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Die Stimme · 1928-06-07 · Heft 23 (7.6.1928) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 23 (7.6.1928)
Date
1928-06-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seil* 6 DIE STIMME Nr. 23 Zentrale IX, Berggasse 19, Toi. A-l7-3-99 u. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten, Abteilungen für T^s-fibfth unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien IX, Berggasse 15 XVIII, Wßhrln;jerstraße 97 Lord und Lady Plirmer sich an dem sinnigen, schmackhaften „Schlachmones“ delektiert haben und ihrem „lieben Nachbarn“ viel Glück zu seiner Bäckerei wünschen, aus der so feine Leckerbissen hervorgehen. Delegiertentag der deutschen Zionisten Die Arbeit in Deutschland. — Die allgemeinen zionistischen Probleme. — Zentralverein und deutsche Zionisten. (Von unserem H. H.-Berichterstatter.) Da die letzte Tagung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens von Debatten über den Zionismus ausgefüllt war, als deren Niederschlag eine scharfe Stellungnahme gegen den Zionismus sich ergab, hatte man erwartet, daß auf dem vom 27. bis 29, Mai stattgefundenen Delegiertentag der deutschen Zionisten eine eiugehende Auseinandersetzung mit der als Kampfansage zu wertenden Zentralvereinserklärung stattfinden werde. Die gespannten Gemüter wurden enttäuscht; der Präsident der deutschen Zionistenorganisation, Kurt Blumenfeld, gab in seinem Programmreferat seine grundsätzliche Stellungnahme an und der Zionistentag erörterte diese nicht weiter, sondern nahm die folgende Resolution an, welche die prinzipielle Verschiedenheit der Anschauungen scharf hervorhebt, sich aber jeder Anführung von taktischen Maßnahmen enthält; sie lautet: Die von dem Zentralverem in seiner letzten Hauptversammlung gefaßte, gegen den Zionismus gerichtete Resolution ei weist von neuem, daß der im Zentralverein organisierte Teil der deutschen Judenheit sich noch immer Entscheidungen in jüdischen Fragen von der Fuircht um die Errungenschaften der Emanzipation aufdrängen läßt. Der XXil, Delegiertentag bedauert, daß eine Gruppe deutscher Juden im Kampf um die Gleichberechtigung von anderen jüdischen Gruppen abrückt und die Anschauung vertritt, daß volle Gleichberechtigung von einer bestimmten und immer wieder angepriesenen Gesinnung abhängig gemacht werden müsse. Der Zionismus verlangt demgegenüber eindeutige, zukunftsbejahende Entscheidung zum Judentum, dessen Erhaltung und Erneuerung nur durch den Aufbau eines starken nationalen Lebens in Palästina möglich ist, in dem jüdischer Eigenwert und jüdische Leistung die Achtung der Welt erringt. Gleichberechtigung bedeutet Anerkennung unserer Art. Die klare und wahrhaftige Betonung dieses Zieles entr spricht allein jüdischer Würde und gibt uns Fähigkeit und Berechtigung zu einer unserem Wesen gemäßen inneren Anteilnahme an dem deutschen politischen und kulturellen Leben, Die Frage der inneren Arbeit des deutschen Zionismus und die seiner Stellungnahme zu den aktuellen Streitfragen seiner Weltorganisation stehen in einem gewissen Zusammenhang, Es ist bekannt, daß die Zionistische Weltorganisation mehrere Jahre hindurch von einer Koalitionsregierung geleitet wurde, deren tragende Gruppe ideenverwandte Parteien der zionistischen Arbeiterschaft und der bürgerlichen Linken waren. Auf dem letzten Zionistenkongreß war diese Koalition