Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1928)
- Date
- 1928-05-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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*;n.?n, ^a- :n, nas :w ht rier ran vsi- ,rje ecL r- :n ie m n in :n m IS ir n :r n i- Nr. 20 DIE STIMME Seite 7 Nochmals: Ozeanflug — und arische Rasse Die Völkischen in Deutschland haben in jüngster Zeit einige bittere Pillen schlucken müssen. Da bot ihnen — wie wir bereits in der vorigen Nummer berichteten — der Ostwestflug des Hauptmannes K o e h 1 und des Freiherrn von H ü n e f e 1 d eine solch schöne Gelegenheit, ihre Jubelhymnen über den rassenreinen heldischen deutschen Geist, für den der Krämergeist der Juden nie und nimmer ein so rechtes Verständnis aufbringen würde, volltönend anzustimmen. Insbesondere der kühne Ozeanflieger Freiherr von Hünefeld wurde als die Verkörperung des völkisch-heldischen Gedankens gepriesen. Es wäre nun alles sehr schön gewesen, wenn es sich nicht herausgestellt hätte, daß Freiherr von H ü n e f e 1 d der Enkel des jüdischen Kaufmannes Markus Lachmann in Eisenach und der Urenkel von Abraham Lachmann in Graudenz ist. Und wie um die Bitterkeit im völkischen Freudenbecher zu erhöhen, wird jetzt auch noch Hauptmann K o e h 1 von der polnischen Zeitung „Expreß Wieczorny" für die polnische Nation reklamiert. Koehl sei nichts anderes als eine Germanisierung von „Kjel". Wenn das stimmte, wäre den Herrschaften um Hitler sicherlich der Spaß am Ozeanflug völlig verdorben. Demnach wäre von den deutschen Ozeanbezwingern, nach antisemitischem Sprachgebrauch, der eine ein „Halbjude", der andere ein „Halbpole“. Interessant ist nachstehende Mitteilung, die dem Hamburger „Israelitischen Familienblatt" von absolut zuverlässiger Seite zugeht: „Die Mutter des Freiherrn von Hünefeld wurde im Hause des Geh, Kommerzienrates Salomon Lachmann, des Gründers und Erbauers der Synagoge Potsdamer Brücke in Berlin, streng orthodox erzogen. — Frau v. Hünefeld verkehrt noch heute intim mit ihrer jüdischen Verwandtschaft." — Nach alledem war es ein bißchen voreilig von der antisemitischen Presse, die überragende Leistung der deutschen Flieger dazu zu benutzen, „deutsches Heldentum semitischer Zaghaftigkeit" gegenüberzustellen. Ein Eisner-Prozeß in München Vor dem Amtsgericht München hatte sich der verantwortliche Redakteur des „Bayerischen Vaterlandes", Bühl, wegen Beleidigung der Witwe und der Schmähung des Andenkens Kurt Eisners zu verantworten. Er hatte in seinem Blättchen die Pensionsansprüche der Frau Eisner gegen den bayerischen Staat eine „echt jüdische Unverfrorenheit und Frechheit" genannt, von einer „arroganten Jüdin" und „edlen 0 s t g a 1 i z i e r i n" gesprochen, ihr empfohlen, die Arbeitslosenunterstützung in Anspruch zu nehmen, und Eisner selbst als „z u g e wa nderten galizischen Juden" und „Lump, Verbrecher usw." bezeichnet. In der Verhandlung stellte der Vertreter der Frau Eisner, Rechtsanwalt Löwenfeld, aus den Geburtsregistern fest, daß Kurt Eisner in Berlin geboren und Sohn eines Militäreffektenfabrikanten ist, der Hoflieferant des deutschen Kaisers, des Herzogs von Braunschweig und anderer Bundesfürsten war. Die Mutter Eisners, eine geborene Levinstein, stammt aus Ostpreußen. Die Witwe Eisners ist Wüirttembergerin und hat katholische Eltern. Kurt Eisner selbst hat im Jahre 1908 die bayerische Staatsangehörigkeit erworben, etwa gleichzeitig mit dem jetzigen Ministerpräsidenten Dr. Held, der geborene* Hesse ist. Der Angeklagte versuchte mit der Begründung, daß er all diese Tatsachen erst aus der Klageschrift erfahren habe, einen Vergleich zu schließen, was aber vom Vertreter der Klägerin abgelehnt wurde. Das Urteil lautete auf 800 Mark Geldstrafe. Ein völkischer Redakteur lernt Hebräisch Vergangene Woche wurde vor dem Schwurgerichte in München eine Verhandlung gegen Hermann Esser, den verantwortlichen Redakteur des „Illustrierten Beobachters", durchgeführt. Anfang 1927 brachte der „Illustrierte Beobachter" mehrere Aufsätze, in denen im Anschluß an den Konitzer Mord das Ritualmordmärchen aufgewärmt wurde; in den betreffenden Artikeln wurde ferner behauptet, der Talmud mache den Juden die Schändung nichtjüdischer Frauen zur Pflicht. In der Verhandlung