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Die Stimme · 1928-06-21 · Heft 25 (21.6.1928) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 25 (21.6.1928)
Date
1928-06-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nf. 25 Seite 9 DIE STIMME tiger Lebensfaktor ist für sie natürlich die Fischerei. Sie fischen in primitiver Weise mit dem Wurfnetz und sind dabei sehr erfolgreich. In allen Zelten hängen die primitiven Wurf netze, die von den Frauen angefertigt und geflickt werden. — Der Scheich schläft natürlich. Was sollte er auch bei 40 Grad Mittagshitze sonst machen? Von einer seiner Frauen geweckt, begrüßt er uns aufs herzlichste und ist bald damit beschäftigt, das halb erloschene Zeltfeuer zu schüren und ihm durch getrockneten Kamelmist neue Nahrung zuzuführen. Dann bereitet er uns einen ausgezeichneten Kaffee, der in kleinen Schalen ungezuckert gereicht wird. Im Nebenzelt lärmen seine Kinder. Wir fragen natürlich nicht, wie viele er hat. Jede Minute guckt ein kraushaariger Kinderkopf herein. Die Beduinen leben in freundschaftlich nachbarlichem Einverständnis mit unseren jüdischen Chaluzim, die sich mit ihnen ganz gut zu verständigen wissen. Wir passieren dann die Reihen der schönen, schwarz-grauen Beduinenzelte. Sie sind offen nach allen Richtungen hin, sodaß beim leisen Windhauch eine angenehme Durchlüftung erfolgt. Im Schatten der Zelte rekeln sich die Männer, wenn sie nicht beim Fischfang beschäftigt sind, in süßem Nichtstun, während die Frauen und Mädchen die gesamte Arbeit besorgen und nach Vollendung der häuslichen Arbeiten sich mit Spinnen und Weben beschäftigen. Unsere Chaluzim machen uns darauf aufmerksam, daß die Stunde des „großen Fangs“ beim Tiberiassee herannaht. Mühsam schleppen wir uns und unsere Apparate bis zum Tiberiassee. Der Sand glüht unter unseren Füßen und das Atmen fällt uns schwer. Zur Mittagszeit wird das Riesennetz aus dem See gezogen, das vor Sonnenaufgang ausgeworien wird. Zwanzig arabische Fischer sind bereits damit beschäftigt, die Vorbereitungen zu treffen. Einige nackte Burschen sind hinaus bis an die Ränder des großen Netzes. Die übrigen stellen sich in zwei langen Reihen auf, steigen in den See, bis ihnen das Wasser in Brusthöhe reicht, und die letzten in der Reihe stehen am Ufer. Unsere jüdischen Jungens springen ins Wasser und reihen sich ein. Der Fang ist gemeinsam und sie wollen ihren Anteil auch an der Arbeit haben. Ein eigenartiger arabischer Gesang ertönt und im Takt beginnen die Fischer die starken Stricke des Netzes zu schleppen. Es ist ein Bild, wie in alter, biblischer Zeit. Eine Viertelstunde dauert es, bis man merkt, daß sich das Netz dem Ufer nähert. Da sind es unsere jüdischen Jungens, die ein rasches Ende machen wollen. Es straffen sich die Muskeln ihrer braungebrannten Körper. Mit ermunterndem Ruf spornen sie ihre arabischen Gefährten an: „Ja Schabab!" (Auf, ihr Helden!). Und die wollen sich von den jüdischen Jungens nicht beschämen lassen. Schön ist dieser Moment der letzten Anstrengung und auch die Filmkamera tut das ihre. Ein letzter Zug und eine Riesenlast zappelnder Fischleiber wird herausgeschleppt. Ein prächtiger Fang! Und so müde die Kerle auch sind, sie fassen sich doch bei den Schultern und tanzen uns zu Ehren einen kurzen Reigentanz über den glühenden Sand. Langsam verlassen wir das Seeufer und gehen zurück zum Jordan, um in den weißen Polizeizelten am Ufer ein wenig auszuruhen. Prächtige jüdische Jungens sind die Polizisten, die hier die Grenzwacht halten. Von hier bis Metullah, der nördlichsten jüdischen Siedlung Palästinas, ist die Grenzwacht