Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1928)
- Date
- 1928-07-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2S DIE STIMME Seite 5 lllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Vergessen Sie nicht bevor Sie eine Urlaubsreise antreten eine Reisegepäck Versicherung bei der Nordstern Allgemeine Versicherung» A. (». Wien l9 Wipplingersftr. 12 Tel. 61-2-67 abzuschließen. «iiiiiitriiiiiiiiiiiiniiiiiiitiiiiüiiimmmiimiimiiiimiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiuiifiiimiiiiiiiiiiHiiim Keine geschlossenen Juden- Siedlungen in Rußland mehr! Das Grundprinzip der jüdischen Sowjetkolonisation war bisher: Schaffung geschlossener jüdischer Siedlungen, und es wurde auch, um die Sache in den Augen der ausländischen Judenheit unterstützungswürdiger zu machen, in reichem Maße propagatorisch ausgenützt. Man entwarf Pläne von »autonomen jüdischen Rayons« u, dgl. Wie es damit in Wirklichkeit aussieht, beweist die nachstehende Meldung: Von dem Landwirtschaftskommissariate der ukrainischen Regierung wird mitgeteilt, daß wegen Mangels an größeren Flächen freien Bodens in der Ukraine geschlossene jüdische Kolonien nicht mehr eingericht e t werden können; man werde von nun an das Augenmerk darauf richten, in den nichtjüdischen ukrainischen Dörfern freien Boden zur Ansiedlung einzelner oder kleiner Gruppen jüdischer Familien ausfindig zu machen. # Wie eine Chaluzim-Kolonie in Rußland gefördert wird. Sämtliche Mitglieder der Verwaltung der Chaluzim-Kolonie »Mischmar« im Rayon Dzank o j in der Krim, der besten unter allen Krimkolonien, wurden durch Agenten der G. P. U. (russische politische Polizei) verhaftet und in das Gefängnis von Simferopol eingeliefert. Der Vorsitzende der Kolonie ist unter den Verhafteten. Im Verlauf der letzten Wochen wurden gruppenweise 30 Mitglieder der Kolonie verhaftet und nach N a r i m im fernen Sibirien d eportiert. Dadurch hat sich die Mitgliederzahl der Kolonie von über 100 auf 70 vermindert. Mindestens einmal in der Woche wird die Kolonie Mischmar« von Agenten der G. P. U. umstellt, die Chaluzim werden auf den Feldern zusammengetrieben, eine Anzahl von ihnen wird für verhaftet erklärt und nach dem Gefängnis von Simferopol gebracht. Sollten die Verfolgungen in dem bisherigen Maße fortdauern, so wird die Kolonie wahrscheinlich noch in diesem Sommer der Auflösung verfallen sein. Die Sowjetbehörde hat die Leitung der Kolonie angewiesen, neue Mitglieder nur mit der Erlaubnis des lokalen »Comzet« aufzunehmen; dies führt dazu, daß die Mitgliederzahl immer kleiner wird. Das Zentralkomitee der linken Poale Zion in Rußland aufgelöst. Gemäß einer Verordnung der obersten Sowjetbehörde ist das Zentralkomitee des linken Flügels der Poale Zion in Rußland als aufgelöst erklärt worden. Das Archiv und das Geschäftsbüro des Zentralkomitees, ebenso der den Namen Borochow tragende poale-zionistische Klub wurden behördlich versiegelt. (Die linke Partei »Poale Zion«, die den Kommunisten nahe stand, durfte bisher als legale Partei bestehen. Die Red.) Internationaler Rechtsschutz für Flüchtlinge Die in Genf stattgefundene Konferenz der Vertreter verschiedener Regierungen, die sich mit der Schaffung eines Statuts für internationalen Rechtsschutz der Flüchtlinge zu befassen hatte, hat soeben ihre Arbeiten beendet. Das Statut wurde formuliert und angenommen. Es wurde vorgeschlagen, daß der Völkerbund s-0 berkommissär für F 1 ü c h t 1 i n g s w e s e n in eine möglichst große Zahl Länder, in denen Flüchtlinge ohne konsularischen Schutz und ohne jede juristische Hilfe und Stütze leben, Vertreter entsende, die als die legalen Protektoren der Flüchtling e gegenüber den Regierungen gelten sollen. Ihre Aufgabe soll sein, die Identität der Flüchtlinge durch Ausgabe von Personal scheinen zu bestätigen und die zivilrechtliche Lage der Flüchtlinge zu fundieren. Diese Vertreter sollen auch dafür zu sorgen haben, daß den Flüchtlingen Freizügigkeit