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Die Stimme · 1928-07-12 · Heft 28 (12.7.1928) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 28 (12.7.1928)
Date
1928-07-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 28 die summe Seite 3 sollte «üine ein Volum des Administrativ- Komitees übernommen,, noch sollen Kredite für private 'Zwecke gegeben werden.“ Dieses Untersuchungsergebnis schwächte die Position der ohnedies uneinheitlichen Opposition bei der Convention in Pittsburg, die am 1. und TL Juli stattfand, noch mehr. Die Convention sprach sich aalt 398 gegen 159 Stimmen für cfie Wiederwahl der bisherigen von Louis L i p s k y geführten Leitung aus und gab Lipsky auf diese Weise ein eklatantes Vertrauensvotum. Es wurden nun Verhandlungen mit der Opposition gepflogen, um sie zur Mitarbeit in der Leitung, an deren Spitze Lipsky verbleiben solle, zn bewegen. Die Gruppe des Richters Julian Mack erklärte jedoch, daß sie auf der Fernhaltnng Lipskys von der Leitung beharre. Diese Erklärung führte zum Abbruch der Verhandlungen und die Konvention wählte mit überwältigender Mehrheit Lipsky zum Präsidenten der Zionistischen Organisation Amerikas. Zu Vizepräsidenten wurden Morris Rothenberg, Richter William N. Lewis und Max Shulman gewählt. Die Convention, die 31. seit Bestand der Zionistischen Organisation Amerikas, war von 385 Delegierten der Organisation und 281 der „Hadassah“ und des Ordens „Bnei Zion“ beschickt^ sie verlief stellenweise sehr stürmisch. Der erste Sturm brach hei der Wahl des Präsidiums der Tagung aus. Statt einen ersten Präsidenten zu wählen, wurde beschlossen, mehrere Herren in das Präsidium der Konvention zu entsenden und Herrn Louis Lipsky zum Ehrenpräsidenten der Convention zu wählen. In das Präsidium wurden entsandt Richter William M. Lewis, Elihu S t o n e, Morris Rothenberg, Max Shulman, Frau Archibald Silverman und als Vizepräsident Rabbiner Max Heller. Den Vorschlag, Lipsky zum Ehrenpräsidenten zu wählen, beantwortete die Opposition mit stürmischem Protest. Robert Szold schlug Dr. Stephen S. W i s e als Ehrenpräsidenten vor. Dieser lehnte ab und gebrauchte gegen die Administration die Worte ,.Parteilichkeit“ und ,,persönlich es Privileg4*. Die Mehrheit unterbrach den Redner durch Proteste. Als dann Dr. Wise den Ausdruck „Rowdies“ gebrauchte, erhob sich ein großer Tumult. Dr. Wise verließ mit den Worten: ,,Die Convention will mich nicht anhören“, die Tribüne, Richter Lewis, der das Präsidium innehatte, gelang es. die Ordnung wieder herzustellen und Dr. Wise zu ermöglichen, seine Rede zu beenden. Louis Lipsky unterließ es in seinem Tätigkeitsbericht, die Kämpfe innerhalb der amerikanischen Organisation zu berühren und verweilte länger bei der Darlegung der in Palästina im Entstehen begriffenen neuen Ordnung. Er gab seiner Zufriedenheit mit der Politik Dr. Weizmanns in der Frage der Jewisli Agency Ausdruck, Der Bericht wurde nach einer fünfstündigen sehr bewegten Debatte mit einer Mehrheit von 398 gegen 159 Stimmen zur Kenntnis genommen. Die Mitteilung des Ergebnisses der Ab- Mnaehöti hacqbgesetzte Jiceise! Sommec Oxmen Floratrülrrpfc, Strapaz» Q«talit&t.i.viei.McriefaTh.2.50u.3.10 190 «««• «etepteie. Führung), Gr. 34, 35 u. 37 g S«ri« V Udo-Sanda- AQ Sarla H Daman-Melton Haus* laStaweiß,Größe 3i-35 1C9V schuhe in schönen Pastellfarben m. vi echter Ledersohle . . . Kindar.Leder-Hausschuh« bis Größe 34 Mnn J»» 090 mit echter Ledersohle Olwerse Einxelpaara ÄS Serto'vn Osm^Halbaehuh.. <M.gM,chuU.' Ei» ’ ", ’ ” Lack u. braun Boi m.fran?, Ab.a.rrn Leinen, Größen 23-30 . M QA “"'Vf*!