Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1928)
- Date
- 1928-07-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 28 DIE STIMME Seite </ kommen Sie alles bei uns. Besuchen Sie uns unverbindlich, lassen sie sich unsere reichhaltige Auswähl in feinsten Seidenwaren in den allerneuesten Dessins, Etamine, Voile, Regenmäntel, Strich- und Wirkwaren, Badeartikeln, Wäsche, Modewaren usw. zeigen! Wir bringen unter anderem: Diagonal- Seide, per Meter S 1.98, Satin de Chine, alle Farben, zu S 2.50, Seiden-Brokate, für Futterzwecke, 85 breit, zu S 2.50, Waschseide, herrliche Dessins, zu S 2.90, Rejane, reine Kleiderseide, 90 breit, zu S 2,90, Crepe Marocaine, reine Seide, alle Farben, 100 breit, zu S 3.90, Mantclseide, schwarz und farbig, 95 breit, zu S 4.90, Crepe de Chine-Imprime, 100 breit, zu S 7.90, usw,!n unserer Resien-Sckwemme (im Tiefparterre) kaufen Sie: Modernste Kteider-De laine, per Meter 89 Groschen, K.-Seide, per Meter 98 Groschen, Orig. 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Prof. Mayer hat diesen Briefwechsel jetzt herausgeben; es sind einige Briefe Lassalles und zwei Billets Bismarcks. Gleich das erste Billet zeigt, daß der ,.eiserne“ Kanzler (wie so viele sogenannte eiserne Männer), sich aufs Lügen verlegte, wenn er nicht den Mut aufbrachte, für das, was er tat, einzustehen. Seine Behauptung in öffentlicher Sitzung des deutschen Reichstages, von Lassalle sei der Wunsch nach einer persönlichen Begegnung ausgegangen, war eine bewußte Unwahrheit (was übrigens August Bebel, ebenso wie Lassalle, einer der wahrhaftesten Menschen, Bismarck damals auf den Kopf zusagte); in dem jetzt gefundenen Briefwechsel widerlegt das erste Billet von Bismarcks Hand (datiert vom 11. Mai 1863) Bismarcks Behauptung; es lautet: „Euer Wohlgeboren benachrichtige ich ergebenst, daß es mit Rücksicht auf die über die Verhältnisse der arbeitenden Klasse schwebenden Beratungen in der Absicht liegt, die gutachtliche Aeußerung unabhängiger Männer, die sich mit der Frage beschäftigt haben, zu hören. Aus diesem Grunde würde es mir erwünscht sein, wenn Euer Wohlgeboren mir Ihre Ansicht über den Gegenstand mitteilen wollten. v, Bismarck." Die erste Unterredung zwischen Bismarck und Lassalle scheint ein bis zwei Tage später stattgefunden zu haben. Bismarck wollte, wie aus den an ihn gerichteten Briefen Lassalles hervorgeht, diesen offenbar für seinen Kampf gegen die Fortschrittspartei gewinnen und versprach die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes sowie den Anschluß der Krone an das Volk. Darauf bezieht sich Lassalles erster großer Brief, der die Durchführung dieser Ideen erörtert. Auch eine Reihe späterer Briefe behandeln die Fragen des allgemeinen Wahlrechtes, des sozialen Volkskönigtums und dergleichen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Kriege Preußens gegen Dänemark. Aus den Briefen, die bis in das Jahr 1867 reichen, geht auch hervor, daß Bismarck Lassalle vor Verfolgungen seiner Person und seiner Schriften mehrmals in Schutz nahm. Die Verbindung zwischen den beiden Männern riß jäh ab. Auf einen Brief Lassalles, der um eine Unterredung bat, ließ Bismarck durch eine seiner Subalternkreaturen, den Regierungsrat v. K e u d e 11 antworten, er habe keine Zeit. Lassalle quittierte diese Junkergrobheit gebührend in einem Schreiben, das wie folgt schloß: „Selbstredend, daß ich, ehe ich Eure Exzellenz wieder inkommodiere, die Initiative Eurer Exzellenz abwarte.“ Bismarck und Lassalle sahen einander nicht wieder. Zeitungsjubiläum in Erez Israel (Von unserem Berichterstatter.) Dieser Tage feierte Erez Israel ein kleines Jubiläum: den zehnten Geburtstag der hebräischen Tageszeitung „Haarez" (Tel-Aviv), die unter der Redaktion des bekannten hebräischen Publizisten Doktor M. Glückson steht. „Haarez", heute die größte hebräische Tageszeitung, hat auf das Werden des palästinensischen Jischuw bedeutenden Einfluß genommen. Trotz allen besonderen materiellen und geistigen Hindernissen, vollzog der „Haarez" an sich im Laufe seines zehnjährigen Bestandes die Entwicklung aus einem kleinen offiziellen Nachrichtenblatte, das im Jahre 1918 im