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Die Stimme · 1928-06-28 · Heft 26 (28.6.1928) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 26 (28.6.1928)
Date
1928-06-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 2fi ermurze Der »trockene« Pogrom in Ungarn Die ungarische Regierung bereitet ein Gesetz vor, das nach Ansicht eingeweihter Kreise das nicht offen ausgesprochene Ziel verfolgt, die jüdischen Gu tsbesitzer und Bauern Ungarns, die bei der durchgeführten, stark antisemitisch betonten Agrarreform sehr viel von ihrem Bodenbesitz abgeben mußten, nunmehr ganz aus der ungarischen Landwirtschaft auszuschließen. Das neue Gesetz verfügt, daß bei Bodenverkäufen dem Staat das Vorkaufsrecht zusteht und daß Bodenbesitzänderungen nur mit spezieller Bewilligung des Landwirtschaftsministeriums stattfinden dürfen. Wie der Landwirtschaftsminister Mayer schon jetzt erklärte, wird nur »verläßlichen« Elementen die Bewilligung zum Erwerb von Boden erteilt werden. Der erste Kongreß der Bukowinaer jüdischen Bauern In Czernowitz wurde am 11. Juni der erste Kongreß der jüdischen Bauern der Bukowina in Anwesenheit von 31 Delegierten, die etwa 600 jüdische Bauernfamilien des Landes vertraten, eröffnet. Es wurde beschlossen, eine Kooperative der jüdischen Bauern der Bukowina zu gründen und die Kooperativen zu einem V e r b a n d zusammenzuschließen. In einer Resolution wird die Regierung aufgefordert, bei der Durchführung der Agrarreform auch den jüdischen Bauern Boden zuzuteilen. Die jüdischen Kreditgenossenschaften in Altrumänien Am 16. und am 17. Juni wurde in Jassy die Hauptversammlung der jüdischen Kreditgenossenschaften Altrumäniens abgehalten. Es nahmen an ihr 50 Delegierte teil, die 25 Kreditgenossenschaften mit etwa 20.000 Mitgliedern und einem Gesamtgrundkapital von 90 Millionen Lei vertraten. Den Vorsitz führte der bekannte Vorkämpfer für jüdische soziale Fürsorge, Dr. Gelehrter; er unterstrich in seiner Ansprache die Notwendigkeit, das j ü - dische Handwerk in Rumänien auf eine höhere Stufe zu bringen und stellte fest, daß die Kreditgenossenschaften es als ihre Hauptaufgabe betrachten, die arbeitenden jüdischen Schichten zu stützen. Es wurde beschlossen, mit den in den neuen rumänischen Provinzen Bukowina, Bessarabien und Siebenbürgen bestehenden Kreditgenossenschaften zusammenzuarbeit e n und zu diesem Zwecke in ganz Rumänien eine Propagandawoche für die Idee der Kreditgenossenschaften zu veranstalten. Eine Zeitung in jiddischer Sprache, die für die Kreditkooperativen werben soll, wird demnächst zu erscheinen beginnen. Im Verlauf des Sommers werden Kurse über Kooperativwesen abgehalten werden. Endlich wurde beschlossen, von der Regierung die Betätigungsfreiheit für die Kreditgenossenschaften gemäß dem Handelsgesetz zu Tatsache ging als Kuriosum durch die europäische Presse, doch als Herzl seinen ,,Judenstaat“ schrieb, war diese Epoche sicher schon unter die Schwelle seines Bewußtseins gesunken, wenn man nicht als Wirkung einer unterbewußten Vorstellung den Passus in seinem „Judenstaat“ annehmen will, wo er über die jüdische Flagge spricht, welche ein weiß-blaues Sternenbanner mit sieben Sternen darstellen soll; es ist möglich, daß hier unterbewußt die amerikanische Episode assoziativ gewirkt hat. Sie bildet dagegen den Ausgangspunkt und wahrscheinlich auch das anregende Moment für einen Judenstaatroman, welcher genau vor 35 Jahren, im Jahre 1893, also zwei Jahre vor der Niederschrift