*, PUrFn'.4#IOA Fdrb. Daman.Lader. mit franz. Absätzen. Eine« ..... ■* ä«5. ss: 14 Serie IV Spangenschuhe, fein- _ fJ!blg ®oxcalf’u-braun t%g% ^<2jgiTL]t.lttoritcLg den y. Udo-Sandalette weif), fpttft*in allen UTtPereTL Größe 27-30.w , Ve,pka.u£rhcLiiPe-ptu. Strapazfähige Herren «Socken Harren-Socken, merc Garn, eng englisches Material .1.10 lischcs Material ....... 1.70 Serie vm Oamen-Spangenschuha, Boxcalf in rosi, hellerau. rosenholz. dunkelblau usw. CrÄpe- Qummlsohlen-Spangonschuha, rosenholz und braun. 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Er fährt fort: „Kein Bericht irgendwelcher Richter kann Lipskys 30 jährigen Rekord an Opfern und Hingabe für die zionistische Sache mindern oder auslöschen!“ Dr, Wise wandte sich dann gegen die Schlußfolgerung des Untersuchungskomitees der Richter, wonach kein Beamter der Zionistischen Organisation von Amerika ein Gehalt beziehen solle. Das ist unfair, rief er aus; ich kann eine so autokratische Haltung. die es einem Manne ohne Vermögen unmöglich macht, der zionistischen Sache zu dienen, nicht verstehen. Dr. Wise ging über, die Frage der Wiederwahl Louis Lipskys hinweg und schlug die Einsetzung eines Präsidiums aus drei Persönlichkeiten vor, von denen die eine die Führerschaft innehaben, die zweite die politischen Fragen, die dritte die Finanzfragen erledigen solle, Eine solche Lösung könnte die Zionistische Organisation Amerikas aus der gegenwärtigen schwierigen Lage retten. Dr. Wise schloß mit der Erklärung, daß er sich das Recht Vorbehalte, den Bericht der Jewish- Agency - Kommission zu kritisieren, da dieser Bericht keinerlei Garantie seitens der Nichtzionisten, daß sie auch nur einen einzigen Penny für die Palästina-Arbeit geben werden, enthalte. Der Wahl Louis Lipskys ging eine Abstimmung über eine Verfassungsänderung $ voraus, die sich unter stürmischen Kundgebungen vollzog. Schließlich wurde die Verfassungsänderung, die die Wahl eines Präsidenten, dreier Vizepräsidenten, eines Sekretärs, eines Verwaltungsrates, eines aus 40 Personen zusammengesetzten Administrativ-Komitees und einer Exekutive vorsieht, mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit angenommen, Dr. Stephen S, Wise und Richter Julian W. Mack stimmten gegen die Verfassungsänderung, die 418 gegen 196 Stimmen auf sich vereinigte. Gemäß einer Bestimmung wird der Präsident der Organisation von der Verwaltung finanzieller Agenden befrei t. Nach diesem überwältigenden Sieg der offiziellen Gruppe war die Wiederwahl Lipskys gesichert, umsomehr als die Mackspielte oft sich selber aus gegen die führenden Größen seines Lagers. Er deutete etwa an, daß er selber ein deutscher Mann echterer und besserer Art sei als Adolf Hitler oder General Ludendorff. Dadurch aber reizte er diese oder deren Anhänger natürlich zu der Behauptung, daß er „ja doch nur ein Jude sei”. Hinwiederum reizte er auch die Juden durch unerhörte Verdächtigungen und Beleidigungen, aber er begründete auch das Unsinnigste gleichzeitig mit so zarten, erkenntniskritischen Gedankengängen, daß nur wenig darauf zu erwidern war. Nur wenige