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Die Stimme · 1928-06-21 · Heft 25 (21.6.1928) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 25 (21.6.1928)
Date
1928-06-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 25 DIE STIMME Seite 5 Ein jüdisches P resse mase tun? In Köln ist im Rahmen der „Pressa" der Versuch unternommen worden, die Bedeutung der jüdischen Presse in der Gegenwart darzustellen. Schon bei den Vorarbeiten für diese „Jüdische Sonderschau" ist von denen, die einen Teil dieser Arbeit geleistet haben, der Gedanke erwogen worden, das für die „Sonderschau" gesammelte Material nach Beendigung der Ausstellung nicht wieder in alle Winde verstreuen zu lassen, sondern es in einer dauernden Einrichtung festzuhalten und in einem Pressemuseum zu vereinigen. Berlin ist der gegebene Ort für das Pressearchiv, weil hier das große Publikum für eine solche Einrichtung vorhanden ist. Zwar eignet sich das Material, wie es auf der Kölner Presseschau zu sehen ist, nicht in allen Punkten, um so übernommen zu werden, wie es ist, aber da anzunehmen ist, daß die Berliner Gemeinde, wenn sie sich entschließt, ein Pressearchiv zu schaffen, die Einrichtung und Leitung in die Hand von Fachmännern legen würde, so darf man hoffen, daß dann ein nach Möglichkeit vollkommenes Unternehmen geschaffen wird. Der Palast des Perserkönigs Cyrus entdeckt Wie aus Teheran gemeldet wird, ist der in Diensten der persischen Regierung stehende deutsche Archäologe Hertzfeld bei seinen Ausgrabungen zwischen Persepolis und Schiras auf einen unterirdischen Palast von gewaltiger Größe gestoßen. Zur Zeit ist der obere Teil eines steinernen Kolossalstandbildes des Perserkönigs Cyrus des Großen freigelegt, das mit Schriftzeichen bedeckt ist. Der Finanzminister als Vorbeter Begonnen hat der gegenwärtige Finanzminister des Staates Wisconsin, eines der größten und bedeutendsten Staaten der Union, Salomon L e v i t a n, seine Karriere als gewöhnlicher Hausierer mit einem Binkel Waren auf dem Rücken. Nach Amerika kam er mit dem ersten großen Einwandererstrom nach den furchtbaren Pogromen zu Beginn der Achtzigerjahre. Er kam aus der Krim, landete in Baltimore, der Stadt mit dem ältesten Judenghetto der Vereinigten Staaten. Er tat, was damals alle jüdischen und auch nichtjüdischen Einwanderer, die kein bestimmtes Handwerk hatten, tun mußten, um ihr Leben zu fristen: er begann zu „peddlen". Levitan hatte es bald heraus, daß er gar nicht oder nur schwer würde vorwärtskommen können, wenn er im Ghetto bliebe. Er erkannte die großen, damals noch vorhandenen Möglichkeiten in Amerika und tat rechtzeitig den Schritt, den alle amerikanischen Pioniere getan haben, indem er den Rat „Geh nach dem Westen!" raschest befolgte. Schon als Peddler mit seinem geringen Warenlager, das er sich für sein gesamtes Kapital von zehn Dollar anschaffte, dehnte er seine „Geschäftsreisen" immer mehr nach dem Westen aus. Er peddelte durch die Staaten Maryland, Virginia, Pennsylvania und später noch weiter westlich bis nach Wisconsin. Sein Kundenkreis wuchs allmählich so an, daß es nicht mehr möglich war, das ganze Geschäft und das ganze Lager auf dem Rücken zu den Kunden zu bringen. Er kaufte Wagen und Pferde und fühlte sich bereits als Großkaufmann. Seine Korrektheit im Händel bewirkte es, daß seine Kunden mit allen Bestellungen warteten, bis der „Jude Sol", wie er in den Farmerhöfen des Westens genannt wurde, mit seinem Wagen vorfuhr und die Waren zustellte. Eines Tag»es wuchs ihm sein Geschäft sozusagen über den Wagen hinaus und er beschloß, sich in dem Städtchen New Glarus im Staate Wisconsin dauernd niederzulassen, Sein Geschäft wuchs und es dauerte