verteidigte sich Esser weitläufig, hob selbstgefällig seine gründlichen Kenntnisse des jüdischen Schrifttums hervor und legte dem Gericht sogar den Talmud in der hebräischen Ausgabe vor (es war nur ein einzelner Band!). Er erzählte, daß er jetzt Hebräisch lerne, um die vorhandenen Talmudübersetzungen nachprüfen zu können. Er mußte sich aber von dem katholischen Theologieprofessor Dr. Goettsberger, der vom Gericht als Sachverständiger geladen war, darüber belehren lassen, daß sein hebräischer Unterricht dazu nicht ausreiche, da der Talmud ja überwiegend aramäisch geschrieben sei, und daß seine Behauptungen auf fehlerhafte Uebersetzungen und falsche Auslegungen zurückgehen. Das Gericht verurteilte Esser zu 500 Mark Geldstrafe, seinen mitangeklagten Berliner Parteigenossen Kluge zu 200 Mark, weil er ihm das scheußliche Bild der angeblichen Schächtung des Gymnasiasten Winter geliefert hatte. — Um das Judentum zu verleumden und das läppische Märchen vom Ritualmord von neuem aufzutischen, dazu ist die. Kenntnis des Hebräischen nicht erforderlich. Dazu gehört lediglich eine völkisch-demagogische Skrupellosigkeit, die vor keiner Niedertracht zurückschreckt. Und darüber verfügt besagter Schriftleiter in gar reichlichem Maße. Die Resolution der völkischen Akademiker Die deutsche Akademikertagung in Elberfeld hat einstimmig die Entschließung ihres Rasseausschusses angenommen, die u. a. besagt: „Es ist notwendig, statistisches Material für den Kampf gegen die geistige Ueberfremdung zu sammeln. Deshalb werden die Kommilitonen aufgefordert, in ihren Heimatsorten eine Statistik über die Verjudung der akademischen Lehrkörper und der akademischen freien Berufe baldigst anzufertigen und dem Vorort zu übersenden. Der dritte deutsche Akademikertag fordert Einführung des Verhältnisrechtes für Zulassung von Lehrern und Hörern an deutschen Hochschulen, entsprechend der Verhältniszahl zwischen deutschen Staatsbürgern arischer und deutschen Staatsbürgern jüdischer Abstammung. (Numerus clausus.)" Der Deutsche Akademikertag repräsentiert nur die ausgesprochen völkisohe Gruppe der Akademiker in Deutschland. Aus Kreisen der deutschen Akademiker wurde schon wiederholt dagegen protestiert, daß eine verhältnismäßig kleine, rechtsradikal gebundene Gruppe sich einen so anmaßenden und darum irreführenden Titel beilegt. — Die Resolution der völkischen Akademiker ist durchaus nicht originell; der Text ist nur allzugut bekannt. Originell ist lediglich die Tatsache, die man hier zum erstenmal erfährt, daß nämlich die völkische Akademikergruppe einen R^asseausschuß besitzt. Was mag das wohl für ein „Ausschuß“ sein? Was ist Cuzismus? In der jüdischen Presse, insbesondere in den jüdischen Zeitungen Rumäniens, ist öfter von Cuzismus und Cuzisten die Rede. Es verlohnt sich, einmal näher zu beleuchten, was es mit dieser rumänischen Abart des Antisemitismus für eine Bewandtnis hat. In der rumänischen Zeitung „Apararea nationala« veröffentlicht Professor A. C. C u z a einen Artikel, der die national-christliche Doktrin des spezifischen Cuzismus behandelt. Dieser Artikel entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, weil der bekannte Antisemitenhäuptling Cuza für die Definition des Cuzismus sich besonders auf einen von Dr. Mayer-Ebner veröffentlich! eh, ..Cuzismus und Antisemitismus« überschriebenen Artikel beruft. Cuza hebt hervor, daß der ehemalige Deputierte der Bukowinacr Judenschafl. Herr Dr. Mayer-Ebner, das Wesen des Cuzismus richtig erfaßt hat. Cuza zitiert aus dem erwähnten Artikel folgendes: »Der Cuzismus und der Antisemitismus sind in ihrem Wesen einander ähnlich, aber in ihren unmittelbaren Wirkungen sind sie zwei verschiedene Dinge. Der Cuzismus ist der Antisemitismus der unmittelbaren Tat. Er strebt, sei es auf dem Wege der Gewalt, sei es auf gesetzlichem Wege, die Austreibung oder die Entrechtung der Juden an, etwas, was nach unserer Ansicht niemals realisiert werden wird. Hingegen ist der Antisemitismus eine schleichende Krankheit, welcher die weitesten Kreise erfaßt hat." Herr Cuza bezeichnet also die von Dr. Ebner gegebene Definition des Cuzismus als zutreffend. Die »Osljiidische Zeitung* erinnert bei diesem Anlasse an eine Kammerredc Dr. Ebners, in der er sagte, daß der Cuzismus sich selber ad absurdum führen wird. Das Blatt fügt hinzu: »Eine Partei, die sich nur auf Haß aufbaut und die Vermessenheit hat, das Rad der Geschichte zurückdrehen zu wollen, ist dem Untergange geweiht. Der Cuzismus steht und fällt mit Herrn Cuza und Herr Cuza selbst ist schon nach der Natur der Dinge eine abklingende und vergängliche Erscheinung. Anders der Antisemitismus, mit dem wir uns wohl noch lange werden auseinandersetzen müssen.