Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1928)
- Date
- 1928-05-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 OIE STIMME Seite 13 Das erste Kaatoretiseiiimar und Konservatorium« In New York wurde, wie uns gemeldet wird, vor kurzem das erste jüdische Kantorenseminar und Volkskonservatorium eröffnet. Die Gründung ging vom Verband der jüdischen Kantoren in Amerika aus, die Eröffnung vollzog sich unter großen Feierlichkeiten und in Anwesenheit jüdischer und nichtjüdischer Vertreter der Gesangskunst und des Stimmbildungsfaches. Dem Lehrkörper gehören die bedeutendsten und anerkanntesten jüdischen Fachmänner an, Zum Leiter der Abteilung der Stimmbildung wurde Professor M. G i 1 d i n, der ehemalige Direktor des staatlichen Konservatoriums in Perm (Rußland) gewählt, während der berühmte Chasan Seidl R o w n e r zum Direktor der Abteilung für Lithurgie und Chasanuth bestellt wurde. Ernst Bloch beim internationalen Kammermusikiest Die internationale Jury hat in das Programm des nächsten Kammermusikfestes, welches Mitte September in Siena (Italien) stattfindet, u. ia. auch das Klavier-Quintett von Ernest Bloch aufgenommen. Seine Suite für Bratsche und großes Orchester wurde vor kurzem in Neuchatel (Schweiz) aufgeführt und erweckte großes Interesse. Milhaud’s »Operas-Minutes«, drei kleine Einakter: »Die Entführung der Europa« (Dauer 10 Minuten), »Die verlassene Ariadne«, »Der befreite Theseus« — gelangten kürzlich im kleinen Hause des Wiesbadener Stadttheaters in Anwesenheit des Komponisten zur Aufführung. Jüdisches Theater Galuthfreies hebräisches Theater Eine aufsehenerregende Rede Ussischkins. Im Rahmen einer Begrüßungsfeier, die vor kurzem zu Ehren der „Habimah" in Jerusalem stattfand, hielt u. a. auch Ussischkin eine Rede, die wegen ihres theaterkulturprogrammatischen Inhaltes nicht geringes Aufsehen erregte. Ussischkin führte aus: „Genossen seid Ihr von der „Habimah“ mir in Jerusalem, aber teurer und wertvoller wäret Ihr mir noch dort in Moskau. Denn hier seid Ihr Künstler, dort wäret Ihr überdies noch Helden. Eine Handvoll Menschen ohne politische Macht, ohne Mittel und ohne Vergangenheit, habet Ihr gerade an dem Orte des größten Hasses gegen die Heiligtümer unserer Nation und der mit mittelalterlichen Mitteln durchgeführten Unterdrückung unserer Hoffnungen unseren Davidschild aufgepflanzt. In dem kalten und hungernden Moskau habet Ihr die Fahne hebräischer Kunst auf gerichtet und um Euch die noch übriggebliebenen Jünger der hebräischen Kultur gesammelt. Diese Tatsache wird in dem Buche unserer Geschichte für ewige Zeiten verzeichnet werden. Und nun zur Gegenwart! Es ist wohl überflüssig, Euch die Beziehungen des Publikums von Erez Israel zu Euch zu schildern. Der ganze Jischuw verehrt Euch. Es gibt unter uns keinen Menschen, der nicht wüßte, daß unsere Fahnenträger in Moskau jetzt unter uns weilen. Ich habe Euch vor einem Jahre in Paris gesehen und gestern hier. Ich habe hier anderes empfunden, weil auch Ihr hier anderes empfunden habet. Dort in Paris wäret Ihr ein Exotikum. Hier aber seid Ihr ein Teil von unserem Leben. Was fordert man hier von Euch, daß Ihr uns mehr werdet als Künstler? Es gibt keine Kunst, die nicht national wäre, besonders für uns, da unsere Nation sich auf dem Scheidewege befindet. Die Sprache allein reicht dafür nicht aus. In Moskau war Eure Stärke, daß Ihr nach Palästina gestrebt, von Erez Israel geträumt habt. Hier aber ist Eure Aufgabe, der Nation und ihrem Aufbauwerk zu dienen. Euch fehlte es an einer festen Grundlage, deshalb seid Ihr