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Die Stimme · 1928-07-05 · Heft 27 (5.7.1928) · page 8

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DIE STIMME nistischen Organisation Amerikas, weiche die Namen Gesundheitskommissär Louis Harris, Richter William Lewis, Abram Liebowitz, Richter Julian W. M a c k, Israel Matz, Dr. Nathan Ratno f f, Samuel Rothenberg, Jacob Sigel und Dr. Israel W e c h s 1 e r enthält, der gegenwärtigen Leitung zur Ratifizierung überreicht. Diese Ratifizierung noch vor Bekanntgabe des Untersuchungsergebnisses des Schiedsgerichtes wurde von der Leitung abgelehnt. Das Schiedsgericht setzte seine Untersuchung fort und hat nach deren Abschluß einen B e r i ch t an Dr. W e i z m a n n abgesendet, der demnächst veröffentlicht wird. Anleihe und Judenireundschaft Der rumänische Innenminister Du ca hat dem gegenwärtig in Bukarest weilenden Vizepräsidenten der Union rumänischer Juden in Amerika. Leon Fischer, im Namen der rumänischen Regierung eine Deklaration überreicht als Antwort auf deren Beschluß, die rumänische Anleihe, die in kurzem in Amerika zur Zeichnung aufgelegt werden soll, zu unterstützen. Die Erklärung lautet: >Dic rumänische Regierung ist entschlossen, den Minoritäten gegenüber eine Politik des weitestgehenden Liberalismus anzuwenden Die Gefühle der Regierung gegenüber den Juden äußerten sich in konkreter Weise durch ein Wahlbündnis zwischen der liberalen Partei und den Juden. Ich bin glücklich, festzustellen, daß seit dieser Verständigung die Beziehungen zwischen der Regierung und den Juden. Ich bin glücklich, festzustellen, daß seit dieser Ycr- Serie administrativer Maßnahmen zu Gunsten der jüdischen Bevölkerung führten. Ich kann versichern, daß den erzielten Ergebnissen sowohl auf dem religiösen Gebiete, als auch auf dem des Unterrichtes weitere folgen werden, da die Gleichheit in der Behandlung aller Minoritäten eine Notwendigkeit ist, welche wir respektieren wollen. Daher verlangen wir unsererseits von der jüdischen Bevölkerung Geduld und Vertraue n. Geduld, weil alle schwierigen Probleme, die in Nc-urumänien :n der Konsolidierungsepoche nach dem Kriege zu lösen sind, nicht von einem Tag zum anderen bewältigt werden können. Vertrauen, weil die Absichten der Regierung und der literalen Partei, die von einer höheren Staatsauffassung und vom menschlichen Rechtsstandpunkte ausgehen, nient bezweifelt werden können.« Die rumänische Anleihefrage ist noch nicht endgültig erledigt. Es wird also noch Gelegenheit sein, den Wert dieser Deklaration zu erkennen. Die Aufgabe der jüdischen Farmer in Amerika Aron S a p i r o. dessen mutiger Kampf gegen Henry Ford noch in aller Erinnerung ist, hat vor kurzem bei der Jahresfeier der jüdischen Farmerschule in Doylestone (Panama) eine Rede gehalten, die wegeQ ihrer Offenheit und Entschlossenheit allgemeines Aufsehen erregte. Er iührte u. a. aus: „Nicht deshalb müssen Juden zur Erhaltung einer jüdischen landwirtschaftlichen Lehranstalt beitragen, damit sie auf diese Weise den Beweis erbringen, daß Juden auch im materiellen Sinn produktive Elemente sind. Ist bloß dieser Gesichtspunkt das Ziel der Erhaltung der jüdischen Farmerschule, dann ist er ein falscher und die hiefür aufgewendete Mühe eine überflüssige V erschwendung. Amerika ist nicht auf einen Beitrag der Juden zur Hebung der Landwirtschaft des Landes angewiesen, und Juden brauchen niemandem Rechenschaft abzulegen für ihren geringeren Anteil am Farmwesen Amerikas. Juden sind wahre Produzenten. Sie sind die Schöpfer und Träger von Ideen und Idealen in