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Die Stimme · 1928-05-31 · Heft 22 (31.5.1928) · page 13

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 22 (31.5.1928)
Date
1928-05-31
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 22 DIE STIMME 3 ei tf1 13 DER GÄNSERICH Von Vojtech Rakous. Uebersetzung aus dem Tschechischen von Rudolf Fuchs, (1. Fortsetzung.) An dem erwähnten Tage ging also die Korälek gleich morgens zu Adlers um Mehl. Im Laden waren viele Menschen, darunter auch das Fräulein aus der Plärre. Die Korälek erzählte den Anwesenden des langen und breiten die traurige Begebenheit mit den sechzehn tauben Eiern und von dem infolge dessen zum Tode verurteilten Gänserich. „Und wenn uns Gott den Gänserich erhält”, schloß die Korälek, zum Pfarrfräulein gewendet, „und wenn wir leben und gesund sind, so hab ich gesagt, Fräulein, daß wir die Leber dem Herrn Pfarrer schicken.” „Sie werden sich doch keinen solchen Schaden machen”, sagte das Fräulein abwehrend. „Von Schaden kann keine Rede sein, Fräulein! Der hochwürdige Herr hat es um uns verdient. Wissen, Sie, Fräulein, wenn man in die Stopfnudeln nur ein bißchen Weizenhintermehl geben könnte, damit die Leber ordentlich zunimmt, aber wo soll ein armer Mensch Weizenhintermehl hernehmen!” Das Fräulein sagte nichts, sondern lächelte nur ein wenig. Die Korälek jedoch, welche wußte, daß sich auf dem Pfarrdachboden einige Sack Weizenhintermehl befinden, wurde in ihren geheimen Hoffnungen nicht betrogen. Kaum war sie nämlich von Adlers mit dem Mehl nach Hause gekommen, stellte sich der Dienstbote von der Pfarre ein und brachte ein gestrichenes Maß gelblich leuchtenden Weizenhintermehls. Die Korälek ließ dem Fräulein tausendmal Vergeltsgott sagen, und das Fräulein möchte doch nicht glauben, daß sie im Laden absichtlich vor ihr das Mehl erwähnt-habe — Gott soll behüten, das würde sie, die Korälek, sehr ärgern. In einer Weile füllte schon der Duft der Stopfnudeln auf dem Herd das ganze Haus, drang durch zahlreiche Spalten ins Freie und verkündete dem ganzen Dorfe, daß bei Koräleks der Gänserich zum Stopfen angestellt sei. — Im Vorhaus unter der Ofenmauer hatte der Gänserich seinen bequemen Verschlag, Jeden zweiten Tag schob ihm die Korälek frisches Gerstenstroh unter und jede vierte Stunde stopfte sie ihn mit Nudeln voll. Anfangs fünf, und dann immer mehr, und nach einer Woche konnte er dreizehn in sich aufnehmen. Und wie er verdaute! Nicht ein einzigesmal kam es vor, daß die Korälek den Gänserich stopfen gekommen wäre, ohne daß er bis auf das letzte Stückchen verdaut hätte. Es ist wahr, Sorgen und Arbeit gab der Gänserich genug, aber Sorgen und Arbeit wurden glänzend belohnt. Der Gänserich nahm zu und wurde zusehends dick, so daß die Nachbarinnen ihn wie ein Wunder bestaunen kamen und untereinander dann von jüdischen Tricks munkelten. Zu jener Zeit lebte die Korälek in ununterbrochener geistiger Spannung. Sie vergaß an den Mann und an die Kinder, und beim Niederlegen und Aufstehen waren alle ihre Gedanken beim Gänserich. Es war aber wirklich ein ungewöhnlicher Gänserich! Wenn es ihr so gelänge, mit diesem Gänserich die berühmte Gans der Adler zu übertreffen! Jene Gans ist nämlich legendär geworden. Die Adler hat einmal — es sind jetzt einige Jahre her — eine Gans gestopft, die acht