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Die Stimme · 1928-05-17 · Heft 20 (17.5.1928) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 20 (17.5.1928)
Date
1928-05-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 20 DIE STIMME Seite 5 Der leitende Regisseur des Moskauer Großen Staats* theaters Galawanow, der, wie bereits berichtet, ein antisemitisches Regime an diesem Kunstinstitut führte und dadurch u. a. einen jüdischen Musiker zum Selbstmord trieb, wurde mit sieben anderen Beamten der Theaterverwaltung seines Postens enthoben. Alexander Rapaport, der Begründer der ersten jiddischen Tageszeitung, des vor etwa 40 Jahren begründeten Blattes „Der Frajnd’S das in Petersburg herausgegeben wurde, ist in Tel-Aviv, wo er Kseit 1921 ansässig war, im 66. Lebensjahr verstorben. * Nach statistischen Feststellungen auf dem am 6. Mai abgehaltenen allrussischen Pressetag wird die jüdisch-kommunistische Presse von den 2% Millionen Juden der Sowjetunion (von denen etwa 1K Millionen jiddischer Muttersprache sind) nur sehr wenig gelesen. Von den drei jüdischen kommunistischen Tageszeitungen hat der in Moskau erscheinende »Emeß« eine Auflage von insgesamt 14.000 Exemplaren; der in Charkow erscheinende »Stern« und das Minsker Tagblatt »Oktiabr« sind zusammen in ungefähr der gleichen Zahl verbreitet, so daß die drei Blätter nicht mehr als 30.000 Abnehmer zählen. * Auf der Internationalen Buchausstellung in Florenz befindet sich ein von dem jüdischen Verlag »Israel« in Rom eingerichteter jüdischer Pavillon mit wertvollen jüdischen Druckwerken in verschiedenen Sprachen. * Die jüdische Einwandererschutzgesellschaft in Melbourne (Australien) schreitet an die Aufbringung eines Fonds von 50.000 Pfund unter den Juden in Australien zum Zwecke der Gründung einer Kolonie, auf der jüdische Einwanderer landwirtschaftlich angesiedelt werden sollen. Von einer Anzahl jüdischer Gemeinden Australiens liegen bereits Zustimmungserklärungen zu diesem Plan vor. (In Australien gibt es bereits einige kleine jüdische Landsiedlungen, wie in Shepparton, Berwick u. a. O,, die sich, von der Regierung durch Beistellung von erstklassigem Boden, zu günstigen Bedingungen gefördert, gut entwickeln. Die Red.) Österreich Fort mit der privaten Fürsorgel Von Siegfried Abeies. Wie viele von den rund 19,000 polizeilich gemeldeten Wiener Vereinen jüdisch sind, kann nur gemutmaßt, keineswegs aber festgestellt werden. Immerhin schätzt kein Fachmann ihre Zahl geringer als 2000. Freilich, wollte man nur diejenigen Vereine zählen, die bewußt jüdisch sind und jüdische Ziele verfolgen, dann würde sich eine unverhältnismäßig kleinere Zahl ergeben. Uns muß hier jeder Verein als jüdisch gelten, dessen Vorstand ausschließlich aus Juden zusammengesetzt ist, mögen auch die Statuten ihn nach altliberaler Art als ,,interkonfessionell’‘ bezeichnen. Nur für die Tempel-, B.ethaus- und Schulvereine, für die Wohltätigkeits- und Jugendvereine gibt es in der Kultusgemeinde Stellen, die sie zu erfassen suchen. Es darf aber den Leitern der beiden letztgenannten Gruppen nicht zum Vorwurf gemacht werden, wenn sie zufällig nicht wissen, daß irgend eine Körperschaft, „Vereinte Kraft", „Humanitas", „Die fidelen Brüder" usw., die sich nie als jüdisch zu erkennen gegeben hat, eigentlich zu ihren Ressorts gehört. Ich habe übrigens nur behauptet, daß mindestens 2000 jüdische Vereine gemeldet sind, nicht aber, daß sie tatsächlich existieren, d. h. wirken. Die oben angeführten Gruppen dürften