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Die Stimme · 1928-07-05 · Heft 27 (5.7.1928) · page 12

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 27 (5.7.1928)
Date
1928-07-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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Se:u DIE STIMME Nr. 27 Im \\ c£e des englischen Konsulates Polen wandte sich Herr G e r s c h g a rn aus Wischnowitz um die Einreiseerlaubnis. G. wies nach, daß er 600 Pfund Bargeld hat. Außerdem v.nSerstützte der Vater des G., der ein gutgehendes Manufakiurengeschäft in Haifa besitzt, das Ansuchen seines Sohnes, der berufen war, das Geschäft in Haifa zu vergrößern. Ein Beauftragter des Immigrationsdepartements überprüfte in Haifa selbst die Angaben des alten G., die er für richtig befand. Das Ansuchen wurde aber trotzdem abgelelint. * Wir ergänzen diese Liste durch einen Fall, der sich in der letzten Zeit zugetragen hat und besonders kraß ist' Dem brasilianischen Juden Josef Alma g, der in Erez Israel 600 Dun am Boden besitzt, wurde der Aufenthalt in Palästina verböte n, weil er — man denke! — die Rubrik •'Zweck der Einreise-, in der anzugeben ist, welcher Kategorie von Einwanderern er zuzuzählen sei, nicht 'ordnungsmäßig« ausgefüllt hat! Dieser Fall schlägt den Rekord in den von Lnfähigkeit und Böswilligkeit zugleich diktierten Methoden des Einwanderungsdirektors H y a m s o n. ln ganz Erez Israel gibt es nur eine Stimme: Hyamson muß weg! Wie wir soeben erfahren, hat der Oberkommissär Lord P I u m e r die V erfügung bezüglich der Abschaffung der brasilianisch-jüdischen Ansiedlerfamilie aufgehoben, also Hyamon offen desavouiert; demgemäß dürfte Hyamons Bleiben nicht mehr lange sein. Die Redaktion. Die Prügelstrafen im Polizeigefängnis Im Unterhause interpellierte Commander K c n w o r t h y den Kolonialminister nochmals wegen der Prügelstrafen, welche an Kommunisten, die bis zur Abschaffung aus dem Lande im Polizeigefängnis zu Jaffa untergebpacht sind, vollzogen wurden. Kolonialminister Amcry bestätigte die Vorfälle, teilte mit, die Prügelstrafe sei gegen drei Personen wegen Widersetzlichkeit angewendet worden, und fügte hinzu: »Prügelstrafe für schlechtes Benehmen und Gewaltanwendung im Gefängnis ist gesetzlich; der Oberkommissär ist überzeugt, daß die Strafe gerecht war.« Eine internationale Besprechung der Sozialisten über die Palästina-Frage. Auf Anregung der Poale Zion und des Komitees für das arbeitende Palästina fand in Berlin eine Zusammenkunft sozialistischer Persönlichkeiten statt, bei der der belgische Arbeiterführer und Führer der zweiten Internationale, Emile Vandervelde, über das Aufbauwerk der palästinensischen .Arbeiterschaft sprach und betonte, daß die sozialistische Welt das größte Interesse an dem Gelingen dieses Werkes haben Auf eine Frage des Warschauer „Moment", wann er seine erste Arbeit veröffentlicht und welchen Weg er bis dahin zurückgelegt habe, schreibt der bekannte jüdische Romancier Opatoschu, der Verfasser des berühmten Romanes „In Polens Wäldern“, der jetzt in deutscher Sprache im „Heimbund" erschienen ist: Mein Vater gehörte zu den Aufklärern, den Maskilim, und war ein Chowew-Zion. Er pflegte zu allen Büchern, die er von seiner Bibliothek hatte, Glossen zu schreiben, verfaßte selbst verschiedene Schriften und erzählte gerne, daß er als Knabe hebräische Lieder verfaßt habe. Ob das irgendwelche Wirkung auf mich ausgeübt hat? Ich erinnere mich bloß, daß ich meinen älteren