des Herzischen „Judenstaat“, im Verlage Dr. Förster & Cie. in Stuttgart erschienen ist. Der dort edierte Roman trägt den Verfassernamen Max Ost erberg-V erakoii und führt den Titel'. „Das Reich Judäa im Jahre 6000“, dem mit rührend ordnungsliebender Genauigkeit die Bemerkung „2241 christlicher Zeitrechnung“ in Klammern beigefügt ist. Es handelt sich hier um einen utopischen Roman, eine Gattung, die durch das nicht lange vorher erschienene Aufsehen erregende Buch von Bellamy : „Rückblick aus dem Jahre 2000“ in Mode gekommen war. War Bellamy’s „Rückblick“ eine sozialistische Utopie, so verfolgte das Judäabuch des offenbar pseudonymen Osterberg-Verakoff die sehr deutlich sichtbare Tendenz, ein konservatives Zukunftsideal zu zeichnen. Dazu wählte sich der Verfasser einen Staat der Juden, des konservativsten Volkes der Welt. Er schildert, wie die Juden, welche durch die (auf Grund der erwähnten Denkschrift erfolgte) Intervention Amerikas in den Besitz ihrer alten Heimat Palästina gelangt sind, dort nach ihren alten Gesetzen leben. Sie nehmen zwar an allen Errungenschaften der Kultur und Zivilisation aktiven Anteil, bewahren aber die alten jüdischen Lebensformen. Ihr Reich ist ein patriarchalisches Königtum (der König ist bezeichnenderweise ein Abkömmling aus dem Hause Montef iore, dem als Huldigung für den berühmten Moses Montefiore davidische Abkunft nachgesagt wurde), das durch einen Aeltestenrat beschränkt ist. Die alten Regeln für die Priesterkaste sind in Geltung. Das Königreich Judäa gilt in der ganzen Welt als das eigenartigste, denn seine Lebensformen sind grundverschieden von denen der übrigen Staaten und Völker, die dem „Radikalismus" in jeder Hinsicht verfallen sind, Am breitesten erörtert der Verfasser diesen Unterschied in den Fragen des Ehe- und Familienlebens (da wird auch die Anti- Bellamy-Tendenz am Ceutiichsten sichtbar). Mit überfordern. An den europäischen Direktor des American Joint Distribution Committee, Dr. Bernhard Kahn, wurde ein Telegramm gesandt, in welchem der Dank der jüdischen arbeitenden Schichten dafür ausgedrückt wird, daß das Jo int- Komitee das Kreditgenossenschaflswesen unterstützt. Joseph Barondess gestorben In New York ist vor kurzem Joseph Barondess im Alter von 61 Jahren verstorben. Mit ihm verliert das amerikanische Judentum eine Persönlichkeit von wirklichem sozialem Empfinden. Barondess wurde 1867 in Kamenetz-Podolsk als der Sohn frommer jüdischer Eltern geboren und genoß zunächst die traditionelle jüdische Erziehung. 1888 kam er nach den Vereinigten Staaten und wurde hier einer der Organisatoren der jüdischen Arbeiterbewegung. Er begründete die Mantelschneider-Union, später begründete er die Union der jüdischen Buchdrucker und kämpfte auch sonst jahrelang für Erweiterung der Rechte der Berufstätigen. Während des Krieges beteiligte er sich hervorragend an der Aktion für die Kriegsopfer, unmittelbar nach dem Kriege nahm er Anteil an den Arbeiten des Pariser Komitees der jüdischen Delegationen und wurde zum Vizepräsidenten des amerikanisch-jüdischen Kongresses gewählt. Er kämpfte auch energisch gegen die Immigrationseinschränkungs-Bill. In der zionistischen Bewegung war Barondess seit vielen Jahren hervorragend tätig. Er war Ehren-Vizepräsident der zionistischen Organisation Amerikas und wurde erst vor wenigen Wochen Präsident des Jüdischen Nationalfonds (Keren Kajemeth Lejisrael) in den Vereinigten Staaten. Jüdische Amerikamsierung Das New Yorker Jewish