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Die Stimme · 1928-05-24 · Heft 21 (24.5.1928) · page 11

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 21 (24.5.1928)
Date
1928-05-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
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Nr. 21 DIE STIMME Seite 11 Wie wollen wir unser Recht durchsetzen? Die Schritte des Wiener Kultusvorstandes zur Erlangung der Zuschüsse von Staat und Gemeinde — Äußerungen der Vizepräsidenten Dr. Ornstein und Dr. Löwenherz Die jüdische Telegraphenagentur läßt sich aus Wien melden, die Wiener Kultusgemeinde habe in Ausführung des einstimmigen Vorstandsbeschlusses nach Heranziehung von Bund und Gemeinde auf Grund des Friedensvertrages und des Rechtes der Gleichberechtigung zur Beitragsleistung für ihr Budget an die Bundesregierung die Forderung nach einer jährlichen Dotation von eineinhalb Millionen Schilling gestellt. Die Bundesregierung sei jedoch, so heißt es in dem Telegramm, nur gewillt, 600.000 Schilling für diesen Zweck in ihr Budget einzustellen. Es sei noch ungewiß, ob die Kultusgemeinde auch an die Gemeinde Wien mit ähnlichen Forderungen herantreten werde, weil diese auf dem Minoritätenrecht basieren müßten und die nichtzionistische Mehrheit des Kultusvorstandes sich dagegen sträube, Minoritätenrechte geltend zu machen. Einer unserer Mitarbeiter nahm nun Gelegenheit, die beiden Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. Ornstein und Dr. Löwenherz über die Richtigkeit dieser Aussendung zu befragen. Die beiden Herren hatten die Freundlichkeit, sich wie folgt zu äußern: »Die Nachricht ist in der vorliegenden Fassung völlig unrichtig und aus der Luft gegriffen. Bisher wurde mit den maßgebenden Faktoren weder des Bundes noch der Gemeinde Wien in dieser Frage Fühlung genommen. Es ist daher auch völlig ausgeschlossen, daß irgend welche Zahlen genannt wurden. Die Konkretisierung unserer Ansprüche ist gegenwärtig noch ganz unmöglich, weil erst umfangreiche Berechnungen über die Leistungen der Juden für diese beiden öffentlichen Haushalte notwendig sind, um zu einem gerechten Schlüssel für ihre Ansprüche gelangen zu können. Ebenso unrichtig ist es, daß man sich scheue, an die Gemeinde heranzutreten, weil man bei dieser Körperschaft Minoritätenrechte geltend machen müßte. Die Titel, auf die wir unsere Ansprüche stützen, sind sowohl für den Bund, als auch für die Gemeinde die gleichen. Sie sind dreifacher Art: 1. Die Gleichberechtigung der Konfessionen und das sich daraus ableitende Recht, daß für die jüdischen Religionsbedürfnisse ebenso zu sorgen ist, wie für die Kultusbedürfnisse der anderen gesetzlich anerkannten Religionen. 2. Der Staatsvertrag von St. Germain, dessen Minoritätenbestimmungen., auf denen unsere Ansprüche basieren, der österreichischen Bundesverfassung inkorporiert wurde. 3. Die vergleichsweise Heranziehung der Gesetzgebung der Nachbarstaaten, die ohne die Verpflichtung zum Schutze der Minoritäten freiwillig für die kulturellen und Wohliahrtsinstitutionen der Juden namhafte Beiträge leisten. Auf diese drei Grundlagen werden wir unsere Forderungen, sowohl beim Bund, als auch bei der Gemeinde stützen. Es ist also unrichtig, zu behaupten, daß bei der Gemeinde ein anderer Vorgang als beim Bund wahrzunehmen wäre. Wenn wir vorerst an den Bund herantreten wollen und erst dann an die Gemeinde Wien, so hat dies lediglich seinen Grund darin, daß der Bund für unsere Zwecke so gut wie gar nichts tut, während die Gemeinde Wien in dem ihr bisher obliegenden Ausmaß sowohl für den jüdischen Religionsunterricht sorgt, als auch für die in Wien beheimateten Fürsorgebedürftigen Beiträge leistet. Wir werden aber nicht ermangeln, unsere Rechte auch gegenüber der Gemeinde Wien mit demselben Nachdruck, wie gegenüber dem Bund geltend zu machen. Vorläufig sind wir damit befaßt, in einem Memorandum die rechtlichen Grundlagen und die ziffernmäßigen Behelfe für unsere Ansprüche niederzulegen. Dieses