Aufträge des Obersten englischen Militärstabes in Kairo zu erscheinen begann, zu einem großen modernen Blatte, das allen Anforderungen europäisch orientierter Leser entspricht. Die Entwicklung des „Haarez" bietet zugleich ein treues Abbild der Entwicklung Erez Israels in den letzten zehn Jahren. Seiner Richtung nach ist „Haarez" liberal, hält in der Beurteilung der öffentlichen Erscheinungen Erez Israels die „goldene Mitte“ und hält sich von jeder Sensationsmacherei und radikalistischen Hysterie fern. Diese Zeitung drückt nicht die Meinung einer Partei oder Gruppe aus, sondern bemüht sich, immer als Organ des ganzen Jischuw den allgemeinen politischen und sozialen Interessen Erez Israels unvoreingenomme i zu dienen. Obgleich man in manchen Kreisen für den „gemäßigten Ton" des „Haarez" wenig Verständnis zeigt, ist das Ansehen des Blattes in ganz Erez Israel und weit über die Grenzen des Landes, in der ganzen jüdischen Welt, in seiner publizistischen Solidität fest begründet. Auch die ausländische Presse, insbesondere die englische, stützt sich in ihrer Beurteilung palästinensischer Dinge sehr oft auf die Meinungsäußerung des „Haarez“. Zum Erfolg dieses Blattes hat in erster Linie sein gegenwärtiger Redakteur, Dr. Glückson, ein Mann von großer Bildung und publizistischer Fähigkeit, beigetragen. Ihn: zur Seite stehen einige der bewährtesten Journalisten und Schriftsteller Erez Israels, die dem Blatte in Treue ergeben sind und denen es auch sein hohes Niveau verdankt. Zehn Jahre sind im allgemeinen eine kurze Zeitspanne. In Erez Israel aber, wo alles noch im Werden begriffen ist, wo das Leben täglich neue Formen schafft, bedeutet dieser kurze Zeitraum, der mit der Balfour- Deklaration beginnt, einen wichtigen geschichtlichen Abschnitt in der allgemeinen Entwicklung des jüdischen, Jischuw. Diese zehnjährige Geschichte des neuen Erez Israel hat der „Haarez" zweifellos machen geholfen und ir. diese :i Sinne ist das Jubiläum dieser hebräischen Zeitung auch ein Festtag für die Zionistische Organisation in allen Ländern. Menache m. Das erste Pressejubiläum im neuen Palästina: Die Redaktion der hebräischen Tageszeitung „Haarez“. (In der Mitte sitzend: Der Chefredakteur M. Glückson.) Zwanzig Jahre nach der Czernowitzer Sprachkonlerenz Im August d. J. weiden zwanzig Jahre verflossen sein, seit über Initiative von Dr. Nathan Birnbaum die jüdische Sprachkonferenz in Czernowitz zusammentrat, an der alles, was an der damals aufstrebenden jüdischen Literatur und Sprachkultur aktiv oder fördernd teilhatte, anwesend war. Scholem Alechem, Mendele Mocher, Sforim, Perez, Schaloin I* ‘7T( l '{ : , \ \ \\ zeigen Kruaniks entzückende eigene Schüpfungen und Nodelle der _ ersten PariserlNodehäuser Duftige Sommerkleider, hochelegante Complets, fesche Kostüme "und Mäntel, hochaparle Abend- und Gesellschaftskleider aus edelstem Material und in den reizendsten Modefarben zu enorm billigen Preisen IIS UPM! NUR VH. KAISERSTR. 115 Wir haben nirgends Filialen! Anerkannt größtes Spezialhaus Österreichs Asch, Abraham Reisen, Chaim Schitlowski, sie alle, die heute zu den Klassikern des jüdischen Schrifttums gehören, nahmen damals als Kämpfer für den jüdischen Kultusgedanken an der Konferenz teil. Seither hat sich die jüdische Literatur einen wichtigen Platz in der Weltliteratur erworben, seit die jüdische Presse, die jüdische Schule zu mächtigen Gebäuden herangewachsen, wurden jüdische wissenschaftliche Institute begründet. Alle diese Formen des lebensvollen Zweiges jüdischer Literatur nahmen ihren Ausgang von der Czernowitzer Sprnchenkonferenz. Es ist daher begrüßenswert, daß der jüdische Schulverein für die Bukowina am 11. u n d 12. August eine Jubiläumsfeier dieser Sprachkonferenz veranstaltet. Er lädt alle Freunde der jüdischen Sprache, auch alle Teilnehmer an der jüdischen Sprachkonferenz des Jahres 1908 auf dem Wege der Presse zu dieser Feier ein. Informationen erteilt das Büro des Scbulvcreines, Czernowitz, Heinegasse 3, Jüdisches Haus. Opatoschu beim König von Norwegen j Der bekannte jüdische Schriftsteller Josef Opatoschu, I Verfasser der »Polnischen Wälder« und anderer hervorragen-! der epischer Werke, der als Delegierter des jüdischen j P. E. N.