Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1928)
- Date
- 1928-06-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE STIMME Nf. 26 Der schönste Sport Tennis jung and alt 8 Stunden samt Trainer pro Person S 15- Die Plätze liegen nicht an staubiger Straße, sondern in prachtvollem Oarten mitten im Grünen 36er und 37er Linie in nächster Nähe Kahlonbergerslraße 46. Tal. A-12-6-35, Herzi - Gedenkfeier statt, die das Zion. Landeskomitee gemeinsam mit dem Zion.-Akadem. Landesverband veranstaltet. Karten im Vorverkauf im Zionistischen Landeskomitee (I., Kärntnerstr. 28). Kleine Nachrichten Der Sommerfrischen-Antisemitismus. Die Reichszentrale für deutsche Verkehrswerbung verbreitet einen Prospekt der Direktion des Ostseebades Zinnowitz, in welchem es u. a. heißt: »Um peinliche Zwischenfälle zu vermeiden, die die Verwaltung häufig in wenig angenehme Lage versetzen und auch zur Vermeidung diesbezüglicher Rückfragen muß erwähnt werden, daß von jeher Bestrebungen unter den unseren schönen Badeort immer wieder aufsuchenden Gästen bestehen, das Bad von semitischen Kurgästen f r e i z u h a 11 e n.« Die Presse fragt, ob die.Reichszentrale für Verkehrswerbung amtliche Mittel bezieht, um für Antisemitismus zu werben. * Am 24. Juni, dem sechsten Todestage Walther Rathenaus, wurde in seinem Hause in der Königsallee im Grunewald die Walther-Rathenau-Gesellschaft gegründet. Der Gedanke der Gründung geht aus von dem Stiftungsvorstand, insbesondere von Ministerialdirektor Brecht und Reichskunstwart Dr, R e d s l o b. Die Walther-Rathenau- Gesellschaft soll im Sinne Walther Rathenaus für die Beachtung der kulturellen und politischen Aufgaben des Staates und des einzelnen wirken und das Vermächtnis der Walther-Rathenau-Stiftung lebendig erhalten. * Der Altmeister der zionistischen Bewegung in Rumänien und einer der Veteranen der zionistischen Bewegung überhaupt, Samuel P i n e l e s in Galatz, begeht am 23. Juli seinen 8 5. Geburtstag. Die dortigen Mitarbeiter des Keren Kajemeth, dem der greise Vorkämpfer noch jetzt seine Arbeit widmet, haben beschlossen, diesen Tag besonders festlich zu begehen. * Auf Initiative von Dr. Tauber wurde in Botosani eine Bnei-Brith-Loge unter dem Namen „Hillel" begründet. Dem Festakt wohnte der Präsident der rumänischen Großloge, Senator Landesrabbiner Dr. Niemirower, bei. * Die 8. Landeskonferenz der Zionisten Transsylvaniens fand in Timisoara in Anwesenheit von 120 Delegiert e n aus allen Teilen Transsylvaniens und des Banates und von vielen Hunderten Gästen statt. Zum Präsidenten der Landesexekutive wurde Dr. Joseph Fischer wiedergewählt. In die Landesexekutive wurden ferner gewählt: Dr. Jacob Rotbarth, Samuel Nussbaum, Dr. Mor Deutsch, Lipot Fischer, Dr. Hillel Kohn, Dr. Josef Hamburg, Dr, Ernö Kertesz, Dr. Emö Marton, Mor Noszin, Sandor Rosenfeld. In den Obersten Rat der rumänischen Zionisten wurden folgende Mitglieder entsandt: Dr. Josef Fischer, Samuel Nussbaum und Dr. Ernö Marton. * In Prag fand am 17. Juni der Distriktstag des zionistischen Distriktes Böhmen statt. In den Vorstand des Distriktes wurden gewählt: Norbert Adler, Dr. Franz Gottlieb, Dr. Fritz Fried, Dr. Rud. Braun, Dr. Ernst Desensy, Fr. Thekla Freud, JUC. Kurt Grünberger, Oskar Karpeles, JUC. Zdenäk