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Die Stimme · 1928-07-05 · Heft 27 (5.7.1928) · page 11

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 27 (5.7.1928)
Date
1928-07-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 27 DIE STIMME Seite 11 Auf den Fragebogen der Mandatskommission an die britische Regierung wurde erwidert, daß kein arbeitsloser Jude die öffentlichen Fonds direkt belastet hat. Die Palästina-Regierung über ihre Mandatsverwaltung. Der Bericht der Mandatskommission des Völkerbundes. Wie schon mitgeteilt, hat die britische Regierung durch die Mandatskommission des Völkerbundes dem Völkerbundsrat einen Bericht über die Verwaltung Palästinas und Transjordaniens im Jahre 1927 überreichen lassen. In dem Bericht wird einleitend festgestellt, daß im Verlauf von 1927 die^ jüdische Kolonisation in Palästina unter einem schweren finanziellen Druck gestanden hat, der noch durch die Trockenheit im Süden des Landes und durch die Wirkungen der Erdbeben im Juli verstärkt worden ist. Die öffentliche Ordnung wurde gut aufrecht erhalten, der Fortschritt in den administrativen Reformen ging ungehindert vonstatten. Wenn nun das vergangene Jahr eine Periode wirtschaftlicher Depression bedeutete, heißt es in dem Beri cht weiter, so würde es dennoch eine Uebertretung sein, von einer ,.finanziellen Krise“ zu sprechen. Indessen ist eine sofortige Besserung nicht als wahrscheinlich anzusehen; in den nächsten Jahren wird die Regierung vor dem Problem stehen, wie sie, ohne der Bevölkerung eines kleinen und wenig entwickelten Landes ungebührliche Lasten aufzuerlegen, die Mittel beschaffen könnte, um eine gut funktionierende Verwaltung aufrecht zu erhalten, die relativ hohen Kosten für die öffentliche Sicherheit zu bestreiten, die verschiedenen, durch Vertrag und anderswie Palästina auferlegten Schulden zurückzuzahlen und für die Tilgung der im November v. J. in London placierten Anleihe in Höhe von 4,475.000 Pfund Sterling Vorsorge zu treffen. Im Berichtsjahre war eine Abnahme der freiwilligen Subskriptionen für die zionistischen Fonds seitens der Weltjudenheit, sowie eine Verminderung des Zuflusses von Privatkapital aus dem Auslande zu verzeichnen. Diese Erscheinungen sind eng mit der jüdischen Einwanderung verbunden, da Einwanderung und lokale Handelstätigkeit einen Anreiz für zionistische Begeisterung in Palästina wie im Auslande bilden. Eine Einschränkung der Immigration, die dem Lande in den drei Jahren. 1924 bis 1926 eine neue Bevölkerung von mehr als 50.000 Personen gebracht hat, wurde notwendig, Palästina konnte in einer so kurzen Zeit eine so große Zahl von Einwanderern nicht absorbieren; die vorhandenen Hilfsquellen reichten nicht hin, um den wirtschaftlichen Bedürfnissen dieser Bevölkerung nachzukommen. Die verstärkte Einwanderung hatte eine allgemeine Preissteigerung, besonders in Immobilien, zur Folge. Die Kosten der Ansiedlung erhöhten sich, jüdisches Privatkapital wurde in lokalen Industrien und Grundstücken in abnormer Höhe angelegt, die zionistischen Fonds wurden von der Anlage in produktive Werte ab gelenkt, da sie für den erhöhten Dienst der sozialen Fürsorge zvr Verfügung stehen mußten für eine Bevölkerung, die von 70.000 im Jahre 1920 auf 140.000 im Jahre 1927 gestiegen war. Die unvermeidliche Folge war ein allgemeines Sinken der Preise, ein Anspannen des Kredites und eine Abneigung der Kapitalisten, neues