Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1928)
- Date
- 1928-06-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE STIMME Nr. 24 «ffff)•« •••••••••••••••••••••••»••->• ••••*•»#*••••§••#••••••••••••••••••••• I BÜCHERSTUBE M. RATH 11 § II. TABORSTRASSE 20 a, TELEPHON R-43-1-58!: 8 - 8 :: MODERNE LITERATUR / WISSENSCHAFT {; j| JUQENDSCHRIFTEN / JUDAICA UND HEBRAICA?j « Der 7. palästinensisc h-a rabische Kongreß wird ata 15. Juni d. J. in Jerusalem beginnen. Jeder Delegierte wird 5000 Wähler repräsentieren. Dem Organisations-Komitee gehören an: Musa Kazim Pasha, Omar El Bitar, Issa E! Bendak und Raschid Ibrahim. * Unter den am Geburtstag des englischen Königs Ausgezeichneten befinden sich auch der frühere Chefsekretär der Palästina-Regierung, Colonel Sy me 8, der zum Ritter des Ordens des British Empire ernannt wurde, ferner der Kommandant der palästinensischen Polizei Mavrogordato und der Direktor des Handelsdepartements K. W, S t e a d, die Inhaber des Ordens des British Empire, sowie der Quarantäne-Offizier des Jaffaer Hafens Dr. Joshua Shami, ein Jude, der Ehrenmitglied des Ordens des British Empire wurde. teratur in fremden Sprachen (russisch, polnisch, deutsch, englisch und französisch). Die Zentralbibliothek bemüht sich jetzt besondere Abteilungen für Pädagogik, Landwirtschaft, Baufach, Elektrotechnik und verschiedene Gebiete der Naturwissenschaften zu schaffen. Für die landwirtschaftliche Abteilung veröffentlichte die Zentralbibliothek einen gedruckten Katalog. Ein ähnlicher Katalog wird auch für Sozialwissenschaften vorbereitet, ferner wurde auch ein Katalog pädagogischer Schriften zusammengestellt. Besonderen und wachsenden Raum nimmt die J u g e nd- und Kinderliteratur ein. — Die Arbeiterbibliothek verdient rege Förderung ihres Bücherbestandes und ihrer Betriebsmittel zur weiteren Entwicklung. Miszellen Das soeben veröffentlichte Budget der Palästina- Regierung für die Zeit von April bis Dezember 1927 weist ein Defizit von 205.000 Pfund auf. Die Erez-Israel-Landschaft; Links: Die neue Vorstadt von Jerusalem. Rechts: Blick vom Kinercth-See auf Tiberias. - ' * . ' \ 'S. " »i £***;,% ‘ i Wmm i'S'vMr 1 - '! UV] . Die jüdische Gemeinde In den alten Kolonien Palästinas betrug die Zahl der jüdischen Arbeiter im März d. J. nach Aufstellungen des Arbeits-Departements der Zionistischen Palästina-Exekutive 6304 Personen. Von diesen Arbeitern sind 1633 ständig in der Landwirtschaft und 1380 ständig bei Bau- und anderen Arbeiten beschäftigt, so daß also 3013 ständige Arbeiter sind, während der Rest zeitweilige oder Saisonarbeiter darstellt. Die größte Anzahl jüdischer Arbeiter weist Petach Tikwah mit rund 1900 auf, dann folgen Chedera mit 700, Rechoboth 650, Rischon le Zion 550, Ness Ziona 350, Sichron Jakob 325 und Ramath Gan 320. * Zwischen Palästina und Aegypten wurde ein provisorisches Handelsabkommen auf Basis der gegenseitigen Meistbegünstigung abgeschlossen. * Auf Initiative des litauischen Konsuls in Palästina, des früheren jüdischen Ministers Dr. S. Rosenbaum, befassen sich gegenwärtig das litauische Außenministerium und das Handelsdepartement mit der Frage der Anknüpfung von Handelsbeziehungen zwischen Litauen und Pal ästin a. Die litauische Handels- und Industriekammer teilte mit, daß Litauen in der Lage wäre, Palästina- Weine und -Obst in einem größeren Ausmaße einzuf iihren und verschiedene Holzwaren in bearbeitetem Zustande, sowie Zelluloid an Palästina abzugeben. * Die zum Abschluß gelangte Orangensaison 1927/28 in Palästina ergab einen Export von 2,046.196 Kisten (gegen 2,213.983 Kisten in der Saison 1926/27): davon ging der größte Teil (1,729.219 Kisten) nach England, wohin im Vorjahre 1,904.249 Kisten exportiert worden waren. Auch nach Aegypten hat die Orangenausfuhr stark abgenommen. Dagegen hat der Export nach Deutschland, Rumänien, Dänemark stark zugenommen. Eine neue starke Ausfuhr ging nach Holland und Frankreich. * Wie die arabische Presse mitteilt, befaßt sich der bekannte arabische nationalistische Führer Emir