Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1928)
- Date
- 1928-07-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 27 DIE STIMME Seite 13 seiner Familie, die sich in der alten Heimat nie satt essen konnte, die immer von Not und Unglück und nationalen Katastrophen verfolgt war, vor allem ein ruhiges Heim, eine gesicherte Existenz zu schaffen." „Heute sind diese wirtschaftlichen Sorgen längst nicht mehr vorhanden und im amerikanischen Judentum regt sich immer lebhafter das Verständnis für höhere kulturelle, soziale und nationale Bedürfnisse. Eine Reihe großer kultureller und sozialer Institutionen hat das amerikanische Judentum in den letzten Jahren ins Leben gerufen, die der Erziehung der jüdischen Jugend Amerikas — und wenn man will: auch der älteren Generation — gewidmet sind. Was das amerikanische Judentum aber überdies für die Linderung der jüdischen Not in der ganzen Weit und besonders auch für den Aufbau Erez Israels tut — das brauche ich den Lesern der „Stimme" wohl nicht erst zu erzählen." Die Unterhaltung kehrt wieder zum Persönlichen zurück. Rosenblatt plaudert flott und humorvoll, legt zur Abwechslung einen Triller ein, „bringt" den neuesten jüdischen Witz, trainiert am oberen C und D und legt in den Pausen weite Strecken des Morgengebetes mit gewohnter Vorbetermeisterschaft zurück. Der große „türkische" Tallis wallt um seine Schultern und hüllt seine kleine, gedrungene Gestalt ein. Abraham Ellstein, der Begleiter Rosenblatts, ein. Kla.vierkünstler von bedeutendem Format, springt ins Gespräch ein, läßt den Meister nicht weiter reden. Denn das feine „Instrument" will geschont werden. „Und überdies" — meint zum Schluß Jossele — „die Sprache, in der ich mich wohl am deutlichsten verständlich machen kann, ist mein Gesang — und in diesem Idiom wollen wir heute abends noch ein Wörtlein miteinander reden — allerdings in Form des Monologs ..." * Im dicht gefüllten großen Konzerthaussaale fand am 27. Juni das Konzert Josef Rosenblatt statt. Es war ein Konzert ganz besonderer Art, sowohl was den Sänger und sein Repertoire betrifft, als auch hinsichtlich des Publikums, das zum allergrößten Teil aus religiösen Ostjuden bestand, die mit Kopfbedeckung dasaßen und der glanzvollen Kunst des großen Chasan atemlos lauschten. Das reiche, mannigfaltige Programm brachte in bunter Reihe. synagogale Tefiloth, jiddische Volkslieder, italienische, englische und spanische Arien und eigene geistliche und weltliche Kompositionen. Die Darbietungen wurden von dem aufnahmsbereiten, dankbaren Publikum mit rauschendem Beifall quittiert, der sich oft zu mächtigen Ovationen steigerte. Die souveräne Beherrschung der „unwegsamsten" Gesangshöhen und seine unglaublichen, „waghalsigen" Falsettexkusionen, von denen Rosenblatt zu herrlicher Melodienfülle zurückkehrte, riefen immer wieder ungeteilten Jubel hervor. G. Eine Amerika-Rhapsodie von Ernest Bloch preisgekrönt Der 3000 -Dollar- Preis der Gesellschaft »Musical America« wurde vom Schiedsrichter-Kollegium, dem Walter Damrosch, Frederick Stock, Leopold Stokovsky, Serge Koussevitsky und Alfred Hertz angehörten, aus 92 eingereichten symphonischen Werken dem jüdischen Komponisten Ernest Bloch für seine epische Rhapsodie »America, I Build for You« zuerkannt. Jose! Zimbler, der ausgezeichnete