Kapital im Lande zu investieren. Arbeitslosigkeit stellte sick als weitere Folge ein. Schätzungsweise gibt es immer noch eine jüdische Bevölkerung von 5000 Arbeitenden, die von den zionistischen Fonds und den von der Regierung nach Möglichkeit in Angriff genommenen öffentlichen Arbeiten abhängt. Es bedeutet keineswegs eine Herabsetzung der schätzenswerten Ergebnisse der zionistischen Arbeit, wenn man bemerkt, daß die Schwierigkeiten, die das zionistische Unternehmen gegenwärtig durchzumachen hat, den einen Vorteil hat, daß nun die Erkenntnis durchdringt, daß das jüdische Nationalheim auf einer anderen als gesunden wirtschaftlichen Basis nicht gut und wahrhaftig aufgebaut werden könne. Die Zionistische Organisation hat dieser Erkenntnis durch die Tatsache der Ernennung einer Survey- Kommission, unter deren Leitung eine Anzahl von Sachverständigen das Land besucht hatten, um über die verschiedenen Aspekte des Problems der jüdischen Siedlung ein Urteil abzugeben, Rechnung getragen. Die geschilderten finanziellen Schwierigkeiten, die auf den Aufschwung im Jahre 1925 folgten, werden während des laufenden Jahres eine Abnahme von 40.000 Pfund der Nettoeinkünfte aus Steuern, Zöllen und Hafengebühren zum Resultate haben; dies spiegelt sich in noch bemerkenswerterer Weise in dem Sinken der Importware um einen Wert von 400.000 Pfund wider. Die Zahl der Transaktionen in Immobilien ist ebenfalks gesunken. Der Bericht stellt dann auf Grund der Ziffern über die Zunahme des Exportes, die Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion und die stetige Entwicklung der Industrien fest, daß der allgemeine wirtschaftliche Fortschritt des Landes, zu dem jüdisches Kapital und jüdischer Unternehmungsgeist soviel beigetragen haben, nicht gehemmt worden ist, und bespricht dann das jüdische Unterrichtswesen. In den zionistischen Schulen — besagt der Bericht — herrscht eine Tendenz vor, den Lehrplan gemäß der Gewandtheit im Hebräischen abzustufen und darum andere Gegenstände in unangemessener Weise zu verzögern oder zu beschleunigen. Das. Niveau des Plebräischen ist nicht unbefriedigend, jedoch wegen V ernachlässigung der Grammatik ist die Korrektheit mangelhaft, der Stil oft matt. Viel Zeit wird dem Alten Testament gewidmet, das jedoch in den Elementarschulen zu viel, in den Mittelschulen nicht kritisch genug gelehrt wird. Der literarische und erzieherische Wert des Hebräisch - Unterrichtes würde ein höherer sein, wenn mehr Gewicht auf die Lektüre nach biblischer, klassischer, hebräischer Poesie gelegt werden würde. Der Unterricht im Englischen ist unter dem angemessenen Standard; die Stundenzahl für dieses Fach könnte erhöht werden. In Mathematik, Physik und Geographie fehlt die Gelegenheit praktischer Versuche. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die zionistischen Schulen nicht immer vollen Erfolg in der Vermittlung einer strengen geistigen Disziplin, einer praktischen Vorbereitung für das Leben, oder einer gesunden Wissensgrundlage haben. Andererseits aber wird dem Schüler Gelegenheit gegeben, sich über viele moderne Gedanken und Themen zu orientieren. Unter den Nichtjuden zählte man 1500 b i s 2000 Arbeitslose, unter den Juden bedeutete die Arbeitslosigkeit ein ernstes Problem*, man zählte nicht weniger als 5000 Arbeitslose. Gegen Ende des Jahres verringerte sich die Arbeitslosenzahl infolge Inangriffnahme von Notstandsarbeiten