Seidel, sage und schreibe acht Seidel Fett hatte. Von dieser Gans konnte die Adler stundenlang erzählen. Und nun träumte die Korälek den schönen Traum, daß sie mit ihrem Gänserich jene wunderbare Gans der Adler übertreffen werde. Und warum sollte es denn nicht möglich sein, wenn die Korälek solch einen Gänserich selbst noch nie im Verschlag gesehen hat. Warum sollte er nicht — wenn sie ihn mit Gottes Hilfe glücklich ausfüttert — neun oder auch zehn Seidel Fett haben? Und die Korälek, die sonst vor lauter Arbeit nicht wußte, wo ihr der Kopf stand, saß nun häufig untätig da, die Hände im Schoß, und träumte mit offenen Augen vor sich hin. Sie sah den Gänserich geschlachtet vor sich liegen und im Geiste rupfte sie ihn schon. Und vorsichtig mußte sie ihn rupfen. Feder um Feder, um nicht zugleich mit dem überreifen Gefieder die fette Haut auszureißen. Da liegt der Gänserich vor ihr, der Federn entkleidet! Weiß, wie frisch gefallener Schnee und von allen Seiten voll und rund wie ein großer Fettballen. Jetzt wird sie ihn beim Kopf in der Kammer aufhängen, damit er tüchtig durchfriere und steif werde, und morgen gibt es Arbeit an der Platte. Morgen... Oh, wie wird es duften im ganzen Hause, welche Bewegung, welche Freude! In der Glut der Flammen zerfließen schnell die weißen- Würfel aus des Gänserichs Haut und der Topf füllt jiich allmählich mit dem durchsichtigen klaren Fett. In der Stube herrscht eine ganz besondere, von angenehmem Duft durch tränkte Wärme, wie sie nur in den Wohnungen reicher Leute zu sein pflegt. Und die Korälek spürt schon jenen betörenden Duft und atmet ihn begeistert ein... Und schon rechnet die Korälek, für wie viele Mittagmähler der Gänserich ausreichen wird. Im Geist nimmt sie sich fest vor. daß von dem Gänseklein der Magen und das Bürzel ihr gehören muß. da mag der Korälek sich ärgern so viel er will, dem Korälek gibt sie einen Flügel, der andere wird unter die beiden Kleinsten geteilt, die beiden Füße bekommt Fanda und den Hals werden Edi und Loisl untereinander teilen — sollen die Jungens nur ihre Zähne gebrauchen. Den Edi wird sie mit der Leber auf die Pfarre schicken, wenn er sich dort nur anständig betragen würde. Ein Sechserl könnte er zumindest vom Weg bekommen, Edi lief gerade in die Stube herein. Die Korälek, noch ganz in ihren Gedanken, sagte: „Hör mal, Edi, die Leber bringst du in die Pfarre, sagst, daß ich dem hochwürdigen Herrn die Hand küssen lasse und daß ich ihm die Leber schicke. Und dem hochwürdigen Herrn und dem Fräulein küß schön die Hand und sei nicht schüchtern.” „Soll ich gleich gehn?” Erst durch diese Frage erwachte die Korälek aus ihrem tiefen Traum. „Dummer Junge, wie denn gleich, ist doch der Gänserich noch im Verschlag!” Die Zeit verlief, ein Tag nach dem anderen ging dahin, eine Woche folgte der anderen, der Gänserich hielt sich tapfer und wurde immer dicker. Wenn die Korälek ihn auf den kleinen Hof hinausließ, damit er ein wenig frische Luft bekomme, liefen alle Nachbarinnen herbei, um ihn in ihre Arme zu nehmen und zu fühlen, wie schwer er ist. Er war sehenswert. Den Bauch schleppte er fast auf dem Boden, die Füße waren kaum mehr zu sehen; auch ging er nicht, sondern wiegte und schaukelte sich bloß. (Schluß folgt.) Wollen Sie sich, verehrte gnädige Frau, der kleinen Mühe unterziehen und die wenigen