besaßen die geistigen Voraussetzungen, die geistige Ueberlegenheit, die Sachlichkeit, die Ruhe und die Muße, um sich mit diesen polemischen Schriften und ihren Theorien ernsthaft auseinandersetzen zu können. So lohnte es sich nicht, mit dem unbequemen Sonderling zu rechten. Man ging achselzuckend an dem Verlegenheit schaffenden Manne vorüber, während dieser immer tiefer in das Dickicht seiner unseligen Gedanken sich verlor. Npr ganz wenige ahnten, daß hinter diesen tollen und abstrusen Büchern eine Einsamkeit fror, ein Bedürfnis nach Liebe brannte, wie es seit Schopenhauer, seit Nietzsche, seit Dühring kaum je ein gleich Begabter und gleich Einsamer erfahren hat. Von jüdischer Seite begnügte man sich, kopfschüttelnd abzulehnen. Auf deutschnationalistischer Seite gereichte dieser Mann zu beständiger Unruhe. Als Grundauffassung in Arthur Trebitschs mannigfaltigen Büchern muß ein Gedanke gelten, der wesentlich und von echter Fruchtbarkeit gewesen wäre, wenn der Denker ihn nicht polemisch und tendenziös verbogen hätte. Es ist der Gedanke, daß ein zwiefaches Erkennen und an Hand dieser Zweiheit edles Erkennens auch ein zwiefacher Menschentypus unterschieden werden könne. Einmal nämlich sei Erkennen ein primäres Schauen von Bildern. Trebitsch nennt das „das fixativ festhaltende Erfassen von Welt“, Sodann aber träte zu diesem fixativ bildhaften Erfassen noch ein sekundäres, mittelbares, reflexives Denken, welches die erfaßten Bilder umdenkt in Gegenstände, das heißt in Rechenmünzen, mit denen der Verstand rechnen, kombinieren und kalkulieren kann. Diese zweite Art von Erkennen nennt Trebitsch im Gegensätze zum primitären fixativen Bilderfassen: das „sekundär bewegliche Denken". Bei dieser Unterscheidung handelt es sich in der Tat um Einsichten, welche ich selber schon vor Jahrzehnten niedergelegt, als Ahnungspsychologie bezeichnet und dann durch ein ganzes Leben ausgebaut habe. So erscheint es mir denn als eine sehr wichtige Wahrheit, daß wir Menschen als bewußt reflektierende, sich selber zum Objekt besitzende Wesen die Welt doppelt besitzen; nicht freilich, wie Trebitsch meint, in zwei Erkenntnisformen, welche historisch sich entwickelt, nacheinander und auseinander „entstanden" sind, wohl aber in zwei verschiedenen Arten von Erkennen, welche jederzeit und gleichzeitig gelebt werden: einmal als erlebte Schau und sodann (im gleichen Akt) als Bewußtsein von Gegenständen. Diese Entdeckung ist denn in der Tat folgenschwer, neu und überraschend. Für Trebitsch wurde sie zu einem ungeheuren, bedrückenden und zuletzt nur metaphysisch deutbaren Problem. Es war genau dasselbe Problem, welches ich mit dem Titel meines Hauptwerkes als den „Untergang der Erde am Geist" zu kennzeichnen versuchte. Dieses Geistproblem, einerseits Problem des Wollens und der Ethik, andererseits Problem des Denkens und der Logik, ist denn auch die große Qual- und Notfrage in der Seele Arthur Trebitschs gewesen. Leider aber versperrte er sich die Einsicht in die Tiefe seiner Entdeckung, indem er das „primäre Schauen von Bildern", also das „fixative Erkennen", einfach etikettierte mit dem schmückenden Beinamen „Arisches Denken", dagegen das sekundär-bewegliche Denken, also jenen verdinglichenden und rechnenden Geist, an dem das Leben vereisen und versanden könnte, einfach etikettierte mit dem negativ gemeinten