Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1928)
- Date
- 1928-07-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr; DIE STIMME üf ¥"‘\( v!M'x -; N ( < /, t'\ V"^ zeigen Krunniks entzückende eigene Schöpfungen und Hodelle der ersten Pariser Modehäuser Duftige Sommerkleider, hochelegante Complels, fesche Kostüme und Müntel, hochaparte Abend- und Gesellschaftskleider aus edelstem Material und in den reizendsten Modefarben zu enorm billigen Preisen » M1IP VH. KAISERSTR. 115 Wir haben nirgends Filialen! Anerkannt größtes Spezialhaus Österreichs Wie Herzl den Weg sah (Aus seinen zionistischen Schriften.) Ich weiß es nicht, ob wir noch in dieser Generation die Befreiung aus Schimpf und Elend erleben werden. Möglich ist es, vorausgesetzt, daß wir klug und entschlossen sind; Aber das weiß ich, daß schon das Wandern auf diesem Wege uns zu anderen Menschen machen wird. Wir gewinnen unsere verlorene innerliche Einheit wieder und mit dieser ein bißchen Charakter, und zwar unseren eigenen Charakter. Keinen maranischen, erborgten, unwahren, sondern ' unseren eigenen. Herzl-Grabgang und Herzl- Feier Sonntag den 8. d. M. findet der traditionelle Gang zum Grabe Theodor Herzls statt. Zum ersten Male werden Delegationen der neugegründeten Zionistischen Organisation Ungarns teilnehmen. Außerdem sind große Abordnungen aus der Tschechoslowakei und den österreichischen Provinzorlen angemeldet. Die Aufstellung erfolgt präzise halb 10 Uhr, der Abmarsch 10 Uhr. Die Teilnehmer werden dringendst darauf aufmerksam gemacht, {daß der Abmarsch keine Verzögerung erfährt und die Zuspätkommenden außerhalb ihrer Gruppen am Ende des Zuges angeschlossen werden. Es wird dringend ersucht, die Ordner, die durch blau-weiße Schleifen kenntlich gemacht sind, durch strengste Einhaltung der getroffenen Maßnahmen in ihrer Arbeit zu unterstützen. Die Herzl-Gedenkfeicr, die vom Zionistischen Landeskomitee gemeinsam mit den Zionistisch-akademischen Verbindungen und Vereinen Oesterreichs veranstaltet wird, findet am gleichen Tage präzise Vif? Uhr abends im Festsaale des Hotels Continental, II., Taborstraße 4, statt. Ansprache Sr. Ehrwürden Rabbiner Dr. David Feuchtwan g; mitwirkend die Herren Oskar B e r e g i und Oberkantor Gerson M argul i e s. Eintrittskarten im Zionistischen Büro, I., Kärntnerstraße 28. Reihenfolge im Aufmarsch und Sammelplatz der einzelnen Gruppen , Gruppe I: Zionistisch-akademische Verbindungen und Vereine Oesterreichs: Hochschule für Bodenkultur, Ecke Peter-Jordan-Straße—Hochschulstraße. Gruppe II: Die Mitglieder des Aktionskomitees, Landeskomitees, auswärtige Delegationen, Parteiratsmitglieder, Keren Hajessod und Keren Kajemeth bei der Hochschule für Bodenkultur (Rampe). Gruppe III: Bezirkssektionen I, II, Prater, III, Misrachi, Peter-Jordan-Straße, Ecke Hocbschulstraße. Gruppe IV: Frauenorganisationen: Hochschule für Bodenkultur, Ecke Feistmantelstraße—Hochschulstraße. Gruppe V: Bczirkssektionen IV/V, VI/VII, X/XI wie Gruppe IV. Gruppe VI: Bezirkssektionen VIII/IX, XII/XIV/XV, XIII, XVI/XVII, XVIII, XIX: Blaasstraße, Ecke Felix Mottlstraße. Gruppe VII: Bezirkssektionen XX, Zwischenbrücken, XXI: Cottagestraße, Ecke Felix Mottlstraße. Gruppe VIII: Hidachduth, Hechaluz, Brith Hamischmar und alle sozialistischen Gruppen: Felix-Mottl-Straße von der Cottagestraße beginnend. Gruppe IX: Jugendorganisationen, Jugendgruppen: Weimarerstraße, Ecke Felix-Mottl-Straße. Gruppe X: Hakoah, Turn- und Sportverband: Weimarerstraße vom