-C I u b s an der in Oslo stattgefundenen Konferenz l der Internationalen P, E. N.-Clubs teilgenommen hat, ist vom j König von Norwegen in Audienz empfangen worden. Der Köi nig unterhielt sich mit dem jüdischen Schriftsteller über das | jüdische Schrifttum in alter und neuer Zeit. I Die jüdischen Literatur- und Gescbichtsvereine in j Deutschland! Vor kurzem fand der Delegierlentag des Verbandes der . Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland j statt. Aus dem schwachen Besuch der Tagung (nur 19 Dele- I gierte aus dem ganzen Reiche waren anwesend) war der Schluß zu ziehen, daß die einst so blühenden Literaturvereine gegenwärtig nur ein Schattendasein führen. Daher drehte sich, im Anschluß an den Bericht des Verbandsvorsitzenden Prof. E 1bogen und an das Referat von Rabbiner Dr. N e u f e 1 d (Elbing) über die Tätigkeit des Bezirksverbandes Ostpreußen, die Diskussion, an der sich alle Anwesenden beteiligten, um die Frage, ob die Zeit der Literaturvereine vorbei sei, oder ob bei intensiver Arbeit die Möglichkeit bestände, die Vereine neu zu beleben. Einmütig wurde am Schlüsse der ausführlichen Debatte festgestellt, daß eine Neuorganisation der Literaturvereine sofort in Angriff genommen werden müßte. Der Verband solle zu einer Zentralstelle für das jüdische Bildungswesen ausgebaut werden, welche den Gemeindevereinen (für Gemcindeabende) und sonstigen jüdischen Organisationen Gruppenredner für Vorträge zur Verfügung stellt. Wanderbibliotheken und Kulturfahrten sollten dafür sorgen, daß das jüdische Leben in kleinen und kleinsten Gemeinden nicht erstarre. In den Vorstand wurde Studienrat Dr. Paul Michaelis Berlin, ncugewählt. Ein Jahrbuch wird der Verband 1928 nicht herausgeben, dafür bereitet er für 1929 ein Mendelssohn- Gedenkbuch vor. Ein neues musikalisches Wunderkind: Der lOjährige Geiger Jules S e i dm a n n in New York, der in einem Konzert in Carnegie-Hall sensationellen Erfolg erzielte und jetzt in den New Yorker Radiokonzerten mitwirkt. üü IH Monographien jüdischer Künstler Im Pariser Verlag »Le Triangle« erscheint jetzt eine Sammlung von Monographien über jüdische Künstler in französischer und jiddischer Sprache. Zwei Monographien (»Soutine« von Waldemar George und »Kisling« von Florent Fels) sind bereits französisch, vier, und zwar über Chagall, Modigliani, Liebermann und Pissarro jiddisch erschienen. Demnächst erscheinen »Pascin« von Charensol, »Jacques Lipschütz« von W. George, »Lesser Ury« von Karl Schwarz, »Maurice Gottlieb« von Schalom Asch, »Joseph Israels« von Gustave Kahn, »Eugen Zack« von M. Gauthier u. a. « Renaissancebühne. Auch Jarno hat für den Sommer schon sein Verbrecherstück im Topf. Es führt den knalligen Titel »Hände hoch!« und ist natürlich amerikanischer Herkunft. Natürlich wird kräftig »verbrochen«, ein Raubüberfall auf einen Juwelierladen am hellichten Tage wird sogar dem Publikum mit allen Details demonstriert (übrigens ein aparter szenischer Einfall). Stellenweise fallen lustige Bemerkungen über Geist und Gemüt der Verbrecherwelt und der Führer einer Räuberbande ist Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle. All das und noch mehr, was man so aus der Kriminalliteratur kennt, wird behaglich vorgebracht, auch die Schüsse haben etwas Behagliches an sich, so freut sich das »anständige« Publikum und Jarno hat seine Sommerspielzeit mit einem Zugstück besetzt, das er lebendig mit Radio, Grammophon, Extraausgaben, Kneipenzauber u. dgl.) inszeniert hat und von den Damen Waldn e r und Halden, den Herren A i c h i n g e r und Reinhardt flott herunterspielen läßt. Auch als Talente-Entdecker hat sich Jarno wieder bewährt, indem er einen sympathischen und begabten Bonvivant, Siegfried Breuer, in einer gutsitzenden Rolle sehen läßt. Und — last not least — spielt Direktor Jarno selbst mit; er macht aus der Charge eines alten »romantischen« Verbrechers eine einprägsame Gestalt, die man I nicht leicht vergißt. —tz. 020001020253534853532323235348235348532348532323 0102000202020001000202020202024823534853234853232323532323232323535348532323532323534823232353532323