Beiwort: „Jüdisches Denken." Damit hatte nun Trebitsch seinen Leitfaden durch alle Labyrinthe. Alles, was er nicht leiden konnte, an sich oder an anderen, alles, was ihm sekundär, mittelbar, zweitklassig, nur notgeboren und nur kompensatorisch am Menschen erschien, das kennzeichnete er höchst einfach mit dem alles erklärenden Epitheton disornans: Jude, Und so wurde denn schließlich die ganze europäisch-amerikanische Zivilisation und alles Zweifelhafte an ihr, so wurde die Maschinenkultur, die Industrialisierung, der Kapitalismus, die Mechanisierung der Seele, der Taylorismus, der Behaveianismus, die Vernutzung, die Verökonomisierung der Natur, so wurde der Untergang der außermenschlichen Gestaltenwelt, die Verameisung der Menschheit, die Uebermächtigung der Erde durch die arbeitende ökonomische Rasse, ja so wurde schließlich der Niedergang des Erdballs und alles Negative, alles Böse für Trebitsch zu einer satanischen, metaphysischen Gewalt, Und dieses Diabolische nannte er fortschreitenden „Semitismus" und ,, Judaisierung der Erde". Das war seine fixe Idee, war der Notausgang seiner großen Seelennot und Herzensbedrängnis. „Judaisierung" war das Schlagwort, mit dem alle zarteren Fragen beiseite geschafft, alle wahrnehmbaren Mängel der Welt erklärt wurden. Es war die Theorie vom Sündenbock. Eugen Dühring schon hatte ganz unmißverständlich aufgefordert, der „unter dem kühleren Himmel herangereifte nordische Mensch" möge Kreuzzüge gegen die Juden veranstalten, so wie man die Pflicht habe, böse Erdparasiten, giftige Schlangen oder bedrohliche Raubtiere auszurotten. Dieser Haßgedanke wuchs sich bei Arthur Trebitsch aus zu einer Art Mythologie, an den Mythos der Parsen erinnernd. Es gibt ein gutes und ein böses Prinzip, einen Ormuzd und einen Ahriman. Der Lichtgott, das ist der blonde, blauäugige Arier. Der Nachtdämon, das ist der schwarzhaarige, „tieräugige" Jude. Einige Jahrtausende wird der Kulturkampf dauern. Zuletzt aber wird der lichtbringende, strahlende Baldur den finsteren, höllenentborenen Judas überwunden haben. Dies ist, auf ein kindliches Knallbonbonverschen gebracht, der ganze Inhalt der Trebitschschen Bücher. Sie haben einen Kern klarer, schöner Gedanken, die aber vergiftet und umnebelt sind von einer Wolke gelber Gehässigkeits-, Beeinträchtigungs- und Verfolgungsideen, einer lieblichen Landschaft vergleichbar, die immer im Kohlendunst der Geschütze liegt. Er sieht die Tatbestände keineswegs unrichtig, aber er trägt vor dem Auge unableugbar das gelbe Glas seiner Krankheit, und so sieht er denn alles zugleich scharf und gehässig verfärbt. Lange Zeit konnte der klare, logische Oberbau hinwegtäuschen über die Krankheit im seelischen Untergrund. Aber von Jahr zu Jahr wühlte sich der Wurm klarer ans Licht und zerfraß die Frucht. Zunächst lagen bei Trebitsch, ähnlich wie bei Dühring, die Denkarbeit und die Haßpsychose noch trennbar neben einander. Er hing genau wie Dühring jedem Buche einen persönlichen Teil an, in welchem er, sein Herz erleichternd, die Gefühlsuntergründe auf tat und gegen seine Feinde (Gegner kannte er nicht) zu Felde zog. Schließlich aber wurden die Bücher alle apologetisch, Schriften der Entrüstung und Selbstentblößung, denn wer sich entrüstet, legt die Rüstung ab. (Ein Schlußartikel folgt.)

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