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Die Stimme · 1928-06-28 · Heft 26 (28.6.1928) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 26 (28.6.1928)
Date
1928-06-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 26 Bericht über die Tätigkeit des Verbandes. Große Freude weckte die Mitteilung, daß die Ungarische Akademie der Wissenschaften auf Antrag Albert Berzeviczys der hebräischen Universität in Jerusalem ihre sämtlichen Editionen übersendet hat. Dr. Josef P a t a i skizzierte die bedeutendsten Probleme der in Palästina geleisteten Aufbautätigkeit. Dr. Geza Szönyi berichtete über die neuesten Phasen der Aufbautätigkeit in Palästina. Nachdem noch Dr. Nison K a h a n und Dr. Josef S c h ö n f e 1 d gesprochen hatten, wurden die Wahlen vorgenommen. Präsident wurde Hofrat Karl B a r a c s. Zu Mitgliedern des Präsidiums wurden gewählt: die Hofräte Dr. Baron Adolf Kohner und Franz Szekely, Ignaz Pfeiffer, Oberregierungsrat Dr. Ignaz Friedmann, Dr. Julius Donath, Seminarprofessor Bernhard Heller, Schriftsteller Dr. Josef Patai, Oberrabbiner Immanuel Löw, Oberfiskalrat Alexander Fleißig, Generaldirektor Dr. Ernst Makai, Oberregierungsrat Dr. Emerich J. Szekely, Dr. Samuel Biedl, Advokat Dr. Leopold Oßtern, Oberrabbiner Dr. Arnold Kiß und Advokat Dr. Nison Kahan. In den Präsidialrat und in den Ausschuß wurden zahlreiche hervorragende Männer des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens entsendet. Der Pro - Palästina-Verband hat die Aufbringung von 60.000 Pengö für den Jüdischen Nationalfonds und von 20.000 Pengö für den Keren Hajessod in diesem Jahre beschlossen. Das Palästina-Mandat und Trans j ordanien Der englische Mandatsbericht über die Palästina- Verwaltung. In den Sitzungen vom 14., 15. und 16. Juni behandelte die permanente Mandatskommission des Völkerbundes die Berichte über die Mandate in Palästina und Transjordanien. Die Verwaltungsberichte erstattete der frühere Chefredakteur der Palästina-Regierung Colonel S y m e s. Er stellte u. a. fest, daß die britische Regierung nach wie vor bestrebt sei, die Prinzipien der »Selbstregierung« (Self-Government) in allen von ihr verwalteten Mandatsländern zur Geltung kommen zu lassen. Die Regierung war auch in Palästina, ungeachtet der dort bestehenden besonderen Schwierigkeiten, nach der gleichen Richtung bemüht und ist dabei, in Palästina diejenigen Reformen einzuführen, die sie im Interesse des öffentlichen Wohlstandes für nötig erachtet. Bevor aber solche Reformen Platz greifen, müssen sie gründlich durchstudiert werden. Diese Vorbereitungsarbeit vollzieht sich in einer Atmosphäre der Ruhe. Colonel Symes bemerkte weiter, daß viele — wenn nicht alle — der in Palästina den Prinzipien der Selbstregierung entgegenstehenden Schwierigkeiten durch das gewählte Mandatssystem selber bedingt sind. Die Administration hat die Aufgabe übernommen, ein kleines, armes und wenig entwickeltes Land für die Absorbierung einer großen Einwanderung vorzubereiten. Sie ist verpflichtet, zu diesem Zwecke ein modernes Verwaltungssystem zu schaffen; sie muß bedeutende Summen für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung ausgeben. Zur Aufbringung der notwendigen Summen war es notwendig, ein System indirekter Steuern und Zolltarife einzuführen, die die Lebenshaltung im Lande verteuert haben. Gegenwärtig ist man im Interesse der Produzenten in der Industrie wie in der Landwirtschaft bemüht, Maßnahmen zur Verbilligung der Lebenshaltung zu treffen. Die Regierung bereitet Reformen vor, die der Landwirtschaft und der Industrie eine sichere Basis schaffen sollen, Mit Bezug auf Transjordanien erklärte Colonel Symes, daß das am 20. Februar in Jerusalem Unterzeichnete Abkommen noch nicht ratifiziert worden und also noch nicht in Kraft ist. Dieses Abkommen anerkennt die Existenz einer unabhängigen Regierung in T r a n s j o r d a n i e n unter