Michel L u tf a 11 a h mit der Gründung einer Aktiengesellschaft, die den Bau einer Eisenbahnlinie zwischen A k k o, dem nördlichsten Punkt der Haifabucht, und der großen syrischen Hafenstadt Beirut durchführen soll. Die Presse teilt weiter mit, daß der Emir Lutfallah auch Hypothekenbanken in Palästina und Syrien zwecks Förderung arabischer Unternehmungen gründen wird. * In Palästina sind zwei Mohammedaner, der 24jährige Ihn Abdullah und der 27jährige Nasib Ibn Abdul- Rachman zum Judentum übergetreten. * Vor dem Haifaer Distriktsgericht fand die Verhandlung über den Entmündigungsantrag gegen den 90jährigen Juden Aron Natah aus Akko statt, den dessen Söhne gestellt hatten, da der Vater, wie berichtet, seine 10jährige Tochter an einen Moslem verkauft hat, der sie dann mit seinem 14jährigen Sohn verheiratete. Der alte Natah erklärte, er sei schon vor 26 Jahren zum Islam übergetreten. Seine Söhne und ihr Anwalt wiesen nach, daß der Alte noch immer Jude sei. Das Gericht unterbrach die Verhandlung und begab sich zur weiteren Untersuchung des Falles nach Akko. Sollte es sich heraussteilen, daß Aron Natah ein Moslemit sei, so wird sein Fall einem Moslem-Gericht zur Entscheidung übergeben werden. ■ CA Jede Tasch«nuhr-Repara- I 3v tur ohne Bruch bei l-jähriger | Garantie § 1 je Wien, IX., Liechtensteinstraße 30 | | 1*1 #4 “ Wien, IX., Berggasse 3/4a | 1 Uhren- und AntlquitSten-Klinlk, Optische Werk- | | stätte. Reklameatelier. | | Alle einschlägigen Reparaturen und Neuanschaffungen § | zu konkurrenzlosen Preisen. | ■liaffiÜMMlUäliUUUiUUUlW Oberkantor Don Fuchs gestorben Wir erhalten soeben aus Philadelphia die traurige Nachricht, daß im dortigen Hospital Herr Oberkantor Don Fuchs verstorben ist. Diese Nachricht wird nicht verfehlen, in Wien, wo Don Fuchs so lange wirkte und sich allgemeine Sympathien errang, höchste Teilnahme hervorzurufen. Viel zu früh ist eine der besten Begabungen des Synagogalgesanges mit ihm dahingegangen. Oberkantor Don Fuchs wurde in M o h i 1 e w (Ukraina) im Jahre 1868 geboren. Seine ersten musikalischen Studien machte er in Odessa und bei einem Konzert, das er dort gab, erregte er durch die ^Schönheit seiner Stimme größtes Aufsehen; so kam es, daß er im jugendlichen Alter von 19 Jahren bereits am großen Tempel in O d e s s a als Oberkantor fungierte. Darauf besuchte er die Musikschule in Gzernowitz und trat dort schon während seiner Studienzeit als Sänger in der Oper auf. Nun kam er nach Wien, sang dem damaligen Operndirektor Jahn zur Probe vor und dieser war von der Schönheit seiner Stimme so enthusiasmiert, daß er den Sommersprossen Wlmmuln, Auuchllgc der Haut, Pickel, Sonnenverbrannte Haut, Rote Wangen, Naae und Hände uaw, bringt sofort zum Verschwinden, die auf wissenschaftlicher Basta hergestcilte „Dim“ Kampfer-Sauerstoff-Creme (matt, für Tag) „Dim“ Citranen-Sauerstoff-Creme <f«tt, w, Nacht) und macht die sprödeste oder rauhe Haut aammetwelch u. blendend weiB. jede Tube S 2’- (beide Tuben S 3*75). Ib Jsdtr Apotheks, irojerle. Parlintrle ider direkt 11 hibci: „Bin“ LahsratorliHi.WIcn ü, ObereDonaistr.17 Wiener Pressevertretern erklärte, er habe einen neuen Stern am Gesangshimmel entdeckt. Zu seiner vollständigen musikalischen Ausbildung kam Don Fuchs hierauf an das Wiener Konservatorium und war Schüler der Professoren Gänsbacher, Ress und Grün. Er wurde hierauf an die Budapester Oper engagiert; da er aber nicht ungarischer Sänger werden wollte, übertrat er wieder zur deutschen Bühne und wirkte dort durch zirka sieben Jahre in verschiedenen Stellungen. Nach erfolgreichem Probesingen an der Wiener Staatsoper wurde unter der Direktion Mahler yor seiner Anstellung von ihm die Vorlage eines Taufscheines verlangt, ein Verlangen, dem er als national gesinnter Jude selbstverständlich nicht nachkam. Von diesem Vorfälle erhielt Herr David Ritter von Gutmann, der ihn schon während seiner Studienzeit unterstützt und nach Möglichkeit protegiert hatte, Kenntnis und gab ihm den Rat, bei der Wiener Kultusgemeinde um die Stelle eines