Stufen zu unseren Tiefparterre-Lokalitäten hinabsteigen? Ihrer wartet dort eine angenehme Ueberraschung. Sie haben sicherlich schon von unserer außerordentlichen Leistungsfähigkeit und der fast sprichwörtlichen Billigkeit unserer Preise gehört! Ueberzeugen Sie sich einmal aus eigener Wahrnehmung, daß unser Ruf wohlbegründet ist, daß wir nicht bluffen, sondern reelle und wesentliche Vorteile bieten. Unsere erstklassigen Verbindungen mit den renommiertesten Fabriken, denen wir stets große Warenmengen gegen Barzahlung abnehmen und der geringe Nutzen, den wir zur Erzielung großer Umsätze kalkulieren, ermöglichen es uns, erstklassige Qualitätswaren zu unerhört niedrigen Preisen abzugeben. In unserer neugegründeten Restenschwemme (im Tiefparterre) finden Sie alle Waren, die Sie brauchen, in reichhaltigster Auswahl zu unglaublich niedrigen Preisen! 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Der typische, raffinierte, geniale Praktiker, dem alle Buchweisheit verhaßt ist und dessen Kampfmittel sich nur aus Begabung, Kombinationskraft und Geistesschärfe zusammensetzen, Ein Typus zwar, der sich in unserer wissenschaftlichen Zeit nicht behaupten könnte und lediglich auf Zufallserfolge angewiesen wäre, der aber noch in der Schachgeschichte des vorigen Jahrhunderts häufig zu finden ist. Englisch begann seine Laufbahn zu Leipzig im Jahre 1877, wo er unter bedeutenden1 zwölf Teilnehmern (I. L. Paulsen, II. Blackburne, III. Zukertort) den 6. Platz erreichte — ein schöner Anfangserfolg, Zwei Jahre später wurde er, ebenfalls in Leipzig und ebenfalls unter 12 Meistern, glänzend Erster, indem er von 11 Partien 9% Punkte erzielte. Wieder ein Jahr später teilte er mit Blackburne und Schwarz den ersten bis dritten Preis im Turnier zu Wiesbaden, an welchem 16 Kämpen teilnahmen, Nach diesem prächtigen Anfang kam dann eine Zeit guter Durchschnittserfolge, bis er 1885 in Hamburg wieder einmal besonders erfolgreich war, indem er zusammen mit Dr, Tarrasch, Max Weiß, Blackburne und Mason den 2. bis 6. Preis teilte. (I. Gunsberg, 18 Teilnehmer.) Von hier ab beteiligte er sich nur noch selten an Turnieren. 1887 in Frankfurt a. M. wurde er Siebenter, in Wien 1890 Vierter, dann trat eine längere Pause ein, während welcher er sich seinem bürgerlichen Berufe widmete; er war Börsenagent. 1896 war ihm aber noch einmal ein ganz großer Erfolg beschieden, indem er gegen den damals auf der Spitze seines Könnens und seines Ruhmes stehenden Sillsburg ein Match von 5 Partien unentschieden hielt. Alle 5 Partien endeten remis! Mit großen Hoffnungen fuhr er daraufhin 1897 zu dem großen Berliner Turnier, an dem 20 hervorragende Meister teilnahmen, Die Wiener Schachgemeinde, mit ihr Englisch, Mäzen, Baron Rothschild, erwartete eine Glanzleistung. Aber es kam anders. Englisch spielte schlecht, verlor und verlor, und endlich kam die Nachricht, er sei erkrankt, brauche Geld. Niemand wollte an die Krankheit glauben. (Krankheit war wohl schon damals eine viel zu beliebte Ausrede.) Englisch wurde Drittletzter. Als er aber nach Wien zurückkam, zeigte sich, daß seine Krankheit keine Ausrede war. Er mußte sofort ins Spital, wo er nach kurzer Zeit starb, erst 46 Jahre alt. Seine Witwe wurde von Baron Rothschild in großzügiger Weise versorgt. Wir haben bereits erwähnt, daß Englisch hauptsächlich Praktiker war. Besonders gut verstand er die Verteidigung und zeigte in dieser Hinsicht große Unerschrockenheit und Kaltblütigkeit. Nachstehend zwei seiner Partien: Spanische Eröffnung. Weiß: Zukertort. Schwarz: Englisch. (Gespielt in Wien 1882.) 