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Die Stimme · 1928-06-21 · Heft 25 (21.6.1928) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 25 (21.6.1928)
Date
1928-06-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE STIMME / Nr. 25 Der scMiisti Sport Tennis für jo«9 and alt 8 Stunden samt Trainer pro Person S 15- Die Plätze liegen nicht an staubiger Straße, sondern in prachtvollem Garten mitten im Grünen 36er und 37er Linie in nächster Nähe Katitenbergerftraft« 46. Tal. A-12-6-35. Sitzung, die am 3. Juli um halb 10 Uhr vormittags eröffnet wird, ist eine interne Zusammenkunft, die zur Beratung und Klärung von Fragen der Arbeits- und Propagandamethoden der Weltorganisation zionistischer Frauen bestimmt ist. Die Tagesordnung umfaßt folgende Punkte: l. Berichte der Exekutiven: Londoner Exekutive — Palästina-Exekutive — Finanz. 2. Berichte der Föderationen. 3. Kontinentalverband. 4. Nes Zionah-Projekt. 5. Organisation: Statutenannahme — Organisationsbeitrag. 6. Zusammenarbeit mit anderen Organisationen in Palästina und im Galuth. 7. Propaganda. 8. Verschiedenes. Krems a. d. Donau Am 2. Juni l. J. abends hielt Dr. Josef Löwenherz, Vizepräsident der Isr, Kultusgemeinde Wien, einen Vortrag über die „Zukunft der Kultusgemeinden“, vor einem sehr zahlreichen Publikum. Redner führte u. a. aus, daß nur intensive kulturelle und soziale Tätigkeit sowie die Arbeit für Palästina in der Kultusstube den Gemeinden jenen Lebensinhalt verleihen, welcher den dauerhaften Bestand derselben gewährleistet. Die Ausführungen des Vortragenden übten auf die mit großem Interesse folgende Zuhörerschaft nachhaltigen Eindruck. Dieser sicher noch lange in bester Erinnerung der Kremser Judenschaft bleibende Abend hat der zionistischen Ortsgruppe, deren Gast Herr Dr, Löwenherz war, viele neue Anhänger gewonnen. Bestrafter Idealismus Das Los der Hebräisch-Lehr er. Jedes Jahr, wenn die Ferien in nahe Sicht kommen, wenn Schüler und Lehrer die Tage bis zur sehnsüchtig erwarteten Freiheit zählen, erhebt eine Gruppe von Menschen die gleiche Klage. Für sie bedeuten die Ferien keine willkommene Rast von den Mühsalen eines langen Schuljahres, für sie sind die arbeitsfreien Sommertage erzwungene Ruhe, gepart mit quälendem Hunger. Das große Heer der Privatlehrer und -Lehrerinnen, die nicht so glücklich sind an einer öffentlichen Schule unterrichten zu können und nach einem Jahr aufreibender Arbeit wohlverdiente Ruhe bei Fortdauer ihrer Bezüge zu genießen, stimmt jeden Sommer das gleiche Klagelied an. Innerhalb dieser großen Zahl der Privatlehrer gibt es ein kleines Häufchen von Menschen, beneidenswerten Idealisten, die ihr Leben einer großen Idee verschrieben haben, die es meisterhaft verstehen, für ihre Ideale Opfer zu bringen: die Hebräisch - Lehrer. Sie sind all die Jahre geduldig und ruhig ihren dornenvollen Weg geschritten, unbeirrt einem Ziele zu, dem wunderbaren Werk der Wiederbelebung unserer Sprache. Die Erfolge brauchen den Lesern dieses Blattes wohl nicht erst klargelegt zu werden. Al^er jetzt, jetzt können, die Hebräisch- Lehrer wirklich nicht mehr weiter, Not und Sorgen drohen ihre eiserne Widerstandskraft zu brechen. Die Wiener Hebräisch-Lehrer haben sich unter der Führung des Lehrers Herzberg zusammengetan, etwa dreißig an der Zahl, und wollen das Gewissen einer Viertelmillion Juden wachrütteln. Von dem offiziellen Privatlehrerverband aus