allen Ländern und zu allen Zeiten. Sie haben sich überall durch ihre Genialität als Kaufleute, durch ihre wirtschaftlichen Methoden und die Vielfältigkeit ihrer Unternehmungen ausgezeichnet. Werden nun die Absolventen der jüdischen National-Farm-Scool außer ihrer gründlichen Kenntnis des Farm wesens auch die 'natürlichen jüdischen Vorzüge der kaufmännischen Fähigkeit in das Leben des Farmers hineintragen, dann werden sie als Juden den wirklichen und wertvollsten Beitrag zur amerikanischen Farmindustrie geleistet haben, In je größerem und nachdrücklichstem Maße das geschehen wird, desto sicherer wird der amerikanische Farmer aus seiner gegenwärtigen verzweifelten Lage gerettet werden, in die er nur deshalb geraten ist, weil er bloß ein fähiger Farmer, aber ein unfähiger und unerfahrener Geschäftsmann ist.« Die Bedeutung dieser Rede des anerkannten Fachmannes auf dem Gebiete der Farmindustrie liegt u, a. auch in dem Umstand, daß die Farmerkrise gegenwärtig das politische Leben in A.merika beherrscht und noch dadurch verschärft wurde, daß Präsident Coolidge sich erst »or kurzem wieder geweigert hat, das Gesetz zugunsten der Rettung der Farmer zu unterzeichnen. Die Bergjuden von Daghestan Der bekannte Moskauer Publizist Michael La rin ve:- öffentlicht in der »Prawda« einen längeren Aufsatz, welcher der traurigen Lage der sogenannten Bergjuden in de - Republik Daghestan gewidmet ist. Die Bergjuden, schreibt Larin, waren seinerzeit das Opfer der Pogrome der Armee des Generals Denikin. Ihr Landbesitz wurde ihnen genommen und sie in die Städte vertrieben, wo sie keinerlei wirtschaftliche Grundlagen haben. Die vor einigen Jahren gefaßten Beschlüsse, sie auf. dem Lande wieder anzusiej dein, sind nicht verwirklicht worden. Diese Juden sind fakj tisch rechtlos und haben unter dem Antisemitismus, der in Daghestan herrscht, sehr zu leiden. Diese antisemitische Stimmung äußerte sich in Pogromausschreitungen, die in der Hauptstadt von Daghestan, Machatsch-Kala und in einigen anderen Städten stattgefunden haben. Die von der Regierung der Sowjetunion entsandte Unters lchangskommission hat eine große Reihe himmelschreiender Tatsachen von Rechtlosigkeit und Unterdrückung der Berg uden seitens; der Behörden zu Protokoll gebracht. Larin fordert die Regie- J rung zu radikalen Maßnahmen im Interesse der Bergjuden ion : Daghestan auf. •ß Wien 1 sivuße JVp. 22 ^>ze besi& MTäd. billig?sie SirihoLMts* quelle pz>ezse & T S 9*— S 12' An unsere Leser! »Die Stimme« tritt mit dieser Nummer ins zweite Halbjahr. Mit Freude konnten wir ieststellen, daß unsere Leser in aller Welt unseren Bestrebungen, ein Organ zu schaiien, das Spiegel des jüdischen Lebens ist, stetig steigendes Interesse entgegenbringen. Wir haben noch nicht alles erreicht, was wir uns für die Schaliung einer universell jüdischen Tribüne zum Ziele gesetzt haben, doch gar manches konnte in verhältnismäßig kurzer Zeit geschaffen werden; davon gibt die stattliche Reihe von Mitarbeitern in aller Welt Zeugnis, unter denen sich die besten Namen jüdischen Schaffens auf allen Gebieten des wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens befinden; nur ein Teil sei hier auigezählt: Joseph Achron (New York), Schalom Asch (New York), A. Barisac (Paris), Henri Bernstein (Paris), Hermann Bernstein (New York), Prof. Dr. Ludwig Blau (Budapest), Jean Richard Bloch (Paris), Leon Blum (Paris), Max Brod (Prag), Proi. Max Eisler (Wien), Jehudo Epstein (Wien), Agronom J. A. Ettinger (Buenos Aires), Rabbiner Dr. David Feuchtwang (Wien), Rechtsanwalt Dr. Hermann Fialla (Wien), Hofrat Dr. S. Frankfurter (Wien), Prof. Dr. A. Fürst (Budapest), Ministerialrat Dr. Hans Goslar (Berlin), Prof. Max Graf (Wien), Alexis Granovsky (Moskau), Fritz Groß (Wien), Perez Hirschbein (New York), Wladimir Jabotinsky (Paris), L. Jaffe (Jerusalem), Hofrat Proi. Leon Kellner (Wien), Günter Keiser (Berlin), Rene Kraus (Wien), Emil Ludwig (Berlin), Prof. Dr. Theodor Lessing (Hannover), Dr. S. H. Lieben (Prag), Dr, Fritz Löwenstein (Jerusalem), Proi. Gustav Mayer (Berlin), Hermann Menkes (Wien), Minister A. de Monzie (Paris), Lord Alfred Mond (London), Arno Nadel (Berlin), Joseph Opatoschu (New York), Dep. Jakob Robinson (Kowno), Abraham Recaaati (Saloniki), M. Rabinowitz (Tel-Aviv), Oberrabbiner Prof. M. Schorr (Warschau), Adele Schreiber (Berlin), Pro!. David Schor (Tel-Aviv), Harry Sacher (Jerusalem), Lazare Saminsky (New York), Nahum Sokolow (London), Prof. Oskar Strnad (Wien), J, Stutschewsky (Wien), Prof. F. Turville-Petre (Paris), Prof. Dr. Chaim Weizmann (London). Colonel J. C. Wedgwood (London), Dr. Bernhard Wachstein (Wien), Prof. N. Yasue (Tokio), Arnold Zweig (Berlin), Dr. E. M. Zweig (Jerusalem). Wir werden diesen Kreis von Mitarbeitern ständig zu erweitern trachten, urn dem Programm unseres Blattes, die Leser durch die stärksten und sachkundigsten Exponenten des jüdischen Lebens informieren zu lassen, in immer steigendem Maße gerecht zu werden. Für die Durchführung dieser nicht leichten Aufgabe rechnen wir ebenso wie bisher auf die Unterstützung unserer Leser und Freunde; daher sind wir überzeugt, daß die Freunde unseres Blattes unsere in den Sommermonaten besonders erschwerte Arbeit mit freudwüligem Wohlwollen begleiten werden. Die in den nächsten Wochen zu erledigenden Urlaube des ohnedies geringen Personals, nötigen uns, während der sogenannten »toten Saison« den Umfang des Blattes, wie dies üblich ist, etwas zu verringern. Die Vielfältigkeit des Inhalts und die sonstige Ausstattung werden davon ln keiner Weise berührt. Die Arbeit am weiteren Ausbau des Blattes schreitet unausgesetzt vorwärts und wir hoifen, daß unsere Leser und Freunde sie nach wie vor tatkräftig fördern werden. Redaktion und Administration „Die Stimme“. I Wie der Kaiser von Oesterreich Grundherr einer Sy- I nagoge wurde i Die Kullusgemeindc von A r a d in Neurumänien begeht letzt die Hundertjahrfeier der Grundsteinlegung für die große j Arader Synagoge. Aus diesem Anlaß wird eine interessante; historische Episode in Erinnerung gerufen, die beweist, daß I die Judenfeindschaft im alten Ungarn, zu welchem Arad bis zum jüngsten Zusammenbruch gehörte, vor hundert Jahrer. I nicht geringer war als jetzt, zur Zeit rassenschiitzlerischen; Regimes in Ungarn und des Cuzismus in Rumänien, zu weli ehern Arad gegenwärtig gehört. Die Durchführung des Beschlusses der Judengemeinde vor hundert Jahren, eine Synagoge zu erbauen, ging unter buchstäblichen Kämpfen von slatten. Die Behörden bereiteten der jüdischen Gemeinde die größten Schwierigkeiten; dadurch aufgemuntert, verhinderte der Pöbel der Stadt und Umgebung das Fortschreiten des Baues durch A u sschreitungen und Demolierung der aufgcführlen Bauteile. Diese Haltung der Behörden und des magyarischen Volkes war umso sonderbarer, als der damalige Oberrabbincr von Arad, Aron C h o r i n, und der Kultuspräsident Moses H i r s c h 1 die Begründer der assimilatorischen Magyarisierungsbestrebungen unter den ungarischen Juden waren und Arad die erste Reformsynagoge in Ungarn besaß. Die Führer der Arader Judenschaft mußten schließlich cinsehen, daß bei solchem Haß und