1. e 2—e 4 e 7—e 5. 2. S g 1—f 3 S b 8—c 6. 3. L f 1—b 5 S g 8—f 6. 4. 0—0 S f 6Xe 4. 5. d2—d4 Lf8—e 7. 6. Ddl—e2 Se4—d6. 7. Lb5Xc6 b7Xc6. 8. d4Xe5 Sd6Xb7. 9. S b 1—c 3 S b 7—c 5. 10. Sf3—d4 0—0. 11. Tfl—dl1) Dd8—e8. 12. Sd4—f5 f7—f6! 13. Lei—h69) Sc5—e6. 14. De2—g4 Tf8—f7. 15. Lh6—e3 Kg8—h8S). 16. Sf5Xe7 D e 8Xe 7. 17. e5Xf6 De7Xf6. 18. Dg4—a4ß Df6—g6. 19. Td 1—d2 e6—c5. 20. Da4—b3S) d7—d6. 21. Sc3—e2 L c 8—d 7. 22. S e 2—g 3 Ld7—c68). 23. c2—c4 h7—h 51 24. Db3—d37) Tf7—f6. 25. Dd3Xg6 Tf6Xg6. 26, f2—f4 h5—h41 27. S g3—f 5 h4—h3. 28. g2—g3 Ta8—e8. 29. Sf5—h4 Tg6—g4, 30. Tal—fl Se6—f8, 31. Kgl—f2 S f 8—d 7, 32. S h 4—f 3 Sd7—f6. 33. S f 3—g5?8) Tg4Xg5! 34. f4Xg5 Sf6—g4t. 35. Kf2—gl Te8Xe3. 36. g5—g6 Kh8—g8. 37. Tfl—f7 Te3—elf. 38. Tf7—f 1 Tel—e6. 39. Tfl—f7 S g 4—e 5. 40. Td2—e2 Te6Xg6. 41. Tf7Xc7 T g 6—f 6. 42. T e 2—« 3 L c 6—g 2. Aufgegeben. Stellung nach dem 32. Zuge von Schwarz. Schwarz: Englisch. mm mm ' mm Weiß: Zukertor"f. Anmerkungen: *) Sillsbury hat in späteren Jahren gezeigt, daß dei weiße Königsturm viel besser auf e 1 verwendet wird. Seit* her gilt die hier gewählte Verteidigung als nicht empfehlenswert, s) Der Läufer darf natürlich nicht geschlagen werden wegen 14. D g 4f usw. Aber der weiße Angriff ist doch nichl durchschlagkräftig und wird von Englisch besonnen abgewehrt. a) Es drohte 16. S h 6f usw, *) Um den Bauer d 7 zu fesseln. B) Er will L b 7 verhindern. Der Läufer kommt aber dennoch auf diese starke Diagonale. B) Schwarz steht jetzt vorzüglich, 7) Die beste Verteidigung. Schwarz behält aber auch im Endspiel guten Angriff. 8) Verliert sofort. Die weiße Stellung war aber auf die Dauer kaunf zu halten. Der Rest ist leicht verständlich. Italienische Partie, . Weiß: Bird. Schwarz: Englisch. Gespielt in London 1883.) 1. e2—e4 e 7—e5. 2. S g 1—f 3 Sb 8—c6. 3. Lfl—c4 L f 8—c 5. 4. c 2—c 3 Sg8—f6. 5. b 2—b 41) Lc5—b6. 6. d 2—d 3 d 7—d 6. 7. 0—0 0—02) 8. L c 1—g 51 Lc8—e6. 9. Sbl—d2 D d 8—e 7. 10. a2—a4 a7—a6. 11. a4—a5 Lb6—a7. 12. K g 1—h 1 h 7—h6. 13. L g5—h 4 Ta8—d8, 14. b 4—b 5 Le6Xc4. 15. Sd2Xc43) a6Xb5. 16. S c 4—«31 L c 5Xe 34). 17. f2Xe3 D e 7—e 6. 18. D d 1—b 1 g7—g5. 19. L h 4—g 3 S c 6—a 7. 20. c 3—c 4!5) c 7—c6. 21. c4—c5! S f 6—h 5. 22. a 5—a 6 b7Xa6. 23. TalXa6 De 6—d7. 24. d 3—d 4! Sh5Xg3f. 25. h 2Xg 3 S a 7—c8. 26. c5Xd6 f7—f6. 27. Tfl—cl Sc8Xd6. 28. TclXc6 Sd6—e8. 29. D b lXb 5fl) g5—g4! 30. Sf3—h4 e5Xd4, 31. e3Xd4 Dd7Xd4. 32. Sh4—f5 Dd4Xe4. 33. T c 6—e 6 T d 8—d lf. 34. Kgl—h2 De 4—bl. 35. Db5Xbl TdlXbl. 36. T a 6—a 7!7) Tbl—b5!!8). 37. Sf5Xh6f Kg 8—h8. 38. S h 6Xg 4 Tb 5—g51 39. Te6Xe89) Tg5—h5fl10) 40. Kh2—gl Tf8Xe8. 41. Sg4Xf6 Th5—h lfll- 42. KglXhl“) Te8—e lf 43. Khl—h2 Tel—hlf; 44. Kh2Xhl Patt19). Stellung nach dem 36. Zuge von Weiß. Schwarz: Englisch. b c d e f g Weiß: Bird. Anmerkungen: *) Eine Lieblingsvariante von Bird, die jedoch vom positionellem Standpunkt nicht ganz einwandfrei ist. 9) Viel vorsichtiger ist 7. ... S e 7. Die folgende Fesselung ist sehr stark. *) Ein feines Bauernopfer. Auch 15. dXc war gut

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