Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1928-05-17 · Heft 20 (17.5.1928) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 20 (17.5.1928)
Date
1928-05-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3053752-3053753-3053772--0327-3055597
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 20 DIE STIMME St ite ll Bestehens. Die Präsidentin dieses wichtigen philanthropischen Unternehmens ist Mrs. Peter J. Schweitzer, die Witwe des 1922 verstorbenen jüdischen Führers in Amerika, der zeitlebens mit nie versagender Selbstaufopferung für das Judentum und den Aufbau Palästinas gewirkt hat und der bedeutende Aemtcr in der zionistischen Organisation bekleidete. Auch Mrs. Schweitzer wandelt getreu in diesen Bahnen und entfaltet eine weitreichende soziale und philanthropische Arbeit, besonders in diesem von ihr mit Geschick und Erfolg geleiteten Altersheim. Unter ihrer Leitung wurde das Heim (1920) mit einem Kostenaufwand von 1,250.000 Dollar in eine der modernsten Institutionen dieser Art umgewandclt. So enthält es ein eigenes Spital, speziell für die Heilung von Alterskrankheiten eingerichtet, eine Synagoge für tausend Personen, in der täglich Gottesdienste stattfinden, eine streng koschere Küche sowie zahlreiche Studier-, Lesezimmer etc. und reichen Komfort, alles, um den Insassen ihren Lebensabend zu verschönern. Die staatliche Kontrollbehörde, das Gesundheitsdepartement in New York, bezeichnete das Heim, dessen Unterhalt jährlich 300.000 Dollar erfordert, als eines der großzügigsten und besten dieser Art. Es ist bemerkenswert, daß die bedeutende Arbeit an diesem großartigen philanthropischen Werk hauptsächlich von jüdischen Frauen geleistet wird, unter denen neben der Präsidentin auch-Mrs. Bessie Bernstein, Vizepräsidentin, zu erwähnen ist. Die jüdische Jugend Die organisatorische Einigung der jüdischen Studentenschaft Konstituierende Generalversammlung des Verbandes der zionistisch-akademischen Verbindungen und Vereine, Am 12. Mai abends wurde im Festsaale des Handelsmuseums die konstituierende Generalversammlung des „Verbandes der zionistisch-akademischen Verbindungen und Vereine“ von Herrn Seelen freund eröffnet. Er konnte mehr als 500 erschienene zionistische Akademiker begrüßen. Ins Präsidium wurden über seinen Vorschlag Herr Dr. Pachtraann, Dr. Hahn und Engel gewählt. Begrüßungsansprachen hielten sodann Dr. R o t hblum für das zionistische Landeskomitee. Rabbiner Dr. Feuchtwang, Dr. Tartakower für den K. K. L., Dr. Gelber für den K. H., Herr M e n c z e r für die „Judäa“, Dr. Rybaczewski für den Parteirat, Dr. K i w e für die Revisionisten, Oberbaurat Stricker für die Radikalen, Dr. G1 a*h z für die Sektion VI-—IX. Alle Redner erblickten in der endlich erzielten Einigung der zionistischen Akademikerschaft ein günstiges Zeichen für die künftige zionistische Arbeit. Hierauf erstattete Dr. Goldhammer das Referat über die gegenwärtige Lage im Zionismus. Nach einem einleitenden Ueberblick über die gegenwärtige Lage in Palästina erörterte Redner die programmatischen Grundlagen des Zionismus und formulierte dessen Ziel als die' Schaffung einer souveränen jüdischen Majorität in Palästina, die in wirtschaftlicher und Sozialer Hinsicht normal gegliedert ist, so daß die Gewähr für eine dauernde eigene Existenz mit eigener Kultur gegeben erscheint. Diese objektive, unseren Willen in seiner Richtung bestimmende Basis ist die Judennot, die in der abnormalen, sozialen und wirtschaftlichen Differenzierung innerhalb des jüdischen Volkes besteht. Zionismus beruht daher, wievjede andere soziale Bewegung, auf einer Synthese von materiellen und geistigen, objektiven und subjektiven