Institute of Religion hielt aus des Instituts einen Festgottesdienst ab, bei dem Richter Julian W. Mack als der Präsident des Kuratoriums den Vorsitz führte und der bekannte Sozialpolitiker Jacob Billikopf die Festrede hielt. Wie wird der Jude der nächsten Generation aussehen — fragte er; wird er den Stempel der in dieser Generation sich bemerkbar machenden Dekadenz, die eine Folge des in der Nachkriegszeit emporgekommenen Jazz-Geistes ist, tragen? Die Idee der »Amerikanisierung« beschäftigt jetzt die emstdenkenden Juden. Man fragt sich: Ist der Kulturgrad des in Amerika geborenen Juden wirklich höher als der seiner aus dem Osten eingewanderten Eltern? Der Vater hatte noch den an den Talmud geschulten scharfsinnigen Geist, der Sohn verfügt schon über die billige Schlagfertigkeit der Operette. Der Vater hat hunderte Sprüche aus Bibel und Talmud im Gedächtnis, der Sohn aber kennt die Gesetze des Ballschlagens auf das Genaueste. Der Vater kann hebräisch, der Sohn den Slang (die ordinäre Sprache der Straße). Der Vater war von den tiefen Idealen des jüdischen Lebens, von dem Pathos der jüdischen Geschichte bewegt worden, der Sohn lebt in den Tag hinein. Die Amerilcanisierungsmethoden haben sich nur negativ ausgewirkt, sie haben den Bruch mit den Traditionen allzu radikal vollzogen. Es wurde auf moderne Kleidung, neue Manieren, neue Ausdrucksweisc usw. mehr Gewicht gelegt als auf die Bildung seines neuen Charakters und neuer Ideale. Auch das Band der Familie wurde gelöst. Ohne Zweifel haben die sogenannten Amerikanisierungs - Bestrebungen das jüdische Heim geschwächt. quellender Beredsamkeit wird an der Hand einer Liebesgeschichte zwischen dem Kronprinzen und der Hohepriesterstochter dem Volkskönigtum das Wort gesprochen. Das Reich Judäa im Jahre 6000 hat keine Bettler, weil nach dem biblischen Gesetzen für den Armen gesorgt wird; von Handel und Wandel der Masse des Volkes wird freilich wenig gesagt, im wirtschaftlichen Punkte versagt die ohnedies nicht allzu starke Schilderungskraft des Verfassers vollkommen. Dagegen, wird eine Art diplomatischer Wiedergutmachungsaktion gegenüber, Rußland sehr ausführlich erörtert, wobei weniger die politische als die ethische Seite in den Vordergrund gerückt ist. Alle diese Schilderungen erfolgen im Rahmen einer Fabel, nach der im Jahre 6000 der jüdischen Zeitrechnung ein junger Deutscher nach Jerusalem kommt, um bei einem Geschäftsfreunde seines Vaters, Herrn Wolf Frankfurter, einige Wochen zu verweilen und Land und Leute kennenzulernen. Der junge Mann, der bei seinem Aufenthalt in Jerusalem so nebenher die Liebe kennenlernt, die es’in seinem Lande (Oh Bellamy!) nicht mehr gibt, kommt mit allerhand Vorurteilen in das Reich Judäa, und wird von ihnen geheilt. Es handelt sich also dem Autor darum, die Beschuldigungen der Antisemiten abzuwehren; er bemüht sich deshalb darzutun, daß die Juden das Produkt der abnormalen V erhältnisse sind, unter denen sie in den Ländern ihrer Zerstreuung leben, und daß sie unter normalen Verhältnissen, im eigenen Lande und unter eigenen Gesetzen Vorbildliches leisten können. Normale Wirtschaftsformen und ungehindertes Leben sind Grundvoraussetzungen. Irgendwie scheint Osterberg-Verakod dabei an die zur Zeit der Entstehung seines Romans gerade aktuelle Tätigkeit des Baron Hirsch für die Kolonisation der Juden angeknüpft zu haben, wenn er auch wie aus verschiedenen einschränkenden Bemerkungen hervorgeht, für das argentinische Siedlungsprojekt