Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1928)
- Date
- 1928-05-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 21 DIE STIMME ‘•w'tte 7 Form verbieten, begreiflicherweise bestrebt, diese unliebsamen Folgen des Selbstmordes für die Familie zu vermeiden. Anverwandte und selbst Aerzte und Behörden lassen sich aus Mitleid mit den Angehörigen dazu verleiten, bewußt unrichtige Todesursachen anzugeben. Außerdem läßt sich nicht immer, und zwar dort, wo dem Tode ein Selbstmordversuch vorangegangen ist, ärztlich feststellen, ob Selbstmord vorliegt, weil zwischen der Handlung und dem Tode selbst häufig ein längerer Zeitraum liegt. Diese Erscheinung fügt dem ohnedies erschreckenden Bilde vom soziologischen Stande der Wiener Judenschaft, einem Bilde, in welchem Bevölkerungsabnahme, ungünstige Wohnverhältnisse, abnormale Berufsschichtung und damit im Gefolge Arbeits- und Erwerbslosigkeit mit spezifisch jüdischem Charakter die düstersten Flecken bilden, einen neuesten dunklen Schatten hinzu: Das Anwachsen der Selbstmorde und Selbstmordversuche unter den Juden zeigt, daß die Lage in Wien unerträglich geworden ist. Immer größer wird die Zahl derjenigen, deren Nerven diesem aufreibenden Lebenskampf der Juden nicht gewachsen sind. Umso dringender sind Maßnahmen in bevölkerungspolitischer Hinsicht, wie wir sie schon oft gefordert haben. Nur die Besserung der Lebensbedingungen der Juden Wiens kann das schwarze Gespenst des Freitodes der Juden bannen. Dr, Leo Goldhammer. Tagung des zionistischen Distriktes „West“ in Salzburg Ein weiterer bedeutungsvoller Schritt auf dem Gebiete des Ausbaues der zionistischen Provinzorganisatienen ist gemacht worden. Aus den drei Distrikten, welche gemäß dem Beschluß der vorjährigen Tagung in Graz den Provinzverband bilden, hat sich anläßlich der am 19. und 20. Mai abgehaltenen Tagung in Salzburg der Distrikt ,,W e s t‘‘ konstituiert. Ihm gehören die Zionistischen Organisationen in den Bundesländern Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg an. Zum Sitz der Leitung ist für das künftige Arbeitsjahr Linz bestimmt, das Präsidium liegt in den Händen unseres bewährten Gesinnungsgenossen Dr. Gustav Morgenstern. Es war eine außerordentlich glückliche Idee, durch Abhaltung eines der Tagung vorangehenden Vortrages die Juden Salzburgs damit bekannt zu machen, was der Zionismus will, wie weit er in seinen Bestrebungen gekommen ist und was noch zu tun bevorsteht. Der Präsident des Zionistischen Landeskomitees, Dr. Leo Goldhammer, der zusammen mit dem Sekretär Paul Stein der Tagung beiwohnte, behandelte in einem einstündigen Referate über die „Gegenwart des Zionismus“ die wichtigsten zionistischen Gegenwartsprobleme. Der Vorsitzende der Versammlung, Herr Schönhorn, konnte fast die gesamte Judenschaft der Stadt Salzburg mit ihrem Kultusgemeindepräsidenten Herrn Lowy, dem Rabbiner Herrn Dr. P ä p o und dem Präsidenten der Chewra-Kadischa Herrn Oberrechnungsrat P o 11 a k begrüßen. Die zahlreich erschienene Jugend nahm die ihr überbrachten Hefte „Die jüdische Jugend" mit Freude und Interesse entgegen. Im Anschlüsse an den beifällig aufgenommenen Vortrag Dr. Goldhammers wurde die sehr gut beschickte Distriktstagung durch Herrn Dr. Morgenstern eröffnet, der auch zum Vorsitzenden der Tagung gewählt wurde. Herr Max Sonn (Salzburg) wurde zum Schriftführer gewählt. Das Organisationsreferat, an welches sich eine sehr lebhafte, hochstehende Debatte knüpfte und in der die Bestrebungen des Landeskomitees in seiner