Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1928-06-21 · Heft 25 (21.6.1928) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 25 (21.6.1928)
Date
1928-06-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3053752-3053753-3053777--0412-3055687
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 25 DII STIMME Seite 1l TfAtterkundgebtmg für Rabbiner Dr. S. Funk & A. Der Vorstand des Rabbinerverbandes ii* Wien hat in seiner Sitzung vom 12. Juni eine Trauerkundgebung für den verblichenen Rabbiner Dr. S. Funk veranstaltet. Der Verbandsobmann, Rabbiner Dr. Feuchtwang hielt dem Dahingeschiedenen einen überaus warmen Nachruf, in dem er den schweren Verlust schilderte, den das Judentum und der Rabbinerverband durch sein Hinscheiden erlitten habe. Wissenschaft, Literatur, Kunst Rundgang durch das Wiener jüdische Museum Die Sammlungen des Museums repräsentieren einen wertvollen Beitrag zur Geschichte und Kunstgeschichte der Juden in Wien und Niederösterreich, ebenso wie eine Orientierung über das Leben der jüdischen Stämme der Diaspora. Hier ergänzen einander Bild und Wort, wodurch eine lebendige Anschauung erzielt wird, die sich bis auf das Wirken und Schaffen bedeutender Persönlichkeiten, führender Männer auf den einzelnen Gebieten erstreckt. Die Besichtigung kann gleich im Treppenhaus einsetzen, wo als erste Akkorde die Bilder des alten Prager Ghettos und Bildnisse der großen jüdischen Persönlichkeiten des böhmischen und mährischen Lebens aufklingen; zunächst, weil Prag nicht nur der Legende nach, sondern auch nach der geschichtlichen Erkenntnis die älteste Judengemeinde Mitteleuropas ist; des weiteren, weil gerade die aus Mähren und Böhmen kommenden .luden dem Wiener geistigen Leben die mächtigsten Impulse zugetühr't haben. Dies ist die natürliche Brücke, die zur Geschichte der Juden in Wien führt. Das „W iener Zimmer“ vereinigt Gegenstände in sich, welche sich auf die Geschichte der Wiener Juden beziehen und eine Orientierung über sie ermöglichen. Hier sind Gipsmodelle des ersten WienerGhettos zu sehen, welche die Anlage der 1421 durch Gewalt zerstörter* Judensiedlung veranschaulichen; diverse Urkunden, Schenkungsurkunden von einigen Wiener Häusern und der Synagoge in Neunkirchen bei Wr.-Neustadt sowie das Siegel in einer Nachbildung nach einem Original des Wiener Stadtarchivs ermöglichen die Uebersicht über die Entwicklung der ersten Epoche der Judengeschichte in Wien und Oesterreich, während sich andere Urkunden im Original und photographischer Wiedergabe auf spätere Epccben, auf das zweite Wiener Ghetto (1625 bis 1670) beziehen, Bilder vom Grenzstein zwischen Ghetto und Karmeliterkloster, von alten und zum Teile erhaltenen Häusern in der Tandelmarktgasse, Rotenkreuzgasse, Bilder ven der Austreibung der Juden aus Wien 1670, Porträts der bedeutenden Finanzgrößen, Privilegien, Siegel, Unterschriften aus dem 17. und 18. Jahrhundert bis in die nacclennische Zeit, und verschiedene Objekte, die sich sowohl auf die josefinische Aera wie auf die Zeit des Vormärz und des Sturmjahres 1848 beziehen. Aus den Epochen der späteren jüdischen Siedlung in Wien sind die Mautzetlel, Reisepässe, Toleranzpatente, Verordnungen aus der Zeit Josefs II., ältere Statuten des Bethauses und der Chewra Kadischa hervorzuheben, besonderem Interesse begegnen die Porträts der jüdischen Freiheitshelden 1848, der geistigen Führer, der Musiker, Künstler, Gelehrten, Männer des öffentlichen Lebens, der in Wien ansässigen geadelten jüdischen Familien anfangs des 18. Jahrhunderts, und von besonderer