Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1928)
- Date
- 1928-07-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE STIMME Nr. 28 I ml m IB li B 2fm I adi M131 MHI ls33l*H«ÄMal*iiSI«liJIS! l3ll3'*MällH»l=|BfliaHP ZWISCHEN PETERSPLATZ UND TUCHLAUBEN TELEPHON 66 0-77 SÄMTL. ARTIKEL, ENTWICKELN UND KOPIEREN '- C ’.v i! i n (Distrikt Radom). Dort wurde bei Nacht die ..a^oge von unerkannt gebliebenen Tätern geschändet. Am Morgen iand man die Tür zur Synagoge gesprengt, die Thora- L a J. e erbroc h e n und die 1 h o r a - R o II e n in 8 i ü c k cu z e r i e i 2 t horumliegen. Kleine Nachrichten Da die Budapcstcr Jüdische Gemeinde jetzt in der Nachbarschaft des Tempels in der Dohanygasre. nr: der Stelle, wo früher das Geburtshaus Theodor Herzls stand, ein monumentales Gebäude für kulturelle Zwecke errichtet, hat der Ungarische Zionistenverband in einem, dem Präsidenten der Buüapester Gemeinde, Hofrat K a s z a b, überreichten Memorandum die Anbringung einer Herzl-Gedenktafel angerucht. Die Budapester Jüdische Gemeinde dürfte diesem Wunsche nachkommen, sodaß im Laufe des nächsten Jahres, in dem sich der Todestag Herzls zum 25. Male jährt, im Rahmen einer zionistischen Weltfeicr diese Tafel eingeweiht werden dürtte. * Der ungarische Filmindustrie-Fonds, eine amtliche Institution zur Förderung der ungarischen Filmindustrie, hat den als Judenhetzer berüchtigten Offizier Kalman Zsabka mit der Herstellung eines Filmes betraut, dessen Bestimmung cs sein soll, die ungarische Filmindustrie im Auslande zu repräsentieren. Das Textbuch ist durchaus antisemitisch. Fs wird dies der erste antisemitische Film in Ungarn sein, der dazu noch mit behördlicher Unterstützung und aus öffentlchen Geldern hergestellt wird. * In mehreren Städten der Slowakei wurden viele Hunderte von jüdischen Gebetbüchern konfisziert, die aus Ungarn eingeschmuggelt wurden und Gebete für die „Befreiung \om tschechoslowakischen Joch und die Wiederherstellung des alten ungarischen Reiches" enthielten. * Die am 8. Juli stattgefundene Jahresversammlung der englischen Zionisten hat an Stelle des zurücktretenden Mr. Philipp Guedalla zum Präsidenten der englischen zionistischen Föderation Lord Melchett (Sir Alfred Mond) gewählt. * Gemäß einer Ministerialverordnung hat die rumänische Finanzverwaltung den durch die Exzesse vom 10. Dezember 1927 geschädigten Kaufleuten von Großwardein die Restsummen für die erlittenen Schäden ausgezahlt. Insgesamt erhielten die Kaufleute in Großwardein und in Klausenburg 15 M i 11 i o n e n L e i als Schadenersatz. Für den Wiederaufbau der zerstörten Synagogen stellte die Regierung 8,800.000 Lei zur Verfügung. * Wie aus Bukarest gemeldet wird, hat der Regentschaftsrat dem Landesrabbiner von Bessarabien, Oberrabbiner Zirelsohn, den Orden Steaua Romaniei (Stern von Rumänien) in Kommandeursgrad verliehen. Dieser Titel erhebt Rabbi Zirelsohn in den Rang eines Generals in Zivil. * Der »Independent Order Brith Abraham« in New York beschloß in seiner letzten Jahresversammlung, an der über 800 Delegierte teilnahmen, in New York mit einem Aufwande von einer Million Dollar ein nationales jüdisches Zentrum zu errichten. Max S i 1 v e r s t e i n wurde als Grandmaster (Präsident) des Ordens wiedergewählt. Studienreisen nach Palästina Für die vom Zionistischen Landeskomitee für Oesterreich arrangierte Touristen- und Studienreise nach Palästina, die, wie wir berichteten, im Frühling 1929 stattfinden