« Palästina ] Privatinitiative gegen nationale Arbeit (Von unserem J. G. Korrespondenten in Tel-Aviv.) Es ist noch in allgemeiner Erinnerung, daß vor einigen Monaten die Frage der Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei der Orangenernte in Petach- Tikwah zu bedauerlichen Zwischenfällen führte. Die Orangenpflanzer von Petach-Tikwah stellten für die Erntearbeit ausschließlich arabische Arbeiter ein und als die jüdische Arbeiterschaft die Beschäftigung der zahlreichen Arbeitslosen verlangte, antworteten die Kolonisten, sie hätten bereits Verträge mit den arabischen Händlern abgeschlossen, durch die sie kein Verfügungsrecht mehr über die Heranziehung von Arbeitskräften für die Ernte besäßen. Es kam zu Demonstrationen der Arbeiter und die Orangenpflanzer liefen mehr als rasch zur Polizei. Die beschämenden Einzelheiten dieser Vorgänge sind noch in zu frischer Erinnerung, um im Detail wiederholt werden zu müssen. Später wurden über Intervention des Waad Leumi, des jüdischen Nationalrates von Palästina, eine Anzahl von jüdischen Arbeitern bei der Orangenernte beschäftigt, jedoch in einem verhältnismäßig geringen Ausmaß. Um nun für die nächste Ernte die Beschäftigung jüdischer Arbeiter zu sichern, wandte sich der Arbeiterrat von Petach-Tikwah vor kurzem an den dortigen Kolonistenverband mit dem Ersuchen, beim Abschluß der Verträge über den Verkauf der Ernte, die schon in der nächsten Zeit geschlossen werden, für die Beschäftigung jüdischer Arbeiter durch entsprechende Bestimmungen Raum zu geben. Darauf gab der Kolonistenverband eine Antwort, die so bezeichnend ist, daß sie im Wortlaute festgehalten werden möge. Der Brief lautet: „Wir wundem uns sehr, daß Sie es ftir notwendig gehalten haben, sich in der Frage der Fruchtlese an uns zu wenden, da Sie ja, soweit uns bekannt ist, hervorragende Mittel zur Sicherung der jüdischen Arbeit bei der Fruchtlese besitzen, die außerhalb des Wirkungskreises des lamd- Das Neueste und Schönste Charmante Schöpfungen der Haute couture ttir den Sommer, wie duftige Kleider, herrliche Mäntel, vornehme Toiletten für Kurort, Strand u. Gesellschaft in vorbildlicher Eleganz. 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Demnach und angesichts dessen, daß wir in der Arbeiterorganisation nicht den einzigen Vormund der jüdischen Arbeit sehen, betrachten wir diese Antwort als die letzte in der obenerwähnten Angelegenheit." Dieses Schreiben stammt vom Verband derselben Kolonisten, die noch vor gar nicht langer Zeit — es war in den Zeiten, da die Pflanzungen noch ihre Kinderkrankheiten durchzumachen hatten — unter Berufung auf ihre »nationale Mission« von Pontius zu Pilatus um Hilfe betteln liefen. Damals wurden unzählige Zusagen für die Beachtung des Prinzips der jüdischen Arbeit gemacht; Jahr um Jahr ist seither vergangen und die Zusagen wurden nicht eingehalten. Heute, da die wirtschaftliche Position des Pflanzungsbaues in den alten Kolonien gefestigt ist, gehen die Kolonisten dazu über, das Prinzip der jüdischen Arbeit offen zu verhöhnen. Es ist noch sehr fraglich, ob die günstige Konjunktur in den Pflanzungskolonien von Dauer sein wird. Die fortschreitende Ueberteuerung der Pflanzungsböden und die steigende Konkurrenz anderer Orangenmärkte sind nicht zu verachtende Symptome. Es wäre verständlich, wenn die Kolonisten zusammen mit dem jüdischen arbeitenden Element rechtzeitig Vorsorge treffen würden, um eventuell Konjunkturerschütterungen zu begegnen. Die Kolonisten tun das Gegenteil; das mag eine Dümmheit sein, für die sie allein die Verantwortung tragen; Verrat am Prinzip der jüdischen Arbeit aber ist es, Stil m »- f 45676775963832764109403003056483451273347315980120617^20782472 025323232323235323485348234848232323234848485323234848484823484848485348535348534823234853235353235323