Memorandum, dessen Fertigstellung naturgemäß nicht im Handumdrehen zu bewerkstelligen ist, wird dann den in Betracht kommenden Stellen zugemittelt werden. Ueberdies wird das Präsidium der K ul t u s g e m e i n d e persönliche Fühlungnahme mit den in Betracht kommenden Faktoren zu nehmen suchen. In erster Reihe kommen hiefür der Bundeskanz- 1 e r und der Kultusminister in Betracht. Jedenfalls wird rechtzeitig dafür Sorge getragen werden, daß die Forderungen der Wiener Judenschaft schon bei den Budgetberatungen für das Jahr 1929 berücksichtigt werden. Wir wollen weder mit dem Bund noch mit der Gemeinde Konflikte heraufbeschwören und hoffen, daß wir unsere gerechten Forderungen im besten Einve.r nehmen durchsetzen werden. Wir haben bereits in Ausführung des Vorstandsbeschlusses die übrigen Kultusgemeinden Oesterreichs aufgefordert, sich unserem Schritte anzuschließen. Die Antworten auf unsere Ersuchsschreiben stehen noch aus. Insbesondere haben wir mit den burgenländischen Kultusgemeinden, vornehmlich Eisenstadt, die ja bis vor kurzem unter ungarischer Gesetzgebung standen, Fühlung genommen. Auch an die Kultus gemeinde Warschau haben wir uns gewendet, um Auskünfte über die diesbezüglichen dortigen Verhältnisse zu erhalten. Durch eine entsprechende Beitragsleistung von Bund und Stadt zum Haushalt der Kultusgemeinde wird es uns zweifellos möglich sein, Beträge, die wir jetzt für Kultus- und Wohlfahrtspflege verwenden mußten — für die Kultusgemeinde wird auch nach erfolgter Beitragsleistung auf diesen Gebieten noch recht viel zu tun übrig bleiben — freizubekommen und für andere Zwecke nutzbringend zu verwenden. Deshalb werden wir versuchen, unsere gerechten Forderungen mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln durchzusetzen, Wiener Grundbücher aus den Jahren 1350 bis 1421 In die Berichterstattung über das vom Vizepräsidenten Dr. Jakob Ornstein in der öffentlichen Plenarsitzung vom Wißn 1. ftolenlurzn stvaße 2Vr. 22 Hie beste und billigste Einkauf® quelle fpinhßils preise 23. April d, J. erstattete Referat betreffend die auf Juden bezüglichen Eintragungen in den Grundbüchern aus den Jahren 1350 bis 1421 haben sich Mißverständnisse und Irrtümer eingeschlichen, so daß eine Klarstellung erforderlich erscheint, Herr Vizepräsident Dr. Ornstein berichtete, daß der sei. Oberrabbiner Dr. C h a j e s unmittelbar vor seinem Ableben mit dem Direktor des Archivs der Stadt Wien, Prof, Dr. St o w a s s e r, über die in den Wiener Grundbüchern aus den Jahren 1350 bis 1421 vorhandenen, auf Juden bezüglichen Eintragungen Rücksprache genommen habe und der Ansicht Prof. Stowassers beipflichtete, daß eine Kopiatur dieser Eintragungen überaus wünschenswert sei, weil dadurch historisch wertvolles Material für die wissenschaftliche Bearbeitung gewonnen werden könne. Entsprechend dem Anträge der „Historischen Kommission der israelitischen Kultusgemeinde“ hat das Vertreter - Kollegium beschlossen, Herrn Prof. Dr. Stowasser für seine Anregung zu danken und ihn zu bitten, die Leitung und Beaufsichtigung der Herstellung dieser Kopiaturen zu übernehmen. Indem das Plenum des Kultusvorstandes dem Anträge des Vertreter-Kollegiums zustimmte, bewilligte es gleichzeitig die für die Abschredbarbeiten erforderlichen Kosten. Preisverteilung an der Israelitisch-theologischen Lehranstalt. Am 10. Mai fand an der hiesigen isr.-theol, Lehranstalt die feierliche Verteilung der von G. Alexander Kohut auf Namen des verew. Oberrabbiners Dr. C h a j e s gegründeten Preisstiftung statt. In seiner Begrüßungsrede gedachte der Rektor der Lehranstalt Hofrat Prof. Dr. Adolf Schwarz des großen Gelehrten Kohut, an dessen Sterbetag alljährlich die Preisverteilung vorgenommen wird. Es liefen zwei Arbeiten ein. Der Preis für die Behandlung des Themas: „Agada und Exegese bei Flavius Josephus“ wurde von der Prüfungskommission einstimmig der Arbeit des Herrn Salomo Rappap o r t zugesprochen. Der Arbeit des Herrn Mendel Bergenb a u m wurde ein zweiter Preis zuerkannt. Das Thema der nächsten Preisarbeit lautet: „Die halach. Baraithoth aus der Schule R. Ismaels sind zu sammeln, ordnen und beleuchten." Einreichungstermin bis zum 15. Weader 5689 im Sekretariat der is^r.