Provinzarbeit dankend hervorgehoben wurden, erstattete Herr Ing. P i s k a t y. Einige interessante Daten seien demselben entnommen: Die Länder des Distriktes „West" zählen insgesamt ca. 2000 jüdische Seelen, von denen ca. 500 Steuerträger der jüdischen Gemeinden sind. Ungefähr die Hoffte aller Steuerträger sind Schekelzahler. Der Distrikt wird bestrebt sein, die anderen Steuerträger und insbesondere die Jugend zu erfassen. Ein wöchentlich erscheinendes Nachrichtenblatt soll die Arbeit unterstützen und eine Zentralisierung des Vortragswesens vorgenommen werden. Am 20. Mai um 9 Uhr vormittags erstattete Herr Max Sonn das Referat über den Keren Hajessod, das mit einer ausgezeichneten Gründlichkeit verfaßt war.' Obwohl pro Kopf der Steuerzahler der Keren Hajessod jährlich durchschnittlich ein Pfund bringt, müsse das Resultat im künftigen Jahre vervielfacht werden. Frau Paula Schiller (Linz) konnte in ihrem sachlichen Nationalfondsreferat feststellen, daß die Ortsgruppen des Distriktes das ihnen zugewiesene Kontingent im Vorjahre aufgebracht haben und daß die neu gewählten Sammelmittel für dieses Jahr, insbesondere in Linz, einen weit höheren Betrag erwarten lassen. Herr Camillo Schiller (Linz) drückte im Pressereferat die vollste Zufriedenheit mit dem offiziellen Organe „Die Stimme" aus, forderte den Beschluß, daß für alle Zionisten Pflichtabonnement eingeführt werde und begrüßte das Erscheinen der „Jüdischen Jugend“, deren Förderung ebenso Pflicht sei, wie die der Zeitschrift „Palästina“. Ueberdies erstattete Herr Schiller eingehenden Bericht über die bisherigen Erfolge der Versicherungsaktion des Keren Kajemeth, die bisher nur in Linz, als der einzigen Provinzgruppe Oesterreichs, zur Durchführung gelang. Die intensiven, vollkommen selbstlosen Bemühungen der Linzer Gesinnungsgenosse^ konnten in der kurzen Zeit bereits glänzende Erfolge zeitigen. Es wurde beschlossen, nach dem Muster von Linz im ganzen Distrikte „West" diese Aktion mit aller Energie durchzuführen. Eine Reihe von Beschlüssen, die sich auf Organisation, Keren Hajessod, Keren Kajemeth und Presse bezogen, wurden nach eingehenden Debatten einstimmig, gefaßt. Einige seien hier im Wortlaute wiedergegeben: N-G-l NAVIGAZIONE GENERALE ITALIANA GENUA DIE SÜDLICHE, EISBERGFREIE ROUTE NACH NEW YORK Luxusdampfer „ROMA“ und „DUILIO“ * * * DIE SCHNELLSTE LINIE NACH BRASILIEN, URUGUAY, ARGENTINIEN Luxusdampfer „AUGUSTUS“ und „GIULIO CESARE“ * * * DIE MODERNSTE LINIE NACH COLUMBIEN, PANAMA, ECUADOR, PERU, CHILE Luxusdampfer „ORAZIO“ und „VIRGILIO“ * * * WIEN I. KÄRNTNERRING 18 (Ecke Schwarzenbergplatz) TELEPHON 55009 Dem Zionistischen Landeskomitee, insbesondere dem Präsidenten Dr. Leo Goldhammer, wird für die im letzten Jahre geführte Politik, welche unter den vielen anderen Erfolgen zur Schaffung des Pro-Palästina-Komitees, zur Einigung der zionistischen Jugend und der Akademiker führte, Dank und vollstes Vertrauen ausgesprochen; für die Herausgabe der Monatsschrift „Palästina", des offiziellen Organes „Die Stimme" und der Jugendzeitschrift „Die jüdische Jugend" gebührt dem Zionistischen Landeskomitee besonderer Dank; ebenso anerkennt die Distriktskonferenz die verständnisvolle Arbeit des Zionistischen Landeskomitees für die Provinz und fordert die Fortsetzung in diesem Sinne. Der Delegiertentag nimmt mit großem Bedauern die derzeitige Zerklüftung innerhalb der Wiener Zionistischen Organisation wahr und ersucht das Zionistische Landeskomitee, ehestens eine Einigung herbeizuführen. Die