Konzertmeister des Wiener Symphonie-Orchesters, wurde zum Professor ernannt. Der feinsinnige Wiener Meister der Geige ist nicht nur im Konzertsaal eine populäre Erscheinung, sondern auch bei jüdischen Veranstaltungen, denen er sich stets gern zur Verfügung stellt. Das Heine-Haus in Düsseldorf Die Düsseldorfer Stadtverwaltung plant das Heine-Haus, Bolkerstraße 53, zur Erinnerungsstätte an den Dichter umzuwandeln. Die Wohnung der Eltern Heinrich Heines soll in ihren früheren Zustand zurückversetzt werden. Keineswegs will man die Geburtsstätte des Dichters zu einer Art Museum ausbauen, vielmehr soll dem Heine-Forscher das Heine-Zimmer in der Stadt- und Landesbibliothek Vorbehalten bleiben. Die Anregung zur Schaffung dieser Erinnerungsstätte geht auf einen Stadtverordneten der Zentrumspartei zurück, die bisher der Errichtung eines Heine-Denkmales in Düsseldorf durchaus ablehnend gegenüberstand. »Biblische Tänze« von Gertrud Kraus Aus dem Zyklus biblischer Tänze, die Gertrud Kraus jüngst in den »Jüdischen Künstlerspielen« mit ihrer Tanzgruppe vorführte, wählte sie für ihren Burggarten-Abend jene, die auch einem biblisch nicht geschulten Publikum gefühlsmäßig zugänglich sind. War es die Idee, daß die starken Motive der Bibel heldischen Charakter tragen, der sich durch irgend eine künstlerische Form bewältigen läßt, war es der Wunsch, aus dem Urgrund des jüdischen Gemüts die rein epischen Momente tänzerisch zu gestalten — jedenfalls hat Gertrud Kraus abseits jeder Schablone, fern jener so gangbaren Umformung von Musik in Tanz, älteste Akkorde der Menschheit in neuer Gewandung erstehen lassen, Die Aufgabe, legendäre Motive zuerst aufzulösen und sie wieder in den Ablauf von Plastik und Rhythmik zu zwängen, bezeugte eine wirklich schöpferische Phantasie, ein Ringen um die letzten Geheimnisse der Wirkung von Zeit und Raum im tänzerischen Gebilde. In »Rebekka am Brunnen« wurde das Auf und Ah des Schreitens bis zur Verdichtung des Gefühls in einen Reigen verwendet. Das »Siegeslied Mirjams« drängte sich in ein Fortissimo von Klang und Bewegung zusammen, dabei rein rhythmisch gedacht, ohne die bisher angewendeten Posen, die nichts sind als »Lebende Bilder«. Gertrud Kraus' instinktiver Kunstsinn räumte hier gründlich auf. Auch ihre neuen Programmnummern zeigten sie auf hohem Niveau und der »Orientalische Tanz« wurde wieder mit der gewohnten durchschlagenden Wirkung empfangen. Der Abend, vom Zionistischen Landeskomitee und von Blau-Weiß administrativ arrangiert, hinterließ einen mächtigen Eindruck. —Id. Schach Dr. Julius Perlis. Auch Perlis entstammte dem unerschöpflichen Reservoir jüdischer Schachmeister, dem Osten, Am 19. Jänner 1880 in Bialystok geboren, kam er zur Vollendung seines Studiums Mitte der Neunzigerjahre nach Wien. Dort widmete er sich der juridischen Laufbahn und strebte eine Advokatur an. Leider war ihm die Erreichung seines Lebenszieles nicht vergönnt; in der Vollkraft seiner Jahre fand er am 10. September 1913 durch einen alpinen Unfall in den Ennstaler Bergen einen frühen Tod. Perlis war ein geistreicher, feinfühlender Mensch mit glühender Liebe zur Natur, ein Drang, der ihm viele schöne Stunden bereitete, aber schließlich auch am Hochtor-Gipfel seine hoffnungsreiche Laufbahn jäh unterbrach. Als Schachspieler erregte er schon