Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1928-05-24 · Heft 21 (24.5.1928) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 21 (24.5.1928)
Date
1928-05-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3053753-3053773--0339-3055610
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Seite 6 DIE vSTIMME Nr. 21 Sar Itt» fV HANSA WIEN I., FRANZ JOSEFS-KAI 13 TELEPHON 75-409 Diskret hius«-, bdi-os, ■■■■■ Wohnungen, Hypotheken, Verwaltungen Prompt Unter wenigen Tagen beste Resultate Eigene Kreditabteilung nur für groBe nur Transaktionen schlingen und der Mann der allernüdh/ternsten Wirklichkeitskritik w.ar. In dieser Hinsicht sehen wir Robert Weltsch als einen der Fortsetzer Achad Haamscher Haltung am Werke. Unerbittlich bekämpft er die Politik des Bluffs und der Phrase, den MaximaJismus in der Zielsetzung, die Selbsttäusdhung über die eigene Kraft und über die realen 'Möglichkeiten. Diese Haltung drückt sich in den Artikeln beider Autoren am schärfsten in den politischen Zielsetzungen aus, in der sie von der Einsicht ausgehen, daß der Zionismus das Problem des Zusammenlebens zweier Völker in (Palästina zu (lösen hat. Die Autoren bleiben aber nicht bei der Postulierung einer Forderung stehen, sondern als nüchterne Realpolitiker zeichnen sie auch die durch sie gebotenen Wege vor. Hans Kohn schlägt (S. 275, ähnlich wie es der Referent oft getan bat) vor, daß der Schwerpunkt der politischen Willensbilduinig in den Gemeinden Palästinas liegen soll, die zum größten Teil national einheitlich sind und sein werden. Dezentralisation der Verwaltung, deren Teilung in allgemeine und national-autonome, sowie regionale Zusammenfassung der beiden Verwaltungssphären, dafür sind ihm Renners Vorschläge das Vorbild. Robert Weltsch sagt (S. 242) sehr richtig, daß eine Verständigung mit den Arabern auch deswegen nötig ist, „weil die englische Unterstützung unserer Sache selbst in hohem Maße von der Erzielung eines solchen Ausgleichs aibhängt." Diese zwei Beispiele mögen zur Erhärtung des Gesagten genügen, dl%ß „Ideologen“ für politische Fra-gen den klarsten Wirklichkeitssinn besitzen können. Und aus den Aufsätzen der beiden Autoren wird es deutlich, daß dieser nüchterne Wirklichkieitssinn aus derselben einheitlichen Wurzel stammt, wie ihre geistige Grunidüberzeugung: Aus dem Geiste der sittlichen Verantwortlichkeit. Sich verantwortlich fühlen, bedingt: nach Wahrheit zu streben, in der Erkenntnis wie in der Wirklichkeit. Daher stammt die eigenartige Verbindung von Ideologie und Ta.ts ach ernsinm. 'Die Auffassung des Zionismus, die wir von den Autoren vertreten finden, hat eine große Gefalhr: daß die reale Entwicklung in Palästina gemessen an ihren Idealen sie Lügen strafe. Man kann nur auf eine Weise versuchen, dieser Gefahr zu begegnen: indem man seine ganze Kraft dafür einsetzt, daß diese Ideen sich durchsetzen. Darum geht der Kampf den Dr, Weltsch in.der „Jüdischen Rundschau" führt, deshalb ist Dr. Hans Kohn ein Prapagator des ,;Brith Schalom‘‘ des Bundes zur Herstellung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Juden und Arabern, Mit diesem Aspekt sucht Dr. 'Hans Kohn in regem Forschungseifer und mit bewundernswerter Arbeitskraft immer tiefer in den. Geist des neuen Orients einzuidringen, wofür seine zahlreichen Arbeiten — neuestens die Geschichte der nationalen Bewegung im Orient" (Kurt Vowinckel, Berlin) zeugen. Das Büchlein, das trotz kleinen Umfangs ein wahres Lehrbuch zionistischer Theorie und Praxis darstellt, hat auch in nicht]üdischen Kreisen außerordentlich gewirkt. In zionistischen ist es erst in letzter Zeit bekannt worden, doch kann es als Kompendium des „reinen" und „angewandten“ geistigen Zionismus in keiner zionistischen 'Bibliothek fehlen. Adolf B ö 'h m. Kleine Nachrichten In der Stadt Opatow in der Wojwodschaft Kielce, wurde der jüdische Friedhof in der Nacht von unerkannten« Tätern in der brutalsten Weise geschändet. Neunzig Gräber wurden verwüstet, die Grabsteine zertrümmert und beschmutzt. Viele historisch denkwürdige Grabsteine sind von den