Pikanterie die Bildnisse der in jüngerer Zeit in den Ritterstand Erhobenen, von denen einzelne vom Judentum abgefallen sind. Einen besonderen Raum beansprucht die Allgemeine jüdische Geschichte in der Diaspora, enthaltend Urkunden, Bilder zur Geschichte der Juden in den verschiedenen Ländern, darunter das Adelsdiplom Don Diegos, des Stammvaters der Familie Teixeira, Porträts der bedeutendsten Köpfe aus der glanzvollen Epoche der jüdischen Vergangenheit, beherbergend ferner Dokumente aus der Zeit der Judenemanzipation und aus der Epoche des französischen Judentums unter Napoleon. Im Zusammenhang mit den palästinensischen Bestrebungen des Bejabel verdient der Saal für älteres jüdisches Kunsthandwerk besondere Beachtung. Er enthält kulturhistorisch wertvolle Keramiken aus Italien, größtenteils Majolikaschüsseln, die zusammen mit der Sammlung der Zinnteller das Tischgerät an den Sederabenden bildeten, deren Szenen neben den anderen jüdischen Festen hier auch in Bildern des französischen Stechers Picard dargestellt sind. Ueberleitend auf das Gebiet der Volkskunde, sind verschiedene Typen und Szenen aus dem Leben der Juden in den verschiedenen Ländern zu sehen, Puppenmodelle, Festtrachten der polnisch-jüdischen Bürgersfrau, Kleinkunst in Edel- und Gelbmetall; aus dem religiösen Leben des Hauses und Tempels Thorarollen (eine Miniaturthorarolle in vollem Schmuck), Becken und Kannen für das Händebegießen, Gebetbücher, Vorhänge und Decken, sogenannte ,.Ewige Lampe“, Schofaroth, Synagogenluster und Sabbatleuchter, getriebene und gravierte „! :Ä;: I " > Die „Sabbath-Stube“ im Wiener jüdischen Museum, die gute Stube des jüdischen Kleinbürgers im Ghetto. Behälter für den Ethrog, Kiddusch-Becher und Kannen für den Sabbat- und Sedertisch, eine überaus reichhaltige Sammlung von Chanukalampen und Gewürzbüchsen aus der Zeit vom 13. bis 20. Jahrhundert, die eine Orientierung über das Wesen des jüdischen Kunsthandwerkes ermöglicht. Infolge Raummangels mußte ein Teil des älteren jüdischen Kunstgewerbes, die Graphik (Schriftenverzierung, Schmuck an Dokumenten und Handschriften zu rituellen und profanen Zwecken) in einem kleinen, mit „Palästina“ vereinigten Raum untergebracht werden. Hierher gehören Prachtstücke an Megilloth, Kethubot (Trauungsurkunden), kunstvoll geschriebene Hagadoth Wiener und mährischer Provenienz aus dem 18. Jahrhundert sowie Vorbet6r-Agenden und Gebetbücher für den häuslichen Gebrauch. Tiefen Eindruck macht die „Sabbat-Stub e“, die gute Stube des Kleinbürgers in der jüdischen Goss darstellend, vom Maler Isidor Kaufmann geschaffen und dem Museum geschenkt, ein überaus köstliches Anziehungsstück, das in seiner erhabenen Einfachheit die Möglichkeit gibt, über dieses Milieu schöpferisch nachzudenken. Auch eine Synagoge könnte, die Abstellung des Raummangels vorausgesetzt, aus den verschiedenen, von aufgelösten Landgemeinden stammenden Stücken, die gesammelt vorliegen, geschaffen werden. Eine überaus dankbare und wertvolle Aufgabe! Im Werden, ebenfalls durch den Raummangel an ihrer Entwicklung gehemmt, ist die Abteilung für Palästina. Wenn man bedenkt, welcher Plan den Gründern und Förderern vorschwebte, sieht man erst, wieviel da noch geschaffen werden muß. Zu finden ist in geringem Umfang die Darstellung der Geschichte und der Kulturgeschichte des alten Palästina; Modelle von antiken Münzen, Siegelringen, antiken Gräbern, Keramiken, von Denkmälern und alten Städten, Bilder von alten Kultobjekten und Kultanlagen der kanaanitischen Völkergruppen sowie Baudenkmälern aus jener