nicht lange, Salomon Levitan wurde der angesehenste Bürger seiner Stadt und mußte eines Tages das Ehrenamt eines Friedensrichters übernehmen. Hier erst hatte Salomon Levitan Gelegenheit, seine außerordentliche Klugheit zu bekunden. Seine Art, die ihm zur Austragung vorgelegten Zivilprozesse zu schlichten, erwarb ihm bald den Ehrennamen „Salomon der Weise", denn es konnte nicht übersehen werden, daß Friedensrichter Levitan fast nie in die Zwangslage kam, ein Urteil zu fällen, weil es ihm in den meisten Fällen gelang, einen redlichen Ausgleich herbeizuführen und die Prozeßparteien vor größerem Schaden zu bewahren. In New Glarus heiratete er die Tochter eines jüdischen Bürgers. Als seine Kinder größer wurden, übersiedelte er nach M a d i s o n, der Hauptstadt des Staates Wisconsin. In Madison wurde er bereits wie ein Vornehmer des Staates aufgenommen. Er gründete hier ein großes Kaufhaus und seine Reputation als nüchternes „Finanzgenie" bewirkte es, daß er allmählich auch Präsident des größten Finanzinstitutes von Madison wurde. So wie er als Peddler und Friedensrichter immer auf den Ausgleich und das friedliche Zusammenarbeiten bedacht war, arbeitete er auch als Finanzmann. Da er auch als Philanthrop und Organisator großer sozialer Aktionen sich einen guten Namen erwarb und schließlich auch der Farmer im Staate, bei denen er als kleiner Peddler seine Karriere begonnen hatte, nicht vergaß, ihnen billige Kredite bewilligte und in schlechten Erntejahren über die Not hinweghalf, ist es kein Wunder, daß, als vor mehreren Jahren die Wahl eines Staatssekretärs für Finanzen im Staate Wisconsin aktuell wurde, Salomon Levitan, obgleich er auf der Liste der republikanischen Partei kandidiert wurde, mit den meisten Stimmen, die überhaupt aufzubringen waren, zum Finanzminister des Staates Wisconsin gewählt wurde. Letzthin wurde Salomon Levitan zum drittenmal zum Finanzminister seines Staates gewählt und ist heute wohl der populärste Bürger und Beamte des Staates Wisconsin. Trotz dieser immerhin auch in Amerika nicht alltäglichen Karriere des jüdischen Emigranten aus Rußland ist Finanzminister Salomon Levitan sich seines Judentums stets mit Stolz bewußt geblieben. Er nimmt an allen großen jüdischen Aktionen, so auch an dem zionistischen Aufbauwerk, führenden Anteil. Die jüdischen Farmervereinigungen und die berühmte jüdische Farmschule im Staate Wisconsin werden von ihm mit großem Verständnis geführt und gefördert. Am charakteristischesten aber für die öffentliche Bekundung seiner Zugehörigkeit zum Judentum ist die Tatsache, daß er, seitdem er in Madison Y°hnt, alljährlich am Jomkippur in seiner Synagoge als Vorbeter fungiert und dieses Ehrenamt auch als Finanzminister alljährlich ausübt. Am herrlichen Meeresstrand von Grado seinen Urlaub zu verbringen, war bisher nur Menschen mit gefüllter Brieftasche möglich. Durch die ganz neuartige, nach amerikanischem Vorbild geschaffene Aktion des Internationalen Reisebüros F. Grigolon & Co. erscheint dieses Ziel auch Minderbemittelten leicht erreichbar, Schon bei Zahnarzt Dr. G. Reif ordiniert jetzt II, Lassallostraße Nr. 28 einer Anzahlung von 150 Schilling und vier Monatsraten ä 30 Schilling können 14 herrliche Urlaubstage und bei 155 Schilling ä-conto-Zahlung sowie vier Monatsraten ä 30 Schilling 28 glückliche Ferialtage an den Fluten der Adria, einschließlich aller Auslagen, verbracht werden. (Entgeltlich.) Kleine Nachrichten Der jüdische Arbeiter Abraham Maschlin in Moskau wurde von seinen christlichen Arbeitsgenossen in der Fabrik in einen Kessel kochenden Wassers geworfen. Es gelang ihm, sich zu retten, er kam mit schweren Verbrühungen davon. Auch andere jüdische Arbeiter