politischen Gründen verstoßen, entbehren sie aller sozialen Errungenschaften, deren Angestellte nach dem Gesetze teilhaftig werden müssen. Die Institutionen der Kranken- und Pensionskassen sind ihnen verschlossen. Der Sommer stellt sie vor das absolute Nichts nach einem Jahr des Hungerns und Darbens. Die Eltern, die ihren Kindern hebräische Lektionen erteilen lassen, sind leider nur allzu dünn gesät. „Man darf doch beileibe die Kinder, die oft zwölf Stunden in der Woche mit Latein und Griechisch geplagt werden, nicht noch außerdem mit zwei Stunden Hebräisch belasten!“ Die Kultusgemeinde, die einzige offizielle Institution, die dazu berufen wäre, hat für Hebräisch-Lehrer nicht allzuviel übrig. Nicht eine einzige Lehrerkonferenz konnte mit den Hebräisch-Lehrern zustande gebracht werden. Die Kultusgemeinde sucht nur Religionslehrer: bewußte nationale Hebräisch-Lehrer haben in der Seitenstettengasse wenig Glück, So sind denn die dreißig geprüften Lehrer, die jetzt im Hause der Zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt in der Zirkusgasse 33 ihr Heim aufgeschlagen haben, einzig und allein auf sich selbst angewiesen und müssen bei einem Durchschnittseinkommen von 120 bis 150 Schilling im Monat mit ihren Familien das Dasein fristen. Im Sommer, wenn die Schüler aufs Land gehen, dann soll der „Meladied“ sehen, wie er sich durchschlagt. Wenn der junge Herr kranfc Wird, hat def Lehfer nichls zu essen, wenn die Mutter oder Schwester des Schülers von der Migräne geplagt werden, dann darf nicht lektioniert werden. Für dauernde Gesundheit der ganzen Familie muß der Lehrer ständig besorgt sein, sonst ist es auch um seine eigene Familie schlecht bestellt. Aufmucken darf er nicht, der Herr Lehrer, sonst . . . Die Konkurrenz ist ja so groß, die Preise werden aus Hunger unterboten. Studenten, die sich ein kleines Taschengeld verdienen . wollen, drücken arg die Preise. Hebräisch notiert auf dem Lektionsmarkf sehr gering, der jüdische Lehrer weiß ein trauriges Lied davon zu singen. Die jüdische Oeffentlichkeit darf den Notruf der Hebräisch-Lehrer nicht ungehört verhallen lassen. Sie wollen nicht nur Sprachlehrer in des Wortes eigenster Bedeutung sein, sie sind mehr, sie lehren Judentum. Das Judentum, das in den zwei Wochenstunden in der Schule nicht erfaßt werden kann, das Judentum, das oft dem Elternhause mangelt, das Judentum, das wir alle brauchen, um in dem verbissenen Kampf, der auf der ganzen Welt gegen uns geführt wird, nicht wehrlos zu sein. Der Hebräisch-Lehrer ist unser Waffenmeister, das Schwert, das er die Jugend führen lehrt, heißt Judentum. Den Hebräisch-Lehrer hungern und in Lebensunsicherheit lassen, heißt einen Ast jüdischen Lebens äbsäs'en! R. S. Vereinsnachrichten Jüdisches Gartenfest am Konsfantinhügel. Der Verein zur Erhaltung und Förderung der Mensa academica judaica und die „Zukunft", Verein zur Erziehung und Erhaltung jüdischer Lehrlinge (Isr. Handwerkerverein), veranstalten Donnerstag den 21. Juni im Garten und Saale des Restaurants „Konstantinhügel", II., Prater Hauptallee, ein Gartenfest. Tanz, Vorträge, Schauturnen und diverse Belustigungen gewährleisten einen anregenden Verlauf. Das Reinerträgnis kommt der Mensa academica judaica und dem Isr. Lehrlingsheim „Z u k u n f t" zugute. Das Fest findet bei jeder SIEd. KOKMEHL, GroMleischhauerei Zentrale IX, Berggasse 10, Tel. A-17-3-99 u. