandelt jeden gelegentlichen Vortrag als ein Manifest an daß deutsche Volk. Und indem er vor ein paar hundert Leuten spricht, empfindet er sein Auftreten als rine Tat, wie die Tat Luthers, als dieser die Bannbulle rerbrannte. Seine wirklichen Erfolge stehen in gar keiusm Verhältnisse zu dem Leben, das er in seiner Phantasie führt. Er gibt mit jeder Rede, mit jedem Artikel »eine ganze Seele preis. Manchmal gelingt es Ihm wohl, die Menschen bis zu Tränen zu rühren und einzelne entfesselt er zu Ekstasen. Im allgemeinen aber gilt er nur als ein interessanter Fall, als ein Unikum, das man gelegentlich wohl einmal reden läßt und sich anhört, mit Wohlwollen und mit Befremdung. Keine Gruppe vermag den Einzelgänger zu tragen. Keine Partei steht hinter dem Unangenehmen. Allmählich verläuft sich auch der kleine Kreis persönlicher Anhänger. Er opfert »eine Gesundheit, er verliert sein Vermögen. Schließlich gerät ec in einen Seelenzustand heimlicher Raserei, ähnlich den Monomanien August Strindbergs in dessen Pariser Zeit Er wird mit der Forderung, als deutschester der Deutschen zu gelten, immer rechthaberischer. Wer ihm nicht unbedingt zustimmt, ist ein Feind. Er wird wahllos in den Mitteln und leichgläubig in der Richtung der ihn beherrschenden Schrulle. Ungleich geistiger als die naiven Fanatiker des Nationalismus, etwa General Ludemdorff und seine Gattin oder als der Vofliksmahn Hitler, wirkt er doch lächerlicher alis irgendein anderer dieser die Lächerlichkeit nicht scheuenden Gruppe, weil er nicht naiv, nicht unbefangen seine Fiktionen zu predigen vermag. Die «Protokolle der Weisen von Zion», jenes lächerlich dumme Werk, das längst als plumpe Fälschung entlarvt ist, wird von ihm ganz ernst genommen und ausgenutzt zu ernsten Beweisen für eine drohende Welt? gefahr und für die satanischen Machtpläne der Juden. Und je nachhaltiger in ihm der Gedanke wühlt: «Der Jude muß vernichtet werden, auch der Jude in meiner eigenen Seele», um so drohender schwillt die geheime Angst: «Es wird ein Rückschlag kommen, der Jude wird sich an Dir rächen.» So überwuchert denn allmählich der Verfolgungswahn die Größenideen. Etwa seit 1925 begann er öffentlich zu sprechen, daß die Juden und die Jesuiten gegen ihn eine geheime Ver- | sebwörung begründet hätten, daß man Ihn zu vernichten trachte und daß er keines natürlichen Todes sterben werde, ln seinem Vorstellungsleben spielen, ähnlich wie bei Strindberg in dessen Pariser Zeit, vergiftete Weilen eine fatale Rolle. Er fühlt sich unter dem Einfluß von Fernstrahlen oder -strömen, die seine Gedanken beherrschen, ihm Giftiges zuraunen und seine Gesundheit bedrohen. Und wie jeder Gedanke eine Kraft ist, die in die Farne wirkt, so werden die Gegenstände seiner Umgebung, die er magnetisch glaubt, auch in der Tat magnetisch. Wir kennen diesen Typus der Leidenden aus der Klinik. Eine ungemein gesteigerte Reizempfindlichkeit kann in der Tat dahin wirken, daß eine jede Schwankung, von Seele zu Seele wie ein körperlicher Schock empfunden wird. Unfreundliche Gedanken, die einem Kranken begegnen, machen ihn krank, und so weiß man nie: ißt die Ueberempfindlichkeit die Folge eines objektiv begründbaren Leidens oder entsteht das Leiden erst dank einer überempfindlichen Einbiädsungskiraft. Arthur Trebitsch lebte schließlich wie jene Strablenscheuem, d/ie gegen Gewitter sich Glashäuser bauen. Er forderte die Regierungen auf, doch darüber m wachen, daß die Experimente mit Wellen, welche nicht ins Bereich menschlicher Sinne falten», nur von «arischen Physikern» angesteMt werden dürfen. Es bestehe eine internationale Komorra der jüdischen Techniker und Ingenieure. Jene Teile der Physik, welche für die künftige Menschheit verhängnisvoll werden könnten, würden nach dem Entschlüsse der Weisen von Zion ausschließlich von jüdischen Physikern und Mathematikern in Angriff genommen. Dies war schon Irrsinn. Aber schrecklicher noch trat der krankhafte Verfolgungswahn hervor, als er die «arischen Forscher» au ff orderte, an ihm zu experimentieren. Man möge doch seinen. Schädel messen. Er habe durchaus den ddichokephalen Germanen- und Gotenschädel. Man möge doch sein Blut untersuchen. Sein Blut reagiere durchaus wiie reines Germanenbhit. Auch sein Gehirn sei das typische Germ anenhirn. Alle Albernheiten seines Freundes Arthur Diuter wurden von Trebitsch tiefernst genommen. Schließlich stand seine ganze Geistigkeit nur noch im Dienste seiner alles m sich einberiehenden Wahnidee. Als endlich der freie Tod dies gequälte Leben endete, da vollendete sich folgerichtig eine Entwicklung, die me etwas anderes gewesen war als ein lavierter, lang ausgedehnter Selbstmord. Ein Freund schildert uns sein Ende folgendermaßen: «Arthur Trebitsch hat in den letzten Jahren seines Lebens an Verfolgungswahn gelitten. Es war ein seltsamer Wahn, der sich auf einen ein zögen Punkt konzentrierte. Auf allen anderen Gebieten des Geistes war Trebitsch bis zuletzt von seltener Klarheit, Schärfe und Logik. Ihn sprechen zu hören, war ein Genuß, so lichtvoll waren seine Gedankengänge. Er war überzeugt, daß die «Alliance israelite», eine «geheime» Bruderschaft, ihn ermorden wolle, wie sie ale Menschen, die ihr nicht genehm seien, einfach verschwinden lassen könne. Diese Gesellschaft arbeite mit besonderen Geheimmitteln, mit drahtlosen Strömen oder mit Giftgasen, die sie durch üu Mauern sende. Er behauptete, Ströme u. Gase zuiilliLn. Nächtelang wanderte er in seiner großen Wiener \Ychuung von Zimmer zu Zimmer. Sein Bett stand aut Glasfüßen, um es zu isolieren. Die Zimmer waren mit isoüerenden

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