Garantie und Verantwortlichkeit Großbritanniens. In diesem Zusammenhang erinnerte Colonel Symes daran, daß der Völkerbundrat auf Grund des ihm von der britischen Regierung überreichten Memorandums über Artikel 25 des Palästina-Mandatstatutes bereits am 16, September 1922 festgelegt hat, daß die Bestimmungen des Palästina-Mandates über die Gründung eines jüdischen Nationalheimes auf Transjordanien keine Anwendung finden, Die Fragen der Mitglieder der Mandatskommission, welche an Colonel Symes gestellt wurden, bezogen sich vornehmlich auf den jüdischen Palästina-Aufbau. U, a. erklärte Colonel Symes über Befragen, daß die Beziehungen zwischen Juden und Arabern in Palästina sich ständig bessern, wenn sie auch heute noch nicht als glänzend bezeichnet werden können. Ueber die Beschränkungen der jüdischen Einwanderung erklärte Colonel Symes, in (Jebereinstimmung mit den Grundsätzen der Mandatskommission begrenze die Regierung die jüdische Einwanderung nach dem Maßstab der Aufnahmsfähigkeit des Landes. Es werde gegenwärtig in Palästina ein Bodenkat a s t e r angelegt; mit dieser Bodenaufnahme hänge die Frage der Wien I. fteientuvm sfvaße £Vz». 22 Die beste und billiffsfe Einkaufs quelle ßinheiis preise S 12 der Bereitstellung von Siediungsland aus den Staatsländern an die Juden zusammen. Die Petition der Agudas Jisroel über das palästinensische Gemeindegesetz wurde über Ersuchen des Petenten auf die nächste Session verschoben. Die Beschlüsse der Mandatskommission über die ihr vorgelegten Berichte werden erst nach der Ratifizierung durch die Völkerbundversammlung im September d. J. veröffentlicht werden. Ausweisungen und Prügelstrafe Wie wir jüngst berichteten, hat die Palästina-Regierung vier jüdischen Familien, die als Touristen ins Land kamen, den ständigen Aufenthalt in Palästina gestattet, dagegen aber die Landesverweisung von vier anderen jüdischen Familien bestätigt. Der Stadtrat von Tel-Aviv hat nun den britischen Kolonienminister auf telegraphischem Wege ersucht, die Ausweisungsorder gegen diese Familien zu annullieren. Das Telegramm lautet: »Trotz des Ersuchens einer Versammlung von 10.000 jüdischen Einwohnern Tel-Avivs und trotz der Intervention von Vertretern aller jüdischen Institutionen hat die Palästina-Regierung die Landesverweisung von vier ehr- und arbeitsamen jüdischen Arbeiterfamilien wegen formeller Ueberschreitung der Einwanderungsvorschriften bestätigt. Es sind dies die Familien Abraham Dunio, Nissim Arm and o, Lea Laharani, Samuel V e g r i 1. Wir sind des Glaubens, daß jeder Jude, der palästinensischen Boden betritt, zu behandeln ist als einer, der in seine Heimat zurückkehrt, aus der ihn kein Gesetz vertreiben kann. Dies ist auch der Sinn des Mandates. Diese Ausweisungen werden von der gesamten jüdischen Bevölkerung als schwere Beschimpfung empfunden und säen Verzweiflung in die Herzen der jüdischen Massen in der Diaspora, indem sie sie der Hoffnung berauben, den Boden Palästinas je betreten zu können. Wir protestieren mit aller Schärfe gegen die Ausweisungen und bitten den Kolonienminister, auf telegraphischem Wege die Ausweisungsorder zu annullieren. Das Gericht in Tel-Aviv hat jüngst drei Kommunisten, die gegen die Prügelstrafe demonstrierten und der Polizei Widerstand leisteten, verurteilt, und zwar L i p sman zu 25 Tagen Gefängnis und Landesverweisung, Holzmann zu einem Monat, Rachel Jzevsky zu 10 Tagen Gefängnis, Die palästinensische Arbeiterföderation hat sich vor kurzem an die Palästina-Regierung mit dem Ersuchen gewendet, unter Hinweis auf eine vollzogene Prügelstrafe an drei verhafteten Kommunisten, die Prügelstrafe für politische Häftlinge abzuschaffen. Die Regierung hat es in einem schriftlich erteilten Bescheid abgelehnt, den politischen Häftlingen eine besondere Behandlung angedeihen zu lassen. In Ansehung der Klagen über die sich häufenden Belästigungen jüdischer