gewährt und nach Bedarf Aufenthaltserlaubnisse, Visa usw. geigeben werden. Das Recht auf Arbeit und auf Bekleidung von Stellen soll den Flüchtlingen in jedem Lande gewährt werden. Das österreichische Komitee Pro-Palästina, das sich am 16. Februar d. J. aus hervorragenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Oesterreich konstituiert hat, um die österreichische Öffentlichkeit über das jüdische Aufbauwerk in Palästina aufzuklären, hat soeben das Protokoll über seine Konstituierung ■ veröffentlicht. Die vorzüglich ausgestattete Schrift enthält überdies ein Verzeichnis der Mitglieder des Pro-Palästina-Komitees, seine Satzungen sowie die das Palästina-Werk betreffende Deklaration des Chefs der österreichischen Regierung Bundeskanzler Dr, Seipel, welche anläßlich der Anwesenheit des Präsidenten der zion. Exekutive Nahum Sokolow erfolgte. Die Schrift ist im zionistischen Büro, Wien, L, Kärntnerstraße 28, erhältlich. Vor Balfours 80. Geburtstag Die historische Londoner Guildhall (das Londoner Rathaus) ist zum ersten Male für eine jüdische Veranstaltung zur Verfügung gestellt worden, nämlich für das große Balfo urbankett, das vom Komitee zur Errichtung eines Balfo Urwaldes in Palästina am 3. Juli veranstaltet worden ist. Dieses Diner gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung für den Aufbau des Jüdischen Nationalheimes in Palästina. Den Vorsitz führte der Präsident des Komitees Major Nathan. Die Reihe der Redner eröffnete Lord M e 1 c h e 11 (Alfred Mond). Für die Regierung sprach Minister Lord Birkenhead, aus dem linken Lager Frau Ethel S n o w d e n, Sodann sprachen der frühere Vizekönig von Indien Lord R e a d i n g, Chefrabbi Hertz und James de Rothschild. Zum Schluß hielt der Lordmayor von London eine Begrüßungsrede. Die Sammlung zugunsten des Balfourwaldes auf dem Boden des Keren Kajemeth bei Ginegar brachte ein Ergebnis von 16.000 Pfund. Am 24. Juli veranstaltet die englische Akademie der Wissenschaften ein feierliches Bankett anläßlich des am 25. Juli stattfindenden 80. Geburtstages von Lord Balfour. an dem auch der englische Thronfolger teilnehmen wird. »SITMAR« Sodttä Itallana di Servlxl Marlttlml :: wöchentlich mit den Luxusdampfern M mmmm« und »nuuuiuii »i Regelmäßige Eillinien nach Palästina, Griechenland, Konstantinopel Rundfahrten Im Mittelmeer Billige Sommerfahrten Auskünfte: „Sitmar“, 1, Kärntnerring 18 (Ecke Schwarzenbergplatz) Telephon 55009 Juden gibt, die durch ihre Kriecherei in solchen Fällen dem Ansehen des Judentums mehr schaden als die antisemitischen Gemeinheiten. Diese reichen assimilierten Juden versuchen durch Verschweigung ihrer Zugehörigkeit zum Judentum sich in solche Sommerfrischen einzuschleichen, und erleben dann eine um so schmählichere, aber für ihre Person wohlverdiente Erniedrigung. Es ist viel klüger, solche Unternehmungen, wie das wiederholt auch geschehen ist, in sich zusammenbrechen zu lassen, als sich in unwürdiger Weise ihnen aufzudrängen. Schuh ff cm Wien II, Taborslruße fVr. S a Moderne Schuhe aus bestem Material gediegenst ausgeführtj SVur seriöse Preise Wie Ist die Lage der karpathorusslschen Juden? Der Vizegouvernetur von Karpatborußland, Rozsypal, malte jüngst ein rosiges Bild von der Lage der Juden in Karpathorußland, welches die Jüdische Telegraphen-Agentur verbreitete, Er führte u. a. an, daß die Juden im Inneren Karpathorußlands verhältnismäßig gut gestellt seien undi gab nur zu, daß an der Grenze Not herrsche. So nebenher versuchte er, die Juden politisch für seine Partei, die tschechische Agrarpartei, zu reklamieren und unterschob den Juden in Karpathorußland eine Animosität gegen die ruthenische Bevölkerung. Schließlich igab er an, die nichtjüdisohe Bevölkerung beklage sich über das zu starke Eindringen von Juden in alle Berufe. Dieses Bild der Lage bedarf dringendst einer Rctouche durch die Wirklichkeit. Die Wahrheit ist nämlich, daß fast 67% der Juden Karpathorußlands keinen festen Beruf