Faktoren. Die Konsequenz aus dieser Einstellung ist, daß es nur einen Willen eines Volkes gibt und daß man daher die Interessen des Volkes nicht trennen kann in solche, die auf die Galuth und solche, die sich auf Erez Israel beziehen. Die Beschränkung des Zionismus auf reine Palästinaarbeit würde daher notwendigerweise die Abdankung desselben auf allen anderen Gebieten jüdischen Galuthlebens beu deuten, ebenso wie die ausschließliche Galuthbetätlgung der jüdischen Autonomisten den Versuch bedeutet, ein Faß ohne Boden mit Wasser zu füllen. Wie ist es nun um den Zionismus in der Galuth heute bestellt? Seit Jahren eine fortwährende Schwächung im Gefüge unserer Organisation, seit Jahren ein Schwinden unserer Autorität im jüdischen Leben, seit Jahren eine überstarke Abkehr der Jugend von unseren Reihen, seit Jahren ein Abnehmen der Eingänge unserer Fonds, des K. H. und K. K. L. Wir haben im Laufe der letzten Jahre, insbesondere seit im Gefolge mit einer stärkeren Einwanderung nach Palästina die Bedürfnisse Erez Israels immer stärker geworden sind, es uns abgewöhnt, auf jene sozusagen tätlichen Notwendigkeiten zu achten, ohne deren Erfüllung ein Gelingen des Palästina- Aufbauwerkes unmöglich ist. Aus Angst, „Sympathiker“ unserer Bewegung zu verstimmen, wird nicht mehr auf den tatsächlich vorhandenen, p r i n - ziniellen Gegensatz zwischen uns und den anderen hingewiesen. Eine prinzipielle, geistige Auseinandersetzung zwischen uns und anderen Gegnern findet fast überhaupt nicht mehr statt. Wir haben es verlernt, uns immer wieder zu fragen, was zur Durchsetzung unseres Zieles notwendig ist und ob das von uns Unternommene zum Endziel führt. Weil man alles auf unseren subjektiven Willen stellt, weil man die Ueberprüfung der objektiven Tatsachen, die immer wieder notwendig ist, außer acht läßt, hat sich bei uns der Glaube an das bloße Wort so sebr eingentstet. Mit der Forderung, sich für den Judenstaat, der übrigens von nur, ebenso wie von jedem vernünftigen Zionisten gewünscht wird, zu entscheiden, ohne daß das Notwendige zur Durchführung dieser Willensentscheidung unternommen wird, werden wir nicht weiterkommen. Dazu kommt etwas spezifisch Oesterreichisches. Wir haben hier, zu unserem Unheil, die Gewohhheit der anderen österreichischen Parteien uns zu eigen gemacht, den Kampf gegen etwas, statt für etwas zu führen. Die Art unserer ganzen Propagandatätigkeit in den letzten Jahren, soweit sie nicht die Aufbringung von Geldmitteln betraf, und daher in den meisten Fällen das Verschweigen oder die Hintansetzung unserer wichtigsten Prinzipien nach sich zog, wurde uns ausschließlich von unseren Gegnern diktiert, denn wir haben uns bloß mit ihren Forderungen beschäftigt und diese zu bekämpfen gesucht. Wir müssen daher vor allem dazu zurückkehren, alle jene heute gegebenen Umstände und Verhältnisse auseinanderzusetzen, welche die Tendenzen der Entwicklung des jüdischen Lebens aufzeigen und die Notwendigkeit nach sich ziehen, den Willen des jüdischen Volkes in der Richtung dieser Tendenzen dauernd zu erfassen und zu lenken. Wir empfinden es besonders schmerzlich, daß in unserem, heute mehr denn je, notwendigen Sommersprossen Wfmmerln, Ausschläge der Haut, Pickel, Sonnenverbrannte Haut, Rote Wangen, Nase und Hände usvr. bringt sofort zum Verschwinden, die auf wissenschaftlicher Basis hergestellte r„0im“ Kampfer-Sauerstoff-Creme (matt, für Tag) „Dim“ Citronen-Sauerstoff-Creme (fett, für Nacht) und macht die sprödeste oder rauhe Haut sammetweich u, blendend weiß, jede Tube S 2*- (beide Tuben S 3*75). Io Jeder Apotheke, Drogerie, Parfümerie oder direkt zn haben: Lahoratorlum.WIen II, Obere Donaostr. 