Jahresversammlung des österreichischen „Hechaluz“ Am 12. Mai fand die 6. Jahreskonferenz des österreichischen Landesverbandes des „Hechaluz" statt. Die Tagung wurde mit einem Referat von Ch. M a n o a c h (Daganiah) über „Chaluzwesen“ eröffnet. Hierauf erstattete der Merkas seinen Bericht, aus dem zu entnehmen war, daß die Arbeit unter Mangel an materiellen Mitteln gelitten hat. Eine Reihe von Subventionen, wie Alliance, Joint und „Wahrheit“, sind während dieser Berichtsperiode eingestellt worden. Die Organisation, die gegenwärtig 230 Mitglieder zählt, legte angesichts der Situation in Erez Israel und in der Alijah ihr Hauptaugenmerk auf die Heranbildung von Handwerkern und auf eine intensive Tarbutharbeit. (Fast die Hälfte der Mitglieder, sind Handwerker.) Die Mädchen sind in der Hauswirtschaft, Küchengroßbetrieben, Gärtnerei und Säuglingspflege beschäftigt, Auf dem Gebiete der Tarbutharbeit sind in erster Linie die sechs Hebräischkurse zu erwähnen, die vom Großteil der Mitglieder besucht werden. Die Organisation hatte auch gemeinsam mit einigen Jugendbünden zwei Seminar i e n eingerichtet, die von Direktor Kellner und Dr. Knöpfmacher geführt wurden. Das Mitteilungsblatt (Choser) konnte aus Geldmangel nur einmal erscheinen. Aus dem Berichte war weiter zu ersehen, daß es der Leitung mit Hilfe von Frau Dr. Martha Hofmann gelungen war, einen „Waad Chowewei Hechaluz" zu gründen, dem hervorragende Persönlichkeiten der zionistischen Partei angehören und der eine tatkräftige Stütze der Organisation werden soll. In der Debatte hoben sämtliche Redner die Wichtigkeit einer Chaluzfarm hervor und gaben der Hoffnung Ausdruck, daß der Waad Chowewei Hechaluz sich dieser wichtigen Sache wärmstens annehmen wird. Aufgabe der künftigen Leitung wird es sein, gemeinsam mit dem Waad das Projekt eines eigenen Gartens der Organisation, für welchen der Boden bereits zur Verfügung steht, der Verwirklichung zuzuführen. Dieser Garten könnte die Grundlage einer eigenen Farm bilden. Nach Beendigung der Aussprache wurden folgende Resolutionen zum Beschluß erhoben: 1. Die Weidah des österreichischen Hechaluz sendet Grüße der Solidarität an die palästinensische Arbeiterschaft und schließt sich ihrem Kampfe um die Ueberwindung der Krise in Palästina und in der zionistischen Bewegung an und wird zusammen mit I ihr alle Kräfte und Mittel einsetzen, um die weiten Schichj ten der Judenheit und ihrer Jugend zu aktiver Beteiligung j an der Schaffung eines jüdischen arbeitenden Palästina , heranzuziehen. | 2. Die Weidah erachtet als Lebensnotwendigkeit für | den Weiterbestand der Chaluzbewegung, daß eine Einwanj derung nach Erez Israel wieder ermöglicht werde, und fordert den Weltverband auf, alle möglichen Schritte in j dieser Richtung zu unternehmen. j 3. Der Hechaluz betrachtet sich als einen Teil der I zionistischen Bewegung und verpflichtet seine j Mitglieder zur Mitarbeit an den nationalen Fonds und zur | Leistung eines Schekels. j 4. Jedes Mitgliecr der Organisation ist verpflichtet, mit j aller Energie für den Palästina-Arbeiter-Fonds zu sammeln und selbst alle zwei Monate mindestens einen Tageslohn I abzuführen. 