Landes, Hans Löw, Alfred Löwy, Dr. Felix Resek, Dr. Max Schneider. * Der Bund jüdischer Gemeinden Jugoslawiens beschloß die Gründung einer jüdischen theologischen Anstalt in Sarajevo zur Ausbildung von Religionslehrern, Kantoren und Rabbinervertretern. Die Kandidaten sollen sowohl für den sephardischen, als auch für den a s c h - kenasischen Ritus ausgebildet werden. * Unter der Redaktion des bekannten jüdischen Publizisten Wladimir Groflman, des bisherigen Redakteurs der Pariser Tageszeitung „Hajnt", hat in Paris eine reichillustrierte und gut ausgestattete jiddische Wochenschrift unter dem Titel „Di siben teg ilustrirt" (Les 7 jours illustres) zu erscheinen begonnen. Der frühere Rabbiner von Bogorodsk Rabbi Kleraes wurde von der Moskauer jüdischen Gemeinde zum Rabbiner an Stelle des verstorbenen Rabbiners Jacob M a s e gewählt, Der Vorsitzende des jüdischen Stadtsowjets in Kotelnye (Distrikt Zytomir in der Ukraine), W y s o c k i, ist unter der Beschuldigung, seine Autorität mißbraucht und die Bevölkerung terrorisiert zu haben, zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Sein Gehilfe, Strugatsch, erhielt wegen des gleichen Deliktes neun Monate Gefängnis. Oas einzige Geschält in Wien, das sämtliche jüdische und hebräische Grammophonplatten sowie mit den Gesängen des Oberkantors Rosenblatt führt, ist Richard Herzog, II., Kleine Pfarrgasse 28. Österreich Programme und Wirklichkeit Die „Reform“ des Religionsunterrichtes. Nein, sie ist nicht auf dem Marsche, obwohl sie von allen jüdisch Interessierten gewünscht wird, und zahlreiche Vorschläge, insbesondere von Seiten der Religionslehrer, seit Jahren vorliegen. Der „neue Religionslehrplan“, der in der letzten Sitzung des Kultusvorstandes beschlossen wurde, ist durchaus der alte, nur daß der Lehrstoff der fünften Klasse der Volksschule auf die erste Hauptschule überging. Aber ein großer Fortschritt ist zu merken; der jüdische Religionslehrplan findet sich jetzt ebenso detailliert wie der katholische oder der evangelische im Bundesgesetzblatt und nimmt, wenn nicht sogar noch mehr, endlich ebensoviel Druckerschwärze für sich in Anspruch wie diese. Eine Reform durfte und konnte der Lehrplan nicht enthalten, denn eine solche findet sich im Programm jeder Partei der Kultusstube, aber jede stellt sich die Reform anders vor und um des lieben Friedens willen. Bei einigen tüchtigen Lehrern sieht man zwar, daß ihnen der Geist der allgemeinen Schulreform nicht fremd ist und ohne Zweifel haben die z i onis tischen Bestrebungen in bezug auf H e - bräisierung des Religionsunterrichtes einige Anhänger unter den Lehrern gefunden, dennoch dürfte kaum hier, in den öffentlichen Schulen, die Kraft zu suchen sein, die schließlich doch die Unterrichtsreform bringen wird. Vielleicht werden es dieselben Lehrkräfte sein, die später als Schrittmacher der „Religionsunterrichtsreform“ werden gelten müssen, aber dann hauptsächlich durch ihre Tätigkeit an Privatinstitutionen. Nur private Unterrichtsanstalten können einschneidende Neuerungen erproben, dürfen auch Extreme versuchen. So ist die Wiener Schulreform SIEfiM. KORMEIIL, (»roflfleischliaiierei Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. A-17-3-99 u. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten, Abteilungen für *]£?2-Flelsch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien IX, Berggasse 15 XV1H, Währingerstraße 97 Seriös * ff HANSA <• Diskret Prom WIEN I., FRANZ JOSEFS-KAI 13 TELEPHON 75-409 Hfluser, Büros, Wohnungen, Hypotheken, Verwaltungen Unter wenigen Tagen beste Resultate Eigene Kredftabtellung nur für größt Transaktionen zum großen Teil der langjährigen Pionierarbeit privater Lehranstalten in Deutschland zu danken. Für den Religionsunterricht sind vor allem die Bibelschulen und die hebräischen Kurse die Anstalten, in welchen neue Unterrichtsideen durch Praxis zur Reife geführt werden könnten. Es ist ein Verdienst der Wiener Kultusgemeinde, daß sie sich der immer anwachsenden Zahl der Bibelschulen aufs wärmste annimmt, sie reichlich materiell unterstützt, ja viele ganz erhält, die von den Gründern der betreffenden Schule bestimmte Unterrichtsart und das Lehrziel aber kaum beeinflußt. Mögen die Bibelschulen das Talmudstudium anstreben, hauptsächlich Geschichtsunterricht betreiben oder ihr Hauptaugenmerk _ dem modernen hebräischen Sprachunterricht zuwenden, sie alle sind ein Nötersatz der fehlenden jüdischen Schuj e«. das Produkt des Elternwillens, dem Kinde mehr jüdisches Wissen, tieferes jüdisches Empfinden zu vermitteln. Wendet sich diesen Schulen das Interesse aller zu, die jüdische Erziehung als etwas Wertvolles erkennen, gelingt es ihnen, immer mehr Kinder zu erfassen, dann dürfte die Religionsunterrichtsreform in weniger Jahrzehnten kommen, als sie bereits allgemein angestrebt wird. Schulschluß. Alle jüdischen Erziehungsanstalten haben heuer materiell besonders schwer zu kämpfen gehabt und dennoch wurde nahezu überall vorzügliche Arbeit geleistet. Das jüdische Realgymnasium litt an unleidlichem Raummangel, obwohl im Vorjahr ein kleiner Zubau erfolgte und so muß auch heuer wieder ein Anbau mit einem Kostenvoranschlag von Schilling 25.000.— durchgeführt werden. Das Dr. - Krüger-Heim (Elisabethheim) hat in einer beachtenswerten Ausstellung der Gewerbeschule den Erfolg seiner Tätigkeit gezeigt. Mehr als zwanzig Damen der Gesellschaft hatten die Führung durch die Ausstellung über. Sie alle trugen eine Blume als Zeichen, daß ihr Kleid aus der vor kurzem errichteten Werkstätte der Arbeitsgemein- Wochen-Kalender Juni—Juli 1928 Gedenktage rrsnnri&n 28 Donnerstag r! o 29 Freitag 11 - M' 30 Samstag 12 — 2p Haftarah: wehojo scheerls Juli 1 Sonntag 1861 — Dr. Bernhard Baer, der Vei lasser der 4 jüdischen Literaturbriefe, in Dresden gestorben. 1863 — der Psychologe und Philosoph Hugo MUnsterberg in Danzig geboren. 13 - r 2 Montag 14 — -p 3 Dienstag 1901 — Theodor Herzi gestorben. 15 —US 4 Mittwoch 1843 — der berühmte Philosoph Hermann Cohen in Coswig (Anhalt) geboren. 16 - TB schaft der arbeitslosen ehemaligen Zöglinge dieses Heimes stamme. Die Leiter der Erziehungsanstalten und Institute haben aber jetzt keine Zeit zu einem Rückblick; den Kindern muß ein Sommeraufenthalt gesichert werden. Sie haben alle heuer dieses Problem mindestens soweit gelöst, daß sie den dringendsten Fällen gerecht werden. Die Unterbringung armer, privat lebender jüdischer Schulkinder, insbesondere wenn sie auf ein jüdisches Heim reflektieren, ist heuer schwieriger als je