wird, gibt sich im In- und Auslande größtes Interesse kund. An der Reise werden u. a. mehrere Mitglieder des Oesterreichischen Pro- Palästina-Komitees teilnehmen. In das Programm wurde der Besuch von Syrien mit Damaskus aufgenommen. Auf mehrfachen Wunsch sollen Smyrna und Konstantin o p e 1 besucht werden. Auf der Rückreise wird es Interessenten möglich sein, die von der griechischen Regierung errichteten Flüchtlingskolonien zu besichtigen. Der demnächst erscheinende Prospekt enthält alle Daten, Anmeldungen sind an das Zionistische Büro, I., Kärntnerstraße Nr. 28, zu richten. Am herrlichen Meeresstrand von Grado seinen Urlaub zu verbringen, war bisher nur Menschen mit gefüllter Brieftasche möglich. Durch .die ganz neuartige, nach amerikanischem Vorbild geschaffene Aktion des Internationalen Reisebüros F. Grigolon & Co. erscheint dieses Ziel auch Minderbemittelten leicht erreichbar. Schon bei einer Anzahlung von 150 Schilling und vier Monatsraten ä 30 Schilling können 14 herrliche Urlaubstage und bei 155 Schilling ä-conto-Zahlung sowie vier Monatsraten Sessel Tische Saioitgamituren und EinselmdbelstUcka ADLER, VII, Apollos. 18 Kmlmmfte. 12 r. 75 Schilling 28 glückliche F c r i a 1 t a g e an den Fluten der Adria, einschließlich aller Auslagen verbracht werden. (Entgeltlich.) Dos einzige Geschält in Wien, das sämtliche jüdische und hebräische Grammophonplatten sowie mit den Gesängen des Obcikanlors Rosenblatt führt, ist Richard Herzog, II., Kleine Pfarrgasse 28 und I., Ad- Icrgasse 5. Alle Schlager am Lager. (Entgeltlich.) Herzl-Tag Vormittag bei Herzl. Der sonst so einsame Döblinger Friedhof ist lebendig, ein Toter gebietet Tausende zu sieb. Stumm und gesenkten Hauptes passieren sie die einfache Grabstatte. Dann verlassen sie lautlos, in sich gekehrt den Gottesacker. Der Tote hai zu ihnen gesprochen, eindringlicher, wuchtiger als je ein Lebender es kann. Ein Jahr lang wird diese Stimme in ihnen nachhallen, ein Jahr lang, bis sie wiederkehren, um sich neue Kräfte und neuen Mut zu holen für ihr schweres Beginnen. So feierten die Wiener Zionisten Sonntag den Todestag ihres so früh dahingegangenen Führers. Um halb 10 Uhr Vormittag sammelten sich die einzelnen Gruppen in den Zufahrtsstraßen des Friedhofes, mit dem Schlag 10 Uhr setzte sich der schier endlose Zug in Bewegung. Immer zwei und zwei. Männer und Frauen, Jünglinge und Mädchen, Greise und Kinder. An der Spitze des Zuges schreiten die zionistischen Studenten mit den alten Herren, von denen manche noch Weggenossen Herzls waren. Studenten sind es auch, die an dem Grabe Ehrenwache halten, bis der letzte Zugsteilnehmer vorüber ist, starr und stumm wie eherne Säulen, Studenten waren es ja, die Herzl als erste begeisterte Gefolgschaft leisteten. Nach ihnen kommen die offiziellen Vertreter des Zionistischen Landeskomitees mit dem Präsidenten Dr. Goldhammer an der Spitze und die zionistischen Kultusvorsteher unter der Führung SIEd. KORiMIEBL, Großfleischhanerei Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. A-17-3-99 u. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten, Abteilungen für T^-Fieisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien IX, Berggasse 15 XVIII, Währlngerstraße 97 Seriös Diskret 99 HANSA ii WIEN I., FRANZ JOSEFS-KAI 13 TELEPHON 75-409 Muser, Büros, Wohnungen, Hypotheken, Verwaltungen Unter wenigen Tagen beste Resultate Eigene Kreditabteilung nur für große Transaktionen des Vizepräsidenten Dr. Löwen herz. Gäste aus aller Welt: die ganze österreichische Provinz, durch eine mehr als 150 Personen zählende Delegation vertreten; Delegationen aus Bratislava und Brünn, Vertreter der zionistischen Organisationen Deutschlands und Polens; der Präsident des ungarischen Zionistenverbandes Dr. Schönfeld mit einer etwa 30 Mann starken Abordnung; eine Delegation der zionistischen Gruppe von S z e g e d i n, von ihrem Präsidenten Professor Guttmann geführt; das Präsidium der Organisation von Sofia; der Präsident der Landesorganisation von P o r t u g a 1 u. v, a. Dann Jugend, goldene Jugend. Glücklich das Volk, das sie besitzt. In gleicher, einförmiger Kleidung, Burschen mit braunem Pfadfinderbemd mit blau-weißer Schleife, kurzer Hose, schweren Schuhen, Mädchen mit blauen Röckchen und weißen Leibchen, in kurzem Schritt am Grabe vorbei. Jedem Zug wird die blauweiße Fahne vorangetragen, die am Grabe zum Zeichen der Trauer gesenkt wird, „Jüdische Pfadfinder“, „Trumpeldor“, „Jugendverein Erez Israel«, »Zirenu«, die Mädchengrüppe »Mirjam«, die »Hitachduth«, Jugendgruppen des »Misrachi«, »Makkabi« und wie die Bünde alle heißen, denen die blauweiße Fahne voranweht. Ein prächtiges Bild, welches das Herz jedes Juden höher schlagen läßt. Unsere Zukunft. Die Jugendgruppe des Misrachi führt Räder mit blau-weißen Schleifen mit, die »Hitachduth«, ein großes Transparent mit der Aufschrift: »Es lebe das arbeitende Erez Israel.« Die jungen wettergebräunten Burschen, die gewohnt sind jahraus, jahrein ohne Kopfbedeckung zu gehen, haben vielfach trotz der Aufforderung der Veranstaltungsleitung, ihre Kopfbedeckung vergessen. Sie stülpen rasch entschlossen ein Taschentuch auf den Kopf, einer trägt sogar einen Damenhut, andere legen sich Zeitungsblätter auf das Haupt. Ein Großteil der Jugend hatte schon in der Vorwoche Herzl gehuldigt. »Blau-Weiß«, »Poale Zion«, »Haschomeah« und der »Hechaluz« haben bereits ihre Sommerlager bezogen und mußten deshalb dem offiziellen Zuge fern bleiben. An die Jugendgruppen reihen sich die einzelnen zionistischen Bezirkssektionen. Die rührige Sektion VI/VIII ist mit ihrer großen blau-weißen Fahne ausgerückt. Dann wieder Frauen- Wochen-Kalender Juli 1928 Gedenktage rrsirmsn 12 Donnerstag 1899 — der berühmte Talmmlist Fsriel Hildesheimer, O’iinder des Berliner Rabbinersomlnnrs, In Berlin j^esto ben. n r 1 N 13 Freitag 1^23 —der französische Dichter Fngdne Manuel in Paris geboren. 1824 — der Schriftsteller Emil Jonas in Schwerin geboren. 25 - ns 14 Samstag 1PII — der berühmte Kliniker Pro!. Hermann Senator von der Berliner Universität gestorben. 26 _ 13 Hattarah: Schiniu dewar 15 Sonntag 1862 - der Ltmtspfeldlchter Ludwig Fulda in Frankfurt n. Al. geboren. 27 - 16 Montag 1820 — Prof. Eduard Henoch, ein Bahnbrecher auf dem Gebiete der Erforschung der Kinderkrankheiten, In Berlin geboren. 1829 — Grazla dlo Isaia Ascoli, Prof, der Sprachwissenschaft an der Akademie in Mailand, zu Görz geboren. 28 - ns 17 Dienstag 1925 — der bekannte Schwarz- WefU-Zeichner Efraim Moses Lilien In Badenweiler gestorben. 29 — B3 Jom Kippur Koton 18 Mittwoch 1873 — der bekannte Komponist und Violinvirtuose Ferdinand David ln Klosters (Schweiz) gestorben. 1911 -- der Chief Rabbi von England Dr. Hermann Adler gestorben. 