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Die Stimme · 1928-06-14 · Heft 24 (14.6.1928) · page 11

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 24 (14.6.1928)
Date
1928-06-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 24 Seite \ 1 DIE STIMME bestehen, von diesen nach den Grundsätzen des Proportional Wahlrechtes gewählt werden; wo solche demokratische Wahlen nicht stattfinden, sind Urwahlen aus zuschreiben. Für Sachsen und Hessen wurde eine Uebergangsbestimmung angenommen, nach der die Delegierten dieser beiden verbände für die Wahlperiode der Reichstagung durch die Verwaltungsbehörden der beiden Landesverbände zu ernennen sind. Als Name für den Gesamtverband wurde nach langer Debatte mit allen gegen 3 Stimmen die Bezeichnung „Reichsverband der deutschen Juden” festgesetzt. Die Beschlüsse der Kölner Konferenz müssen nunmehr in allen Landesverbänden einzeln gebilligt und angenommen werden, worauf die Konstituierung des Reichsverbandes erfolgen kann. Das Gesetz über die jüdischen Gemeinden in Rumänien Durch das neue Kultusgesetz, das in Rumänien geschaffen wird, werden diö jüdischen Kultusgemeinden Körperschaften öffentlichen Rechtes. Zur Schaffung eines Mustei Statutes, das einheitlich für alle jüdischen Gemeinden Rumäniens zu gelten hätte, räumt das Gesetz der Judenschaft eine Frist von 6 Monaten nach der Promulzierung des Gesetzes ein, innerhalb deren sie Vorschläge für ein solches Einheitsstatut machen kann. Nun schlägt der frühere Deputierte, Oberrabbiner Zirelsohn in Kischniew, die Einberufung einer jüdischen allgemeinen Reichskonferenz vor, welche einzig und allein berechtigt wäre, Beschlüsse über das Einheitsstatut zu fassen, das dem Kultusministerium vorzuschlagen ist. Schon durch dieen Vorschlag unterscheidet sich Rabbiner Zirelsohn, welcher A g u d i s t ist, wohltuend von den Agudisten anderer Länder, die niemals das Gesamtjudentum im Auge haben, wenn es um politische Dinge geht, sondern durch geheime Wühlarbeit die gesamtjüdischen Interessen schädigen. Aber auch in seiner Auffassung vom Wesen der jüdischen Gemeinde denkt Rabbiner Zirelsohn ganz anders als die agudistische Trennungsorthodoxie. In einem Aufsatz „Das natürliche Fundament einer natürlichen Gemeinde", den er in der „Czernowitzer Ostjüdischen Zeitung" veröffentlicht, schreibt er u. a. zur Begründung seines oben angeführten Vorschlages: „Es mag ja wahr sein, daß gesetzlich die Kultusgemeinde eine nur religiöse Organisation darstellen wird und nicht auch eine nationale, aber es wird trotzdem niemand imstande sein, sie ihrer historisch ethnischen Eigenschaft zu entkleiden, ebenso wie es nicht gelungen ist, den nationalen Geist in den Kultusgemeinden in den schlimmsten Diasporazeiten zu unterdrücken. Die jüdische Gemeinde mußte damals unter irgend einem Deckmantel ein unnatürliches Dasein führen. Heute können wir die größten Hoffnungen hegen, da die Gemeinde, gesetzlich anerkannt, ein offenes Schild führen und eine natürliche, normale Entwicklung nehmen wird. Sobald also die Gemeinde nunmehr eine natürliche Existenz führen kann, muß sie die natürliche Entwicklung mit der Zeit zu einer religiös-nationalen Körperschaft gestalten. Die Gemeinde muß also und wird sich systematisch entwickeln zu dem Organismus, den das Judentum als altneues Kulturvolk fordert. Ein