und infolge von Auswanderung. Die Regierung beschleunigte die Inangriffnahme öffentlicher Arbeiten, die zwar unumgänglich waren, aber sonst noch nicht angefangen worden wären, um auf diese Weise eine Höchstzahl jüdischer Arbeitsloser zu beschäftigen. Auch die Zionistische Organisation führte nach Maßgabe ihrer beschränkten Finanzen eine Anzahl Arbeiten durch. In Palästina gibt es schätzungsweise 26.500 jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen. 70 Prozent sfnd Mitglieder der General Federation (Histadruth). 68 Prozent sind weniger als 30 Jahre alt. 1927 wurden 378 Juden in sechs neuen Dörfern angesiedelt. Der Arbeitsm angel drückte sich auch in dem Sinken der Löhne der jüdischen Arbeiter aus; im Baugewerbe sank der Lohn um 30 Prozent. 4374 Personen, davon 4138 Palästina-Einwohner, bewarben sich um das palästinensische Bürgerrecht; 3188 Bürgerschaftszertifikate wurden erteilt. Von 19.293 Personen (meist Juden), die im Jahre 1922 um einstweilige Zertifikate nachsuchten, haben bisher nur 6418 Schritte zur Regulierung ihres Status gemäß der Bürgerschafts - Kabinettsorder unternommen. 59.505 Touristen und 24.398 Landeseinwohner kamen nach Palästina, 57.359 Touristen und 29,248 Landeseinwohner verließen das Land vorübergehend. 11.900 Palästina-Pässe und 1937 dringende Zertifikate wurden bewilligt. Die gesamte jüdische Einwanderung im Jahre 1927 betrug 2713 Personen. Alte Jordanbrücke. Die Jewish Agency verteilte im Durchschnitt 7.000 Pfund monatlich an Arbeitslosenunterstützung. Von der Jewish Agency wurde eine Experten *- Kommission nach Palästina gesandt, um die Probleme und Möglichkeiten der verschiedenen Zweige des jüdischen Unternehmens, besonders der Landwirtschaft und der Städte-Kolonisation, zu prüfen. Das Ergebnis dieser Prüfung wird der Administration zur Verfügung gestellt werden. Die Jewish Agency hat von Oktober 1926 bis September 1927 590.000 Pfund für wirtschaftliche und soziale Dienste ausgegeben, 289.000 Pfund für Bodenkauf und Urbarmachung hat der Jüdische Nationalfonds ausgegeben. Die Leistungen der i medizinischen Organisation „Hadassah“ betrafen i 61.000 Pfund. Die Jewish Agency subskribierte 23.000 Pfund für die Palestine Electric Corporation, was ihre Gesamtanlage in diesem Unternehmen auf 77.000 Pfund gebracht hat. Methode Hyamson Von J. Supraski (Tel-Aviv). In den letzten Monaten wurde im zionistischen Lager die Freudenbotschaft verkündet, daß die ökonomische Krise, die nahezu drei Jahre in Erez Israel anhielt, bereits vorüber sei und daß wir nun am Beginne einer Epoche des neuen Aufschwunges stehen. Diese Nachricht enthält wohl ein Körnchen Wahrheit, ist aber im übrigen durch die allgemeine Uebertreibungstendenz gekennzeichnet, die sich immer in unserer ab- und beifälligen Beurteilung der Lage in Erez Israel bemerkbar macht. Wahr ist allein die Tatsache, daß die Krise an einem Wendepunkt angelangt ist und daß ein wirtschaftlicher Aufstieg nur dann möglich ist, wenn ein Strom neuer Einwanderer das Land beleben wird, die in der Lage sind, Kapital und ökonomische Erfahrungen in Erez Israel zu investieren. Nur eine starke Einwanderung von produktiven, kapitalskräftigen Unternehmern kann eine dauernde Beschäftigung der Arbeitslosen und neueingewanderten Arbeiter g e währleisten. Leider aber kann unter dem gegenwärtigen Regime von einer Erneuerung dieser Einwanderung keine Rede sein, denn die