junger Mädchen in den Straßen von Jerusalem hat der Oberkommissär Feldmarschall Lord P1 u m e r strenge Instruktionen an die Polizei betreffend Stärkung der öffentlichen Sicherheit in den Straßen Jerusalems erlassen. Die Polizeikräfte sollen beträchtlich erhöht werden. Miszellen Die Einwanderung im April. Im Verlauf des Monats April sind außer Touristen im ganzen 54 Juden zu ständigem Aufenthalt nach Palästina gekommen. (Im März betrug die Zahl jüdischer Einwanderer rund 200, im Februar zählte man 170, im Jänner 176 jüdische Einwanderer. — Die Red.) Eine neue jüdische Kolonie. Eine Anzahl palästinensischer Juden und die zwei kanadischen Juden S h i pp e r und A1 p e r n haben in Abu K i s h a k, in der Nähe von Petach Tikwah, 4000 D u n a m Land erworben. Auf diesem Boden wird jetzt eine neue jüdische landwirtschaftliche Kolonie eingerichtet. Räuberischer Ueberfall von Arabern auf eine jüdische Kolonie. Gegen 30 Araber versuchten nachts die jüdische Kolonie in Nordgaliläa, Ajeleth Haschachar, zu plündern. Die jüdischen Kolonisten, die von den verdächtigen Geräuschen erwacht waren, konnten nach einer größeren Schlägerei die Araber vertreiben. Zwei jüdische Wächter sind leicht verwundet worden. * Der jüdische Polizist S a f o n o w ist in der Nacht in der Nähe der Eisenbahnstation von Petach Tikwah von Räubern erschossen worden. * In einer Unterredung mit einer Abordnung des Waad Leumi erklärte der Oberkommissär für Palästina Lord P1 u - m e r, die Zusammensetzung der palästinensisch-transjordanischen Grenzschutztruppe sei nun vollständig und es sei darum unmöglich, die Zahl der Juden in dieser Truppe zu erhöhen. Lord Plumer fügte hinzu, daß im Finanzjahre 1929/30 die Grenztruppe in ihrer Kopfzahl noch eingeschränkt werden wird. * Der Oberkommissär Lord Plumer sprach die Entlassung des jüdischen Mitgliedes des Haifaer Distriktsgerichts Joseph S t r u m z a, nachdem eine Kommission festgestellt hat, daß Strumza ein richterliches Dokument ungenau unterzeichnet hat. Strumza appellierte an das Kolonialamt. * Ein Fachmann aus Bialystock, Herr Lurie, versucht jetzt mit materieller Unterstützung reicher jüdischer Einwanderer aus Persien und Buchara in Jerusalem die Herstellung von Teppichen auf mechanischem Wege, statt der bisher ausschließlich üblichen Handwirkerei. Die Teppiche sollen zum Verkauf nach London in das dortige Lager der Fabriksbesitzer gesandt werden. Auch die Wolle wird aus London eingeführt, obwohl sie eigentlich aus Palästina stammt, da die Rohwolle nach England geschickt wird, weil Palästina keine moderne Spinnerei besitzt. * Der jüdische Eisenbahner Israel Cohen wurde zum palästinensischen Delegierten für den demnächst in Stockholm stattfindenden Internationalen Kongreß der Transportarbeiter bestimmt. * Während eines vom Handelsattache der polnischen Regierung Dr. Hausner zu Ehren des Entdeckers der Falaschas, der schwarzen Juden Abessyniens, Dr. Faitlowicz, in Tel-Aviv gegebenen Banketts wurde beschlossen, in Palästina ein Komitee zur kulturellen Förderung der in primitivem Zustand lebenden jüdischen Stämme, wie der F a läse h a s in Abessynien und H e i b a r (ein kriegerischer jüdischer Stamm) in Neschd, zu gründen. Der hebräische Dichter Chaim B i a 1 i k, der Bürgermeister von Tel-Aviv Bloch, der Handelsattache Dr, Hausner und Oberrabbiner U s i e 1 wurden mit den Vorarbeiten zur Gründung der Organisation betraut. * In Tel-Aviv verstarb im Alter von 76 Jahren Dajan Moses Avigdor C h a i k i n, der langjährige Chefgeistliche der Federation of Synagogues in London und Dajan des Londoner Beth Din. Im Jahre 1926 zog er sich nach 37jähriger Rabbinertätigkeit in England von diesem Amte zurück und siedelte nach Palästina über, wo er wegen seiner Gelehrsamkeit hohe Achtung genoß. jj/# * ' Am Jordan: Jüdische Polizisten als Uferwache.

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