solcher Organismus muß sich zusammensetzen aus einem allrumänischen Gemeindeverband mit einem Zentralrat an der Spitze, der die religiöse und nationale Tätigkeit dieses gigantischen Organismus coordiniert. Dies alles ist nicht Utopie, das ist eine wirkliche, natürliche Erscheinung." Der Keren Hajessod - Beitrag der Wiener Kultusgemeinde Wie bereits berichtet, hat die Wiener Israelitische Kultusgemeinde in ihrem diesjährigen Budget S 25.000 für den Keren Hajessod bestimmt, welcher Betrag bereits nach Palästina überwiesen wurde. Das Kercn-Hajessod-Direktorium hat aus diesem Anlaß an das Präsidium der Wiener Kultusgemeinde nachstehendes Dankschreiben gerichtet: „Wir verzeichnen mit besonderer Freude, daß Sie auch dieses Jahr wieder einen Betrag von 25.000 österreichischen Schilling für das Palästina-Werk zur Verfügung gestellt haben und sprechen Ihnen für diese Unterstützung unserer Arbeit unseren herzlichsten Dank aus. Es ist uns eine Genugtuung, daß wir Ihnen dieses Mal über die Fortschritte unserer Arbeit wesentlich Günstigeres mitteilen können als im Vorjahre. Zwar sind die Schwierigkeiten auch jetzt groß genug. Aber es ist in den letzten Monaten gelungen, die Arbeitslosenunterstützung durch die Aufnahme von konstruktiven Arbeiten in den landwirtschaftlichen Siedlungen des Keren Hajessod abzulösen. Gleichzeitig damit hat sich auch die wirtschaftliche Lage im Lande bedeutend gebessert. Die junge palästinensische Industrie befindet sich auf dem Wege einer verheißungsvollen Weiterentwicklung. Die prosperierenden Orangenpflanzungen Werden von Jahr zu Jahr vergrößert und können dadurch einer steigenden Anzahl von Arbeitern Beschäftigung bieten. Gewiß sind auch jetzt noch außerordentliche Anstrengungen notwendig, um die Folgen der Krise zu beseitigen und die Verpflichtungen, die während der Krisenmonate eingegangen wurden, abzudecken. Jede Unterstützung, die dazu verhilft, diesen Gesundungsprozeß zu beschleunigen, ist daher von eminenter Wichtigkeit, Wir können heute auf die Entwicklung in Palästina mit umso größerer Genugtuung blicken, nachdem wir immer wieder erfahren, welche Sympathie das hier Geschaffene bei führenden Geistern hinterlassen hat, die Palästina im letzten Jahre besucht haben. Die Wiener Kultusgemeinde kann sich mit Recht rühmen, daß sie diesem Werk auch in schwerer Zeit ihre Unterstützung nicht versagt hat. Wir sprechen daher die Hoffnung aus, daß das jüdische Werk ia Palästina auch künftig Wien L, RcienltiFin^ stvaße £Vz>. 22 Die beste und billigste Einkaufs~ quelle (Unheils* pveise S 7- S 9- S 12' auf das volle Verständnis der Wiener jüdischen Gemeinde als eines an jüdischen Traditionen so reichen Zentrums jüdischen Lebens rechnen kann." Jüdische Gemeinden in Deutschland für den Palästina-Aufbau Der Kreis der Jüdischen Gemeinden in Deutschland, der dem jüdischen Palästinawerk materielle Förderung angedeihen läßt, wird immer größer: In den letzten Wochen haben die Jüdischen Gemeinden Frankfurt a. M. 3000. —M und Bamberg 500.— M für den Keren Hajessod bewilligt;. Frankfurt a. M. hat daneben weitere 1500.