Karl-Ludwig-Denkmal bis Anastasius-Griin-Gasse. ben. Bei seiner Einvernahme gab Ciowanu an, daß er als kleines Kind die Eltern verloren habe, und von einer jüdischen Familie erzogen worden sei. Dies habe ihn bewogen, zum Judentum liberzutreten, und da er sich in dieser Religion glücklich fühle, möchte er auch seine ehemaligen Glaubensgenossen dieser Glückseligkeit teilhaftig werden lassen. Ciowanu wird sich, da in Bessarabien noch die russischen Gesetze aus der Zarenzeit gelten, wegen »Verleitung zum Abfall vom rechten Glauben« vor Gericht zu verantworten haben. Der Etat der Berliner jüdischen Gemeinde Die Repräsenlantenvcrsammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde beriet in ihrer letzten Sitzung den Etat für das Jahr 1928, der — wie schon einmal mitgeleill — in einer Höhe von ungefähr 10 Millionen Reichsmark balanziert. Den stärksten Anteil am Gesamtetat hat der Etat des Wohlfahrtsamtes der Jüdischen Gemeinde. Die Deckung, welche durch Steuern eingebracht werden soll, beträgt etwa 6 Millionen Mark. Die Steuerquote für das laufende Jahr ist wie im Vorjahre mit 10 Prozent der Reich seinkommensteuer festgesetzt worden. Der Etat, der schließlich in beiden Lesungen mit Einstimmigkeit angenommen wurde, sieht u. a. die folgenden Hauptausgabenposten vor: Kultus und Ritual 2,763.815 Mark, Unterricht- und Bibliothekswesen 1,126.639 M, Wohlfahrtswesen 3,886.090 M, Allgemeine jüdische Angelegenheiten 415.000 M, Verwaltung 1,787.943 M, Vermögensverwaltung 779,258 M. Bem-erkensv/ert ist, daß zum ersten Maie ein Posten für J u g e n d p f 1 e g e, und zwar in Höhe v on 30.000 Mark eingesetzt wurde. Kleine Nachrichten Eine Gruppe rumänischer Theologie-Student e n überfiel auf der Eisen'bahnstrecke Jassy—Kischinew die jüdischen Mitreisenden und mißhandelte sie schwer. Die Bahnbeamten holten Gendarmerie heran, die mehrere der Exzedenten auf der Eisenbahnstation U n g h e n i verhaftete und sie ins Jassyer Gefängnis einlieferte. Der Staatsanwalt hat gegen die Exzedenten die Untersuchung eingeleitct. Das Kreisgericht in Proskurow halle in seiner außerordentlichen Session über 13 Banditen zu urteilen, die an den Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung in Podolien Anteil genommen haben. Die Angeklagten, unter ihnen vier Frauen, gehörten zur Bande des Attamans S c h e p e 1, eines Unterattamans von P e 11 j u r a. Das Kreisgericht verurteilte vier der Banditen zum Tode durch Erschießen, die übrigen zu Gefängnisstrafen von 1 bis 10 Jahren. Das meist von Juden bewohnte Städtchen B a u s k in Lettland ist zum großen Teile durch Ueberschwemmung zerstört worden. Der alte Beth-Hamidrasch wurde weggespült, die Thorarollen konnten geborgen werden, 200 Familien sind obdachlos. Auf einer soeben stattgefundenen Jahresversammlung der jüdischen Einwanderer-Schutzgesellschaft von Kanada wurde mitgeteiit, daß im vergangenen Jahre 4219 jüdische Einwanderer nach Kanada gekommen sind, die 3.63 Prozent der Gesamteinwanderung betragen. ♦ In diesen Tagen trifft in Melbourne in Australien mit dem Dampfer »Cephee« eine Gruppe von 300 jüdischen Einwanderern ein. Da die Gemeinde Melbourne eine so große Zahl jüdischer Einwanderer — die größte Einwanderergruppe der letzten Jahre — nicht allein absorbieren kann, sind Bestrebungen im Gange, diese Einwanderergruppen auf mehrere Orte im Lande zu verteilen. « Das Zentralkomitee des Verbandes der Zionisten- Revisionisten wird am 17. Juli in Berlin zu einer Sitzung zusammentreten. * Am 1. Juli wurde