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten, Abteilungen für “i^-Heiich unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien IX, Berggasse 15 XVIII, Währlngerstraße 97 „HANSA“ WIEN I., FRANZ JOSEFS-KAI 13 TELEPHON 75-409 Muser, Büros, Wohnungen, Hypotheken, Verwaltungen Unter wenigen Tagen beste Resultate Eigene Kreditabteilung nur für groOe Transaktionen Witterung statt. Beginn 6 Uhr nachmittags. Eintritt S 2.50, für Hochschüler S 1.—. Kartenvorverkauf: Isr. Humanitätsverein B'nai B'rith, IX., Universitätsstraße 4. Tel. A-20-5-42, Mensa academica judaica, IX., Zimmermannplatz 8. Tel. A-25-2-28 Wochen-Kalender II Gedenktage rrsnnran 21 Donnerstag 1819 — der berühmte Komponist Jacques Offertbach in Köln geboren. 3 -J 32 Freitag 1850 — der Orientallst Ignaz Goldziher in Szekesfehervar geboren. r 1 -dH 23 Samstag 1907 — def Psychiater Professor Emantiel Mendel in Berlin gestorben. 5 - n Haftarah: wajaumei Schemuel 24 Sonntag 1922 — Walter Kathenau in Berlin ermordet. 6 - *) 2S Montag 7-7 26 Dienstag 1821 — der bekannte Kanzelredner Dr. Adolf Jellinek, Rabbiner in Leipzig und Wien, in Drislowitz (MSnren) geboren. 1831 — der Dichter Julius Rodenberg (Levy) in Rodenberg (Kurhessen) geboren. 8 - n 27 Mittwoch 1824 — der berühmte Maler Josef Israels in Groningen (Holland) geboren. 1846 — der jüdische Historiker Martin Phillppson in Magdeburg geboren. 9 — ft und Lehrlingsheim „Zukunft", IX., Grüne-Torgasse 26. Telephon A-16-3-23. Zionistisch-akad. Verbindungen und Vereine Oesterreichs. Dienstag den 26. Juni 8 Uhr abends findet im Festsaale der Zion. Bezirkssektion VIII., Bennoplatz 1, ein Studentenmeeting in Fragen der Kultusgemeindewahlen statt. Redner Dr. Desider Friedmann und Dr. Max K i w e. Donnerstag den 28. Juni um 6 Uhr abends im L.-K. Präsidialsitzung zu der jede Vereinigung einen Vertreter zu entsenden hat. Tagesordnung: 1. Herzl-Feier, Grabgang. 2. KKL.-Bericht (Büchsenaufstellungsaktion). 3. Schekelabrechnung. 4. Eventualia. Verband jüdischer Kaufleute und Gewerbetreibender (Wien, I., Elisabethstraße 9). Montag den 25. Juni 8 Uhr abends im Klubsaal des Cafe „Exzelsior" (I., Rotenturmstraße 24) Verbat'.dsdiskussionsabend, einleitender Vortrag von Direktor Doktor Wessely (Handelsmuseum). Donnerstag den 5. Juli 8 Uhr abends findet im Cafe „Esplanade" (Friedensbrücke) die Gründung der Bezirksgruppe Brigittenau statt (Vorträge Kammeramtsdirektor Regierungsrat Dr. Becker und Rechtsanwalt Dr. W a 1 d m a n n). Sommerlager des Blau-Weiß 1928 Schon wieder rüstet der Blau-Weiß für sein Sommerlager. Fieberhaft wird jetzt im ganzen Bund dafür gearbeitet, zumal er heuer darangeht, ein Lager aufzubauen, das für immer sein eigenes sein soll, um nicht jedes Jahr von den Zufälligkeiten des Findens eines geeigneten Platzes abhängig sein zu müssen. Es soll deshalb ein Mittellager, ähnlich wie es die Pfadfinder schon seit Jahren haben, erbaut werden. Ein ganzes Dorf wird so mitten im Walde entstehen, aus 25 Holzhütten für je vier Mann und einer großen Hütte als Tagraum.. Ein idealer Platz ist gefunden, wieder am Wörthersee, und dort soll ein Jugendstaat im wahrsten Sinne des Wortes entstehen, errichtet durch den Willen jedes einzelnen jungen Staatsbürgers. Das Leben und die Beschäftigung im Lager vollziehen sich nach einem bestimmten Plane: Spiel, Sport, Arbeit und ernste Beschäftigung wechseln einander ab. Daß in dieser Gemeinschaft jüdische Formen vorherrschend sind, ist selbstverständlich: Hebräischlernen, Freitagabend feiern, Sabbath als absoluter Ruhetag seien hier als ganz sichtbare Zeichen angeführt. Einige Burschen und Mädchen im Alter von 13 bis 17 Jahren können noch Aufnahme in das Lager finden. Nähere Bedingungen (100 Schillinge für 4 Wochen samt Eisenbahnfahrt) und persönliche Vorstellungen im Heim, IX., Währingerstr. 