größtenteils in den Händen jüdischer Polizisten. Es ist eine eigentümliche Grenze und unsere jüdischen Jungens bewachen sie gegen ein eigentümliches Volk, das nicht weiß, was ein Paß ist, und nichts von Grenzen wissen will. Ein gewöhnliches Ausrüstungsstück unserer Grenzer ist der reichverzierte, krumme Beduinendolch geworden. An jeden dieser krummen Dolche knüpft sich eine kleine Geschichte von einem Ueberfall bei Tag oder in einer Mondnacht, und bei solchen Zusammenstößen behalten die Grenzer den Dolch zum Andenken; den Beduinen aber lassen sie gewöhnlich ruhig laufen. 3 Uhr. Ein leichter Wind läßt uns für Minuten aufatmen. Unsere arabischen Bootsleute wollen nach Tiberias zurück und richten das Segel im Boote auf. Noch einmal drücken wir den jüdischen Grenzern und Fischer-Chaluzim die Hände und bald hat uns eine kühle Brise hinausgetragen auf den See. Neue jüdische Plantagen-Gesellschaften Aus Jerusalem wird berichtet: Seit kurzer Zeit ist in Palästina im Plantagenwesen ein neuer Aufschwung zu verzeichnen. Von einer Gruppe kanadischer, amerikanischer, englischer, australischer und palästinensischer Zionisten wurde unter dem Namen ,,G an Chaim-Corporation" eine Plantagengesellschaft gegründet, die in der Nähe von Kfar Saba, einer jüdischen Kolonie im Norden von Jaffa, 2500 D u n a m Boden für Anlagen von Zitronen-Plantag e n erworben hat. Ferner wird die Gesellschaft noch in diesem Jahre einen Orangenhain in der Ausdehnung von 220 Dunam anlegen. Große Schonungen, aus denen die Stecklinge für die zukünftigen Plantagen Jer Corporation entnommen werden sollen, wurden angelegt. Herr P e a r c e, einer der führenden Mitglieder der „Gan-Chaim-Corporation“, hat überdies zusammen mit Lord Alfred Mond im Gebiete von Kfar Saba insgesamt zirka 15.000 Dunam Boden für Orangenpflanzungen erworben. Die Anglo-Palestine-Planters-Limited hat 500 Dunam Land zur Anlage von 10 kleineren Plantagen erworben. Auf jeder Plantage zu 50 Dunam sollen 35 Dunam mit Orangen, 5 mit Grapefruits, 5 mit Bananen und 5 mit verschiedenen aus Kalifornien eingeführten Edelfruchtbäumen bepflanzt werden. Im September 1928 soll die erste Hälfte, im März 1929 die zweite Hälfte des Plantagenbodens bepflanztwerden. Herr L. Mautner aus Budapest hat in der Nachbarschaft von Kfar Saba 2000 Dunam Land erworben und auch schon 300 Dunam an einen anderen ungarischen Juden, der hier eine Plantage anlegt, abgegeben. Auf dem restlichen Boden will Mautner 600 Dunam mit Orangen, 200 Dunam mit Bananen, 300 Dunam mit Tafel-Grapes bepflanzen, auf 400 Dunam Futtergewächse zur Erhaltung von 200 Kühen züchten. Augenblicklich läßt er in der Kolonie Kfar Saba eine Schonung von 50,000 Stecklingen anlegen. Herr Greidinger aus London hat auf einem Gebiet yoa 1200 Dunam die Farm „Kalmania" und einen sogenannten „Britischen Obstgarten" angelegt. Das Neueste und Schönste Charmante Schöpfungeq der Haute couture für den Sommer,’ wie duftige Kleider, herrliche Mäntel, vornehme Toiletten fUr Kurort, Strand u. Gesellschaft in vorbildlicher Eleganz. Jede Dame findet in unseren Salons, was ihrem Geschmack entspricht und sie vorteilhaft kleidet, in der gewünschten Preislage 1 NUR V». KflISERSTR. 