zerfallen, die Arbeiterschaft war in die Opposition getreten und das hatte zu Spannungen sowohl innerhalb der Weltorganisation wie auch im deutschen Zionismus geführt. Sie waren gerade in Deutschland deshalb aufgetreten, weil die Mittelgruppe des deutschen Zionismus schon seit vielen Jahren gleichzeitig auch die Führung jener linksbürgerlichen Gruppen der Zionistischen Weltorganisation besitzt. Auf dieser ersten Tagung seit dem letzten Kongreß traten diese Gegensätze, manchmal ohne daß es ausgesprochen wurde, überall deutlich hervor. Die Reden, die von den Vertretern der einzelnen Gruppen am ersten Tage gehalten wurden, standen deutlich in diesem Zeichen. Aber je mehr die Tagung fortschritt, um so ausgesprochener zeigte sich eine immer stärker werdende Entspannung der Lage. Man hatte immer mehr den Eindruck, als ob die Auseinandersetzung, die von allen Seiten gerade wegen der besonderen Schlüsselstellung des deutschen Zionismus in der Gesamtorganisation sehr ernst genommen wurde, gerade dadurch, daß sie die vorhandenen Gegensätze aufdeckte und nicht verhüllte, befreiend gewirkt hätte, So war am Schluß Seriös vv HANSA M Diskret Prompt WIEN I, FRANZ JOSEFS-KAI 13 TELEPHON 75-409 Hiuser, Büros* Wohnungen, Hypotheken, Verwaltungen Unter wenigen Tagen beste Resultate Eigene Kreditabteilung nur flir grolle Transaktionen der Tagung deutlich eine erneute Annäherung zwischen der Mitte und der Linken festzustellen. Durch diese Verschiebung von unausgesprochen hinter der Verhandlung stehenden Momenten bekam die Diskussion unerwarteterweise eine ganz andere Gestalt, als vorauszusehen war. Während man noch nach dem Referat des Präsidenten erwarten mußte, daß zum Beispiel der Umbau der einheitlichen zionistischen Organisation Deutschlands in einen Dach verband der einzelnen zionistischen Parteien, der nur nach außen geschlossen auftritt, möglicherweise dicht bevorstehe, wurde am zweiten und dritten Tage der Diskussion kaum noch ein Wort hierüber verloren. Auch die Beziehungen der sozialistisch - zionistischen Jugend zur zionistischen Organisation scheinen sich enger geknüpft zu haben und auch selbst in den Fragen des Palästina-Aufbaus, in denen die Gegensätze am weitesten klafften, beginnt die Möglichkeit einer Verständigung sich am Horizonte zu zeigen. So hat, wie wir glauben, der XXII. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland — gerade auch deshalb, weil keine der verschiedenen Gruppen die Majorität der Delegierten zu vereinigen vermocht hatte — in organisatorischer Hinsicht kräftigend gewirkt. Die Breslauer Tagung halte einen glänzenden äußeren Rahmen, Vertreter der Staatsregierung und der Stadt Breslau begrüßten die Konferenz, die von 124 Delegierten beschickt war. Der Präsident der Weltorganisation, Professor W eizmann, der Präsident der Exekutive, S o k o 1 o w, der Direktor des Keren Hajessod Dr, H a n t k e und das Direktorium des Jüdischen Nationalfonds hatten Begrüßungsschreiben gesendet. Von der Exekutive wohnte Dr. Felix Rosenblütfc der Tagung bei und hielt ein Referat über die Lage in Palästina und im Gesamtzionismus. in welchem er auf die geänderte Haltung der Palästina-Regierung, die erwiesene Widerstandskraft der palästinensischen Wirtschaft, das aufopferungsvolle Verhalten der Arbeiterschaft, wie auch auf die beginnende Konsolidierung der Finanzen der Exekutive hinwies. Wir hätten — führte der Redner weiter aus — nie die Linie des Aufstieges verlassen brauchen, wenn wir mehr Voraussicht BMBHHHHMBHHBHflNNHBMfiMHHMHHIIMHHHBHHHflBBNHHBBH&ttS&EXB MELLINGERS Wiener HeHteemlschunflM bei Zuckerkrankheit, Gallen-, Nieren-, Blasenstelnen und Magenlesden sind vorzüglich. Preis per Paket S 6*50. Postversand. BSBBBBSaBaBKnBSsSaaaLBBBsaeBaBB bewiesen hätten. Das Ende der Krise muß durch , ein Aufbauprogramm besiegelt werden, Eine Stärkung des nationalen Kapitals ist notwendig, ebenso die Erhaltung des Aufbaugeistes im Galuth. Das Budget der Organisation wurde mit 13.419 Mark monatlich festgesetzt, darunter 1000 Mark monatlich für Kulturarbeit, deren Ausgestaltung sowie die Schaffung eines eigenen Kulturdezernates der Delegiertentag beschloß. Von den übrigen Resolutionen sind besonders die auf Palästina bezüglichen erwähnenswert; sie lauten: Der Delegiertentag weist die Exekutive auf die schwere Lage der Chaluzorganisationen hin und ersucht sie, alle möglichen Schritte zu unternehmen, um eine den Beschlüssen des 15, Kongre&s-es entsprechende Ali)j,ah geistig und fachlich gut aus gebildeter Chaluzim einzuleiten. Eine solche Alijah erscheint zur Wiederherstellung des lebendigen Kontaktes der Jugendbewegung und des Chaluz mit der Arbeit im Lande notwendig. Der Delegiertentag lenkt die besondere Aufmerksamkeit der deutschen Zionisten auf die Möglichkeiten wirtschaftlicher Betätigung in Palästina nach Art der Gründung Dr. Brünns, die der privat wirtschaftlichen Initiative und damit auch der Schaffung neuer Arbeitsgelegenheiten den Weg ebnet. Der Delegiertentag erklärt es als eine Pflicht der Z. V. f. D., ähnliche Gründungen auch in Zukunft zu fördern und ihr Zustandekommen zu erleichtern. Nach Vornahme einiger Statutenänderungen, so vor allem Abschaffung des Zentralkomitees, wurde Kurt B 1 u m e n f e 1 d zum Vorsitzenden wiedergewählt. Des weiteren wurde ein geschäftsführender Ausschuß (Alfred Berger, Moritz Bileski, Nahum Goldmann, Siegfried Kanowitz, Max Kollenscher, Georg Landauer, Richard Djchtheim, Martin Rosenblüth), ein 31 gliedriger Landesvorstand, wie auch ein Finanzausschuß, Ehrengericht, Oberste Vertrauenskommission und Revisoren gev/ählt, Kleine Nachrichten Ara zweiten Pfingsttage veranstalteten litauische Studenten in dem 30 Kilometer von Kowno entfernt liegenden Städtchen P r e n einen regelrechten Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung. Mehrere Juden, auch Frauen und Kinder, wurden von den Exzedenten schwer mißhandelt und verletzt, Es herrschte eine ungeheure Panik, Erst sehr spät trat die Polizei in Aktion, * Anläßlich einer der letzten Sitzungen der Budgetkommission des polnischen Sejms teilte deren Referent mit, daß sich in der polnischen Armee zur Zeit 15.263 Juden befinden (5 Prozent der Armee). Bei dieser Gelegenheit wurde Wochen-Kalender Juni 1928 Gedenktage rTBTl jVD 7 Donnerstag 1828 — def berühmte Kupferstecher Loui9 Jacoby ln Havelberg geboren. 1852 — der bedeutende Hebraist Professor David Kaufmann ln Kojetein (Mähren) geboren. 19 — JJ' 8 Freitag 20 — 3 9 Samstag 21 - ga Haftarah: ronl westmehl 10 Sonntag 1898 — Rabbi Samuel Mohllewer, Begründer der palästinensischen Kolonie Rechoboth, in Blalystok geboren. 22 — 33 11 Montag 1903 — der Semiiologc Professor Dr. Siegmund Fränkel in Breslau gestorben. 