Zeit; bemerkenswert der sehr gut geordnete Münzkästen mit sehr viel Originalstücken aus allen Epochen der palästinensischen Münzengeschichte, ein Modell des ältesten Denkmales mit althebräischen Schriftzeichen und Abbildungen der antiken palästinensischen Synagogen. Einen Querschnitt erhält man vom Neuen Palästina. Es wird versucht, auf Tableaux die palästinensische Landschaft, das neue Straßen- und Häuserbild, die Landwirtschaft, Industrie, das geistige Leben und eine Uebersicht über die Geschichte des Zionismus und die politische Entwicklung Palästinas zu gebefi. Schließlich findet man Bildnisse der Männer, die im Zusammenhänge mit dem Aufbau des Neuen Palästina stehen, eine reichhaltige Autographensammlung und kostbare Reliquien von Theodor Herzl. Gewiß wurde jetzt schon Anerkennenswertes geleistet. Fruchtbar aber kann die aufopfernde Arbeit des Kustos Prof. B r o n n e r erst dann werden, bis das von uns seinerzeit erörterte Problem des Raumes und der finanziellen Förderung durchgeführt worden ist. o. r. TANZ-ABEND Mitwirkend: das Wiener Symphonleorchester NßllGS PrOQrBIDDl 1. Juli - 8 Uhr abends - Burggarten (im Falle ungünstiger Witterung im Festsaale der Neuen Hofburg). Karten im Zionistischen Landeskomitee, I., Kärntnerstr. 28 und bei allen Mitgliedern des Blau-Weiß (Heim: IX., Währingerstraße 15). Der Reinertrag fließt jüdisch-kulturellen Zwecken zu. Jüdische Kultur und Literatur in Rußland Ein Gespräch mit Schalom Asch. Der berühmte iüdische Romancier Schalom Asch, der vor kurzem von seiner Reise durch Sowjetrußland zurüokgekehrt ist, äußerte sich zu Vertretern der Berliner Presse über seine Eindrücke. Der Dichter hat zirka 80 jüdische Kolonien besucht, die er infolge von Frösten und Ueberschwemmungen vielfach im Depressionszustand fand. Er hebt jedoch die aktive Arbeit der Regierung lur die Kolonisation hervor, die er der passiven Haltung Englands in Palästina gegenüberstellt. Die Wirtschaftslage der Juden in den russischen Städten sieht Asch nicht günstig. Ueber den Stand der jüdischen Kultur und Literatur in Rußland äußert er sich wie folgt: Einen „Kulturkampf“ zwischen Vätern und Söhnen gibt es in Rußland nicht, einfach deshalb, weil die Väter schon besiegt sind. Die Regierung hindert auch das religiöse Leben des einzelnen nicht, doch sie hindert das kulturelle Leben. So z. B. ist es nicht gestattet, Privatschulen zu eröffnen; das sowjetistische Erziehungsprogramm wird streng ^ehandhabt. Gegenüber der jüdischen Jugend besorgt das die „J e w s e k z i a", die jüdische Abteilung der Sowjetexekutive. Keine Kulturinstitution darf ohne Genehmigung der Jewsekzia entstehen« Selbstverständlich ist also d i e j ü d i sch e Kultur in Rußland exiliert, denn es steht unter der strengen Kontrolle der Jewsekzia, welche gewaltsam ein . neues Kulturleben schaffen will, wie es sich ihre Führer vorstellen; jede andere Form kulturellen Lebens unterd r ii c ken sie. Ich glaube nicht, daß die äußere Sprachform des ,J i d d i sch en ajusreicht, um vor der Assimilation zu bewahren. Das jüdische Volk, welches eine 4000jährige Geschichte hinter sich hat, das Kulturwerte geschaffen hat, die zum Fundament der Menschheit gehören, kann nicht mit den Völkern verglichen werden, die durch die Oktoberrevolution geboren wurden. Die jüdische Geschichte beginnt vor der Oktoberrevolution, und sie dem jüdischen Kinde vorenthalten heißt, es gewaltsam assimilieren. Und in der letzten Zeit scheint die Jewsekzia selbst daraufzukommen und ihre Leute haben Angst vor dem Gespenst der Assimilation; sie