Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1928)
- Date
- 1928-07-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3053753-3053780--0460-3055738- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 8 DIE STIMME Nr. L'8 143.619, Gesundheitswesen 105.460, administrative Ausgaben 127.619 Pfund. Das Staatsdefizit für die ersten drei Monate 1928 beläuft sich auf 137.033 Pfund. * Soeben ist in Jerusalem eine Regierungsverordnung veröffentlicht worden, wonach religiöse, Unterrichts¬ und Wohlfahrt s-Institutionen von Sleuerleistung und Zollabgabe befreit sind. Das Büro des Völkerbundes hat dem palästinensisch-arabischen Kongreß sein an den Völkerbund gerichtetes Telegramm mit den vom arabischen Kongreß angenommenen Resolutionen zurückgeschickt, da nach den formalen Bestimmungen die Einwohner der Mandatsgebiete Petitionen an den Völkerbund nur durch die betreffenden Regierungen übermitteln können. Die jüdische Gemeinde Der Kampf um die jüdische Volksgemeinde Kultus Vorsteher Dr. Friedmann über die bevorstehenden Wiener Kultuswahlen. Als Gast der Zionistischen Studentenschaft sprach Dienstag den 26. Juni im Vereinsheim am Bennoplatz der Obmann des Klubs der zionistischen Mandatare in der Kultusgemeinde Herr Dr. Desider Friedmann über die Haltung der Zionistischen Partei bei den bevorstehenden Kultuswahlen. Einleitend warf der Redner die Frage auf, warum überhaupt die Zionisten getreu der Herzischen Parole: »Eroberung der Kultusgemeinde«, danach streben, ihren Einfluß in der Kultusgemeinde geltend zu machen. Er führte aus, daß es unsere vornehmste Aufgabe sei, den jüdischen Menschen in der Dias- Dora geistig auf Palästina . einzustellen. Palästina könne nur gebaut werden, wenn es ein starkes tragfähiges jüdisches Hinterland in der Diaspora besitze. Die Kultusgemeinde sei die offizielle jüdische Tribüne, von der wir zu den jüdischen Menschen sprechen und auf ihre Einstellung zu jüdischen Dingen Einfluß nehmen können. Durch unsere Anregungen, durch unsere Auffassung von der Erfüllung der uns übertragenen Mandate können wir allmählich der Kultusgemeinde einen neuen Inhalt geben, durch unseren Einfluß dahin wirken, daß sich die jüdische Gemeinde immer mehr und mehr zu einem sozialen Gebilde entwickelt., das den religiösen, nationalen und geistigen Bedürfnissen des jüdischen Menschen Rechnung trägt. Es sei als eine Etappe in dieser auch dem Außenstehenden sichtbar werdenden Entwicklung anzusehen, wenn die Wiener Gemeinde jährlich dem Palästinaaufbau die Summe von 50.000 S zuwendet und dadurch den Boden der Vorsorge für rein lokale Bedürfnisse verläßt, um an einer Aufgabe des Gesamtjudentums mitzutun. Vom gleichen Gesichtspunkte der anzustrebenden Erweiterung des Tätigkeitsgebietes der Gemeinde über den ihr durch das Gesetz gezogenen engen Wirkungskreis sei es auch zu werten, wenn die Gemeinde derzeit weit größere Beträge für jüdische Erziehungszwecke in ihrem Budget auswerfe als früher, daß die Bibel- und Talmudthoraschulen auf neue Grundlagen gestellt und dem Hebräischen als lebendiger Sprache ein, wenn auch nur bescheidener Platz eingeräumt wurde. Allerdings dürfte hiebei nicht übersehen werden, daß diese Fortschritte nur erzielt werden konnten, weil unsere Forderungen auf dem Gebiete des Schul- und Erziehungswesens und der unserer Forderung der Erweisung des sichtbaren Interessements an dem Aufbau Palästinas von dem lebhaften Willen eines großen Teiles der jüdischen Bevölkerung getragen wurden. Unser Ziel sei die jüdische Volksgemeinde, in deren Wirkungskreis alles zu fallen hat, was für uns Juden, als nationale und religiöse Minderheit, aus unserer Eigenart sich ergebendes spezifisches Bedürfnis ist. Eines der bedeutsamsten Mittel zur Erreichung dieses Zieles sei unsere alte Forderung nach Einführung des allgemeinen Wahlrechtes, denn es sei klar, daß der erweiterte Wirkungskreis einer volkstümlichen Gemeinde nicht auf einem Wahlsystem basieren könne, das auf den Steuerzensus zugeschnitten sei. Jedem Juden ohne Unterschied müsse das Recht zustehen, auf die Verwaltung der Gemeinde Einfluß nehmen zu können. Zum allgemeinen Wahlrecht in der Kultusgemeinde werde man nach Ansicht des Redners kaum anders