-theol. Lehranstalt Wien. Predigten in den israelitischen Gemeindetempeln am diesjährigen Wochenfeste. Bei den Vormittagsgottesdiensten am diesjährigen Wochenfeste finden in benannten Gemeindetempeln Predigten statt, und zwar: I. Seitenstettengasse 4 (Rabb. Dr. M. Grunwald), Freitag den 25. Mai; II., Tempelgasse Nr. 5 (Rabb. Dr. M. Grunwald), Samstag den 26. Mai; XV., Turnergasse 22 (Rabb. Dr. I. Taglicht), Freitag den 25. Mai; XVI., Hubergasse 8 (Rabb. Dr. M. Bach), Freitag den 25. Mai; XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabb. Dr. D. Feuchtwang), Freitag den 25. Mai; XXI., Holzmeistergasse 12 (Rabb. Dr. M. Rosenmann), Samstag den 26. Mai. . Maskir-Andachten am Schewuothieste. Zur Vermeidung des großen Andranges in den Gemeindetempeln zur „Haskarah" veranstaltet der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien am diesjährigen Schewuothfeste, Samstag, den 26. Mai 1. J. um 6 Uhr früh im iStadttempel, I., Seitenstettengasse 4, und im Leopoldstädter Tempel, II., Tempelgasse 5, sowie um 9 Uhr vormittags im Festsaale des Hotel „Continental“, II., Taborstraße 6, anläßlich der Maskir-Andachten feierliche Gottesdienste. Die Konfirmation der Mädchen in den Gemeindetempeln findet im Jahre 1928 an folgenden Tagen statt: I. Bezirk (Stadttempel) I., Seitenstettengasse 4: Donnerstag den 7. Juni um 10 Uhr vormittags. II. Bezirk (Leopoldstädter Tempel), II,, Tempelgasse 5: Sonntag den 3. Juni um halb 10 Uhr vormittags. XV. Bezirk (Fünfhauser Tempel), XV., Turnergasse 22: Sonntag den 27. Mai um 10 Uhr vormittags. XVI. Bezirk (Ottakringer Tempel), XVI., Hubergasse 8: Sonntag den 3. Juni um halb 9 Uhr vormittags. Austritte aus dem Judentum Ullrich Josef, 19. 3. 1862 Neu-Bischitz, Witwer, XVII., Taubergasse 19. Dr. Hecht Emil, 25, 8. 1871 Wien, verh., IX., Porzellangasse 71. Wilhelm Kiesler, 19. 4. 1893 Wien, led., 'IX., Liechtensteinstraße 133. Kohaut Hermann, 18. 2. 1894 Wien, led., IX., Höfergasse 18. Juckenstein Jacob, 13. IX. 1880 Wien, led., IX., Pramergasse 8. Kriegler Elisabeth, 11. 11. 1901 Wien, led., XIV., Schwendergasse 117. Bas siel Robert, 14. 12. 1905 Wien, led., XX., Wasnerg. 13. Schneck Jaques, 11. 8. 1906 Wien, led., XVI., Lindauergasse 23. Adler Hedwig, 23. 4. 1868 Proßnitz, verw., IX., Servitengasse 14. Dr. Andermann Norbert, 25. 12. 1888 Wiewsa, verh., IX., Gilgegasse 14. Haas Paula Elisabeth, geb. Löw, 10. 2. 1902, Olmütz, ger. gesch., VII., Neustiftg. 121. H e r t z k a Therese, 23. 9. 1886 Holleschau, led., III., Radetzkystraße 26. Fischler Wilhelm, 13. 7. 1911 Wien, led., Lemberg. Ranzenhofer Katharina geb. Jamber, 23. 9. 1886 Wien, ger. gesch., II„ Springergasse 25. K1 a b e r David, 10. 12. 1905 Wien, led., II., Radingerstraße 17. Katt Franziska geb. Ascher, 7. 5. 1888 Wien, ger. gesch., V,, Margaretengürtel 82. Dr. Leo Schlesinger, 26. 6. 1899 Wien, getrennt,, II., Obere Donaustraße 45. Hajek Walter, 4. 4, 1907 Wien, led., XV., Schuselkagasse 5. Robitscher Gertrude, 11. 4. 1909 Winterberg, led., V., Anzengrubergasse 8. Deutsch Eugen, 23. 12. 1903 Brünn, led., XIX., Döblinger Hauptstraße 15, Di km an n Jonas, 8, 12. 1894 Czotkau, led., Buchhalter, IV., Favoritenstraße 48. Holzer Scheine, 25. 12. 1898 St. Martin, led., IV., Wiedner Gürtel 61. Baneth Frieda, 25. 3. 1888, Agram, led., II., Novaragasse 15. S p e r- 1 i n g e r Siegmund, 26. 10. 1902 Szabadka, led., Zahntechniker, Wien I., Franz-Josefs-Kai Nr. 25. Rosa R a b e rgeb. 23. 10. 1906, ied., XIV., Meiseistraße 3; Cäcilie Go tv lieb geb. Moriz, 1. 11. 1897 Orlowce, verh., V., Margaretengürtel 22; Karl Haushalter, 20. 5. 1884 Danzig, verh., VII., Burggasse 42; Klara J e 11 i n e k, 22. 4. 1892 Zwestow, led., XVIII., Riglergasse 11.

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