in Z o p p o t die Weltkonferenz der hebräischen Kultur- und Schulorganisationen »Tarbuth« •eröffnet, zu der zahlreiche Delegierte aus allen Ländern, sowie Martin Bubcr und Saul Tschernichowskv eintrafen. In Warschau wurde die erste Konferenz der jüdischen Aerzteschaft Polens abgehalten, die von der Gesellschaft für jüdischen Gesundheitsschutz »TOZ« einberufen worden war. Es hatten sich etwa 400 Aerzte aus allen Teilen Polens eingefunden. Es wurden mehr als 40 Referate über alle Zweige des jüdischen Gesundheitsschutzes und der Erforschung der jüdischen Physis und Psyche gehalten. * Am 8. und 9. Juli findet in Venedig ein jüdischer Kultur Kongreß statt, dem man angesichts der in Italien erstarkten jüdischen Bewegung gegen die Assimilation große Bedeutung beimißt. An dem Kongreß werden außer den Delegierten der Kulturkomitees die Vorsteher der jüdischen Gemeinden, ferner die Rabbiner von Rom, Mailand, Padua und mehreren anderen italienischen Städten teilnehmen. Der Professor für semitische Sprachen an dem Orientologischen Institut zu Rom, Prof. Dr. Dante L a t t e s, hat soeben ein zweibändiges Werk in italienischer Sprache über den Zionismus erscheinen lassen. (Prof. Lattes, einer der ältesten Vorkämpfer des Zionismus in Italien, ist als hervorragender Uebersetzer hebräischer Standardwerke ins Italienische bekannt. — Die Red.) * ln San Francisco verstarb im Alter von 73 Jahren, der über Amerika hinaus bekannte jüdische Philologe und Professor an der Universität Baltimore, Dr. Morris Blumenf e 1 d. Der hervorragende Gelehrte, de aus Bielitz (Schlesien) stammte, war in der ganzen Welt als Autorität in den a 11 i ndisch en Sprachen bekannt. Um zur völkerrechtlich gesicherten Heimstätte zu gelangen, mußten wir zunächst unser Volkstum in die Erscheinung treten lassen. Ist das Volk da, so schafft es sich das Stück Erde, das es braucht. Ich glaube, es ist in alten Zeiten nicht anders zugegangen, wenn eine Gruppe von Menschen gezwungen war, sich eine Niederlassung zu suchen. Wir machen dies in den Formen der Gegenwart, das ist der ganze Unterschied. Wir passen unsere Bewegung den wirtschaftlichen und Verkehrsformen an. Wir halten uns stets vor Augen, daß, wenn unser Gedanke alt und einfach ist, wir doch in der Ausführung modern sein können und sein müssen. * Es heißt, die Börsenkammer wolle Vorkehrungen treffen, um die Börse zu purifizieren. Pu-rifi-zie-ren! Das ist ein guter Gedanke. Wie werden die Herren das machen? Werden sie die notorischen Würger ausschließen, die wie jene Londoner Strolche im Nebel herankommen und den Ahnungslosen garrotieren? Werden sie alle diejenigen dauernd disqualifizieren, die als Urheber oder Helfer Attentate auf den Markt verübt haben? Welcher Art soll die Abhilfe sein? Ist nur an die Erschwerung des Zutritts zum Geschäftsverkehre gedacht, so ist zu befürchten, daß die Frage damit nicht gelöst sein werde. Die Proletarier drin* im Börsensaale würden sich nur um so viele Köpfe vermindern, als zu den Proletariern draußen vor dem Börsengebäude hinzukämen — vorausgesetzt, daß nicht einige gleich um ein paar Schritte weitergingen, bis ans untere Ende des Schottenringes, um im Donaukanal den Ausweg zu suchen.... Das Börsenelend ist ein Teil der allgemeinen Judennot, es ist zugleich betrübend und empörend. Man kennt es nicht in seiner wahren Gestalt. ♦ Für Geld bekommt man Mietlinge, ein Volk läßt sich so nicht aufraffen. Dies kann nur eine Idee zuwege bringen. Sie hat es zuwege gebracht. Die wohltätige