8. Die Weidah des Hechaluz legt energische Verwahrung ein gegen die Auflösung des „Hechaluz" in Sowjetrußland und protestiert gegen die planmäßige Verfolgung jeder zionistischen Bewegung in Rußland. Sie hält diese Unterdrückung für umso ungerechter, als die zionistische Bewegung — vor allem die zionistische Arbeiterschaft — keineswegs mit antisowjetistischen, reaktionären Machenschaften irgend etwas zu tun hat. 10. Die Weidah nimmt die Gründung des „Waad Chowewe Hechaluz” mit Freude zur Kenntnis. . . . Die Weidah beauftragt die künftige Leitung, die Bemühungen um die Erweiterung des obgenannten Waad als einer wichtigen, moralischen und materiellen Stütze zu verstärken. Die von der Konferenz neugewählte Leitung setzt sich aus den Mitgliedern S. Blum, S. Freier, S. Löwensohn, R. Schnabl und A. Zimmer zusammen. An alle Zionisten! Das Zionistische Landeskomitee ersucht die Zionisten aller Länder, welche sich während des heurigen Sommers in Oesterreich aufhalten werden, um Bekanntgabe ihrer Adresse und der Dauer ihres Aufenthaltes. Für die großzügige Kurortpropaganda, die heuer geplant ist, wird die Unterstützung aller Zionisten dringendst ertorderlich, Zuschriften an das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich, Wien, I„ Kärntnerstraße 28. Gesellschaftsreise nach Bratislava, Nach dem Vorbild der vorjährigen Reise nach Bratislava, an der zirka 1000 Personen teilnahmen, wird auch heuer eine Gesellschaftsreise mit Salondampfer nach Bratislava veranstaltet. Der Hauptzweck dieser Reise ist der, daß die Zionisten Wiens gemeinsam einen Tag verbringen; sie bezweckt außerdem, die Teilnehmer mit Bratislava, einer Stadt von tiefer jüdischer Gelehrsamkeit bekanntzumachen; sie besitzt malerische Naturschönheiten, die den Teilnehmern durch die Fremdenkommission der Tschechoslowakei gezeigt werden. Für Unterhaltungen auf dem Dampfer sowie in der Stadt ist durch verschiedene Veranstaltungen vorgesorgt. Der Preis einer Karte beträgt S 9.—. Anmeldungen bis längstens 20. Mai 1928 werden beim Jugendverein »Erez Israel« (Sekretariat), II., Zirkusgasse 33 und im Zionistischen Büro (Keren Kajemeth), I., Kärntnerstraße 28, Telephon Nr, 77-4-85, 77-4-86, entgegengenommen. Chajes-Realgymnasium (Wien II., Castellezgasse 35). Aufnahmen in die erste bis achte Klasse täglich von 12 bis T. Uhr in der Direktionskanzlei, Vereinsnachrichten Zionistische Sektion Prater. Zugunsten der hebräischen Schule Prater veranstaltet die Zionistische Sektion Prater Sonntag den 3. Juni im großen Garten „Praterfee", Prater Hauptallee, ein großes Gartenfest unter Mitwirkung des Pfadfinderbundes „Brith Hamischmar" und bedeutender Künstlerkräfte. Musikkapelle Oppermann. Beginn 3 Uhr nachmittags. Eintrittspreis 1 Schilling. Karten im Sektionslokal II., Jungstraße 8, bei den Mitgliedern des Jugendbundes „Brith Hamischmar“ sowie bei den Vorstandsmitgliedern der Sektion Prater. Zionistische Bezirkssektion VI/VII. Die Zionisten der Bezirke Mariahilf und Neubau beschlossen in einer am 16. Mai stattgefundenen Zusammenkunft, in den beiden Bezirken sofort mit der Abhaltung von Vorträgen einzusetzen. Es wurden folgende Referate besetzt: Leitung Ignaz Guttmann, Stellvertretung Kammerrat Kohn und Schwarz, Schriftführer: Dr.SIitzker, Kassier Bernhard Mahler, Schekelreferent Dr. Karl Jellinek. Es finden jeden Dienstag Zusammenkünfte der Zionisten im Cafe „Palace", VI., Mariahilferstraße 99, statt. Zionistische Bezirkssektion IX. In der am 16. Mai stattgefundenen Ausschußsitzung wurde beschlossen, die Zionistischen Bezirkssektionen VIII und IX zu fusionieren. Dadurch ergibt sich eine intensivere Arbeit im VIII. Bezirk. Union der Zionisten-Revisionisten, Mittwoch den 30. Mai 8 Uhr abends Sitzung des Landesvorstandes im Cafä „Metropol", IX., Berggasse 33. „Exotische*1 Juden: Chinesischer Jude beim Gebet in der Synagoge von Kai-Feng,