17 Kampfe für die Durchsetzung unseres Zieles und gegen alle ihm im Wege stehenden Hindernisse jenes Element fehlt, das früher der eigentliche Träger dieses Kampfes gewesen ist: die Jugend, und besonders die akademische Jugend. Ist denn unsere heutige Jugend schlechter als vor 20 Jahren? Leider nicht — aber es ergibt sich ein Unterschied. Wir, die Alten, möchten das erzielte wenige mit unseren Zähnen festhalten, während die Jugend, utopisch und voller Illusionen, sich immer wieder nach neuem Leben sehnt. Es darf aber auch nicht übersehen werden, daß seit dem Zusammenbruch die Entwicklung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens zur endgültigen Entscheidung drängt, und daß daher besonders die jüdische Jugend hier, bei der Schaffung des Neuen, ihr vornehmlichstes Tätigkeitsgebiet erblickt. Nicht lediglich die Macht der Sozialdemokratischen Partei ist es, der unsere Jugend heute nachläuft. Sie zieht das Romantische, das Utopische an, das, wie stets bei der Umgestaltung der Welt, auch jetzt besonders stark im Vordergrund steht. Nicht imerwähnt darf weiters gelassen werden, daß auch bei den Akademikern sich, der Kampf ums Dasein verschärft hat, daß sie mit fast unwiderstehlicher Gewalt ins Lager jener Partei gezogen werden, bei der sie eine Erleichterung in diesem Kampfe hoffen. Dazu kommt ein Moment, das unsere Arbeit, speziell bei der Jugend, besonders erschwert. Beinahe alle Völker der Welt sind in ihren nationalen Aspirationen fast vollkommen saturiert, einzig und allein die Juden nicht. Es ist daher klar, daß wir viele Mitstreiter im Kampf um unsere nationalen Rechte verloren haben, weil das nationale Moment überall stark in den Hintergrund getreten ist. Nur wen wir wieder dazu zurückkehren, unserer Jugend klar zu machen, daß die Lösung der Judenfrage im zionistischen Sinne nicht eine abwegige Arbeit ist, da sie in der Entwicklungstendenz des jüdischen Volkes gelegen ist, daß Zionismus und Sozialismus zwei einander nicht ausschließende Begriffe sind, daß die vom Zionismus in Palästina angestrebte Form des neuen sozialen und wirtschaftlichen Lebens der Juden, der richtige und beste Sozialismus ist, wird die Jugend wieder in unsere Reihen treten. Aber auch bei einer solchen Arbeitsparole genügt das bloße Schlagwort nicht. Für diese geistige Einstellung der Jugend ist aber auch ihre unermüdliche Arbeit des Lernens erforderlich. Ara zweiten Tag der Generalversammlung, dem 13. Mai, wurde nach Erstattung des Referates des Herrn Burspann über „Die Aufgaben der zioder gute Rinds uppert' Würfel t nistischen Studentenschaft“ (das wir noch ausführlich wiedergeben werden — Die Red.) die Diskussion über die beiden Referate, an der sich viele Studenten beteiligten, abgeiiihrc. Es wurden folgende Resolutionen gefaßt: 1. Die Generalversammlung der Zionistisch-akademischen Verbindungen und Vereine Oesterreichs nimmt die Bereitwilligkeit des Kanzlers der Hebräischen Universität in Jerusalem, Dr. Magnes, den Ausbau dieser Anstalt zu einem ordentlichen Lehrinstitut zu unterstützen, mit Genugtuung zur Kenntnis und fordert das im Sommer zusammentretende Kuratorium der Universität auf, die Eröffnung des normalen Lehr- und Lernbetriebes in absehbarer Zeit vorzunehmen. Die zionistische Studentenschaft versichert bei dieser Gelegenheit ihren palästinensischen Kollegen, sie in ihren Bemühungen um die Ausgestaltung der Universität vollauf zu unterstützen. 