gelangen können als dadurch, daß man die Entsendung einer größtmöglichen Anzahl von zionistischen Kultusvorstehern in die Gemeindevertretung mit allen Kräften anstrebe und verfolge. Für eine Aenderung des Wahlrechtes durch Anwendung außerparlamentarischer Druckmittel fehlen zumindest derzeit die notwendigen Voraussetzungen, Wenn in der Mandatsperiode 1920 bis 1924 die Bestimmung der Wahlordnung, nach der das aktive Wahlrecht ausschließlich auf österreichische Staatsbürger beschränkt war, zu Fall gebracht werden konnte, so sei dieser Erfolg in erster Linie darauf zurückzuführen, daß der Wille breiter jüdischer Massen diese einschränkende Bestimmung als unerträglich empfunden hat. Heute fehle für eine starke Wahlrechtsbewegung leider die notwendige Resonanz in den jüdischen Massen. Die mangelnde Aktivität in der Bevölkerung könne durch die noch so energische Vertretung der Wahlrechtsforderungen durch die Mandatare nicht ersetzt werden. Hiebei müßte auch bedacht werden, daß eine oppositionelle Gruppe in der Kultusgemeinde zur Durchsetzung ihrer Forderung nicht schrankenlos die üblichen parlamentarischen Mittel jederzeit zur Anwendung bringen könne. Unsere Verbindung mit der Kultusgemeinde, unser Interesse an ihrem Bestand legen uns gewisse Beschränkungen auf. Die Grenze sei dort zu finden, wo die Gefahr eines Schadens für die Gemeinde aktuell werden könnte. Der Redner beschäftigte sich sodann eingehend mit den beiden Gruppen, mit welchen bei den nächsten Kultuswahlen der Wahlkampf auszutragen sein wird. Er verwies darauf, daß die sogenannten werktätigen Juden eine Gruppe ohne spezifisches jüdisches Programm darstellt, daß in ihren Reihen über die wichtigsten Probleme, wie Erziehung, Autonomie der Kultusgemeinde, Minderheitsrechte die verschiedensten einander entgegengesetzten Ansichten bestehen. Die Gruppe stelle keine Zusammenfassung von Menschen dar, die eine einheitliche Auffassung in jüdischen Dingen habe; die Gruppe der werktätigen Juden sei eine Vereinigung österreichischer Sozialdemokraten jüdischer Konfession, die wegen ihres assimilatorischen Charakters in gleichem Maße zu bekämpfen sei wie jede andere Gruppe dieser Art. * Zwischen unseren Auffassungen und denen der Union bestehen grundlegende Verschiedenheiten, die nicht ausgeglichen werden können. Die jüdische Bevölkerung muß entscheiden, zu welchem Programm sie hinneigt. Diese Entscheidung kann aber nur durch die Wahl erfolgen. Es gehe nicht an, vier Jahre lang ein Programm zu entwickeln und es zur Zeit der Wahlen in die Tasche zu stecken. Die Entscheidung der jüdischen Bevölkerung könne nur erfolgen, wenn wir eine Koalition nicht abschließen. Wien 1., tRe>leniuvm~ strafte 2Vz>. 22 "Die beste und billiffsle Sinkuuts* quelle £>inheiis~ S 7-— S 9- S 12*— m». Durch rastlose Aufklärungsarbeit müsse dahin getrachtet werden, daß die Entscheidung am 2. Dezember zu unseren Gunsten ausfalle. Der politische Referent der Zionistischen Studentenvereine Dr. Max K i w e dankte dem Redner für seine mit großem Beifall aufgenommenen, instruktiven Ausführungen und forderte die Studentenschaft auf, sich restlos in den Dienst der Sache zu stellen. Er präzisierte dann auch die Forderungen der jüdischen Studentenschaft an die Kultusgemeinde. Redner verlangte die Errichtung von jüdischen Kindergärten, Volksschulen, Bürger- und Mittelschulen sowie die Errichtung von jüdischen Hochschulkursen, ferner die Sicherung des Bestandes der Mensa und die Errichtung eines jüdischen Studentenheimes. Für die jüdischen Akademiker müssen Stellen in der Kultusgemeinde geschaffen werden, Lehrämter für die Philisophen und Stellen im Verwaltungsrat für die Juristen und Staatswissenschaftler. Nur so werde es gelingen, die jüdische Studentenschaft den Verlockungen zu entziehen, die ihnen bei dem Uebertritt in das sozialdemokratische Lager winken. Die Staatssubventionen für die religiösen Minderheiten Oesterreichs. Auf der kürzlich stattgefundenen alt katholischen Kirchensynode der österreichischen Diözese wies Bischof T ii c h 1 e r darauf hin, daß die sehr bescheidene staatliche Subvention nicht ausreiche, um die durch das Anwachsen des Altkatholizismus in Oesterreich sich ergebenden