115 55 Wir haben nirgends Filialen! «I Ik Rekordeingange des Keren Hajessod im Monat Mai Wie aus Jerusalem gemeldet wird, stellen die Maieingänge des Keren Hajessod einen Rekord im laufenden Budgetjahre dar. Sie betrugen 58.541 Pfund. Davon stammen aus Amerika 30,651, Südafrika (Kampagne Col. Kisch) 10.000, England (inkl. 5000 von Bernhard Baron) 5650, Rumänien 3099, Argentinien 2000, Deutschland 1551 Pfund. Die Tote-Meer-Konzession In der letzten Sitzung des englischen Unterhauses fragte Colonel Howard B u r y den Kolonienminister, ob die Inhaber der Toten-Meer-Konzession das Recht haben, nur Arbeiter einer bestimmten Nationalität anzustellen. Ist der Minister in der Lage, den weit verbreiteten Gerüchten entgegenzutreten, daß die Konzessionäre nur jüdische Arbeiter anstellen wollen, ungeachtet der Tatsache, daß die Mehrzahl der Bevölkerung Palästinas aus Arabern besteht? Minister A m e r y erwiderte: Mir ist von einem solchen Gerücht nichts bekannt, ich glaube nicht, daß so etwas in Erwägung gezogen wird. Auf eine Frage von Macle an erwiderte Amery, daß wenn die Bestimmungen der Konzession endgültig festgelegt sein werden, das Parlament vor dem endgültigen Abschluß noch befragt wird. Lieut.-Colonel Sir Frederik Hall fragte, ob das hinter Novomeyski stehende K ap i t a 1 ausreichen würde, um eine vollständige Entwicklung der Toten-Meer-Produkte und eine Begründung einer kommerziellen Industrie zu ermöglichen, oder ob das Kapital nur für das Versuchsstadium langt. Amery erwiderte, die hinter Tul- 1 o c h und Novomeyski stehende Finanzgruppe verfüge über genügend Kapital, um das Unternehmen für Jahre hinaus zu entwickeln und der Produktion eine kommerzielle Basis zu schaffen. Sobald das Unternehmen von Erfolg begleitet sein wird, wird zweifellos weiteres Kapital zur Verfügung stehen. Eine neue Monatsschrift für Palästinakunde Soeben ist in London die erste Nummer von „T h e Monthly Pioneer" erschienen, die der Förderung Palästinas gewidmet ist. Sie enthält u. a. Beiträge von Sir Alfred Mond, Colonel Wedgwood, Ing. Pinchas Rutenberg, Leon Simon, Prof. S. Brodetsky. Touristen- und Studienreisen nach Palästina Das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich hat am Baseler Kongreß im Einvernehmen mit den maßgebenden Kreisen der Exekutive in London und Palästina und auf Grund eines Uebereinkommens mit verschiedenen Landesorganisationen den Beschluß gefaßt, jährlich Studien- und Touristenreisen nach Palästina zu unternehmen. Die erste Reise findet im Februar oder März 1929 statt. Für diese Reise liegen aus Oesterreich und dem Auslande bereits zahlreiche fixe Anmeldungen vor, sodaß sie unbedingt gesichert ist. Mit der Palästinareise ist auch ein Aufenthalt in Aegypten (Alexahdrien, Kairo, Pyramiden, Memphis) verbunden; bei der Rückreise ist beabsichtigt, über Einladung des Flüchtlingskomitees des Völkerbundes, die Flüchtlingskolonien in Griechenland zu besichtigen. In Palästina werden unter fachmännischer Führung alle sehenswerten Städte und Siedlungen, die Schöpfungen der modernen Industrie, die landwirtschaftlich wichtigen Punkte sowie die historischen Stätten, besichtigt. Geraume Zeit vor der Abfahrt werden instruktive Vorträge stattfinden, um alle Teilnehmer mit dem Lande schon im voraus vertraut zu machen. Das Unternehmen ist keineswegs auf Gewinn berechnet und werden die weitgehenden Begünstigungen, die durch die Veranstalter bewirkt werden, ausschließlich den Reiseteilnehmern zugute kommen. Um den weitesten Kreisen die Beteiligung zu ermöglichen, ist auch eine Bezahlung der Reise- und Aufenthaltskosten in Teilbeträgen möglich. Die genaue Summe wird in Kürze verlautbart. Anmeldungen und Anfragen zu richten an: Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich, Wien, I., Kärntnerstraße 28. Miszellen Städtische Gerichtshöfe in Palästina. Eine Regierungsverordnung gibt dem High Commissioner das Recht, in Palästina städtische Gerichtshöfe einzusetzen, deren Kompetenz sich auf die Ueb'ertretung städtischer