suchen auch — freilich in ihrer Weise — ihr entgegenzutreten. Die jüdische Literatur hat in Rußland bisher kein einzigesWerk geschaffen, das für die gesamte jüdische Literatur oder auch nur für die neue sowjetrussische Literatur von Bedeutung wäre. Es ist auch nicht anders möglich, denn jüdische „Literatur“ und „Literaten" stehen unter der Knute der Jewsekzia-Führer. Nicht der freie schöpferische Wille darf herrschen, es darf keines der vielen Motive ausgenützt <werden, welche die neuen Formen des jüdischen Lebens in Rußland ergeben; die ganze „Literatur" besteht in unendlichen Variationen des Themas: „Erinnerungen aus dem Bürgerkrieg." Um sich entwickeln zu können, müßte sich die jüdische Literatur in Rußland von dem Zensurregime der „Jewsekzia" und ihres „Literaturdezernenten" Litwakow befreien; zum Teile ist das der russischen Literatur bereits gelungen, welche die Fesseln, die ihr das Sowjetregime auferlegt hat, abstreifen konnte. Gelingt das nicht auch der jüdischen Literatur in Rußland, so wird sie außer der Befriedigung rein lokaler Parteiinteressen niemandem dienen und keinerlei Bedeutung und keine Kraft unter den Juden Rußlands und der übrigen Welt erlangen. Kennen Sie schon das vielbändige Jüdische Hexihcn? ®,e*es Standardwerk des Judentums ist Das erste jüdische Kcnvcrsaticms* lexiken in deutscher Sprache über alle wichtigen Gegenstände, Personen und Probleme der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart. Gin enzyklopädisches ftfachschla* ffewerk mit über 15.000 sorgfältig ausgewählten Stichwörtern aps sämtlichen Gebieten des jüdischen Lebens. Gine Fundgrube jüdischen Wissens für alle Gebildeten, Akademiker, Kaufleute, Beamten und Lehrer. Gine jüdische ‘Bibliothek in sich, ist es der tägliche Bedarfsgegenstand jeder öffentlichen und privaten, wissenschaftlichen und Volksbibliothek, jedes Gemeinde- und VereinsbUros. Unentbehrlich auf dem Schreibtisch des Historikers, des Theologen, des Philologen, des Politikers, des Redakteurs, des Verwaltungs- und des Sozialbeamten. Ginxiffartiger Bilder* und Bella* genreichtum : An 1000 Porträts und Autogramme, 35 farbige und Kupfertiefdrucktafeln, über 150 Doppeltondrucktafeln, historische Briefe in Faksimile, über 1000 Textbilder, 30 mehrfarbige Karten, 30 Notenbeilagen neben vielen Notenbeispielen usw. Herausgegeben von Dr. HERLITZ u. Dr. KIRSCHNER unter Mitarbeit von über 230 jüd. Gelehrten und Schriftstellern. Umtang ca. ISO, “hegen Eexikcntormat. Druck: Bodoni-Antiqua auf bestem holzfreiem Naturkunstdruck- und Kunstdruckpapier Subskriptions-Preis per Band in Ganzleinen . . M 35’— „ „ „ Halbleder . . . M 44'— „ „ „ Ganzleder . . M 58*— Subskriptionsschluß bevorstehend 1 Nach Subskriptionsschluß tritt der erhöhte Ladenpreis in Kraft! Teilzahlungen möglich 1 Verlangen Sie Prospekt oder unverbindlichen Besuch meines Vertreters (auch außerhalbWiens u.Sukzessionsstaaten) - Hier abschneiden. - Bestellzettel. An die Verlagsvertretung „Jüdischer Verlag“ 0. m. b. H. (Buchhandlung Josef Brenner) Wien 11, Praterstraße 23. Ich bestelle hiemit unwiderruflich .Exemplare des vierbdig. jüd. Lexikons, herausgegeben von Dr. Herlitz und Dr. Kirschner in Ganzleinen zum Subskriptionspreise je M 35*— pro Bd. „ Halbleder , „ n M 44‘— p „ „ Ganzleder „ „ , M 58*— n und verpflichte mich alle 4 Bände fallweise sofort nach Erscheinen zu dem festgesetzten Subskriptionspreis zu übernehmen und bandweise — gegen Teilzahlung von monatlich zu bezahlen. Unterschrift Datum Adresse

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.