Bruder heftig beneidete, wenn er dem Vater als ,,Purim-Schlachmones“ ein hebräisches Gedicht präsentierte. Derselbe Bruder pflegte auch Erzählungen im Genre Scholem Alejchems zu schreiben und löste mit ihnen, wenn er sie im Familienkreise vorlas, stürmische Heiterkeit aus. Das Milieu mütterlicherseits war jedoch ein ganz anderes; Holz- und Waldhändler, Besitzer von Wind- und Wassermühlen, lauter gesunde kräftige Menschen. Ich erinnere mich an die Episode, wie mein Großvater mütterlicherseits, ein Gre;s von 70 Jahren, einmal auf einem Pferde durch die Stadt ritt. Das Pferd lief bloß auf den zwei Hinterbeinen und das ganze Städtchen bewunderte den Großvater mit den eng anliegenden Hosen und Sporenstiefeln. Der Kontrast zwischen dieser beiderseitigen Verwandtschaft war, wie man sieht, ein starker. Mit 15 Jahren begann ich zu schreiben; es kam jedoch noch nichts dabei heraus. In meinem Geburtsstädtchen M 1 a w a wurde ich mit Konrad Tom bekannt. Er träumte davon, ein großer polnischer Schriftsteller zu werden und ich — ein jüdischer. — Er pflegte meine jüdischen Arbeiten zu übersetzen und an die Warschauer polnischen Zeitungen zu senden; sie wurden aber niemals gedruckt. Ich kam dann nach Warschau, wo ich mich bemühte, in Wawelbergs technischer Lehranstalt unterzukommen, ich wohnte beim hebräischen Schriftsteller Jisachar P r e i e r, der gegenwärtig in Palästina lebt. Auch hier versuchte ich zu schreiben. Da in der Schule kein freier Platz vorhanden war, fuhr ich nach Frankreich, wo ich in Nancy ins Polytechnikum eintreten wollte. Ich hatte wohl ein schweres Paket mit eigenen Schriften, aber kein Geld zum Leben mit. Da entschloß ich mich, nach New York zu ziehen. Hier arbeitete ich zunächst in einem Ledermiissc. In der Versammlung wurde mitgctcilt, daß während des Kongresses der Zweiten Internationale in Brüssel eine internationale Besprechung der Sozialisten aller Länder über die Palästina- Frage stattfinden wird, in der wirtschaftliche, kulturelle und politische Fragen zur Erörterung gelangen werden. Von deutscher Seite werden Eduard Bernstein und der Präsident des Reichstages Paul Loebc an dieser Besprechung teil - nehmen. 102.000 Pfund für den Keren Kajessod in Südafrika Colonel K i s h, Mitglied der Zionistischen Exekutive, der gegenwärtig die Keren Hajessod-Kampagne in Südafrika leitet, hat dem Hauptbüro des Keren Hajessod in Jerusalem mitgeteilt, daß diese Kampagne mit einem Erträgnis von 102.000 Pfund zugunsten des Palästina-Werkes abgeschlossen worden ist. Colonel Kish hat bereits seine Rückreise nach Palästina angetreten. Miszellen Mehrere Teilnehmer an dem p a 1 ä s t i n c n s i s c h -arabischen Kongreß verließen unter Protest die Beratung, weil die Exekutive nicht durch Gcheimabslimmung gewählt worden war, sondern auf Grund einer Abmachung zwischen einigen Gruppen. Die Sezessionisten haben nun eine Erklärung veröffentlicht, in der gesagt wird, daß die neue Exekutive nicht als eine Vertretung des Volkes angesehen werden kann. Der frühere Herausgeber der hebräischen Tageszeitung »Doar Hajom«, E1 m a 1 e h, kündigt an, daß er demnächst mit der Herausgabe einer neuen hebräischen Tageszeitung in Jerusalem beginnen wird. * Die jüdische Gemeinde von T e t u a n hat der Hebräischen Universität zu Jerusalem eine Plakette mit einem cingehämmerten siebenarmigen Leuchter geschenkt. Die eingravierten hebräischen Schriftzüge sind im Stile der Juden Nordafrikas gehalten, wobei der arabische