Eindringlingen vernichtet worden, (Es ist dies seit kurzem der vierte Fall von Schändungen jüdischer Friedhöfe in Polen. — Die Red.) Auf dem Warschauer jüdischen Friedhof ereignete sich ein eigenartiger Unfall, der tragische Folgen hatte. Die 58jährige Witwe Rosa Lichtenholz besuchte mit ihrer Tochter das Grab ihres verstorbenen Mannes, um für die Wiedergenesung eines sehr schwer erkrankten Enkels zu beten. Plötzlich wurde die alternde Frau von Uebelkeit befallen und klammerte sich an den Grabstein, der aber nicht feststand und nach vorne fiel. Bevor noch die Tochter der Mutter zu Hilfe eilen konnte, war die Frau von dem über sie fallenden Stein zu Tode gedrückt worden. Die Tochter wurde an den Füßen schwer verletzt. * Die Leitung der Weltorganisation des Misrachi hat beschlossen, die Weltkonferenz des Miisrajchi für den 19. August d. J. nach Danzig einzuberufen. SIMM. KORMEIIL, Grofiflelsclilianerei Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. A-17-3-99 u. A-16-9-34 Lieferant IQr Heilanstalten, Abteilungen fOr *W3-Flei*th unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien IX, Berggasse 15 XVIII, WShrlnprerstraße 97 Anläßlich der vor dem Kriegsgericht in Czernowitz stattgefundenen Berufungsverhandlung des Juden Lungu Avram, der wegen angeblicher Desertion aus der rumänischen Armee zu fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden war, bei der Berufung aber jetzt freigesprochen wurde, wurde gerichtsamtlich die von rumänischen amtlichen Personen bisher geleugnete Tatsache festgestellt, daß im Kriege sogenannte jüdische Plutons geschaffen wurden, deren besondere Aufgabe es war, die Rückzüge der rumänischen Armee zu decken und sich dabei aufreiben zu lassen. * Die vor kurzem in Jerusalem gebildete Danube Palestinc Society hat vor einigen Tagen fünf Thorarollen an die im Anschluß an den rumänischen Studentenkongreß in Groß- Wardein zerstörten jüdischen Synagogen Transsylvaniens gesandt. * Im Unterhause richtete Col. Wedgwood eine Anfrage an den Kolonialminister, weshalb man Schalom Schwärt zb a r t die Einreiseerlaubnis nach Palästina verweigert habe. Minister Amery erklärte, daß die Entscheidung darüber beim High-Commissioner liege; er könne also die Gründe für die Verweigerung des Visums nicht angeben, sei aber bereit, den High-Commissioner über seine Gründe anzufragen. * In Detroit wurde die 11. Jahreskonferenz des jüdisch-nationalen Arb eiterverband e.s in Amerika in Anwesenheit von 134 Delegierten abgehalten, die 100 Vereine und 16 Frauenklubs vertraten. Es sprachen Dr. Chaim Schidlowsky und der Palästina-Delegierte Mereminski. Es wurde beschlossen, die Arbeiterinstitutionen in Palästina zu fördern. * In Berlin ist 66jährig Frau Henriette May, eine der ältesten Vorkämpferinnen der deutschen Frauenbewegung und Mitbegründerin der jüdischen Frauenbewegung in Deutschland, Wiener Heilteemischungen bei Zuckerkrankheit, Gallen-, Nieren-, Blasensteinen und Nagenleiden sind vorzüglich. Preis per Paket S 6*50. PostversancL ^W2en^XVll^iacki»ergassoNr-37/3^^ gestorben. Henriette May zählte zu den Gründerinnen des Jüdischen Frauenbundes, dessen langjährige Schriftführerin sie war. Sie war auch in der jüdischen sozialen Fürsorge hervorragend tätig. Die verstorbene jüdische Millionärin Emma P o 1 i a c c a in Mailand setzte den italienischen Ministerpräsidenten Wochen-Kalender Mal 1928 Gedenktage rrsnn jrc 24 Donnerstag 1810 — der Vorkämpfer der »Reform“ Abraham Qetger geboren. * - n 25 Freitag 1851 — der jüdische Dichter Jizchak Leib Perez In Zamosc geboren. 18^4 — der jüdische Oelehrte Alexander Kohut („Aruch completum“) ln New York gestorben. 6 — 1. Tag Schewuoth 26 Samstag 7 — T 2. Tag Schewuoth (Seeien-Gedächttils) 27 Sonntag 1700 — der Komponist Jacob Fromental Halevy (,Die Jüdin') in Paris geboren. Q0 1 II 28 Montag 1845 — der berühmte Klaviervirtuose Prof. Leopold Auer in Veszprim (Ungarn) geboren. 1901 — Gründung des Hilfsverelnes der deutschen Juden, 9 — 29 Dienstag 1836der Komponist und Musiktheoretiker Emanuel Breslauer geboren. 