2. Die Generalversammlung der zionistisch-akademischen Verbindungen und Vereine Oesterreichs erhebt einmütig schärfsten Protest gegen die Verfolgungen der zionistischen Bewegung, insbesondere der Studentenschaft Sowjetrußlands, und drückt diesen ihre wärmsten Sympathien im Kampfe für das gemeinsame Ziel aus. 3. Die Versammlung bedauert die Uneinigkeit innerhalb der Zionistischen Organisation Oesterreichs und verleiht der sicheren Hoffnung Ausdruck, daß durch die aktive Tätigkeit sämtlicher Mitglieder der zionistischen Korporationen, insbesondere der Alten Herren, die Ueberbrückung der Gegensätze und damit die Hebung der Organisation bewirkt werden wird. Sie betont bei dieser Gelegenheit insbesondere, daß sie sich in ihrer Gesamtheit jeder nationalen Arbeit, die von seiten der zionistischen Behörden auferlegt werden sollte, bedingungslos unterstellt. 4. Angesichts der kommenden Kultusgemeindewahlen fordert die zionistische Studentenschaft die österreichische Landesorganisation aul, den Wahlkampf mit vollem, ungekürztem, zionistischem Programm, insbesondere unter Betonung der Forderung nach allgemeinem Wahlrecht zu führen und stellt sich geschlossen der Landesorganisation für diesen Wahlkampf zur Verfügung. 5. Die zionistische Studentenschaft als integrierender Bestandteil der zionistischen Jugendbewegung stellt fest, daß sie zu sämtlichen, die Jugendbewegung betreffenden Aktionen zur Mitarbeit herangezogen werden muß und verlangt eine ihrer Stärke und Bedeutung entsprechende Vertretung in sämtlichen kulturellen Institutionen. 6. Die zionistisch - akademischen Verbindungen und Vereine Oesterreichs protestieren von dieser Stelle aus feierlich gegen die bekannten antisemitischen Einstellungen und Tendenzen der akademischen Behörden, gegen die unerhörten Uebergriffe der völkischen und national-sozialistischen Studentenschaft, und fordern kraft der ihnen zustehenden akademischen Gleichberechtigung die Abschaffung dieser antisemitischen Methoden, durch welche die jüdische Studentenschaft einer unerhörten Bedrückung ausgesetzt ist. 7. Die zionistische Studentenschaft wird den Kampf gegen diese, die Ehre und Freiheit des jüdischen Volkes tief verletzenden Rechtsbrüche intensivieren. 8. Die zionistisch - akademischen Verbindungen und Vereine Oesterreichs beschließen, alle die Verwirklichung des zionistischen Ideals hindernden Bestrebungen innerhalb des Judentums, insbesondere die Assimilation jeder Art, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu bekämpfen. Ferner wurde beschlossen, ein ständiges, obligatorisch zu beschickendes zionistisches Seminar zur Heranbildung zionistisch geschulter Kräfte ins Leben zu rufen, gleichzeitig zur Information über aktive Probleme der zionistischen Bewegung Diskussionsabende zu veranstalten. Es wurde sodann eine aus drei Mitgliedern bestehende Exekutive, bestehend aus den Herren Dr. Max K i w e, Dr. S. Hirschhorn und cand. merc. Alfred Seelenfreund, gewählt, denen als Referenten abs. jur. David Buxspann (Organisation), stud. jur. Josef Frankel (K. H. und KKL.) und als Schriftführer des Verbandes stud. med. Viktor Kornmehl beigegeben wurden. Eine neue Jugendzeitschrift Soeben ist das erste Heft der vom Zionistischen Landeskoumtee für Oesterreich herausgegebenen Monatsschrift „Die jüdische Jugend« erschienen, die von Dr. Leopold T h a 1 e r geleitet wird. Die 48 Seiten starke Doppelnummer, die entsprechend ausgestattet ist, enthält reiches Material über die verschiedenen Probleme der jüdischen Jugend. Ein klar formulierender Aufsatz von Josef Mährer über Zionismus und Sozialismus und wertvolle Beiträge von Adolf Böhm, Viktor Kellner, Martha Hofmann geben dem Heft inhaltliche Fülle. Die Jugend selbst kommt mehrfach gut zu Worte (auf die Darlegungen von Ruth W e i s s über Erziehung zur jüdischen Kultur sei aufmerksam gemacht). Zahlreiche« Inlorma*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.