nach Erez Israel gekommen. Mögen auch viele mit mir nicht übereinstimmen, so sage ich es dennoch, daß es Eure Pflicht ist, aus Eurem Repertoire das g a n z e G a 1 u t h 1 e b e n auszuschalten. Dieses wird uns keine Renaissance und keine Wiederbelebung bringen. Webet Euer Werk aus dem Leben der Arbeit, des Schaffens und der Hoffnung und traget es als Botschaft in die Galuth. Wir brauchen keine Dybuks und keine Golems, sondern Menschen der Arbeit und des schaffenden Lebens; und diese müßt Ihr auch auf der Bühne bilden. Dann werdet Ihr ein Erez-Israel- Theater sein, anstatt, wie jetzt, ein Galuth-Theater in hebräischer Sprache. Habt Ihr die Kräfte hiezu? Was ich gestern gesehen habe, gibt mir den Glauben, daß Ihr sie besitzet. Womit können wir Euch behilflich sein? Unser ganzes Herz ist mit Euch, der ganze Jischuw steht Euch zur Seite!“ Die Krise des New Yorker jüdischen Kunsttheaters Wie uns aus New York berichtet wird, ist in der Krise des jüdischen Kunsttheaters von Morris Schwarz ein Ausweg gefunden worden, der es Direktor Schwarz ermöglicht, sein jüdisches Kunsttheater auf neuer finanzieller und künstlerischer Grundlage, wenn auch in einem anderen Theatergebäude fortzuführen. In einer Pressekonferenz teilte Schwarz mit, daß er mit seiner Bühne in das Fox-City-Theater auf der 14. Straße übersiedelt, Der Vertrag mit den Besitzern dieses Theaters sei für 10 Jahre geschlossen, der Jahreszins beträgt 65.000 Dollar, Seine Pläne für die Zukunft präzisierte Schwarz dahin, daß er die Absicht habe, schon für die nächste Saison einen Beirat von Dramaturgen und Kritikern zu schaffen, aus Europa Regisseure und wenn möglich auch bekannte Künstler als Dekorationsmaler zu bestellen. Um das Kunsttheater finanziell zu festigen, habe er einen Plan für eine Volkssubskription entworfen. Schwarz ist jetzt voll Zuversicht, daß er mit neuer Energie in seinem Kunsttheater auch in der Zukunft das hochwertige jüdische Bühnenstück werde pflegen können. Es wird von Interesse sein gleichzeitig zu erfahren, daß das bisherige jüdische Kunsttheater in der 12. Straße der Seconde Avenue von dem bekannten jüdischen Schauspieler und Direktor Mischa German übernommen und als »Jüdisches Volkstheater« weitergeführt werden wird. German will hier das bessere jüdische Volksstück mit Ausschluß aller Schundstücke pflegen. Jüdische Künstlerspiele. Das Gastspiel eines jüdischen Darstellers aus Rußland, Ilja Trilling, ruft zu einem (mit ein paar Musik- und Tanznummem aufgeputzten) Schwank, »Die weiber'sche Meluche«. Verwechslungen unter drei Paaren mit allerhand kinoburleskem Ulk, reichlich breit. In dem Gast lernt man einen beweglichen Schauspieler mit vielerlei Fertigkeiten (Gesang, Tanz, Klavier und — Flügelhorn) kennen, der sympathisch ulkt und die Mitspieler (die Damen Weintraub- Graf, Brun, Weißberg, Bell, die Herren Zelniker, Sigall, Mayer, Herschkowitz und noch etliche, an deren Aufzählung die Tücke des Gedächtnisses hindert), zum Mitulken nach Kräften bewegt. Das Publikum lacht weidlich. — Ilja Trilling setzt sein Gastspiel von Freitag, den 18. bis Mittwoch, den 23. Mai in der Komödie „Die kleinsteteldige Chaßene" fort. Jüdische Bühne (II., Taborstraße 12). Wochenprogramm. Freitag, den 18. bis 21. Mai: „Bruche die Schadchent e“, Komödie in vier Akten. Titelrolle Laura Glücksmann. Schach Johann Jakob Löwenthal Ueber einem alten Grabe auf dem Friedhof des englischen Badeortes Hastings, schachlich berühmt durch das dort alljährlich stattfindende Weihnachts-Meisterturnier, steht ein Grabstein mit folgender Inschrift: To