in der Fabrik sind schweren Verfolgungen ausgesetzt. Der jüdische Arbeitslose Rubin G a r b e r, der aus Berditschew stammt, ist in diesen Tagen gestorben. Seine Kollegen erklären, daß sein Tod in unmittelbarem Zusammenhang mit den Verfolgungen und Verhöhnungen steht, denen er seitens des Kiewer Arbeitsamtes ausgesetzt war. * In Lüneburg wurde im November vorigen Jahres die Synagoge von Nationalsozialisten beschmiert’ und beschmutzt. Die Täter, junge Nationalsozialisten, waren vor kurzem vom Schöffengericht verurteilt worden. Diese und auch der Staatsanwalt hatten Berufung eingelegt. In der Berufungsverhandlung ergab sich, daß der Vorsitzende der Nationalsozialisten in Lüneburg der Anstifter jener Tat war. Er hatte außerdem während der Tat aufgepaßt, daß seine Freunde von der Polizei nicht überrascht wurden. Es wurden Strafen in Höhe bis zu sieben Monaten ausgesprochen. * Das Zentralexekutivkomitee der Union der russischen Sowjetrepubliken hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, der Regierungskommission für jüdische Kolonisation und Industrialisation »Komzet« weitere 12.000 Desjatinen Boden in der Krim zur Ansiedlung verarmter Juden zur Verfügung zu stellen. * TUCHHANDLUNG „ZUR SCHÄFERIN“ ALBERT HARDT WIEN I, FREISINGERGASSE 1 (Ecke Bauernmarkt) Original englische Damenmäntel' und Herrenmodestoffe Henry Morgenthau, der frühere Botschafter der Vereinigten Staaten in der Türkei und der erste Oberkommissär des Völkerbundes für die Ansiedlung griechischer Flüchtlinge, ist in Athen eingetroffen, um umfassende Studien über die Lage Griechenlands und des griechischen Volkes sowie über die LagederFlüchtlinge zu betreiben. Diese Studien will Morgenthau in einem „Der Roman des griechischen Volkes" betitelten Buche verwerten. Der bekannte amerikanisch-jüdische Publizist Herman Bernstein ist aus New York in Paris eingetroffen. Er teilte dort Pressevertretern mit, daß er die Redaktion der New Yorker Zeitschrift »Jewish Tribüne« niedergelegt hat und gegenwärtig mit der Abfassung einer Geschichte des American Joint Distribution Committee beschäftigt ist, in dem Hilfs- und Aufbauwerk dieser Körperschaft in den Kriegs- und Nachkriegsjahren dargestellt sein wird. * Das Komitee für Verleihung von Auszeichnungen des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten hat seinen früheren Beschluß, den Ozeanflieger Charles L e v i n e für die Verleihung der Kongreß-Medaille nicht vorzuschlagen, umgestoßen und sich dem Beschlüsse des Senats angepaßt, daß ebenso wie Clarence Chamberlin so auch Charles A. Levine die Kongreß -Medaille zuzuerkennen sei. Der vor kurzem verstorbene Leslie John F r i e d 1 ä nde r aus Harley-House, Regents Park, hat 100.000 Pfund für allgemeine Wohlfahrtszwecke hinterlassen. Die Hälfte ist für englische Hospitäler, die andere Hälfte für jüdische Wohlfahrtsanstalten bestimmt. * Der jüdische Industrielle Isafa Le v i in Rom spendete eine Million Lire zwecks Restaurierung des alten könig- Urlaub in Grado für öffentliche und fix Angestellte sowie deren Angehörige Pauschalpreis inkl. Fahrt in 5 Teilzahlungen abzüglich eventueller Visum- und Fahrtbegünstigungen einschließlich erstklassiger Logis, Verpflegung, unbeschränkter Bädergebrauch samt Zelt, Kurtaxe etc. Reiseantritt schon nach Anzahlung gewährleistet Auskünfte und Prospekte durch die < Generalvertretung des internationalen Reisebüros F. GRIGOLON & CO. WIEN I, KOHLMARKT 8 (Eingang Wallnerstraße) Telephon 69-4-17 liehen Palastes »Madama« in Turin und stiftete eine weitere Million Lire für die zukünftige Instandhaltung des Palastes. Er wurde dafür mit dem höchsten italienischen Orden, dem Orden des Groß-Kavaliers der