Einfluß klar zutage tritt. Nach Ueberlieferung soll diese Plakette 300 J ahre a 11 sein. * An der Tagung der Malaria-Kommission des Völkerbundes, die jetzt in Genf slatlfindet, nimmt der Professor der Bakteriologie an der Hebräischen Universität zu Jerusalem, Dr. K 1 i g 1 c r, teil, der speziell eingeladen wurde. geschäft, später in einer Fabrik zur Erzeugung von Hemden. Da ich täglich eine Anzahl Nadeln zerbrach und im Handwerk nicht vorwärts kam, wurde ich nach zwei Monaten aus dem Geschäft einfach hinausgeworfen. Durch einen glücklichen Zufall wurde ich Angestellter eines Zeitungsbureaus, wo ich mit einer ganzen Bande von entgleisten Existenzen von 4 Uhr morgens bis 7 Uhr morgens arbeitete. Während des ganzen Tages war ich frei, ich studierte und schrieb. Das Leben in dieser Gesellschaft, wo die Nichtjuden zum größten Teil „gewesene“ Menschen, gewesene Professoren oder sonst irgendwie aus ihrer Bahn Geschleuderte, die Juden erst im Begriffe waren, wieder Menschen zu werden, erweckte in mir Bilder aus meinem Heimatstädtchen. Und damals schrieb ich zwei Romane: „Katerinschtschikes“, ein Bild aus dem Leben der Leiermänner jenseits der Brücke in Mlawa, und den „Roman eines Pferdediebes“, in welchem das Leben eines Zweiges meiner Familie geschildert wird. „Katerinschtschikes“ wurde im New Yorker Verlag „Literatur“ abgedruckt, als ich 24 Jahre alt war. Den „Roman eines Pferdediebes“ habe ich einige Jahre später seihst herausgegeben. Eine Gruppe von Literaten, der Many L e i b, M. L. H a 1 p e r i n, I g n a t o w , R a b o y, Sischa Landau und Joeland und ich angehörten, vereinigten sich zur Gründung des Verlages „Literatur“. Die zwei Romane bildeten die ersten Schritte meiner literarischen Arbeit. Ich konnte nicht bei ihnen stehen bleiben; die Klassiker der jüdischen Literatur, Mendele, Scholem Alejchem, Perez u. a. hatten dieses Milieu bereits bearbeitet. Und so stieg ich in die Tiefe des jüdischen Lebens hinab, um mich nicht in Wiederholungen zu verlieren. So gab ich mein Buch vom New Yorker Ghetto, „Unterwelt“, heraus. Keine Geschichte ist imstande, das Lehen der Juden in Amerika so anschaulich zu schildern, als ich es in diesem Werk getan habe. Dann ging ich zu „Salomo Molcho“ und zu den „Polnischen Wäldern“ über. Der zweite Band der Encyclopacdia Judaica ist soeben im Verlag Eschkol A, G,—Berlin zur Ausgabe gelangt. (Der erste Band ist bekanntlich vor sechs Monaten erschienen.) Dieses auf 15 Bände berechnete, in seiner Weise einzigartige Werk unternimmt zum ersten Male in deutscher Sprache den Versuch, unter Mitarbeit führender jüdischer und nichtjüdischer Gelehrten aller Länder, den gesamten Wissensstoff über das Judentum zu sammeln und rein objektiv und wissenschaftlich zur Darstellung zu bringen. Das Erscheinen des ersten Bandes hat in der gesamten Oeffentlichkeit stärkste Aufmerksamkeit hervorgerufen. Der zweite! Band, der die Artikel Akademien bis Apostasie umj faßt, enthält mehrere besonders wichtige und interessante | Monographien, so u. a. über: Alphabet, Akzente, Alexanj drien, Amoräer, Anthropomorphismus, Antisemitismus, Apokalyptik, Apologetik und Apostasie. Die weiteren Bände erscheinen in Abständen von je sechs Monaten. Thesaurus philosophicus linguac fcebraicae. Von Jakob Klatzkins »Philosophisches Lexikon des Hebräischen Schrifttums«, das im Verlag «Eschkol«.