bei seinem ersten Auftreten im Jahre 1900 Aufsehen, indem er als junger, ganz unbekannter Spieler den Meistern Marco und Schlechter je eine Partie in gutem Stile abgewann. In Barmen 1905 errang er die Meisterwürde des Deutschen Schachbundes. Seine weiteren Erfolge zeigen eine deutlich aufstrebende Linie: Ostende 1906, 9. Preis; Wien 1907, 7. bis 8. Preis; Wien 1908, desgleichen; St. Petersburg 1909, 7. Preis; Karlsbad 1911, 13, Preis; San Sebastian 1912, 5. Preis. Der Stil unseres Meisters war voll Eigenart. Mit Schachbüchern beschäftigte er sich wenig und von der sogenannten Theorie wußte er nur soviel, wie zum Turnierspiel unbedingt nötig war. Im übrigen ging er seinen eigenen Weg. Sein feines Verständnis für Eröffnungen, sein gesundes Positionsgefühl und seine schlagfertige Kombinationskraft hätten ihm zu ersten Erfolgen verholten, wenn seine Ausdauer größer gewesen wäre. Aber in der vierten Stunde ermüdete er oft und viele gut angelegte Partien gingen dadurch ihm verloren. So kam es, daß sein Turnierstand nie ganz seiner Schachbegabung entsprach. Im Wiener Schachklub, seiner schachlichen Heimat, war er auch als gewandter und listenreicher Vorgabespieler geschätzt. Vierspringerspiel. Weiß: Dr. Perlis. Schwarz: Aljechin. (Gespielt im Turnier zu Karlsbad 1911.) 1. e 2—e 4 e 7-e 5. 2. S b 1—c 3 S g 8—f 6. 3. S g 1—f 3 S b 8—c 6. 4. L f 1—b 5 Lf8—b 4. 5. 0—0 0—0. 6. d2—d3 S c 6—d 41). 7. S f 3Xd 4 e5Xd4. 8. S c 3—e 2 c 7—c 6. 9. L b 5—a 4 d 7—d 5. 10. e 4—e 5! Sf6—g 4. 11. c 2—c3!2) d 4Xc 3. 12. b 2Xc 3 L b 4—a 5. 13. d3— d4 Dd8—h 43). 14. h 2—h 3 S g 4—h 6. 15. L a 4—c2 L c 8—f 5. 16. Tal—bl b 7—b 5. 17. Lc2Xf5 Sh6Xf5. 18. D d 1—d 3! Dh4—e4<). 19. D d 3Xe 4 d5Xe4. 20. f 2—f 3 e 4Xf 3. 21. TflXf3 S f 5—e 7. 22. L c 1—a 3 T f 8—e 8. 23. Tbl—fl5) I 7—f 6°). 24. e 5Xf 6 g7Xf6. 25. S e 2—f 47) S e 7—d5. 26. S f 4Xd 5 c6Xd5. 27. L a 3—c 5 Ta 8— c8. 28. Tf3Xf6 La5Xc3. 29. T f 6—f 58) T e 8—e 2. 30. T f 5—g5f Kg 8—h8, 31. Tg5Xd5 Te2Xa2. 32. Lc5—d6 T a 2—a 1°). 33. L d 6—e 5f K h 8—g 8. 34. T f lXa 1 L c 3Xa 1. 35. T d 5Xb 5 T c 8—c 4. 36. T b 5—d 510) a 7—a5. 37. Kgl—f2;a5—a4. 38. K f 2—e 3 a4—a3. 39. Td5—a5 Lai—b2. 40. Ke 3—e4 T c 4—c 2. 41. g 2—g 4 Tc2—f2. 42. h 3—h 4 Kg 8—f 7. 43. h 4—h 5U) h 7—h 6. 44. K e 4—d5 Lb2—c 1. 45. Ta 5—a7f K f 7—g 8. 46. K d 5—e 6 Lei—b2. 47. Ta 7—g7f! Kg 8—f8. 48. T g 7—h 7! K f 8—e 8. 49. Th 7—a7 Aufgegeben1-). Stellung nach dem 46. Zuge von Schwarz: Schwarz: Aljechin. 'mm. Weiß: Dr. Perlis. Anmerkungen: J) Hier ist dieser Ausfall nicht so ratsam, wie im 4. Zug, wo er heute nach Rubinsteins Rezept häufig angewendet wird. — 2) Weiß erlangt durch ausgezeichnete Eröffnungsbehandlung bald ein fühlbares Uebergewicht. — 3) Der Springer ist abgeschnitten und droht mit seinem j Rückzug den Königsflügel zu verderben. Schwarz deckt deshalb das Feld h 6. — 4) Geht der Springer nach e 7, so sperrt er der Dame den Rückzug. Aber auch Damentausch erleichtert nur wenig die Lage. — 5) Auch ohne Dame ist der Angriff des Anziehenden stark. — 8) Nach Sd5 24. TXf7( SXc3, 25. SXc 3, LXc 3, 26. Lc 5 ist das schwarze Spiel aussichtslos, z. B.: 26. . . . Tad 8, 27. e 61, LXd4f, 28. LXd4, TXd4, 29. Deutsches Volkstheater. Die Bühne int Weghuber-Park hat heuer einen Sommerfahrplan eingelegt, den sie mit einem »Geisterzug« amerikanischer