— M für die H e- Liräische Universität in Jerusalem gezeichnet. Die Kultuswahlen in Bielitz welche am 3. Juni stattfanden, gingen im Zeichen einer Wahlkoalition zwischen den Liberalen und Agudisten vor sich, die den etwa 50 Wählern agudistischer Couleur vier Mandate sicherten! Dennoch vermochten die Zionisten 6 Vorstands- und 1 Ersatzmandat zu erringen. Die Zionisten erlangten etwa 49 Prozent der abgegebenen Stimmen. Durch die Konstruktion des Wahlrechtes und die Art, wie die Machthaber die Wahl durchführten, kamen sie um die dieser Stimmenzahl entsprechende Mandatziffer von etwa 13 Sitzen in der Bielitzer Kultusstube. Kein Frauenstimmrecht in den Londoner Synagogenverwaltungen In einer gemeinsamen Sitzung des Rates der Londoner United Synagogue und der Delegierten der synagogalen Institutionen stand die Frage der Verleihung des Stimmrechtes an die weiblichen Mitglieder der United Synagogue zur Verhandlung. Für das Stimmrecht sprachen sich der Präsident Sir .Robert Waley - Cohen, Mr. Joseph Prag, dagegen H. H, G o r d o n und Isaac La n d a u aus. Schließlich wurde der Antrag, den Frauen das Stimmrecht bei den Wahlen zu den Synagogenverwaltungen zu gewähren, mit 211 gegen 167 Stimmen abgelehnt. Austritte aus dem Judentum Löwy Renöe, 13. 4. 1921, Mödling, ledig, XIII., Töpfel- •gasse 2. Friedjung Elise, 26. 9. 1895, Wien, ledig, VII., Kandlgasse 37. Augenfeld Julia, 27. 9. 1902, Budapest, ledig, XVIII., Martinstr. 13. Stemser Sami, 9. 1. 1910, Przemysl, ledig, II., Wolfgang Schmälzlg. 5. Kar er Gertrude, geb. Sommer, 22. 9. 1899, Wien, ger. getr., XIX., Armbrusterg. 10. Szamek Andor, 27. 4. 1894, Wien, ledig, VI., Brückeng. 16. P 1 a c z e k Irma, 1. 1. 1897, Wien, ledig, VI., Dürergasse 15. R o s n e r Viktor, 28. 4. 1895, Wien, ledig, XIX., Heiligenstädterstraße 223. Wiener Walter, 28. 7. 1906, Wien, ledig, XIII., Hauptstr. 108. Sonnenfeld Margit, 19. 9. 1903, Wien, ledig, IV., Wiedner Hauptstr. 73. Braun Emil, 30. 10. 1894, Wien, verh., XVII., Pezzlg. 26. Apfelbaum Toni, 5. 10. 1901, Podwoloczyska, ledig, II., Thugutstr. 3. Wechsler Marie, 14. 2. 1901, ledig, Oberhollabrunn, II., Taborstr. 11a. Glatte r n e r Ernst, 5. 5. 1900, Wien, ger. gesch., II„ Ennsgasse 13. Frankl Felix, Dr., 11. III, 1905, Wien, ledig, XIX,, Döblinger Hauptstr. 42. Erben Heinz Roland Georg, 15. VIII, 1911, Wien, ledig, Graz. Honig Erich, 11, 12. 1906, Cassel, ledig, II., Ennsgasse 13. K o r ä n y i Eugenie, 14. 9. 1913 Wien, led,, I., Hofburg. Dr. Otto Weinstock, 2. 10. 1902 Wien, led., Arzt, I., Seilerstätte 16. Rosenberger Felix, 7. 4. 1900 Wien, led., I,, Gonzagagasse 23. Mahler Grete, 19. 8. 1907 Wien, led., I., Zelinkagasse 13. T r i n a r i Margarethe, 23. 2. 1908 Wien, led., II., Krummbaumgasse 20. Weisz Martha, 26. 9. 1901 Wien, led., XIII., Pacassistraße 108. Engel Tibor, 6. 4. 1903 Ujpest, led., XIII., Pachmanngasse 1. Hermine Löwy geb, Jonoschek, 22. 5. 1896 Klenisteldorf, ger. gesch., XIII., Töpfelgasse 2. Israelitischer Jugendgottesdienst. Samstag, den 16. Juni d. J. findet um 3 Uhr nachm, der letzte Jugendgottesdienst im Schuljahre 1927/28 für die israelitische Schuljugend in de* Gemeinde- und Bezirks-Synagogen statt. Wissenschaft, Literatur, Kunst Die neue Sarah Bernhardt Der Aufstieg einer jüdischen Künstlerin. Von Renee Straus (Paris). Als Sarah Bernhardt vor fünf Jahren starb, verlor die Welt eine der repräsentativsten Frauen der Gegenwart und die Kunst eine einzigartige Persönlichkeit. Nicht lange darnach kündigten die Pressechefs der Agenturen ihre Künstlerinnen als „neue Sarah Bernhardt” an