23 — ja 12 Dienstag 24 — 15 13 Mittwoch 1866 — der Kunsthistoriker Aby Warburg, Besitzer einer der größten kulturwissenschuftlichen Bibliotheken, geboren. 25 - ra auch mitgeteilt, daß für die jüdischen Soldaten besondere k oschere Küchen eingerichtet wurden, die aber nur von 588 Soldaten benützt werden, die übrigen jüdischen Soldaten essen von der allgemeinen Soldatenküche. * Im Lokal der Warschauer antisemitischen Gesellschaft „Rozwoj" wurde in den letzten Tagen der Kongreß der Antisemiten Polens abgehalten. Der Geistliche W i - rembowsky und der ,,Rozwoj"-Direktor' Z a k s z e w s k y wiesen auf die großen Erfolge hin, die „Rozwoj“ im Kampfe gegen das Judentum bereits aufzuweisen hat. Das „Rozwoj“ hat u, a, 200.000 Plakate mit antijüdischen Boykottlosungen kleben lassen. In 33 Städten wurden christliche Handwerker seßhaft gemacht, die dem jüdischen Handwerk Konkurrenz machen. Der Kongreß nahm eine Reihe Beschlüsse betreffend die Fortsetzung der antijüdischen Boykottätigkeit an. * Wie die Charkower jüdisch-kommunistische Zeitung „Der Stern" mitteilt, propagiert der kommunistische Studentenverband am Charkower technologischen Institut, der mehr als 400 Mitglieder zählt, die Einführung einer Prozentnorm für Juden an den russischen Hochschulen. * In der nächsten Zeit werden mehrere jüdische Kolonien in der Gegend von Kriwojrog zu einem autonomen jüdischen Verwaltungsrayon nach dem Muster des in der Ukraine bereits bestehenden „Jüdischen Rayons" mit dem Hauptort Kalinindorf (früher Sede Menucho) vereinigt. Das jüdische Viertel der Stadt K i t a i s in Grusinien ist von Feuer zerstört worden. 350 von Juden bewohnte Häuser brannten ab. Das Feuer griff so rasch um sich, daß sich die Menschen nur schwer retten konnten; 22 Personen kamen in den Flammen um, 300 Personen erlitten schwere Brandwunden, In Cincinnati wurde in diesen Tagen eine gemeinsame Beratung der drei großen Verbände für jüdische soziale Fürsorge in den Vereinigten Staaten, des Nationalverbandes der jüdischen Erziehungszentren und des Verbandes der jüdischen nationalen Zentren, bei Anwesenheit von mehr als 1000 Delegierten abgehalten. Zur Beratung standen Fragen der sozialen Wohlfahrt, der Erziehung und des Kinderschutzes. * Der König von England verlieh dem jüdischen Richter am Britischen Obersten Gericht in Schanghai, Judge Grain, die Ritterschaft (Knighthood). Oberrichter Grain ist einer der fähigkten englischen Richter in China; er spielt in der jüdischen Gemeinde von Schanghai eine bedeutende Rolle. * Die für Anfang Juni in Aussicht genommene Landeskonferenz der bulgarischen Zionisten wurde infolge des Erdbebens in Bulgarien auf den 26, bis 28, August verschoben. Die Konferenz findet in Sofia statt. * Vom 3, bis 5, Juni fand in Timisoara (Temesvar) die 8. Konferenz der transsylvanischen Zionisten statt, * Der österreichische Bundeskanzler Dr. Seipel unternimmt im August d. J. eine Reise nach Aegypten und Palästina. * Am 27, und 28. Mai fand in Dresden der 7. Delegiertentag des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands statt, der von über 700 Delegierten und Gästen besucht war. Die Tagung gab dem Verbände ein neqes Statut und wählte an Stelle des aus beruflichen Gründen zurückgetretenen ersten Vorsitzenden Dr. Siegfried Klein (Düsseldorf), Herrn Dr, Hugo Hahn (Essen), zum ersten Vorsitzenden,. _iii iiüii i Bai r~ ‘ ■rnbätmammmrinrni-

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