allein weit mehr als 100 Vereine mit umschließen, die, wie man drastisch zu sagen pflegt, aus Präsident und Stampiglie bestehen. Hiezu kommt noch eine Unzahl Körperschaften gleich geringer Bedeutung unter den Sport-, Fach-, Geselligkeits-, Landsmannschafts-, Studenten-, politischen, kulturellen usw. Vereinen. Wenn uns nun eine bekannte jüdische Persönlichkeit erzählt, sie habe während der Monate Jänner und Februar d. J. die Erlagscheine, die ihr von jüdischen Korporationen ins Haus geschickt wurden, gesammelt und sei auf eine Zahl von mehr als 200 gekommen, so müssen wir annehmen, daß darunter mancher Stampiglienverein war, der das eventuell einlaufende Geld für seine einzige Ausgabepost „Administrativa" verwendet. Wie viele solcher Erlagscheine vermag selbst der Wohlhabende zu honorieren? Wenn ein weniger Bemittelter zufällig mit zwei oder drei Funktionären von offenbaren Stampiglienvereinen in geschäftlicher Verbindung steht oder sonst mit ihnen bekannt ist, kann er häufig nichts mehr für Institutionen entbehren, die er selbst als weit wichtiger und unterstützungswürdiger erkennt. Es ist ein äußerst unrationeller Raubbau, der hier an den opferwilligen und oft kaum noch opferfähigen Juden Wiens getrieben wird, und der wichtige Fürsorgeinstitutionen und begrüßenswerte ideale Bestrebungen aller Art bis zum Ruin schädigt. Die Vereinsgründerei, insbesondere auf dem Gebiete der Wohltätigkeit, sollte denn doch kein unbeschränkt freies Gewerbe sein. Man ist versucht, mit in den Ruf einzustimmen: „Fort mit der privaten Fürsorge!" Dieser Ruf wird immer in radikalen Blättern laut, wenn sich wieder einmal eine groß angelegte Fürsorgeinstitution als auf schwindelhafter Grundlage aufgebaut erweist oder infolge der Unredlichkeit leitender Personen zusammenbricht. Aber auch die Sozialdemokraten wissen, daß diese Devise heute ein unerreichbares Ziel darstellt, sonst dürften unsere Stadtväter nicht eine große Anzahl privater Fürsorge vereine subventionieren und ihnen Sammeltage gestatten, ja, sie nach Kräften fördern. Wie erginge es vor allem den Fürsorgebedürftigen unter den Hunderttausenden seit Jahren in Wien lebenden Ausländern ohne private Fürsorge? Speziell bei uns Juden, wo alle Waisenhäuser, Lehrlingsheime, das Blindeninstitut, die Erholungsheime usw. von Vereinen erhalten und von der Kultusgemeinde nur mehr oder minder hoch subventioniert werden, kann von einer Auflösung der Privatfürsorge nicht die Rede sein. Aber die alte, von verschiedensten Seiten erhobene Forderung, zumindest die Vereine humanitärer Art, die sich in ihrem Wirken oder in ihren materiellen Forderungen an die Oeffentlichkeit wenden, seien unter eine möglichst weitgehende öffentliche Kontrolle zu stellen, müssen wir noch präziser fassen und, ungeachtet der eventuellen Aufschreie unentwegter Freiheitsfanatiker, behördliche Kontrolle, ja, behördliche Verantwortung fordern. Daß einzelnen Interessengruppen übergeordnete Körperschaften — bei den jüdischen Vereinen die Kultusgemeinde — in allen Angelegenheiten dieser Korporationen ausschlaggebend sein müßten, ist wohl nicht erst zu erwähnen. Aber wir fordern in die blaue Luft hinein! Heute gibt es leider in dieser Beziehung nur eine ganz unerhörte behördliche Unverantwortlichkeit. Nehmen wir das bekannteste Beispiel aus letzter Zeit: Da gab es eine sogenannte Propagandavertrieb s s t e 11 e, d. i. ein Geschäft, das allerlei Waren mit bedeutendem Aufschlag zugunsten bestimmter Wohlfahrtsinstitutionen im Wege der