oder als „Reinkarnation der Düse”, „die größte Schauspielerin seit Sarah Bernhardt” und ähnlich in dieser Art. Die angeblichen Schülerinnen, Protegees, Lieblingsschülerinnen der einen oder der anderen großen Schauspielerinnen, gingen in die Tausende. Aber mancher Theaterdirektor oder Impresario stieß einen tiefen Seufzer darüber aus, daß die guten Zeiten der „göttlichen Sarah” und der „unvergleichlichen Düse” vorbei waren. Jetzt aber hat Paris wieder eine Frau zur Nachfolgerin der „göttlichen Sarah Bernhardt” und auch diese Frau ist wieder eine Jüdin. Allerdings, wer als amerikanischer Durchschnittstourist nur im „Paris für die Fremden” bummelt, einen Schluck „Moulin Rouge”, allerhöchstens die „Comedie Franchise” zu sich nimmt, kann trotzdem aus Frankreich fortreisen, ohne daß er sie sah. Denn Ida Rubinstein spielt nicht jeden Abend, und nichts ist ihr verhaßter als das Gefühl: „Du bist eine Maschine des Publikums”. Aber das literarische Paris und die Künstler gehen zu ihren seltenen Vorstellungen wie zu einer heiligen Handlung, fast hätte ich gesagt, zu einem Gottesdienst. Und dabei ist Ida Rubinstein keineswegs eine sensationelle neue Erscheinung des französischen Theaters. Sie ist kein plötzlich entdeckter Star, der eines Morgens nach dem Debüt erwacht und international berühmt ist. Ida Rubinstein ist nicht weniger als fünfzig Jahre alt, und zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts war sie schon einmal berühmt. Aber ihr damaliger Rulim galt Ida Rubinstein, der Tänzerin und Pantomimkünstlerin. Ganz ohne Ausbildung kam sie zu Diaghileff, dem großen russischen Ballettmeister, eine polnische Jüdin, die nichts zu ihrer Empfehlung hatte als eine hohe, klassisch gebaute Gestalt und ein aristokratisches, weißes Gesicht, umrahmt von blau-schwarzem Haar, Flo Ziegfeld würde sie ausgelacht haben. Ihr Gesicht war allzu deutlich auf den Ton der Tragödie gestimmt und ihre Auffassung vom Tanz war noch weniger sinnlich als die der Pawlowna. Aber Diaghileff hatte sofort für sie Interesse. Sie konnte nicht tanzen, sie konnte sogar nicht einmal richtig gehen, als sie zu ihm kam, vertraute der Genius des russischen Balletts später einem Intimus. Ihr süßer, ätherisch - dünner Körper war zunächst ein Instrument, auf dem sie nicht zu spielen verstand. Und Diaghileff ging ans Werk. Als ihr Lehrer ihre Ausbildung für vollendet hielt, und sie dem strengsten Kritikerforum der Welt vorstellte, dem literarischen Nachtklub von Paris, war die polnisch - jüdische Tänzerin sofort Mittelpunkt einer heftigen Pressefehde zwischen den bekanntesten Kritikern. Die eine Gruppe huldigte ihr als der größten Entdeckung, die Diaghileff so geglückt sei, die andere Gruppe gab zwar zu, daÖ ihre exotische Schönheit Eindruck hinterließe, daß aber andererseits ihr Tanz kaum Tanz zu nennen sei. Sie mißachtete alles außer der rein tänzerischen Technik. Aus den Debatten der Kritiker sprach Leidenschaft, Kampfeswille und Vorurteil. Ein Dreyfus-Prozeß der Kunst! Und Ida Rubinstein gewinn ihn. Einige Jahre später hatten sie und Diaghileff sich durchgesetzt. Es ist auch wahr, daß Gabriele d'A n n u n z i o, nachdem er sie tanzen sah, erklärte, daß Ida Rubinstein die größte Pantomimtänzerin sei und daß er für sie allein einige Panto-

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