1922 — Jakob Moser, Lordmajor von Bradford, Mitbegründer des hebr. Gymnasiums ln Tel- Aviv, gestorben. rrfinn ns Ab 1 ~ S Rosch-chodesch bünde. Viele Teilnehmerinnen führen ihre Kinder em Arm, Mag auch die Hauswirtschaft ein wenig in Unodnung geraten, es gilt ja Herzl zu feiern. Jeder Zugsteilnehmer trägt das diesjährige Herzl-Abzeichen. die einfache Grabstätte darstellend. Knaben und Mädchen verkaufen mit rührender Hingabe diese Embleme. Auf die Straßenbahnzüge sogar stiegen sie auf und hefteten jedem Ankömmling das Abzeichen an die Brust, Nahezu zwei Stunden dauert es, bis der letzte Zugsteilnehmer dem toten Führer seine Reverenz erwiesen hat. Kein Wort fällt während der ganzen Feierlichkeit. Wahre Trauer ist stumm. Gibt es etwas Beredteres, als dieses Schweigen? Der Abend ist Herzls Gedenken geweiht. Rabbiner Dr. Feuchtwang spricht von ihm. Jeder Zuhörer fühlt das tiefe Erlebnis, jeder der vielen Zuhörer glaubt die Worte Herzls zu hören, so eindringlich und packend weiß Rabbiner Dr, Feuchtwang von Herzl zu sprechen. »Sie sind der Kolumbus des Zionismus« hat er zu Herzl gesagt, »denn ebenso, wie Amerika vorhanden war und vorhanden sein mußte, bevor Kolumbus es entdecken konnte, genau so schlummerte der Zionismus im jüdischen Volke, bevor Sie ihn wachriefen.“ Der Redner schilderte sodann die Verhältnisse im Judentum, als Herzl aufstand und den »Judenstaat« predigte. Auf der einen Seite Juden, die schon derart assimiliert waren, daß sie nicht mehr daran glauben wollten, sie seien noch ein Volk, auf der anderen Seite die große Masse der Strenggläubigen, die im Inneren ihres Herzens eine tiefe Sehnsucht hatten nach dem Lande der Väter, deren Hände aber lahm und deren Flügel gebrochen waren. Ihre Sehnsucht nach Zion erschöpfte sich in Weinen, Beten und Klagen. Und da kam einer, der keine lahmen Hände und keine gebrochenen Schwingen hatte, der von einer göttlichen Vorsehung ausersehen, hinausschrie in die Welt: »Das jüdische Volk lebt, man muß ihm nur sagen, daß es lebt!« Er lehrte die Juden wieder, daß es nicht angeht, nur gleichsam akzidentiell Jude zu sein, gewissermaßen Jude bei Gelegenheit; Jude kann man nicht akzidentiell sein, Jude muß man essentiell sein, zu jeder Zeit und hei jeder Gelegenheit. Redner kam sodann auf die Strömungen im heutigen Zionismus zu sprechen. »Uns allen schwebt,« so sagte er, »das Herzische Ideal vom Judenstaat vor“. Ich glaube kaum, daß es einen Zionisten gibt, der diese Forderung nicht als das Endziel des Zionismus betrachten würde. Nur die Mittel und Wege, wie wir dieses Ziel am besten erreichen, sind strittig. Die Zeiten sind kritisch geworden, wir stehen im Zionismus vor wichtigen Entscheidungen. Die Frage, ob auch Nichtzionisten beim Wiederaufbau Palästinas ein Wort mitreden dürfen oder nicht, erregt die Gemüter. Dieser Streit darf aber nicht dazu führen, daß wir das Ziel aus dem Auge verlieren. Wir müssen alle Mittel zur Erreichung des Zieles anwenden, sofern sie ehrlich sind. Im Kampfe der Meinungen scheint Laxheit und Trägheit in der Bewegung einzureißen, die unser Werk lahm zu legen drohen. Am Schlüsse seiner mit großem Beifall aufgenommenen Rede gedachte Rabbiner Doktor Feuchtwang der zweiten Säule zionistischen Lebens in Wien, die ebenfalls zu früh gebrochen ward, des verstorbenen Oberrabbiner C h a j e s, der noch im Vorjahr die Gedenkrede für Herzl halten konnte. Durch Erheben von den Plätzen ehrten die Anwesenden das Andenken des Verblichenen. Nur einmal im Jahr haben Sie Gelegenheit, Qualitätsschuhwaren zu so unerhört herabgesetzten Preisen zu kaufen im Del-Ka Sommerräumungsverkauf. Siehe Inserat Seite 3.