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Die Stimme · 1928-06-14 · Heft 24 (14.6.1928) · page 13

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 24 (14.6.1928)
Date
1928-06-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 24 OIE STIMME Seite 13 mann spielte einen noblen, distinguierten Liebhaber und wußte auch stimmlich zu interessieren. Eine Sonderklasse repräsentiert der jugendliche Ilja Trilling, dessen Temperament alles mitreißt. Max Bryn hate in erster Linie die Sorgen der Regie zu tragen. Aus dem einheimischen Ensemble ragte Frau Clara M e i s e 1 s mit ihrer drastischen, grotesken Komik hervor. Cilli Bell und B. S i g a 11 spielten sich vor- Diese Geschichte wurde von dem Zaddik Rabbi Zwi von Kaminka erzählt und hat sich in manchen unwesentlichen Abweichungen in verschiedenen hebräischen Quellenschriften erhalten. Die Mutter des großen Zaddik war schon seit langem von der unstillbaren Sehnsucht erfüllt, vor ihrem Tode noch nach Erez Israel zu ziehen, war jedoch zu arm, um die ungeheuren Kosten einer solchen Reise aus eigenen Mitteln herbeizuschaffen. So sann sie denn Tag und Nacht über diesen ihren immer reger und lebendiger werdenden Herzenswunsch, ohne aber einen Weg seiner Erfüllung zu finden. Schwer litt die fromme Frau unter diesem ihrem Unvermögen, setzte aber immerhin ihre Hoffnung auf den Allmächtigen, der den Wunsch direr, die ihm anhangen, zu erfüllen pflegt. Eines Tages — es war Jahrmarkt im Städtchen Kaminka — saß die alte Frau einsam und traurig in sich gekehrt in ihrem bescheidenen Zimmer; da trat ein armer Mann ein und sprach zu ihr: „Wohl sind die Sukkothtage bereits vorüber, aber die Sonne brennt noch immer so stark wie in den Sommermonaten. Bevor ich mich auf den Weg in diese Stadt machte, um bei den Händlern auf dem Jahrmarkt milde Gaben zu sammeln, zog ich zum Schutze gegen Kälte meine Stiefel an, aber siehe da — die Hitze ist groß und ich sehe, daß ich ganz gut auch barfuß gehen kann. Ich bitte Euch nun, meine Stiefel hier lassen zu dürfen, bis ich meine Arbeit auf dem Markte verrichtet habe. Am Abend komme ich und hole sie wieder.“ Die Frau erwiderte: „Stelle sie dort in den Winkel, hinter dem Bett!“ Der Bettler tat, wie ihm geheißen wurde. Der Abend kam, aber der Wanderer kam nicht wieder, um seine Sachen zu holen; auch die Frau des Hauses dachte nicht mehr an sie, noch an den, der sie in ihrer Stube hinterlegt hatte. So blieben denn die Stiefel während des Winters hinter dem Bett. Erst als die Frau nach Purim mit dem großen Reinemachen zu Ehren des herannahenden Pessachfestes begann, stieß sie wieder auf die Stiefel hinter der Bettstelle. Als sie der Stiefel ansichtig wurde, erschrack sie sehr, denn sie erinnerte sich des armen Dorfwanderers, der am Jahrmarkttag nach dem letzten Sukkothfeste die Stiefel zurückgelassen hatte und nicht wiedergekehrt war. Sie war eben im Begriffe die Stiefel an einen sicheren Platz zu bringen — da fiel ein Haufe roter Goldtaler aus ihrem Innern und rollte auf dem Fußboden des Zimmers in alle Richtungen. Zunächst konnte sich die Frau über das wunderbare Geschehnis nicht fassen, wußte nicht, was sie mit der unerwarteten Entdeckung beginnen sollte. Allmählich erholte sie sich jedoch von ihrem - Schrecken und sprach: „Nim weiß ich erst, wer jener Arme gewesen ist. Er war nur meinetwegen gekommen. Es war ein Himmelsbote und diese Taler sind ein Geschenk vom Himmel, damit ich in die Lage komme, nach Erez Israel zu ziehen.