10 — i 30 Mittwoch 1794 — der Komponist und Klaviervirtuose Ignaz Moscheies in Prag geboren. ii - MÜssolini zum Haupterben ihres 5 Millionen Lire betragenden Vermögens ein. Eine halbe Million Lire hat die Verstorbene der jüdischen Gemeinde von Mailand hinterlassen. In der ostgalizischen Ortschaft O h n o w wurde der jüdische Ladenbesitzer und Schneider Anc’ und seine aus sieben Mitgliedern bestehende Familie ermordet. Man weiß nicht, ob es sich um einen Raubmord oder um eine Rachetat handelt. Von den Tätern fehlt jede Spur. Am 25. Mai wird in Leipzig die erste Nummer einer jüdischen Wochenschrift unter dem Titel „Das Jüdische Volksblatt" erscheinen. Die Zeitung will, wie in dem Prospekt mitgeteilt wird, „neu in ihrer Haltung, in ihrer Stellungnahme" sein. Die Selbstmordepidemie unter den Wiener Juden Eine düstere Statistik Alarmartikel in den Tageszeitungen machen in den letzten Wochen die Wiener Bevölkerung auf eine Erscheinung aufmerksam, die nicht mit Stillschweigen übergangen werden kann; auf die H ä ufung der Selbstmorde in Wien. Bildet diese Tatsache für die Gesamtbevölkerung Wiens genug Grund zur Beunruhigung, so ist dies umsomehr bei der jüdischen Bevölkerung der Fall; denn die Zahl der Selbstmorde ist bei den Juden Wiens relativ viel größer als bei den Nichtjuden! Selbstmorde sind immer ein Zeichen einer Erkrankung des Volkskörpers. Leider lassen sich die Ursachen für die häufigen Selbstmorde bei den einzelnen Konfessionen nicht feststellen, weil eine gesonderte Aufzählung nach dem Selbstmordmotiv und nach der Religion durch die Behörden nicht vorgenommen wird. Wer-aber mit einiger Aufmerksamkeit die Gründe liest, die die Selbstmörder zum Freitod zwingen, stellt sofort fest, daß bei den Juden in den mißlichen wirtschaftlichen Verhältnissen viel häufiger der Grund dafür gelegen ist, daß sie ihrem Leben ein Ende machen, Ueber die absolute Zahl der Selbstmorde gibt die nachfolgende Tabelle Auskunft: Jahr J u d e n im Durchschnitte Männer Frauen zusammen 1907 bis 1913 . . 37 18 55 1925 .... . 48 29 77 1926 .... . 60 43 103 1927 .... . 63 45 108 Jahr N i c h t j u d e n im Durchschnitte Männer Frauen zusammen 1907 bis 1913 . . 380 172 552 1925 .... . 348 253 601 1926 .... . 406 298 704 1927 .... . 484 287 771 Viel besser läßt sich das Verhältnis zwischen den jüdischen und nichtjüdischen Selbstmorden aus der nachstehenden Zusammenstellung ersehen: Jahr Juden im Durchschnitte Gesamtzahl der Selbstmorde Prozent- Verhältnis 1907 bis 1913 55 1925 ... 77 1926 ... 103 1927 ... 108 607 9.06 678 11.35 807 12.76 879 12.06 In all den angeführten Jahren ist das Prozentverhältnis der jüdischen Selbstmorde zu der Gesamtzahl viel größer als das Verhältnis der jüdischen Bevölkerung zur Gesamtzahl der Einwohnerschaft Wiens. Das ungeheure Anwachsen der Selbstmorde bei den Juden läßt sich aus der nachfolgenden Zusammenstellung mit besonderer Deutlichkeit entnehmen: Jahr von 1913 auf 1925 von 1925 auf 1926 von 1926 auf 1927 Steigerung bei Juden Nichtjuden 40 % 8.87% 33.76% 17.13% 4.86% 9.51% Wenn auch die Zahl der Selbstmorde bei den Nichtjuden vom Jahre 1926 auf das Jahr 1927 um fast das Doppelte gegenüber den Juden angewachsen ist, so fällt dies weniger ins Gewicht, wenn das ungeheure Anwachsen der Selbstmorde in den vorangegangenen Jahren berücksichtigt wird. Auf je eine Million Einwohner entfielen bei den Juden in den Jahren 1907 bis 1913 durchschnittlich 317, im Jahre 1925 382, im Jahre 1926 551, im Jahre 1927 532 Selbstmorde; bei den Katholiken in den gleichen Zeitperioden 295, 375, 423, 438; die größte Selbstmordziffer weisen also die Juden auf. Sie verhält sich zu der der Katholiken wie 5 : 4. In Wirklichkeit dürften die Verhältnisse noch viel schlechter sein, als sie in diesen von uns gebrachten Zahlen zum Ausdrucke kommen. Bekanntlich sind die Angehörigen dort, wo die öffentliche Meinung den Selbstmord noch verurteilt, wo religiöse Vorschriften die Beerdigungsfeierlichkeiten in der sonst üblichen :"2w ' ,| ■ '■ || jp i | , | riiiTn i) mm in —«r ""ii

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.