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Die Stimme · 1928-05-31 · Heft 22 (31.5.1928) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 22 (31.5.1928)
Date
1928-05-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nf. 22 DIE STIMME Seite 3 neten Beobachtungsfelde wird. Der allgemeine Verband Jüdischer Arbeiter (Histadruth Haovdim), der ungefähr 25.000 Mitglieder zählt, hat technische und soziale Institutionen verschiedener Art, die nach dem Grundsätze der Gegenseitigkeit verwaltet werden und eine Kranken- und Unfallversicherung eingerichtet. Im allgemeinen kann man sagen, daß die Lebens- und Arbeitsbedingungen der jüdischen Arbeiter sich den abendländischen Bedingungen nähern. Die Araber, so sehr sie sonst für Zusammenschluß sind, haben noch keine eigene gewerkschaftliche Organisation. Aber, wie bereits gesagt, ist eine große Anzahl von ihnen den jüdischen Arbeiterorganisationen beigetreten. ....—— Beim Lesen der obigen Sätze darf man nicht außer acht lassen, daß der Bericht bereits im März redigiert wurde und daß bei der Redaktion Materialien berücksichtigt werden, die sich kaum auf die ersten Monate dieses Jahres erstrecken. Klar wird aber, daß man die Vorgänge in Palästina nicht nur mit größter Aufmerksamkeit, sondern auch mit Sacmcenntnis von Genf aus verfolgt, und daß die Arbeiterschaft Palästinas aus dem Gesamtberichte des Internationalen Arbeitsamtes für ihren Kampf um die Befreiung des Landes von seiner wirtschaftlichen Rückständigkeit und um höhere Lebensformen einigen Nutzen ziehen kann. Weizmanns Rückkehr aus Amerika Vor der Tagung der Jewish^Ägencv^Kommission — Fast zwei Millionen Dollar in Amerika aufgebracht — Weizmann über die Opposition Aus New York wird gemeldet: Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Professor Weizmann, hat am 23. Mai auf dem Dampfer „Mauretania“ die Rückreise nach London angetreten. Zusammen mit ihm reist der Präsident des American Joint Distribution Committee, Felix M. W arburg, der Mitglied der Jewish - Agency - Kommission ist, welche anfangs Juni in London zu einer Sitzung zusammentreten wird. Die Kommission, der außer Warburg die Herren Sir Alfred Mond (London), Lee K. Frankel (New York) und Direktor Oskar Wassermann (Berlin) angehören, wird den Bericht ihrer Experten über die Lage des Palästina- Aufbauwerkes entgegennehmen und auf dieser Grundlage über die Methoden der weiteren Arbeit beraten. Präsident Weizmann, der an der Tagung der Kommission teilnimmt, erklärte den Vertretern der New Yorker jüdischen Presse, er vertraue darauf, daß die Beratungen der Kommission positive Resultate für den Palästina-Aulbau ergeben werden« Vor der Abreise Weizmanns fand am 21. Mai in New York eine Konferenz der Leiter des United Palestine Appeal der Vereinigten Staaten statt; dem dort vorgelegten Bericht über die Ergebnisse der Palästina - Kampagne in Amerika, die seit Anfang des Februar d. J. läuft, ist zu entnehmen, daß im Verlauf dieser Kampagne. 1,948.812 Dollar in barem für die zionistischen Institutionen in Palästina aufgebracht wurden. Die Konferenz beschloß, die Kampagne in vollem Umfange fortzusetzen; sie sprach sich mit überwiegender Mehrheit für die bisherige von Louis L i p s k y geführte Leitung der Zionistischen Organisation in den Vereinigten Staaten aus. Den Höhepunkt der Konferenz bildete die Abschiedsrede des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Weizmann erklärte, die Politik der Opposition, die in einer so schweren und für den Aufbau wichtigen Zeit nicht nur eine Spaltung herbeiführt, sondern auch tadelnswerte Kampfmethoden anwendet, indem sie mit versteckten Waffen kämpft, sei entschieden zu brandmarken. Im weiteren Verlauf seiner Rede knüpfte Weizmann an die Erklärung des amerikanischen Mitgliedes der Palästina-Exekutive, Miß Henrietta S z o 1 d, über den „östlichen oder westlichen Einschlag in der Exekutive“ an. Weizmann sagte, daß, abgesehen von seiner Person und Nahum Sokolow, alle Mitglieder der Exekutive englisch-sprachigen Ländern angehören. Dabei dürfen die Amerikaner nicht vergessen, daß sich Rabbi Stephen Wise, der Präsident des amerikanischen