the Memory of J. J. L ö w e n t h a 1, From the chess Amateurs of his native city Budapest, on the 50th Anniversary of his death, July 21st, 1926. Löwenthal wurde 1810 als Sohn eines Kaufmannes in Budapest geboren. Als Gymnasiast erlernte er das Schachspiel von dem berühmten ungarischen Meister Szen. Zusammen mit einem dritten ungarischen Meister, mit Grimne, haben die beiden Erstgenannten die Pariser Schachgesellschaft zu einem Korrespondenzwettkampf herausgefordert, der auch in den Jahren 1842—1845 stattfand und mit dem Siege Budapests endete. Es war dies eine schachliche Großtat, denn auf Seite der Pariser kämpfte damals eine Reihe bedeutender Meister, u. a. Kieseritzky, Saint Amant und Deschapelles. Im Revolutionsjahr 1848 deklarierte sich Löwenthal, ebenso wie Szen und Grimm, als begeisterter Kossuth-Anhänger und alle drei mußten schließlich nach Niederschlagung des Aufstandes ins Ausland flüchten. Löwenthal wendete sich nach Amerika, wo er sich erst in New York, dann in New Orleans und schließlich in Cincinnati aufhielt. Im Jahre 1851 wurde er zu dem ersten internationalen Turnier in London eingeladen. Dieses Turnier wurde nach dem Ausscheidungsprinzip ausgetragen und da Löwenthal gleich in der ersten Runde, und zwar gegen Williams, verlor, konnte er sich am weiteren Kampfe nicht beteiligen. Löwenthal blieb nun in England. Im Jahre 1853 spielte er ein denkwürdiges Match mit Harrwitz. Bereits mit 9 :2 bei 2 Remisen in der Führung, verließen ihn plötzlich die Kräfte und er verlor schließlich mit 10:11 bei 12 Remisen. Im Jahre 1857 wurde er vor Anderssen Erster im Turnier zu Manchester, ein Jahr darauf ebenfalls in Manchester Erster vor Staunton, Im selben Jahre trug er auch seinen Wettkampf mit dem großen M o r p h y aus, den er zwar mit 9 : 3, jedoch in einem nicht sehr überzäugenden Stile verlor. Vom Jahre 1854 an betätigte er sich sehr viel schachjournalistisch, unter anderem gab er auch in den Jahren 1863—67 eine Schachzeitung »Chessplayers Magazine« heraus. Von 1874 an begann er zu kränkeln. Er starb in Hastings am 21. Juli 1876, 66 Jahre alt. Löwenthal war ein sehr sympathischer Mensch und erfreute sich überall der größten Beliebtheit. In England sind ihm viele Ehrungen zuteil geworden, eine anläßlich seiner Krankheit veranstaltete Kollekte ergab den Betrag von 500 Pfund — ein nettes Sümmchen, besonders für die damalige Zeit. Rübe, Bescheidenheit und Gediegenheit — diese seine hervorstechenden menschlichen Eigenschaften, prägen sich auch in seinem Spieltypus aus. Seine himmelstürmenden Kombinationen, keine ungeduldigen, wilden Angriffe; kräftig, solid und korrekt, das war sein Stil. Nachstehend die 11. Partie seines Wettkampfes mit Morphy, Sizilianische Verteidigung. Weiß: Löwenthal. Schwarz: Morphy. 1. e 2—e 4, c7—c5 (1). 2. d2—d4, e5Xd4. 3. S g 1—f 3, e7—e6 (2). 4. SfaXd4, Sb8—c6. 5. Sd4—b5, a7—a6 (3). 6. Sb5—d6f, Lf8Xd6. 7. D 4 lXd6, Dd8—e 7. 8. Dd6—g3! S g 8—f 6 (4). 9. S b 1—c 3, d 7—d 5? (5). 10. e 4—e 5, S f 6—h 5. 11. D g3—f 3, g7—g6. 12. g2—g4, Sc6Xe5 (6). 13. Df 3—e 2, Se5Xg4. 14. IDe2Xg4, e6—e 5. 15. 'Dg4^-a4t, Lc8-47. 16. Da4—b3, d5—d4. 17. Db3Xb7, 0—0. 18. Sc3—d5, D e 7—d 6. 19. Lfl—g 21 e5—e4. 20. c2—c4, f 7—f 5. 21. Db7—b4 1 (7), Dd6—e5. 22. Db4—e7, Ld7—e6 (8). 23. D e 7—c 7, Ü e 5>—g 7. 24. Dc7Xg7f, Sh5Xg7. 25. Sd5-b6! Ta8—b8. 26. c4—c5, Sg7—h5. 27. b2—b4, Kg8—f7. 28. 0-0, g6—g5 (9). 29. Tfl—dl, Tf8—d8. 30. LclXgö, Td8—g8. 31. h2—h4, Tg8~g6. 32. TdlXd4, Tb8-g8. 33. Sb$—471 (10), TgbXg5. 