Kolportage und des Hausierhandels an den Mann zu bringen sucht. Mehrere der bedeutendsten Fürsorgevereine hatten mit diesem Unternehmen einen Kontrakt abgeschlossen, aber alle sahen sich bald durch die Geschäftsgebarung bekürzt und ein Verein nach dem anderen löste seinen Vertrag, Kaum hatte der letzte Auftraggeber, die „Bereitschaft", die Vertragskündigung angemeldet, so gründete auch schon der Wohltätigkeitsgeschäftsinhaber den Verein „Oesterreichisches Kinderhilfswerk", dem nun der Warenvertrieb zugute kommen sollte. Diese Sache ist heute ziemlich bekannt, aber ich will zeigen, daß sie auch damals schon der Behörde hätte bekannt sein müssen. Die neue Institution ließ auch sogleich eine Zeitschrift kolportieren, zu deren erster Nummer die verschiedensten Größen der Politik und der Wissenschaft Aussprüche über die richtig angewandte Fürsorge beitrugen. Eine mir bekannte Persönlichkeit konnte ich zufällig noch warnen, für diese Vereinsgründung, die jedem als eine Schwindelgründung erscheinen mußte, einzutreten. Die Behörde warnte niemanden, ja, sah sich die bedenkliche Gründung nicht näher an. Und der Krach kam noch vor Jahresfrist. So offenkundig schwindelhafte Gründungen sind in Wien auf dem Gebiete der jüdischen Fürsorge gewiß unmöglich, aber auch überflüssige, wertvolle Institutionen schädigende Gründungen wären zu verhindern. Als die Sozialdemokraten in der Regierung saßen, war bereits ein Gesetzentwurf geplant, der schädliche Auswüchse der Privatfürsorge verhindern und die wüste Vereinsmeierei auf diesem Gebiete hemmen sollte. Wir aber können nicht warten, ob vielleicht im Laufe der nächsten Jahrzehnte diese unbedingt notwendigen Maßnahmen gesetzlich durchgeführt werden. Die Kultusgemeinde besitzt, wenn sie sich mehr an das Volk wenden will, Macht genug, um diese Maßnahmen bis zu einem gewissen Grade schon jetzt in ihrem Wirkungskreise durchzuführen. Sie müßte alljährlich an alle jüdischen Familien und einzelnen Kultussteuerträger ein Verzeichnis derjenigen jüdischen Wohltätigkeits vereine senden, die sich ihrer Kontrolle und ihren eventuellen Wünschen und Anordnungen unterordnen. Nur solche Vereine dürften von der Gemeinde und ihr nahestehenden Institutionen subventioniert werden. Alle Maßnahmen müßten von dem Gesichtspunkte der Zentralisierung und der Vereinheitlichung der Fürsorge aus erfolgen. Es darf kein Hindernis sein, wenn einige Ehrenjäger einen Eingriff in ihr Machtbereich unangenehm empfinden, ja, wenn einige Herren „Präsidenten" durch Zusammenschluß kleinerer, gleichgerichteter Vereine ihren schönen Titel verlieren müßten. In diesem Sinne modifizieren und erheben wir den Ruf: „Fort mit der privaten Fürsorge!" Todesfall. Am 8. Mai d. J. starb in Lemberg im 71. Lebensjahr Filip Scherlag, Zentraldirektor der Güter der Fürstin Maria Lubomirska. Ein trefflicher Hebraist, hat er viel geschrieben und auch mehrere Dichtungen ins Hebräische übersetzt, Um den Heimgang des ausgezeichneten Mannes trauern die Witwe, eine Tochter Frau Sabine Lutwak, ferner KARTONNAGENFABRIK 1 QELBANO & Co, WIEN IX. OrunCMstr. S t 3 Telephon A-19-0-69 J beliefert alle führenden jüdischen Firmen mit £ ALLEN ARTEN KARTONS TUCHHANOLUNQ „ZUR SCHWERIN“ ALBERT HARDT WIEN I, FREISINGERGASSE 1 (Ecke Bauernmarkt) Original englische Damenmäntel' und Herrenmodestoffe drei Söhne: Dr. Marek Scherlag, Ing. Lorenz Scherlag (Lemberg), Dr. Heinrich Scherlag (Dresden). Gesellschaftsreise des Zionistischen Landeskomitees nach