Kongresses, dessen Austritt aus der Leitung der Zionistischen Organisation Amerikas großes Aufsehen erregte, Russische Buchhandlung u. Bibliothek Jakob Penkj, Wien VII, Mecbitarfsfeogasse lfr. 4 / Telephon B-31-8-56 Bücher, Zeitungen, Noten, Ansichtskarten Vergessen Sie nicht die russische Sprache, wenn Sie ihrer kundig sind, erlernen Sie sie, wenn Sie diese nicht beherrschen. Leset Bücher der Leihbibliothek, die mehr als 6C00 Bände alter und neuer Literatur zählt. — Monatliches Abonnement 2 Schilling. Die Bibliotheksbücher können auch ln die Provinz durch Kreuzband geschickt werden. bisher amerikanische Wirtschaftsmänner in einem nur sehr geringen Maße an der privaten Initiative in Palästina beteiligt haben und daß aus Amerika kein einziger Chaluz nach Palästina gegangen ist. Wenn der Kampf gegen die zionistische Leitung auf dieser Grundlage weiter geführt werden soll, so werde er, Weizmann, diesen Meinungen'und Methoden auf dem Kongreß entgegenzutreten wissen. Zum Schluß sprach Dr. Weizmann über die Aufgaben des künftigen Kongresses und sagte, er werde es nicht wieder zulassen, daß der Kongreß das Unterrichtsbudget beschneidet, und dadurch die ganze Bewegung entseelt. Die neuen Mitglieder der zionistischen Leitung in Amerika An die Stelle der ausgetretenen Mitglieder des Administrativkomitees der Zionistischen Organisation der Vereinigten Staaten wurden die Herren Hermann Bernstein, Jakob H. Cohen, Jonas J. Goldstein und Hermann G. Rubins gewählt. Die vier neuen Mitglieder der amerikanischen zionistischen Leitung sind angesehene Persönlichkeiten des jüdischen Lebens von New York. Hermann Bernstein ist der bekannte Schriftsteller, Journalist und Dramaturg. Er hat bisher an allen produktiven Aeußerungen der jüdischen Bewegung in Amerika hervorragenden, oft führenden Anteil genommen, ist der Begründer des jüdischen Tagblattes „Der Tog“ und Redakteur der „Jewish Tribüne“. J. H. C o h e n ist ein bekannter Finanzmann, nimmt seit vielen Jahren aktiv an der Arbeit für den Aufbau Palästinas teil und ist in diesem Jahre der Präsident des United Palestine Appeal in Ost-New York. Außerdem ist Mr. Cohen der Direktor und Vertrauensmann der Hilfsorganisation für Einwanderer, der „Hias . Mr. Goldstein ist ein angesehener Staatsanwalt in New York und steht an der Spitze einer ganzen Anzahl bedeutender jüdischer Wohlfahrtsinstitutionen. Dasselbe gilt auch von Mr. G. Rubins, der, Staatsanwalt an einem New Yorker Gericht, persönlich an sehr wichtigen jüdischen öffentlichen Arbeiten teilnimmt, und seit vielen Jahren führendes Mitglied der Zionistischen Organisation von Amerika ist. Er wird im Administrationskomitee der Organisation sehr wertvolle Arbeit leisten. Gleichzeitig wurde auch das Finanzkomi- Englische Herrenu. Damenstoffe TUCHHAUS RUDOLF TEWELES Wien VI, Mariatülfersir. 123 nur von Kerzen und einer Anzahl silberner und goldener Oellampen beleuchtet, die von der Decke herabhängen. Sephardische Chachadim gehen umher und sammeln milde Gaben der Pilger. Die weite Halle um die Grabnische herum ist von Pilgern gefüllt, die hier auf Strohmatten liegen. Im Hofe des Gebäudes, auf den Treppen des Hauptgebäudes, auf den Dächern der Nebengebäude warten Tausende auf das Nahen der Prozession, die erst vor Sonnenuntergang den Hof betritt. Die Begeisterung der Volksmassen wächst. Alt und jung tanzt den Thorarollen entgegen. Eine lange Kette arabischer Fischer dreht sich im Reigentanz durch den Hof und singt: „Rabbi Meir gib uns guten Fang und Glück bei den Mädchen.“ „Rabbi Meir hüte uns vor den Tücken des Sees.