wenig übrig hat. Davon, daß die Zeit, in welcher der Roman erschien, unter den Juden bereits eine Palästina-Kolonisationsbewegung eingesetzt hatte, weiß der Autor anscheinend nichts. Dagegen scheint er unter gewissen Einflüssen hebräisch-literarischer Art gestanden zu sein; denn er redet nicht nur der hebräischen Sprache im Reiche Judäa das Wort, sondern weist auch auf ihre gewissermaßen profane Verwendbarkeit mit einigermaßen deutlicher Tendenz hin. Von besonderem Interesse, vielleicht am interessantesten in dem Werke, welches trotz der verhältnismäßig kurzen Zeit, die seit seinem Erscheinen Die Bestattung des jungen Zaddik Aus Warschau wird uns geschrieben: Wochenlang hatte sich der greise Rabbi Mendel aus Skemiewice die raffiniertesten Kasteiungen und Bußübungen auferlegt, um seinen einzigen Sohn und Nachfolger, den kranken Jüngling Levi Jizchak, aus den Krallen des Würgengels zu befreien. Er fastete täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, reinigte sich allnächtlich dreißigmal im rituellen Tauchbad, um der himmlischen Gnade würdig zu werden — aber der kranke, kaum 16jährige Jüngling war von der Schwindsucht schon völlig verzehrt und starb vorige Woche in den Armen seines verwaisten Vaters, des greisen Zaddik. Nun brach zwischen den chassidischen Anhängern des Skerniewicer Zaddik und den Chassidim von Worki und Otwock ein heftiger Kampf um die heilige Leiche des toten Wunderjünglings und um dessen Begräbnisstätte aus. Die „Skerniewicer“ wollten den toten Jüngling in der Familiengruft des alten Wunderrabbi von Worki, des Urahnen des Verstorbenen, beisetzen, während die „Workier“ und „Otwocker" den Standpunkt vertraten, daß die einzige Grabstätte, die in der Workier Zaddikimgruft am Warschauer jüdischen Friedhof noch frei ist, für den Rabbi von Otwock reserviert bleiben müsse, da dieser Anspruch darauf erhebt, in der Nähe seines in eben dieser Gruft bestatteten Vaters zu ruhen. Es war ein schwerer Fall, der vor dem außerordentlichen Zehnertribunal der polnischen Landesrabbiner zur Entscheidung gelangen mußte. Die Verhandlungen, die vergangenen Montag begannen, waren heiß und stürmisch und endeten mit dem Richterspruch, wonach die heilige Grabstätte dem toten Jüngling zugewiesen wird, während die Ansprüche des „Otwocker“ Grabprätendenten vom Gericht abgelehnt werden. Die rechthaberischen „Workier“ und „Otwocker" dachten aber keineswegs daran, sich dem richterlichen Schiedsspruch zu fügen und drohten mit einer gewaltsamen Verhinderung des Begräbnisses. Tatsächlich besetzten einige hundert entschlossene, handfeste chassidische Eiferer die heilige Gruft und ließen den toten Jüngling nicht bestatten. Es war bereits 11 Uhr nachts. Der alte jüdische Friedhof war von großen Massen Chassidim belagert, die mit brennenden Pechfackeln zum Begräbnis des heiligen Jünglings kamen. Aber die kleine, energische „Gruftbesatzung", die mit Spazierstöcken und Steinen bewaffnet war, wollte unter keinen Umständen vom Platze weichen und ließ die Bestattung nicht zu. Indessen wurden unausgesetzt zwischen den Vertretern der beiden chassidischen Parteien Verhandlungen geführt, die jedoch immer erfolglos blieben. Mitternacht war längst vorüber, als der Vorsteher des Leichenbestattungsvereines „Chessed schel Emes", der den dem toten Jüngling angetanen Unglimpf nicht weiter dulden wollte, daranging, die nächtliche Gruftbesatzung zu überrumpeln. Er ordnete die Ueberführung der Leiche an, die von Skerniewicer