Immigrationsbeschränkungen sind gerade jetzt, da die ökonomische Situation eine leichte Besserung erfuhr, wesentlich verschärft worden. Wir verbinden die größten Hoffnungen mit dem Hafenbau in Haifa mit der Durchführung der Ruthenberg- und Novomejski-Projekte usw. Aber all diese großen Projekte werden uns um keinen Schritt weiter bringen, wenn wir nicht wieder eine starke jüdische Einwanderung haben werden. Und diese jüdische Einwanderung wäre jetzt entschieden wieder möglich, wenn sie nicht durch die Verständnislosigkeit und durch die ganz besondere Härte, mit der der Leiter des Immigrationsdepartements der Palästinaregierung (noch dazu ein Jude und ehemaliger Zionist!) diesen Fragen entgegentritl, gewaltsam unterdrückt wurde. Vor den Einwanderungsbeschränkungen des Jahres 1925 konnte jeder bemittelte Jude aus der Kategorie B beim englischen Konsulat seines Wohnortes ein Visum nach Erez Israel bekommen. Nach dem Gesetz vom 15. Juni 1925 aber mußte der Emigrant um die Einreisebewilligung beim Leiter des Immigrationsdepartements in Jerusalem ansuchen und gleichzeitig den Nachweis erbringen, daß er den vorschriftsmäßigen Bargeldbetrag besitze. Zu diesem Zwecke war der Einwanderungskandidat in den meisten Fällen gezwungen, seine Geschäfte in der alten Heimat zu liquidieren, noch lange bevor er die Zusicherung erhielt, daß er in die neue Heimat aufgenommen wird. Ja, oft wurde ihm diese Zusicherung aus irgend einem Grunde verweigert und ihm auch die Weiterführung seiner früheren Geschäfte in der alten Heimat unmöglich gemacht. Weiters haben die Immigrationsdrosselungen die Bestimmung eingeführt, daß der bemittelte Einwanderer nicht berechtigt ist, gestützt auf sein Vermögen auch seine Angehörigen ins Land zu bringen! Er müßte vielmehr beweisen, daß er im Lande selbst ein dauerndes Einkommen habe und es kamen Fälle vor, daß Leute, die eine Bauernwirtschaft in Erez Israel erwarben und zur Führung derselben ihre Familienangehörigen ins Land bringen wollten, vom Immigrationsdepartement den Bescheid erhielten, die Einreiseerlaubnis für die Angehörigen sei erst dann anzusprechen, wenn die Wirtschaft schon ertragsfähig sein würde — was sie natürlich infolge Mangels an heimischen Arbeitskräften nicht werden konnte. Aber das Immigrationsdepartement ist bei diesen Beschränkungen gar nicht stehen geblieben, sondern verweigerte einfach in vielen Fällen, ohne Angabe von Gründen, die Erteilung der Einreisebewilligung für bemittelte Personen. Hier mögen einige Beispiele diese unhaltbaren Zustände illustrieren: Moses Schramm aus Lodz kam am 4. Feber 1925 nach Palästina, kaufte eine Wirtschaft um 800 Pfund und reiste für kurze Zeit nach Lodz zurück, um dort seine Geschäfte zu liquidieren. Als nach einiger Zeit sein Sohn Abraham Schramm, der schon früher in Petach-Tikwah lebte, um die Rückeinreiseerlaubnis für seinen Vater ansuchte, erhielt er nach langem Hin und Her einen unbegründeten a b w e i s 1 ic h e n Bescheid. Am 16. Juni 1926 ersuchte die Gemeindeverwaltung Petach-Tikwah um die Einreisebewilligung für Baruch B r i s k i n aus Rußland, der nach seinem in Petach Tikwah verstorbenen Vater ein Erbe im Werte von 920 Pfund anzutreten hatte. Dieses Ansuchen , vom palästinensischen Rabbinat und von der landwirtschaftlichen Darlehenskassa Petach - Tikwah befürwortet, wurde ohne Begründung abgewiesen.

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