—Berlin veröffentlicht wird, ist soeben der zweite Band (bis Buchstabe M) erschienen. Die zwei letzten Bände folgen in nächster Zeit. Der vierte Band wird als Anhang ein ausführlicher. Register der deutschen und englischen philosophischen Terminologie mit der hebräii sehen Uehcrsetzung enthalten. Jossele Rosenblatt HÄ Ein jüdisches Diminutiv, eine Verkleinerung aus übergroßer, liebevoller Verehrung. Vor nahezu einem halben Jahrhundert trat der kleine, schmächtige Chuderknabe, Jossele Rosenblatt, das große Wunderkind des jüdischen Gesanges zum erstenmal vor die jüdische Oeffentlichkeit und seither ist ihm der rückhaltlose Enthusiasmus des jüdischen Publikums in aller Welt, das ihn gleichsam zum Wunderkind in Permanenz erklärte, immer treu geblieben. Der heute berühmte New Yorker Oberkantor, Komponist und Konzertsänger, der große, gereifte Künstler, der in seinen gesanglichen Darbietungen wunderbare Höhen der Stimmlage und der Meisterschaft erreicht, ist dem jüdischen Publikum noch immer jener phänomenale „kleine Jossele“, der als vierjähriger Knabe den großen kantoralen Chor seines Vaters dirigierte, als Achtjähriger Vorbeter an zahlreichen altehrwürdigen jüdischen Bethäusern Rußlands, Galiziens und Ungarns war und als zwölfjähriger synagogaler Konzertsänger einen Triumphzug durch ganz Mitteleuropa unternahm, der seinen Namen jedem musikliebenden Juden einprägte. Für den größten Teil der jubelnden Zuhörer, die am 27. Juni den großen Konzerthaussaal füllten, bedeutete das Konzert Rosenblatt die Wiederkehr eines glanzvollen, künstlerischen Erlebnisses, dessen man schon einmal, in früher Jugend, teilhaftig war, die Wiederkehr der üppig blühenden, im Feierlich- Lithurgischen, wie im Schwer- und Uebermut des Volksliedhaften gleich herrlichen jüdischen Melodie, die mit dem Namen Rosenblatt zu tiefst verbunden ist. Unmittelbar vor seinem Wiener Konzert empfing Josef Rosenblatt den Mitarbeiter der „Stimme“, dem er eine längere Unterredung gewährte. Rosenblatt erzählte von seinem interessanten künstlerischen Werdegang, von seiner jetzigen Tournee, die ihn durch Belgien, Holland, Frankreich, Deutschland und Wien führte und in Osteuropa — Polen, Litauen, Lettland — dem einstigen Ausgangspunkt seiner künstlerischen Laufbahn, ihren Abschluß finden soll. Eine Reise nach Erez Israel, die ursprünglich geplant war, mußte wegen anderer Verpflichtungen, auf das nächste Jahr*verschoben werden. „Aber hach Erez Israel“ — will Rosenblatt hervorgehoben wissen — „gehe ich nicht als Kantor und Konzertsänger, sondern vor allem als Z i o n i s t. Es ist ja nicht ausgeschlossen, daß mich der jüdische Jischuw ebenso wird hören wollen, wie die Juden in anderen Ländern; für mich aber erscheint es wichtiger, daß ich selbst das junge, aufblühende jüdische Leben in Erez Israel höre und sehe und daß ich seine schöpferische Fülle mit eigenen Sinnen wahrnehme.“ „Bei uns amerikanischen Zionisten herrscht gegenwärtig die Tendenz vor, unmittelbare Berührung mit Erez Israel zu suchen. Nur so glauben wir den richtigen W'eg zu erkennen, der zum Wiederaufbau unseres Vaterlandes führt. Und das ist jetzt mehr als je die Sehnsucht jedes amerikanischen Juden. Es gab eine Zeit, da der Jude in Amerika vorwiegend materielle Interessen hatte. Der ehemalige jüdische Immigrant, der aus der Hölle des Zarismus, aus der hoffnungslosen Armut Galiziens oder Rumäniens ins „goldene Land“ kam, stürzte sich mit wahrem Heißhunger aufs Verdienen, um Wissenschaft, Literatur, Kunst Mein Werdegang Von Joseph Opatoschu.

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