Provenienz bestreitet. Ein geschickt gearbeiteter Drei-Akte-Sketch, der angenehmes Gruseln erzeugt, leicht knarrenden Humor macht und von den Herren Ziegler und Lessen und den Damen Markus, Stukering und Ulrich mit Lust an der Sache gebracht wird. Gute Sommerkost, die noch viele Häuser füllen dürfte. Das Publikum entlädt seine Spannung, die bis zum letzten Akt anhält, in Beifallsstürmen; Separaterfolg hat der Kinobeginn im ersten Akt, —tz. e7 und gewinnt. — T) Natürlich nicht 25. TXf6 wegen Sd 5. Nun droht aber 26. Sh 5. — 8) Es drohte TXc5. Weiß geht jetzt direkt auf den feindlichen König los. — °) Erzwungen, da sonst der Angriff überwältigend wird. — 10) Die Situation hat sich geklärt, der starke Freibauer gewinnt die Partie. — u) Weiß spielt auf Matt, dies ergibt einen interessanten Schluß. — la) Dr. Perlis hat den derzeitigen Weltmeister in einer vollendet schönen, geistreichen Partie niedergerungen! Scherz und Humor Wie man es betrachtet Ab. Kahan, der bekannte New Yorker jüdische Arbeiterführer und Publizist, wurde, als er vor einigen Jahren auf einer Europareise Berlin besuchte, von dem damaligen Reichspräsidenten Ebert empfangen. Die Verständigung — je nun, das Englische scheiterte an Ebert, und Kahan, der von der weitverbreiteten Anschauung ausging, daß alle Juden Deutsch sprechen, verwendete seine Muttersprache, die aber bei Ebert häufige Gesten des Erstaunens aüslöste. Drauf Kahan: »Chawer Reichspräsident, Ihr meint, as, wus ich red', is schlecht dajtsch; adrabe: es is gut jiddisch!« Rätselecke Redigiert von Joto. Kreuzworträtsel Wagrecht; 3. Weibl. Fig, a. »Don Carlos«. — 7. Böser Geist. — 11. Erlebnis. — 14. Späte Einsicht (poet.), — 16. Fluß i. Frankreich, — 17. Weibl. Vorname. — 19. Griech. Kriegsgott. — 21. Abkzg. f. »senior«. — 22. Mit Vergnügen; lieb. — 23. Sittenlehre. — 25. Baum (Mehrz.). — 26. Männl. Vorname. — 28. Stadt in Neuitalien. — 29. Musikinstrument. — 31. Artikel. — 32. Ort in Niederösterreich. — 34. Stoffart. — 37. Männl. Haustier. — 40. Stadt in Algerien. — 41. Trällerton. — 43. Weibl. Vorname. — 44. Ferment im Tiermagen. — 45, Klosterschwester. — 47. Göttin der Morgenröte. — 48. Spanische Provinz. — 50. Jiid. Gelehrter. — 52. Blume. Senkrecht: 1, Auszeichnung — 2, Figur aus dem Nibelungenlied. — 4. Landmann. — 5. Franz. Artikel (Mehrzahl). — 6. Span, weibl. Vorname. — 7. Alpenhirt, — 8. Stadt in Sachsen. — 9. Wassergeist. — 10. Unnützes Zeug. — 12. Lebewesen. — 13, Fragewort. 15. Griech. Liebesgott. — 18. Zahlwort. — 20. Name mehrerer Sultane. — 22. Hohlgeschoß. — 24. Russ. Politiker (gest. 1924). — 25. Prophet. — 27. Feierl. Gedicht, — 28. Universum, Kosmos. — 30. Verpackungsgewicht. — 33. Fluß in Italien, — 34. Lohn, Gehalt. — 35. Genußmittel. — 36. Fluß in Italien. — 38. Weibl. Vorname. — 39. Ruhepause. — 41. Altrömischer Ueberwurf. — 42, Weibl. Vorname. — 45. Nebenfluß der Donau. — 46. Gefrorenes. — 49. Nordafrik. Küstenlandschaft. — 50. Griech. Buchstabe. Verband der Zionisten-Revisionisten Österreichs Sonntag, den 8. Juli 1928» 5 Uhr nachmittags» Cali Metropol» IX» Berggasso 33 JUGENDMEETING iiiiitiiiiiiiiiimmiffiittiiiiiitiiiiiiiiiiifitiiiiiiiiiiiiiiiiiiimmiiiiiiimtiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Redner: Dr. wolfgang welsl (Jerusalem) Ing. Erwin Spltx (Haifa)