Kolonisation ist gescheitert, die nationale wird gelingen. Wenn man uns aber fragt, was wir mit den Ansiedlern anfangen wollen, so sind wir nicht in Verlegenheit. Wir wollen sie zu Bodenständigen, zu wirklichen Landsassen machen, i Sie wollen auf der Scholle, von der Scholle leben, | nicht besorgt als kraftlose Händler nach dem Marktpreise auslugen. Den Markt sollen sie nur mit den Erzeugnissen aufsuchen, die sie über den Eigenbedarf hinaus haben. Jede Ansiedlung soll sich nach den Grundsätzen, die uns Erfahrung und Wissenschaft heute schon an die Hand geben, als landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft selbst verwalten. Redaktionsschluß und Schluß der Inseratenannahme Montag um 4 Uhr nachmittags. werkstäite für lessei »na Tische Salongarnituren und Einzelmöoelstiicke ADLER, VII, Apollos. 18 * Das jüdische Religionslehrerseminar in Wien aufgelöst! Eine der wichtigsten kulturellen Gründungen Oberrabbiners Dr. Chajes dauernd verloren? Die diesjährige Reifeprüfung am Religionslehrerseminar, die von sämtlichen 23 männlichen und weiblichen Abiturienten bestanden wurde, und zwar von neun mit Vorzug, mußte umso wehmütiger stimmen, je mehr sie die Gediegenheit und den weiten Umfang des Wissens zeigte, das diese Institution ihren Schülern vermittelte, denn diese Schlußprüfung bedeutete auch den Schluß, die Auflösung des jüdischen Religionslehrerseminars, Grund: Schon die derzeitigen Wiener Religionslehrer sind zum Teile unterbeschäftigt, und so können in absehbarer Zeit nur sehr wenige von den 23 Abiturienten in Wien angestellt werden. Zu hoffen ist allerdings, daß einige Provinzgemeinden, die keinen Religionslehrer oder nur unzureichende Lehrkräfte besitzen, einen der neu ausgebildeten Lehrer anfordern werden. Wiens Pflicht wäre es gewesen, in- und ausländische Gemeinden zu veranlassen,, ihren Lehrernachwuchs hieher zur Ausbildung zu entsenden, um das mustergültige, in mancher Beziehung einzigartige Seminar zu erhalten. Aber un-, sere Kultusgemeinde hat es sogar abgelehnt, einen Fortbildungskurs für die jungen Lehrkräfte, welche keine Stellen erhalten können, zu subventionieren. Im Jahre 1920, einer Zeit großen Religionslehrermangels, gründete Oberrabbiner Dr. Chajes das jüdische Religionslehrerseminar, zu dessen Leiter, über seinen Vorschlag, Prof. Dr. M. Rosenfeld bestellt wurde. Dieser vorzügliche Pädagoge hatte schon vorher in seiner äußerst lesenswerten Broschüre „Der jüdische Religionsunterricht“ dargelegt, daß, da Religion nie gelehrt Werden kann, ein umfassender „J u d e,n t umsunterricht" angestrebt werden muß. Der Religionslehrer müsse allgemein gebildet sein und aller Religionsunterricht (Judentumsunterricht) habe auf dem Unterricht der lebenden hebräischen Sprache zu hißen. Dieses Programm wurde im Seminar vollkommen durchgeführt. Obwohl allgemeines Wissen, spezielle und allgemeine Pädagogik in reichem Maße vermittelt wurden, blieb den Schülern während der vier Jahre ihres Studiums kein religiöses, kein nationales geistiges Gut fremd. Ernste Gelehrte waren am Werke, Bibel, Talmud, rabbinische Literatur, Bibelkommentare, Liturgik und Ritualkunde wurden gelehrt, aber auch die hebräische Sprache und ihre Literatur, Palästinakunde, jüdische Geschichte, Aramäisch und allgemeine Religionskunde kamen zu ihrem Rechte. Praktische Unterrichtsübungen wurden gepflegt. „Judentumsunterricht, Erfühlen des Wertes und der Eigen- 07^5257324309194738305601945159730162124296597 738208^773^7757^30^6890^7367 56