15, Montag und Mittwoch von 6 bis 8 Uhr abends. Diskret Prompt Stimmen aus aller Welt [ Jüdischer Antisemitismus in Amerika. „Es gibt in New York und in anderen Städten Amerikas — schreibt S. D i n g o 1 im „Tog" — eine große Zahl jüdischer Firmen, Banken, Geschäftshäuser usw., die „aus Prinzip" keine jüdischen Beamten oder Arbeiter anstellen. Diese jüdischen Antisemiten, die mit allerhand leeren Ausreden dieses ihr „Prinzip“ zu begründen versuchen, untergraben nicht allein den Boden der jüdischen Arbeit in Amerika, sondern tragen dazu bei, daß die „Argumente", die sie dem ökonomischen Antisemitismus bereitwilligst ins Haus liefern, früher oder später zpm Schaden ihrer eigenen wirtschaftlichen Existenz angewendet werden." * Was kostet eine jüdische Seele? Der berüchtigte schottische Judenmissionär Levinson, der erst in jüngster Zeit als Anerkennung seiner Verdienste um den jüdischen Seelenfang in den schottischen Adelsstand erhoben wurde, hat aus diesem Anlaß den Wunsch ausgesprochen, daß das Missionsbudget wesentlich erhöht werde, damit die seelenfängerische Tätigkeit intensiviert werden könne. Bei dieser Gelegenheit erfuhr man, , daß der Kostenaufwand für die Konvertierung eines Juden in einen Christen im Durchschnitt 37 englische Pfund beträgt. — Mit diesen Summen — meint das New Yorker „Morgenjournal" — könnte wohl auf manchen anderen Gebieten Ersprießlicheres und für die gesamte Menschheit Wertvolleres geleistet werden. Die nationalen Minoritäten in Litauen. Ein Reiseberichterstatter des Warschauer „Moment" schildert das Leben in der litauischen Residenz Kowno, in der die zwei nationalen Minderheiten — Polen und Juden — die Mehrheit der Bevölkerung bilden und daher der Hauptstadt des kleinen Landes ihr eigenes „Minderheitsgepräge" geben. Juden und Polen haben sich zu einem politischen Block vereinigt, der die litauische „Mehrheits- und Staatsnation" in eine Minderheit verwandelt. Die Gemeindeverwaltung der Residenz liegt abwechselnd für die Dauer eines Jahres in jüdischen, polnischen und litauischen Händen. Diese Reihenfolge entspricht dem Stärkeverhältnis der diei Nationen in Kowno. * Konterrevolutionärer und revolutionärer Antisemitismus in Rußland. Der bekannte jüdische Publizist Jakob L e s z - czynski untersucht im New Yorker „Vorwärts" das Wesen des russischen Antisemitismus: „In allen Ländern, deren Regierungen den ernsten Willen haben, den Antisemitismus nicht aufkommen oder nicht exzedieren zu lassen, wird dieses Ziel zumeist mühelos erreicht. Wir sehen dies in Deutschland und England, Frankreich und Polen und auch in anderen Ländern. Eine merkwürdige Ausnahme bildet jedoch Rußland. Es ist allgemein bekannt, daß die Regierung die schärfsten Maßnahmengegen den Antisemitismus ergriffen hat und ergreift, und doch wollen die judenfeindlichen Exzesse in Rußland nicht recht aufhören. Diese Erscheinung dürfte darin ihre Erklärung finden, daß die Sowjetbehörden in der ersten Zeit ihrer Herr-

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