solcher Unduldsamkeit der Bau der Synagoge niemals vollendet werden könnte und die großen Baukosten nur vergeblich vergeudet würden, Moses Hirschl aber, einer der klügsten Juden seiner Zeit, wußte Rat; eines Tages legte er Rabbiner Chorim den Antrag vor, gemeinsam nach Wien zum Kaiser zu fahren, um die leidige Synagogenbaugeschichte in Ordnung zu bringen. In der Audienz überraschte Hirschl den Kaiser mit der Bitte, er möge den ganzen Grund, auf welchem die Synagoge und die jüdische Schule sowie andere Gemeindeanstalten erbaut werden sollten, als Geschenk der jüdischen Gemeinde von Arad annehmen. Verdutzt fragte der Kaiser, was diese sonderbare Schenkung zu bedeuten habe und was er eigentlich mit dem Grundstück beginnen solle. Da rückten nun Hirschl und Chorin mit der wahren Geschichte heraus, erzählten die Leiden und Verfolgungen, denen sie und die ganze Gemeinde wegen des Synagogenbaues ausgesetzt waren, und meinten nun: »Da die Arader Behörden und der von ihnen irregeleitete Pöbel vor der Heiligkeit des künftigen Gotteshauses keinen Respekt besäßen, vielleicht würden sie sich doch veranlaßt sehen, die Errichtung der Synagoge zu gestatten und zu fördern, wenn sie wissen werden, daß Se. Majestät der Kaiser der Grundherr dieser Synagoge ist.« Dem Kaiser gefiel diese nicht alltägliche Art, seinen Schutz für eine gerechte Sache zu erlangen; er nahm das Geschenk an, verlieh Chorin und Hirschl kaiserliche Auszeichnungen und sorgte durch energische Befehle für den ungestörten Verlauf des Baues der Arader Synagoge. Ein jüdischer Veteran des polnischen Aufstandes gestorben Vor einigen Tagen starb im Lemberger Militärspital im Alter von 90 Jahren Moses Grün seit, ein Teilnehmer am polnischen Aufstand im Jahre 1863. Grünscit kämpfte als Freiwilliger mit den polnischen Aufständischen gegen Rußland und leistete als Generalstabskurier dem Abteilungskommandanten Wejsocki große Dienste. Er nahm an mehreren Schlachten teil und rettete durch seine Umsicht, sowie seinen allgemein bewunderten Wagemut eine ganze Abteilung von Aufständischen vor einem Ueberfaü seitens der Russen bei Radziwilkow. Nach dem Aufstande lebte Grünseit, der von Beruf Z i m - hi e r male r war, in Podkarnien bei Brody. Auf Gnunl einer Zeugenaussage seiner Kameraden wurde Grünseit im Jahre 1918 vom polnischen Kriegsminislerium die Leutnantscharge sowie eine monatliche Gage zuerkannt. Vor einigen Wochen erkrankte Grünseil und wurde in das Militärspital nach Lemberg gebracht, wo er vorige Woche verschied. Seinem Leichenzug wohnte eine militärische Ehren kompagnie bei und nur über Ersuchen seiner streng orthodoxen Familie wurde von der Teilnahme einer Militärkapelle Abstand genommen. Mit Grünseit schied aus dem Leben einer der letzten jüdischen Veteranen der polnischen Freiheitsbewegung im Jahre 1863. Ein Ger wegen Bekehrung zum Judentum verhaltet In K i s c h i n e w wurde dieser Tage eine interessante Figur wegen eines sonderbaren Vergehens der Polizeidirektion eingeliefert. Es ist dies Alcxandru C i o w a n u, der selbst vor vier Jahren vom i*ussisch-orthodoxen Glauben zum Judentum übergetreten ist, und von dem hohen Wert der jüdischen Religion so überzeugt ist, daß er es, ohne hiezu von irgend jemandem aufgefordert zu sein, als seine Pflicht ansieht, im hessarabischen Gebiet die christliche Bevölkerung z u m J ud ent um zu bekehren. Er soll, wie aus Blätlermeldungen hervorgehl, eine starke Ueberredungsgabe besitzen, und mit wahrem Missionseifer seine Bekehrungsversuche gemacht ha-;r?

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