Oberkantors zu kompetieren. Von der Wiener Kultusgemeinde wurde er darauf zum ersten Kantor am Ottakringer Gemeindetempel und später zum Oberkantor im Stadttempel ernannt. Waren ihm schon als Kind eines eminent frommen Hauses in Rußland alle jüdischen traditionellen Gesänge ins Blut übergegangen, so war er dann, nachdem er die weltliche Musik kennen gelernt und darin erfolgreich gewirkt hatte, der einzige berufene Nachfolger des Professors Salomon Sulzer und in dieser Eigenschaft machte er durch die Originalität und die Vornehmheit seines Vortrages förmlich Schule. Nach Ausbruch des Krieges entstanden Differenzen zwischen Fuchs und dem Präsidium der Wiener Kultusgemeinde, die schließlich dazu führten, daß er zur Verbesserung seiner materiellen Lage nach Amerika zu reisen beschloß. Doch seine Hoffnungen gingen dort nicht in Erfüllung. Sein Gesuch um Verlängerung des Urlaubes wurde von dem damaligen Präsidenten der Kultusgemeinde Dr. Benjamin Rappaport abgewiesen und da er nicht rechtzeitig zurückkommen konnte, wurde er vom Vorstand der Wiener Kultusgemeinde fristlos entlassen und alle von ihm dagegen unternommenen Schritte blieben erfolglos. Durch diese Vorfälle tief deprimiert, erkrankte zuerst seine Frau und starb bald darauf in New York; aber auch Fuchs selbst begann zu kränkeln und wiewohl er bei seinen Kollegen in New York im allerhöchsten Ansehen stand, mußte er um seine Existenz hart kämpfen; sein Leiden machte Fortschritte und nach langwieriger Krankheit erlag er demselben vor einigen Wochen in einem Spitale in Philadelphia. Ein guter Mensch, der nicht nur für seine Kollegen, sondern für alle Leidenden ein mitfühlendes Herz hatte, der als überzeugter Zionist seine Kunst jederzeit der öffentlichen Wohlfahrtspflege zur Verfügung stellte, ist in ein zu frühes Grab gesunken. Der Reichsverband der deutschen Juden beschlossen Am 3. und 4. Juni fand in K ö 1 n die Tagung der von den Landesverbänden jüdischer Gemeinden in Deutschland eingesetzten Kommission zur Schaffung einer R e i c h s o r g a n i s a t i o n derjüdischenGemeinden statt. Die Grundlage der Beratung bildete der auf der Nürnberger Konferenz bereits beratene Entwurf Neumeyer (München) über die Organisation des Reichsverbandes. Nach diesem Entwurf, auf den sich die süddeutschen Gemeinden schon vorher geeinigt hatten, wird der Reichsverband aus den einzelnen Landesverbänden hervorgehen. (Der Antrag der Vertreter der jüdischen Volkspartei, daß der Reichsverband durch unmittelbare Wahlen aus den einzelnen Gemeinden gebildet werden solle, wurde abgelehnt, weshalb auch bei der Schlußabstimmung die der Volkspartei angehörigen Delegierten Dr. Klee, Doktor Badt, Dr. Kollenscher und Direktor Kareski gegen den Gesamtentwurf stimmten.) Organe des Reichsverbandes sind die Reichstagung und der Rat. Im Rate des Reichsverbandes soll laut Beschluß der Kölner Tagung jeder Landesverband mindestens eine Stimme haben. Demgemäß werden in diesem von den Ratsgremien der Landesverbände zu wählenden Rat der Reichsorganisation die einzelnen Länder folgende Stimmenanzahl haben: Bayern 5, Sachsen 3, Württemberg 2, Baden 3, Hamburg 2, Thüringen 1, Hessen 2, Mekklenburg 1, Oldenburg 1, Braunschweig 1, Anhalt 1, Lübeck 1, Bremen 1, Lippe 1; außerdem der Deutsch- Israelitische Gemeindebund 2, die Zentralwohlfahrtsstelle 1, die Rabbiner-, Kantoren- und Lehrerverbände 5 Vertreter. Die nichtpreußischen Verbände entsenden somit 25 V e r t r e t e r, Preußen (gemäß dem Nürnberger Beschlüsse, daß es nicht mehr als im Verhältnis 50% minus 1 vertreten sein dürfe) 24 Vertreter. Ferner wurde beschlossen, daß der. Rat 12 Mitglieder der Tagung von sich aus berufen dürfe, die als sogenannte „Kulturträger” bezeichnet wurden. Es sollen dies Vertreter der theologischen Lehranstalten, der Zentralwohlfahrtsstelle, der Kantoren- und Lehrerverbände und anderer nichtpolitischer Reichsorganisationen sein, Für die Reichstagung des neuen Gesamtverbandes sollen die Delegiertenniberall dort, wo aus Urwahlen hervorgegangene Landesversammlungen