34, h4Xg5 und Weiß gewann. Sonntag, 3 Uhr: »Borg mir dein Weib«. Komödie in vier Akten. Dienstag 22. Mai: »Judke und Zipojre«. Operette in vier Akten. Mittwoch 23. Mai: »A Mann von zwei Frauen«. Lebensbild mit Gesang. Donnerstag 24. Mai: »Keile Beile und Chaim Jankel«. Lebensbild mit Gesang in vier Akten. Beginn 8 Uhr, Ende 11 Uhr. Mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage freier Eintritt. Wohltätigkeitsvorstellung. Sonntag, den 27. Mai, um 3 Uhr nachm, findet im Carl-Theater eine Aufführung von L. K o b r i n s bekanntem Schauspiel »Der Dorfjing« statt, welches seinerzeit von der Wiener Freien Jüdischen Volksbühne mit großem Erfolg aufgeführt wurde. Das Reinerträgnis dieser Vorstellung fließt dem jüdischen Wohltätigkeitsverein »Mathilde« zu. Hebräische Vorlesung Jehuda Ehrenkranz. Das Kulturamt des Zionistischen Landeskomitees und Klub Moadon Iwri veranstalten Donnerstag den 31. Mai, 8 Uhr abends, im Saale des Handelsmuseums, IX., Berggasse 16, eine hebräische Vorlesung von Jehuda Ehrenkranz, bei der Dichtungen von Tschemichowsky, Brenner, Bialik, Bibel u. a. zum Vortrag gelangen. Karten von 70 Groschen bis 2 Schilling im Zionistischen Landeskomitee, I., Kärntnerstrasse 28, Hebr. Pädagogium, Drahtgasse 4, und Jüdischer Hochschulausschuß, IX., Zimmermannplatz 9. Anmerkungen. 1. Die einzige bekannte Partie, in der Morphy sizilianisch spielte. 2. Nach 3. —e 5, 4. c3 oder 4. Lc4 (4. SXe5??, Da5f! usw.) erlangt Weiß starken Angriff. 3. Hier mußte S f 6 geschehen. Nun kommt Schwarz in Nachteil. 4. g 7—ig öwürde die schwarzen Felder entscheidend schwächen und auf f 7—f 5 folgt S c 3 nebst L f 4 und 000 mit überlegenem Spiel für Weiß. 5. Notwendig war hier d 7—d 6. Nun wird die Lage des Schwarzen ganz ungünstig. 6. Ein chancenreiches Opfer. Für die Figur erhält Schwarz zwei Bauern, ein Riesenzentrum und Angriffsaussichten. Allerdings war er zu einem derartigen Gewaltakt so ziemlich gezwungen, denn nach 12. —S g 7, 13. L f 4. usw. stünde Weiß hoch überlegen. 7. Damit erzwingt Weiß baldigen Damen tausch, wonach der schwarze Angriff verflacht und die Mehrfigur zu entscheidender Geltung kommt. 8. Auch nach 22. —DXe7, 23. SXe 7f, Kf7, 24. Sd5, L e 6 — was besser war — bliebe Weiß in entscheidendem Vorteil. 9. Vergeblich bemüht sich Morphy noch zum Angriff zu kommen — der Gegner bleibt auf der Hut. 10. Dagegen ist nichts mehr zu machen. Auf LXd 7 folgt 34. TXd'7f nebst 35. TXh7 usw. Rätselecke Redigiert von Joto. Kreuzworträtsel Wagrecht: 2. Wunder. 8. Rat der Alten. 10. Unseliges Menschenmorden. 11. Teil des Jahres. 13. Grasfläche. 16. Griechischer Kriegsgott. 19. Nord. Dichter (gest. 1908). 20. Kartenfarbe. 22. Schiffsteil. 24. Amtskleid. 25. Nord. Gottheit. 26. Beleuchtungskörper. 27. Wo (lat.). 28. Umstandswort. 30. Geflecht, Teppich. 32. Zufluß der Nahe. 33. Farbe. 35. Inhaltslos. 36. Franz. Schutzstaat in Nordafrika. 38. Krösus. 39. Weste. 40. Sprechen. 42. Stadt am Ganges. Senkrecht: 1. Arkad. Hirtengott. 3. Nebenfluß der Elbe. 4. Wandbrett. 5. Erhaben geschliffener Stein. 6. Stadt in England. 7. Nord. Komponist (gest. 1907). 9. Alltäglich, abgeschmackt. 12. Moderne Körperpflege. 14. Alpenpaß. 15. Männl. Vorname. 17. Sachlich, redlich. 18. Chem. Element. 20. Künstl. Wasserstraße. 21. Pflanze; auch Edelstein. 23. Form von »lesen«, 24. Engl, männlicher Vorname. 29. Männl. Bibelgestalt. 31. Hoch im Preise. 33. Jüd. Stamm. 34. Raubtier. 36. Eingang (Mehrzahl). 37. Fremdwort für »ohne«. 41. Artikel. Gleichungsrätsel A-f(B—C)-flD — x A Zu (lat.) B Hoher Staatsbeamter C Pers. Fürwort D Verpflegsportion x Fremdwort für »Verwaltung« Für Mußestunden