zuvor, da die Kultusgemeinde im Prinzip nur Krankheitsfälle und tuberkulös gefährdete Kinder berücksichtigen kann und die jüdischen Sommererholungsheime nur eine verschwindende Anzahl von Freiplätzen zur Verfügung stellen können. Unsere jüdischen Jugendvereine aber, wie „Blau-Weiß“, „Schomer“, „Jüdischer Jungwanderer“ u. a. bauen aus eigenen Kräften die Sommererholung aus und es ist zu begrüßen, daß heuer weit mehr jüdische Jugendliche in den Sommerlagern dieser Vereine Unterkunft finden werden, als je in den Vorjahren. Es bleiben immerhin viel lufthungerige Kinder, vor allem Schulkinder, in Wien zurück. Obwohl uns aber einige Vereine bekannt sind, die es in ihrem Programm haben, solche Kinder öfter zu Führungen und Ausflügen zu sammeln, kennen wir keinen Verein, der dieses Programm auch ausführt. S. A. Der Besuch der Wiener Zionisten in Bratislava, welcher schon zu einer alljährlichen Gepflogenheit wird, verlief ausgezeichnet. Etwa 800 Wiener Zionisten trafen Sonntag, den 17. Juni, mit Separatschiff ein. Am Landungssteg hatten sich zum Empfang zahlreiche Zionisten Bratislavas und anderer Orte der Slovakei eingefunden. Namens der Stadt Bratislava begrüßte Vizebürgermeister Dr. Kraus in herzlichen Worten die Gäste und gab seiner tiefen Sympathie für die Ziele der weltumspannenden zionistischen Bewegung Ausdruck. Hierauf begrüßten Herr Harry Bl ei weis z namens des Ahawath Zion-Vereines, Dr. Sipos, Dr. Löbl namens der Jugend und S. Hakohen-Wcingarten namens des Misrachi, worauf Dr. Tartakower namens der Wiener dankte. Nach der Begrüßung setzte sich der imposante Zug in Bewegung, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu besichtigen. Reges Interesse wurde dem Ghetto, der Schloßruine, dem Museum der Stadt, dem alten Friedhof und dem Eisenbründel entgegengebracht. Nach dem Speisen fand ini Cafe Adlon ein gemütliches Beisammensein statt. Um 6 Uhr reisten die Wiener Gäste wieder ab; hunderte Gesinnungsgenossen hatten sich am Donaukai wieder angesammelt, um ihnen Abschiedsgrüße nachzurufen. Unter den Wiener Gästen befanden sich auch etwa 60 Jungmisrachisten, welche am Nachmittag sich im Misrachiheime versammelten. Hier begrüßte Herr Albert G ü n s b e rg e r, Vorsitzender der Landesorganisation für die ÖSR. die Gäste in einer herzlichen Ansprache und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Anwesenheit der Wiener Zeirim dazu beitragen möge, die Erziehungsarbeit für den Misrachi-Gedanken in beiden Ländern zu vertiefen. Für die Wiener Gäste dankte Herr M. D. G r o s z. Im Albrechtsgarten fand eine Aussprache über die gemeinsamen Fragen der Misrachiarbeit statt. Am herrlichen Meeresstrand von Grado seinen Urlaub zu verbringen, war bisher nur Menschen mit gefüllter Brieftasche möglich. Durch die ganz neuartige, nach amerikanischem Vorbild geschaffene Aktion des Internationalen Reisebüros F. G r i g o 1 o n & Co. erscheint dieses Ziel auch Minderbemittelten leicht erreichbar. Schon bei einer Anzahlung von 150 Schilling und vier Monatsraten ä 30 Schilling können 14 herrliche Urlaubstage und bei 155 Schilling ä-conto-Zahlung sowie vier Monatsraten ä 75 Schilling 28 glückliche Ferialtage an den Fluten der Adria, einschließlich aller Auslagen, verbracht werden. (Entgeltlich.)