“ Nun schritt sie in gehobener Stimmung an die Vorbereitungen zum Feste, das diesmal in außerordentlicher Pracht und hellem Frohsinn begangen wurde. Gleich nach dem Pessachfest trat die Frau ihre so heiß ersehnte Reise nach Erez Israel an. Im Lande der Väter angelangt, lebte die Frau noch lange Zeit von dem Gelde, das vom „himmlischen Geschenk“ noch übrig geblieben war. Als aber auch dieser Rest zur Neige ging, mußte sie an einen Erwerb denken, um nicht auf die Wohltätigkeit fremder Menschen angewiesen zu sein. Sie beschloß, sich als Geburtshelferin ihren Unterhalt zu verdienen. Und der Ewige war mit der frommen Frau; alle ihre Unternehmungen waren mit Glück gesegnet und von Erfolg gekrönt. Ihr Ruf als Geburtshelferin war rasch in alle Richtungen des Landes gedrungen. Die Frauen fühlten sich in ihrer schweren Stunde sicher, wenn sie diese Frau in ihrer Nähe wußten. Bei ihrem Erscheinen schwanden mit einemmale alle Beschwerden und Schmerzen der Gebärenden und die Geburt ging ohne Gefahr vonstatten. Um diese Zeit herrschte im Palast des Sultans große Bestürzung. Im Frauengemach wand sich die Sultansgattin in schweren Wehen. Alle Bemühungen der Geburtshelferin, den Geburtsakt zu beschleunigen, waren vergebens; die ans Krankenlager berufenen berühmten Aerzte des Landes hatten bereits jede Hoffnung aufgegeben, das Leben der Sultansgattin und ihrer Leibesfrucht zu retten. In seiner großen Verzweiflung erließ der Sultan an die Juden seines Reiches den Befehl: trefflieh mit den Gästen ein. Die prächtigen Bühnenbilder und das reißerische Jazzorchester (Leitung W e i s s) hielten das Publikum den ganzen Abend in blendendster Laune. Es gab Beifallsstürme, Blumen und Wiedethölüngen. —d. ■ Ab Freitag, den 15. Juni, geht die Novität »Sidy« mit Vera Kanjewska in der Titelrolle in- Szene. „Betet zu Eurem Gott, daß meine Frau gebären möge. Sollte sie aber sterben und auch ihr Kind mit ihr den Tod finden, so wird das nur ein Beweis sein, daß Ihr nicht in Gemeinschaft zu Eurem Gott gebetet habt, und Ihr seid dann gleichfalls dem Tode verfallen!“ Als die Juden die Botschaft des Königs vernahmen, ergriff sie bitteres Weh; sie beteten zu Gott, er möge sein Volk vor der drohenden Gefahr bewahren und der Sultansgättin rasche Hilfe gewähren. Dann versammelten sich die Aeltesten der Gemeinde, um darüber zu beraten, wie das Unheil abgewendet werden könnte. Man beschloß, die berühmte jüdische Geburtshelferin einzuladen und zu fragen, ob sie bereit wäre, in den königlichen Palast zu gehen und mit ihrer Kirnst der Sultansgattin in ihrer schweren Stunde beizustehen. Die Frau antwortete: „Ich bin bereit, hinzugehen. Vielleicht wird durch mich den Juden, die in den Städten des Sultans wohnen, Rettung zuteil.“ Und die Juden ließen hierauf den Sultan wissen: „Wir flehen zu Gott, wie der König es befohlen hat, und entsenden auch eine jüdische Geburtshelferin an den Sultanshof. Gott ist mit ihr auf allen ihren Wegen und sobald sie zur Königin gelangt, wird diese gebären und erhalten bleiben.“ Die Geburtshelferin meldete sich am Sultanshof und wurde in das Gemach der Sultanin geleitet. Kaum v/ar die Königin der jüdischen weisen Frau ansichtig geworden, brachte sie glücklich ihr Kind zur Welt. Am Sultanshof war die große Bestürzung allgemeiner großer Freude gewichen. Der Sultan beschied die Retterin des Lebens seiner Frau und seines Kindes in den Thronsaal und sprach zu ihr: „Du hast die Trauer aus meinem Hause gebannt und deiner göttlichen Kunst danke ich das Leben meiner Frau und meines Kindes. Hast du einen Wunsch, laß mich ihn wissen, und er soll in Erfüllung gehen!“ Zitternd antwortete die Frau: „Will der große Sultan mir eine Bitte gewähren,., so sei es mir erlaubt, in das Innere der Höhle Machpelah zu gelangen und an den Gräbern der Erzväter Gebete zu verrichten!“ Der Sultan sprach: „Es geschehe nach deinem Begehr!