italienischen Krone, ausgezeichnet. * » Wie aus Bukarest berichtet wird, hat der gegenwärtig schwer kranke Jancu S e i a n u den dortigen zionistischen und allgemein jüdischen Institutionen eine größere Spende zukommen lassen, und zwar insgesamt eine halbe Million Lei, die zu gleichen Teilen für den Keren Hajessod, den Keren Kajemeth, die Jüdische Gemeinde von Bukarest, einen neu zu gründenden hebräischen Kindergarten in dem Stadtteil, in dem Seianu wohnt, und eine jüdische Schule, ebenfalls in diesem Stadtteil bestimmt sind. * Vor kurzem verstarb in München der Vorsitzende des Bayerischen Israelitischen Lehrervereins, Simon Dingfeld e r. Mit seiner 1908 abgefaßten Denkschrift über die wirtschaftliche Lage der Bayerischen jüdischen Lehrer gab er den Anstoß zur Gründung des Verbandes bayerischer Israelitengemeinden, dessen Rat Dingfelder 'angehörte. Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund hielt in Basel seine diesjährige Delegiertenversammlung ab. Fast alle Gemeinden der Schweiz waren vertreten, unter ihnen auch die westschweizerischen, wie ' Chaux - de - Fonds, Lausanne und Genf. * Die polnische Wissenschaftliche Akademie hat in ihrer soeben abgehaltenen feierlichen Sitzung den Präsidenten der Republik Prof. Moscicki und eine Reihe anderer Gelehrter zu ihren Mitgliedern gewählt, unter ihnen den Dozenten für semitische Philologie an der Warschauer Universität Oberrabbiner Dr. Moses S c h o r r und den Professor für römisches Recht an der Krakauer Universität Dr. Raphael T a u banse h 1 a g. Österreich Aus den zionistischen Ortsgruppen Wien Zionistische Frauenarbeit. Unermüdlich arbeiten die zionistischen Frauen Oesterreichs an der Verwirklichung ihrer organisatorischen Ziele. Dies zeigt der recht beträchtliche Mitgliederzuwachs, den die Organisation zionistischer Frauen Oesterreichs im letzten Jahre aufweist. Besonders bemerkenswert ist hier der Beitritt der im IX. Bezirke bestehenden Mädchengruppe „Dworah", der eine wertvolle Unterstützung für die Tätigkeit der Frauenorganisation bedeutet. Größte Aufmerksamkeit wird namentlich der Kulturarbeit gewidmet, deren Leitung Frau Dr. Martha Hofmann innehat. Es wurde ein „Vortragszyklus für die jüdische Frau" organisiert. Die auf größere Propagandawirkung berechneten Vorträge wurden nicht nur für die Mitglieder der Organisation abgehalten, sondern auch außenstehenden Frauen zugänglich gemacht. Außer den von der Zentrale veranstalteten Vorträgen wurden in den einzelnen Bezirksorganisationen Kurse für jüdische Geschichte, jüdische Literatur, Palästinakunde und aktuelle Fragen des Judentums abgehalten. Hervorzuheben ist ferner, daß die hebräischen und jüdischen Kindergärten in den Bezirken durchwegs unter Aufsicht von Mitgliedern der Frauenorganisation stehen und durch deren Bemühungen erhalten werden. Auch die Palästinaarbeit geht erfolgreich vonstatten; an dem Keren-Hajessod-Drive haben Mitglieder der Zion. Frauenorganisation mitgearbeitet und es ist ein großer Teil des Erfolges ihrer und der Arbeit der Mädchengruppe „Dworah" zuzuschreiben. Für die Keren-Kajemeth-Arbeiten hat die Frauengruppe ein spezielles Kontingent übernommen und bisnun fast die Hälfte abgeführt. Die frühere Palästina-Sammelaktion wird jetzt unter der Devise des Keren-Hanaschim weitergeführt und weist bereits schöne Erfolge auf. Die zweite Council-Sitzung der WIZO findet vom 3. Juli bis inklusive 5. Juli 1928 in den Räumlichkeiten der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Meinekestraße 10, Berlin W 15, statt. Die Vertreterinnen der führenden kontinentalen Föderation haben ihre Anwesenheit zugesagt. Die Council-

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