Erfordernisse zu decken. Einem Ansuchen um Erhöhung der Subvention steht die Regierung bisher ablehnend gegenüber. Daher wurde nach einem Referate des Syndikus der Altkatholiken,. Dr, K I i m o s c h, beschlossen, wenn die Regierung bei ihrer ablehnenden Haltung beharren würde, entsprechend den Bestimmungen des Friedensvertrages von Saint G e r m a i n durch eine Klage beim Verfassungsgerichtshof erhöhte staatliche Beitragsleistungen auf Grund des Minoritätenschutzes zu verlangen. Es gibt weit weniger Altkatholiken in Oesterreich als Juden und der Staat subventioniert sie, wenn auch in unzulänglichem Ausmaß, während die Juden Wiens für die Bedürfnisse ihrer Kultusgemeinde bisher überhaupt keine staatliche Subvention erhalten; ein Betrag von sage und schreibe fünfhundert Schilling für die israelitisch-theologische Lehranstalt ist der einzige staatliche Zuschuß für die Juden Oesterreichs. Auf diesen unwürdigen Zustand haben die zionistischen Mandatare im Kultusvorstand jahrelang hingewiesen und verlangt, daß die Kultusgemeinde auf Grund des Friedensvertrages das Recht auf staatliche und Gemeinde-Subventionen geltend mache. Nach jahrelangem Sträuben hat der Wiener Kultusvorstand endlich beschlossen, diesen Weg zu gehen, der schon längst hätte eingeschlagen werden sollen. Wie er mit Aussicht auf Erfolg zu gehen ist, dafür gibt der Beschluß der altkatholischen Diözesanversammlung (die sich nicht scheut, die Minoritätenschutzbestimmungen anzurufen) ein wirksames Beispiel, dem die jüdischen Gemeinden Oesterreichs folgen sollen. Austritte aus dem Judentum Schwarz Paul, 5.4.1897, Wien, ger. gesch., II., Engerthstraße 177. Bohensky Otto, 6. 8. 1900 Wien, led., II., Wehlistraße 174. Keller Hans (Kohn), 6. 1, 1909, Wien, ledig, XVIII., Köhlergasse 20, Landesmann Leopold, 2. 12. 1898, Wien, ledig, IX., Pichlergasse 4. Löwenhöck Norbert. 26. 4, 1903, Lemberg, ledig, IX., D'Orsaygasse 9. J e 1 l i n e k Karl, 17. 7. 1902, Wien, ledig, XX., Allerheiligenplatz Nr. 15. Schlesinger Eduard, 25. 7. 1903, Wien, led., II., Vorgartenstraße 199, Bjely Lea, 7. 1. 1914, Wien, led,, I„ Wollzeile 13. Braun Rosa Helene geb. Wolf, 2. 7. 1902, Wien, geschieden, XIV., Grimmigasse 26. Fisch mann Charlotte geb. Jagitsch, 5. 11. 1895, Wien, verw,, XV., Reuenthalgasse 2. Deutsch Oskar, 29. 10. 1900, Wien, verh., II., Lessinggasse 15. Deutsch Gerlrude, 14. 5. 1927, Wien, led., XV., Lessinggasse 15. Gottlieb Adolf, 8. 3. 1876, Wien, led. VII., Kandlgasse 16. Sonnenschein Fritz, 2. 5. 1921, Wien, led., ohne Adresse. Barjantsky Leon, 17. 12. 1880, Odessa, ger. gesch., VI., Mariahilferstraße Nr. 31. Hercz Maurus, 19. 8. 1888, Moson, verh., V., Kettenbrückengasse 23. Hercz Wilhelm, 4, 3, 1922, Wien, led., V., Kettenbrückengasso 23. Meisl Hildegard, 5. 9. 1911, Lemberg, led., XIII., Hernsdorferstraße 13. Kun Eugen (Jenö), 29. 3. 1909, Budapest, led., V., Wehrgasse 11. Ketzer Johann, 6. 12. 1892, Bergreichenstein, verh., XIII., Linzerstraße 245. Hlawatsch Arthur, 16. 11. 1888, Wien, verh., V., Stolberggasse Nr. 19. Silberstein -Ella, 15. 2, 1901, Lemberg, led,, IT., Lassallestraße 5. Leinmüller Friederieke geb. Pleban, 5. 3. 1902, Wien, verw., XVII., Weidmanngasse 20, H u t h Hertha, 29, 4. 1922, Wien, led., XVII., Weidmanngasse 20. Dr. J akoibi Moritz, 27. 12. 1859, Karlsburg, verh., XVIII., Währingerstraße 82. iS p a t z Sofie (Zofja), 17. 7. 1898, Brody, led., XVIII., Semperstraße 41. Schenierer Hans Theodor, 10. 4, 1909, Wien, led., XIX,, Kobenzlgasse 37. Wir sind genötigt, unser Riesenlager in Sommerwaren jeder Art gründlich zu räumen. Das zwingt uns, unsere bekannt billigen Preise, noch um ein Erkleckliches zu reduzieren. Es bietet sich daher jedermann eine selten wiederkehrende Gelegenheit, seinen Warenbedarf zu unerhört niedrigen Preisen zu decken. Wir veranstalten daher ab Montag, den 2. Juli, einen Sommerräumungsverkauf mit großen Sensationen. Schon ein Blick in unsere Schaufenster, ein Vergleich des Preises und der Qualität der dort zur Schau gestellten Sommerwaren jeder Art wird Ihnen zeigen, daß unsere Leistungsfähigkeit unerreichbar ist. Sie müssen, bevor Sie Ihren Urlaub antreten, Ihre Garderobe vervollständigen, für Strand und Land be-