Chassidim vom Wohnhause bis zum Friedhof getragen wurde, und begab sich selbst, in Begleitung von vier Nachtwächtern, die von mehreren Wachthunden flankiert waren, zur besetzten Gruft. In einiger Entfernung vom Friedhof begannen die Nachtwächter schrill zu pfeifen, worauf die Wachthunde ein wütendes Gebell erhoben. Inzwischen drängten neue große Massen von Chassidim mit brennenden Fackeln an die Tore des Friedhofes. Die kleine chassidische Gruftbesatzung, durch das schaurige nächtliche Geheul der Nachtwächter und Hunde sowie durch die roten Flammen der rauchenden Pechfackeln erschreckt, verließ nun fluchtartig das heilige Grab, in das erst jetzt der tote Jüngling gebettet werden konnte . . . An diesem absonderlichen nächtlichen Begräbnis nahmen nahezu zehntausend Chassidim aus allen Gegenden Polens teil. Redaktionsschluß und Schluß der Inseratenannahme Montag um 4 Uhr nachmittags. verstrichen ist, bereits als historisches Kuriosum anmutet, ist die Darstellung, wie es zur wirtschaftlichen und finanziellen Erledigung der jüdischen Massenemigration nach Palästina kam. Darüber schreibt der Autor: ..Es war zu befürchten, daß die plötzlich zu vermehrende Steuerlast für die zurückbleibenden Bürger unerschwinglich sein würde. Anderseits ging es nicht an, daß die Juden diesen Ausfall deckten, indem sie den verschiedenen Staaten jährlich eine vorher genau zu bestimmende Summe überwiesen .... Die Internationalität des Geldmarktes wies auf folgenden Ausweg hin: Ein großes Anlehen wurde als Entschädigung den Regierungen ohne Entgelt zur Verfügung gestellt, nach dem damaligen Zinsfüße reguliert und mit einem sorgfältig redigierten Verlosungsplan versehen .... Außer ihren beweglichen Gütern besaßen unsere Ahnen bedeutenden Grundbesitz und so lag die Gefahr einer Katastrophe nahe, wenn eine so plötzliche Veräußerung zahlreicher Liegenschaften vor sich gegangen wäre . . Wie man auf der einen Seite die durch den plötzlichen Wechsel des Eigentumsrechtes auf Grundstücke entstehenden Gefahren ins Auge faßte, fand man andererseits Mittel dieser Gefahr vorzubeugen, mehr, sie ganz aus dem Wege zu räumen. Nicht im kleinen, so wurde beschlossen, durften diese Verkäufe vor sich gehen . . . Jeder einzelne hatte mit den gewählten Vorständen des jüdischen Volkes zu unterhandeln, welche dann für die Gesamtheit ihren Ankauf vollzogen, und zwar meistens im T auschwege, indem g 1 e i c hw ertiger Gru n.dbesitz in Judäa als Entschädigung geboten und angenommen wurde.“ In dieser Darstellung ist ein Kern dessen enthalten, was Theodor Herzl in seinem „Judenstaat“ als die zentrale Liquidierungsstelle der jüdischen Landnahme vorschwebte. Vielleicht hat auch Herzl, als er den „Judenstaat“ schrieb, das Osterbergsche Buch gekannt, in welchem übrigens ebenfalls eine Art jüdisches Sternenbanner als Nationalflagge beschrieben ist. Als sicher kann diese Beeinflussung keineswegs angenommen werden. Das Buch von Osterberg-Verakoff führte ein ziemlich unterirdisches Dasein; es wurde in der zeitgenössischen Literaturkritik wenig beachtet. Doch, wie dem auch sei, der Unterschied zwischen Osterbergs »„Reich Judäa“ und dem Herzischen „Judenstaat" ist ein so gewaltiger, wie der zwischen einem Papierdrachen und einem Fokkerflugzeug. Heute, nach fünfunddreißig Jahren, lebt Osterbergs Roman als kuriose Erinnerung, Herzls „Judenstaat“ als die Deklaration des neuen jüdischen Lebenswillens. Hlf

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