haben. Von den übrigen 33% betätigt sich etwas über ein Viertel landwirtschaftlich, während die Statistik des Vizegouverneurs Rozsypal von einer landwirtschaftlichen Betätigung von 80% sämtlicher Juden Karpathorußlands zu erzählen weiß. Die Not der Juden Karpathorußlands ist wohl schon sprichwörtlich geworden und der Vizegouverneur der Provinz ist der einzige Mensch, der etwas von den guten Verhältnissen der Juden weiß. Alle diese schönen Redensarten haben nämlich genau so wie die künstliche Konstruktion eines Antagonismus gegen die ruthenische Bevölkerung, die Rozsypal versucht, den einen Zweck, im Interesse der politischen Partei des Herrn Rozsypal das Judentum in Karpathorußland zu diskreditieren und wirtschaftlich zu deklassieren. Rozsypals Tätigkeit in diesem Sinne ist ja noch aus den letzten Parlamentswahlen in allgemeiner Erinnerung; wie gerichtsordnungsmäßig festgestellt wurde, fand diese seine Politik, die für das Judentum Karpathorußlands ruinös ist, die Unterstützung der Frommen von der Agudas Jisroel und das. gegen klingende Münze. 19 Jahre unschuldig im Kerker. Der jüdische Einwanderer Oskar Slater, welcher vor 20 Jahren in einem Indizienprozeß in England wegen eines angeblichen Mordes zu lebenslänglichem Kerker verurteilt wurde; jetzt, nach 19 Jahren, wird sein Prozeß wegen Mangelhaftigkeit des Verfahrens revidiert. Die Verhandlung begann am 9. Juli. Der amerikanische Sommerantisemitismus Die Synagogenschändungsepidemie Deutschland hält bei der Rekordziffer der 5 7. Friedig ofs Schändung. In Ibbenbüren i|n Westfalen ist der jüdische Friedhof zum dritten Male von Verbrechern heimgesucht worden. Nachdem einmal Schulknaben, das zweitemal Soldaten Grabsteine auf dem einsamen Friedhof | der kleinen Gemeinde während des Krieges beschädigt hatten, | sind nun am 24. Juni fünf Grabsteine, darunter ein Kinder- Der Sommerantisemitismus, jene Form der antisemitischen Pest, die sich im Sommer austobt und den Jiuiden den Sommerauf enthalt in bestimmten Erholungsplätzen und Kurorten unmöglich macht oder verleidet, ist nicht nur in Oesterreich, sondern auch in Amerika heimisch. Wir haben an dieser Stelle wiederholt von solchen Fällen des amerikanischen Sommerfrischenantisemitisnius berichtet. Nun wird uns gemeldet, daß in diesem Jahre diese Sorte von Judenfeindlichkeit in vielen Teilen der Vereinigten Staaten in verschärftem Maße sich kundgibt. Es gibt ziwm Beispiel um New York herum einle Anzahl von Villenvierteln und Sommerfrischen, sogenannte,, ,,vornehme" Niederlassungen, deren Vornehmheit sich vor allem darin äußert, daß an Juden weder ein Baugrund noch eine fertige Villa verkauft wird. Ergibt es sich jedoch, daß ein Käufer sich nachher als Jude entpuppt, so wird er durch verschiedene gesellschaftliche und wirtschaftliche Boykottmaßnahmen aus der Sommerfrische hinausgeekelt und gezwungen, den um schweres Geld erworbenen Villenbesitz um einen Pappenstiel zu veräußern. Der jüdische Villenbesitzer wird schon dadurch angeprangdrt, daß er in den „Countryclub", dem jeder Besitzer eines Anwesens angehörl, nicht aufgenommen wird, weil er Jude ist. An den gemeinsamen Jagden und Fischereien kann er nicht teilnehmen, und auch von sonstigen Veranstaltungen ist sowohl er als auch seine Familie ausgeschlossen. Die liberale und die jüdische Presse nehmen wohl gegen diese undemokratische Exklusivität Stellung, aber die jüdische Presse muß mit Bedauern hinzufügen, daß es noch immer eine erkleckliche Anzahl reicher jjvuwin.« «üu i^nvvciac 4C151U1 l Täter sind trotz eifriger Nachforschungen noch nicht ermittelt. Deutschlands Ruhm scheint die antisemitischen Rohlinge in Polen nicht ruhen zu lassen. In den letzten Monaten häufen sich auch dort die Friedhofs- und Synagogenschändungen. Der jüngste Fall dieser Art ereignete sich im Städt- TUCHHANDLUNG „ZUR SCHÄFERIN1* ALBERT HARDT WIEN I, FREISINGERGASSE 1 (Ecke Bauernmarkt) e^e Original englische DamenmänteL und Herrenmodestoffe