“ So ist Rabbi Meir auch der Schutzpatron der arabischen Fischer geworden. Wie die Thorarollen ins Gebäude hereingebracht weiden, senkt sich die Sonne, und man beginnt im Hofe die Vorbereitungen für den Hauptakt des Festes zu treffen, die „Hadlakah“. (Anzünden des Feuers.) In der Mitte des Hofes steht eine breite gemauerte Säule, ca. 2 Meter hoch, die oben eine Schale trägt. Seidene Tücher werden mit Petroleum getränkt und hinauf geworfen. Frauen zerreißen kostbare* Kleidungsstücke als Opfergabe. Immer mehr häufen sich die petroleumgetränkten Stoffmassen. Es ist Nacht geworden und ungeduldig warten Tausende auf den Beginn der Hadlakah. Inzwischen hat im Innern des Gebäudes die Versteigerung der „Ehre des Anzündens“ begonnen. Lange dauert der Wettkampf, bis endlich ein amerikanischer Jude für 100 Dollars sich das Anrecht auf die große Ehre erwirbt, und schon trägt er die große Brandfackel an einer langen schweren Stange durch die Reihen der neidvollen Beschauer. Von den Chachamim umringt, die uralte Lieder singen, entzündet er die „Hadlakah“, Eine breite hohe Flamme schießt empor und beleuchtet taghell die ganze Umgebung. Wahnsinnige Verzückung bemächtigt sich des Publikums. In wildem Tanze drehen sie sich um die Feuersäule. Von der einen Seite tanzen die arabischen Fischer; ihnen entgegen tanzen sephardische Jünglinge. Ein alter Jemenite hat sich der Fackelstange bemächtigt und tanzt einen wahnsinnigen Tanz, daß die Funken stieben und schrille Rufe der Begeisterung schallen durch den taghell beleuchteten Hof. Wir schleichen uns langsam fort aus dem wilden Treiben. Schon stehen wir draußen vor dem Eingang zum Hof. Die vom Feuerschein beleuchteten Mauern lassen das Gebäude wie einen antiken Tempel erscheinen, in dem ein Feueropfer einer unbekannten heidnischen Gottheit dargebracht wird. Wir aber rudern hinaus auf den Tiberiassee, weit weg vom Ufer. Dann ziehen wir die Ruder ein und blicken hinüber über den spiegelglatten See, bis der Feuerschein schwächer wird, nochmals aufflackert, und dann gänzlich erlischt, und nur noch der Vollmond sein silbernes Licht ergießt über den See und die Grabstätte des Rabbi Meir Baal-Haness. Kant im Hebräischen Von S. Meiseis. Hugo Bergmann, Bibliothekar an der Hebräischen Nationalu. Universitätsbibliothek zu Jerusalem, hat ein Buch „Hapilosophia schel Immanuel Kant“ (Die Philosophie Immanuel Kants) in hebräischer Sprache veröffentlicht (Verlag „Tarbuth“, Jerusalem—Tel-Aviv 5687). Kant im hebräischen Gewände — das ist in der Tat eine Neuerscheinung, die sich gleichsam auf den ersten Blick als solche präsentiert. Im neuhebräischen Schrifttum, wo die Uebersetzungen und Bearbeitungen fremder Werke den breitesten Raum einnehmen, ist die philosophische Literattu* am spar. lichsten vertreten. Das mag ein wenig befremdlich wirken, wenn man erwägt, daß das Judentum selbst aus dem Mittelalter eine sehr reichhaltige philosophische Literatur in hebräischer Sprache besitzt und daß fast in jedem geistigen Juden allezeit ein starker Hang zum Philosophieren vorhanden war. In jüngster Zeit freilich, hat es hier und da an Versuchen nicht gefehlt, die Gedankenwelt großer Philosophen, wie die Spinozas, Platons, Nietzsches und anderer, durch treffliche Uebersetzungen ihrer Werke oder durch zusammenfassende Darstellungen ihrex philosophischen Systeme dem hebräischen Leser zu erschließen. Aber alle diese Versuche waren nicht ausreichend genug, das Interesse für Philosophie beim hebräischen Leser zu wecken, geschweige denn eine philosophische Literatur breitem Umfanges in hebräischer Sprache zu schaffen. Und so kam es denn, daß selbst ein Kant, dessen Philosophie doch gerade unter den Juden die bedeutendsten Anhänger und Verfechter gefunden hat,, erst jetzt, hundertzwanzig Jahre nach seinem Tode, recht eigentlich in den altneuen Tempel des hebräischen Schrifttums eingezogen ist. Aus Anlaß des 200. Geburtstages des Königsberger Philosophen erschien eine hebräische Ausgabe der „Kritik der reinen Vernunft“, übersetzt von Junowitz (Jerusalem 1924), worauf dann das eingangs erwähnte, ganz vorzügliche Bergmannsche Kant-Buch folgte. Indes: Kant im Hebräischen ist nur hinsichtlich seiner großen und schwierigen Werke und des Riesenbaus seines Systems als Neuerscheinung zu betrachten; Kantische Gedanken und Lehren, ja sogar einzelne Abschnitte aus Kants Werken waren schon viel früher im hebräischen Schrifttum anzutreffen. Der bedeutendste (und vielleicht der einzige) hebräische Philosoph der Neuzeit, Nachmann Krochmal, hat in seinem Hauptwerk „More neboche ha-s‘man“ (Lemberg 1851) viele Kantische Grundlehren verarbeitet. Den ersten Versuch, Kant ins Hebräische

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