“ Wenige Minuten später verließ die Frau im Besitze eines mit dem Siegel des Sultans versehenen Erlaubnisscheines zum Eintritt in das Innere der Höhle Machpelah, der Gruft der Erzväter. Als der Sultan allein geblieben war und über die Ereignisse des Tages nachdachte, erinnerte er sich plötzlich, daß er im Ueberschwang der Freude bei der Gewährung der Bitte der wundertätigen Hebräerin völlig vergessen hatte, daß ein strenges Landesgesetz einem Juden den Eintritt in das Innere der Höhle Machpelah verbietet und der Jude, der dieses Verbot Übertritt, sein Leben verwirkt hat. „Betritt die jüdische Geburtshelferin das Innere der Höhle, wie ich ihr in einem Augenblick der Freude und Dankbarkeit gestattete“ — so bedachte der Sultan — „verletze ich selbst das eigene Landesgesetz und liefere damit meinen Untertanen ein | böses Beispiel. Widerrufe ich aber meine Bewilligung, so widerspreche ich mir selbst, was mit der Heiligkeit und Unwiderruflichkeit des Königs unvereinbar ist.“ Der Sultan legte seine schweren Zweifel dem Kronrat und dem Rat der Weisen vor und diese rieten ihrem Herrscher zu folgendem Ausweg: „Das einmal ausgesprochene Wort des Sultans ist heilig. Deshalb möge die jüdische Geburtshelferin in die Höhle Machpelah eingelassen, werden. Die Bewilligung des Sultans gibt ihr aber bloß das Recht, in das Innere der Höhle einzutreten. Daher mögen die Wächter die eisernen Tore, die sie ihr zum Eintritt öffnen werden, sofort nach ihrem Eintreten wieder schließen und die Frau wird die Höhle nie mehr verlassen. Daß sie die Höhle auch verlassen werde, hast Dü, Herr, ihr weder mündlich, noch schriftlich zugesichert. Nach dem Gesetz darf ein Jude, der an die heilige Stätte gelangt, nicht wieder heil heimkehren. Wird nun die Geburtshelferin nicht mehr aus der Höhle zurückkehren, so hat der Sultan sein Wort gehalten, ohne daß das Gesetz verletzt ward.“ Der Vorschlag gefiel dem Sultan und er befahl darnach zu handeln. Die jüdische Retterin der Sultansgattin ging zur Höhle Machpelah, die von einer hohen befestigten Mauer umgeben War, in deren Mitte sich ein eisernes Tor befand. Die Wächter öffneten das Tor und gaben der Frau den Eintritt frei. Während sie weiter in das Innere der Höhle schritt, schlossen die Wächter leise das Tor von außen und entfernten sich. Die Frau bückte sich über die Gräber der Erzväter und sandte ihre Gebete zu Gott empor. Als sie, nachdem sie ihr Herz durchs Gebet erleichtert hatte, wieder dem Ausgang zuschritt, um heimzukehren, fand sie zu ihrer großen Verwunderung das schwere eiserne Tor geschlossen. Sie dachte, es sei ein Versehen der Wächter, die ihrer vergessen hatten. Sie schlug mit beiden Fäusten aufs Tor, blieb aber ungehört und auch auf ihre lauten Rufe kam keine Antwort. Nun erst erkannte sie, was ihr widerfahren war; sie erschrack und weinte bitterlich, denn sie war sich klar, daß es für sie keinen Weg ins Freie gibt und daß die Höhle auch ihr zum Grabe werden würde. Mit ihrem Leben hatte sie nunmehr abgeschlossen; so schritt die vielgeprüfte Frau durch den Raum, an den geheiligten Gräbern vorbei, und erleichterte ihr Gemüt, indem sie die herrlichen Lieder des Dichterkönigs David, die sie alle auswendig kannte, laut vor sich hinsprach, bis sie vom Schlaf überwältigt hinsank. Während sie schlief, sah sie, wie sich ihr ein alter Mann näherte; der sprach zu ihr: „Weine nicht! Ich bin dein Vorfahre, folge mir, ich bringe dich nach Hause!“ „Wer bist du?“ — fragte die Frau die Erscheinung. „Ich bin der König David“ — antwortete der Greis. — „Als mein Wahrzeichen nimm dieses Buch Tehillim, das Buch der Psalmen.