Verordnungen bezieht. Die Gerichtshöfe können leichtere Geld- und auch Haftstrafen verhängen. Die Ernennung der Richter und ihre Absetzung liegt in den Händen des High Commissioner. * Nach längeren, einige Monate dauernden Verhandlungen ist es zwischen den Vertretern der Vereinigung der nationalen Landwirte und der Exekutive der jüdischen Arbeiter zu einem Uebereiükommen in der Frage der Bestimmungen für landwirtschaftliche Arbeit gekommen. Danach sollen palästinensische Arbeitsämter in allen landwirtschaftlichen Siedlungen in Streitfällen verpflichtend entscheiden und die Verhältnisse zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern festsetzen. Der jetzt geschlossene Vergleich ist der erste Schritt zu einem gegenseitigen Einvernehmen und gemeinsamer Regulierung der normalen Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. r * i, Im Hinblick auf das Defizit von 205.000 Pfund, das sich im Budget der Palästina-Regierung in der Periode April/Dezember 1927 ergeben hat, hat die Regierung eine Kommission eingesetzt, mit dem Aufträge, den Beamtenstab in einer Weise zu reduzieren, daß sich eine Ersparnis von 150.000 Pfund ergibt, sowie die Steuererträgnisse um 150.000 Pfund zu erhöhen. Im englischen Unterhaus interpellierte Commander Kenw o r t h y den Kolonienminister über die körperlic h-e n Züchtigungen, denen drei verhaftete jüdische Kommunisten vom Gericht in Jaffa unterzogen wurden. Minister Amery versprach, über den Vorfall Erhebungen anzustellen. * In der letzten Zeit häufen sich in Jerusalem die Fälle, daß jüdische Mädchen in den Straßen der Stadt von Arabern belästigt werden. Aus einem solchen Anlaß kam es kürzlich zu einer Schießerei, bei der ein Araber getötet, ein anderer schwer verletzt wurde. Ein junwerkstätte für Sessel und Tische Salongarnituren und Einzelmöbelstllcke ADLER, VII. Apollog. 18 Kalmmrslr. 12 ger Jude wurde unter dem Verdachte, den tödlichen Schuß abgegeben zu haben, verhaftet, jedoch bald wieder freigelassen, da ihm eine direkte Teilnahme an der Schießerei nicht nachgewiesen werden konnte.- Die jüdische Bevölkerung Jerusalems fordert von der Polizei Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheitsverhältnisse in den Straßen der Stadt. * Infolge eines Protestes des moslemitischen Obersten Rates hat die Palästina-Regierung die Schließung der seit einer Woche geöffneten Ausstellung der Koran-Bilder' des jüdischen Malers L i f s h i t z verfügt. * Dr. Chaim Y a n s k y ist zum Direktorstellvertreter des Gesundheitswesen der Hadassah in Palästina ernannt worden. Man nimmt hier an, daß Dr. Yassky zum Nachfolger des Hadassah-Direktors Dr. Bluestone ausersehen sei, der im Oktober d. J. seinen Posten zu verlassen gedenkt. — Demnächst wird in Tiberias eine neue Klinik errichtet werden, die den Namen Norvin Lindheims, des verstorbenen Gatten der Hadassah-Präsidentin Frau Irma Lindheim, tragen wird. In der Yemeniten-Synagoge fand in diesen Tagen die Zeremonie einer „D y b u k u s(t r e i b u n g" statt. Zehn Yemeniten-Rabbiner bemühten sich um eine Frau, namens M a t z l i, die irr redete und fortwährend rief, der Geist des vor kurzem verstorbenen Juden Yehezkiel sei in sie gefahren, ein Dybuk habe Besitz von ihrem Körper genommen. Nach einem langen Zeremoniell und Verkündung des Banns verkündeten die Rabbiner, daß die Frau geheilt sei. Der Tiberiassee, Palästinas künftiges Kurortezentrum: Das neue Hotel in Tiberias. mmn ' * mm , wmmM MM 0100010002485323532348232348020201000253480053232348534853484853234853234853234848532353482353484823

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