“ Der Alte hieß sie ihm zu folgen, Er schritt ihr voran, sie ging ihm nach, das Psalmenbuch in der Hand. Und als sie ihre Augen öffnete, sah sie, daß sie vor ihrem Wohnhaus stand. Der Greis war verschwunden. Sie trat in ihr Haus ein, da verließen sie plötzlich ihre Kräfte und sie fiel in Ohnmacht. Mit schwerer Mühe und großer Sorgfalt wurde sie wieder ins Leben zurückgerufen und da erzählte sie, was sich mit ihr von dem Tage, als sie in den Sultanhof kam, bis zu der Stunde, da sie wieder in ihre Wohnung zurückkehrte, zugetragen hatte. Die jüdische weise Frau begann aber jetzt um ihr Leben zu fürchten, denn es war sicher, daß die hohen Beamten des Sultans und die Wächter der Höhle Machpelah sie ermorden würden, wenn sie erführen, daß sie heil die Gruft der Erzväter verlassen hatte. So verließ sie das Heilige Land und beschloß erst wiederzukehren, wenn ihre wunderbare Rettung in Vergessenheit geraten sein würde. Scherz und Humor Was Rothschild nicht bekommen kann . Ein Schnorrer läßt sich bei Rothschild anmelden: er wird abgewiesen. Da sagt er dem Portier: ,Richten Sie dem Baron Rothschild aus, ich wette mit ihm um 50 Gulden, daß ich etwas bei mir habe, was er für ein ganzes Vermögen nicht bekommen kann." Der Baron wird neugierig und läßt den Mann vor. Der beginnt seiner Gewohnheit gemäß eine umständliche Rede über seine Herkunft, Familienverhältnisse und dergleichen. Rothschild unterbricht ihn ungeduldig: „Jetzt sagen Sie mir aber, was Sie bei sich haben, das ich für mein ganzes Vermögen nicht bekommen kann." „Ein Armutszeugnis, Herr Baron." Der Schnorrer bekam die 50 Gulden. Man hat‘s nicht leicht wenn man als moderner Geschäftsmann, der im eigensten Interesse stets bestrebt ist, seinen Kunden besondere Attraktionen zu bieten, von seiner eigenen Leistungsfähigkeit, von den besonderen Vorteilen, die man dem Käufer bietet, sprechen muß. Das kaufende Publikum, durch marktschreierische und unglaubhafte Uebertreibungen mancher Reklameanzeigen mißtrauisch gemacht, nimmt auch reellen Angeboten gegenüber eine vorsichtige Haltung ein und ist nur schwer davon zu überzeugen, daß man auch für wenig Geld wirklich gute und verläßliche Qualitätsware bekommen kann. Wenn wir Sie trotzdem bitten, uns anläßlich unserer „Sensationellen Seiden-Woche“ mit Ihrem Besuche zu beehren, so tun wir das in der Erwartung, daß Ihnen unsere außerordentliche Leistungsfähigkeit und unser Renommee als „verläßliche und billigste Einkaufsquelle" Gewähr dafür bieten, daß Sie bei uns sehr gut bedient werden. Im übrigen wird sie schon ein Blick in unsere Schaufenster, ein Vergleich des Preises und der Qualität der dort ausgestellten Seidenwaren, von der Ungewöhnlichkeit unserer Angebote überzeugen. Unser Verkaufspersonale wird Ihnen gerne unsere reichhaltige Auswahl in allen Seidenwaren, die herrlichsten Mode-Dessins, zeigen und Sie können frei und unbeeinflußt wählen. Wir bringen unter anderem: Diagonal-Seide, für Kleider, per Meter S 1.98, Satin de Chine, alle Farben, zu S 2.50, Seiden-Brokate, für Futterzwecke, 85 breit, zu S 2.50, Waschseide, herrliche Dessins, zu S 2.90, Rejane, reine Kleidersdfp, 90 breit, zu S 2.90, Crepe Marocaine, reine Seide, alle Farben, 100 breit, zu S 3.90, Mantelseide, schwarz und färbig, 95 breit, zu S 4.90. Crepe de Chine-Imprim6, 100 breit, zu S 7.90, usw. In unserer Resten- Schwemme (im Tiefparterre) kaufen Sie: Modernste Kleider- De laine, per Meter 89 Groschen, K.-Seide, per Meter 98 Groschen, Orig. Schweizer Voll-Etamine, fabelhafte Dessins, 110 Zentimeter breit, zu S 1.98. Dirndlstoffe, Crepe, Frenche, per Meter S 1.25, Regenmäntel, prima, per Stück nur S 10 u. a. m. Vor Deckung Ihres Bedarfes an Badeartikeln sehen Sie sich in unserem großen Schaufenster (im Hause nebenan) unsere reiche Auswahl in Bademänteln, Capes, Badetrikots, Badehauben usw. an. Warenhaus Brüder Schiff mann. (Entgeltlich.) II., TaborstraQe 48. Das Wunder in der Höhle Machpelah Von S. Ben JecheskeL (Aus dem Hebräischen übertragen von H« Tobias«)

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