Brünn. Das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich wurde von der Zionistischen Organisation in Brünn zu einem Besuche eingeladen. Es ist beabsichtigt, Sonntag, den 15. Juli mit einem Separatzug nach Brünn zu fahren. Dort ist die Besichtigung der Stadt, der jüdischen Sehenswürdigkeiten, ferner ein Besuch in der Staatsausstellung für zeitgenössische Kunst der Tschechoslowakei und eine Fahrt zu den weltberühmten Tropfsteingrotten in der Mazocha geplant. Die Abfahrt von Wien wird um 7 Uhr früh, die Rückkehr um 11 Uhr nachts erfolgen. Die Kosten für alle Fahrten, Eintrittsgelder, Mittag- und Abendessen dürften sich auf ungefähr S 20.— (ohne Verpflegung entsprechend billiger) stellen. Die Reise findet nur bei einer entsprechenden Teilnehmerzahl statt und werden die Reflektanten eingeladen, sofort ihre Teilnahme bekanntzugeben. Diese Anmeldung ist vollkommen unverbindlich und sind keinerlei Anzahlungen zu leisten. Eheste Mitteilungen an Zionistisches Landeskomitee, Wien I., Kärntner* straße 28. Tagung des Distriktes »West« in Salzburg Am 19. und 20. Mai findet in Salzburg die erste Konferenz des Distriktes »West« statt, der die Länder Salzburg, Tirol und Oberösterreich umfaßt. Erwin P i s k a t y (Linz) wird über Organisationsfragen, Max Sonn (Salzburg) über Keren Hajessod, Frau Paula Schiller über Keren Kajemeth Lejisrael, Camillo Schiller über die Presse referieren. — Am 19. Mai abends wird in Salzburg eine öffentliche Versammlung abgehalten, bei der Präsident Dr. Leo Goldhammer über den derzeitigen Stand des Palästina-Aufbauwerkes sprechen wird, Mödling Am 12. Mai sprach als Gast der Zionistischen Ortsgruppe Mödling der Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Wien, Dr. Josef Löwenherz. Die Versammlung wurde von dem Vorsitzenden der Ortsgruppe, Herrn Dr, Rosenheck, eingeleitet und Herr Dr. Löwenherz berichtete vor einem großen KreijS von Zuhörern, darunter auch eine große Anzahl von Nichtzionisten, über alle aktuellen Palästina- und zionistischen Fragen. Der Vortrag fand bei den Anwesenden großen Beifall. Groß-Enzersdorf Ueber Initiative des Zionistischen Landeskomitees berief das Präsidium des »Makkabi« für Samstag den 12. Mai eine Versammlung ein, der fast die gesamte jüdische Bevölkerung beiwohnte. Herr Paul Stein (Wien) besprach in seinem Vortrage den Stand der heutigen Palästina-Kolonisation und der politischen Verhältnisse innerhalb der Zionistischen Weltorganisation. In der sich anschließenden Debatte sprach der anwesende Kultusgcmeinde-Präsident, Baumeister Winkler, den Wunsch aus, daß dieser Vortrag der Beginn einer regelmäßigen jüdischen Aufklärungstätigkeit sein möge. Dr. Max Sternschuß, der Präsident des »Makkabi«, der die Versammlung leitete, gab im Namen des Präsidiums eine zustimmende Erklärung ab. Klosterneuburg Am 2. Mai fand in Klosterneuburg eine Aussprache der dortigen Zionisten statt, bei welcher die Reaktivierung der Ortsgruppe beschlossen wurde. An der Sitzung nahmen unter anderen die Herren Ing. Walter F i s c h 1, Lehrer Steiner und Leo W e i s s teil; das Zionistische Landeskomitee, über dessen Initiative die Besprechung zustande kam, war durch den Sekretär Paul Stein vertreten. Es werden die Vorbereitungen für die Herbstarbeit getroffen und die Schekelagitation sofort in Angriff 'genommen, Alle Anfragen und Mitteilungen, die Ortsgruppe Klosterneuburg betreffend, sind an Ing. Walter Fischl, Klosterneuburg, zu richten. Gratis auf der Strassenbahn am Dolus-Kindertag, Samstag, den 16. Juni. Das Prater-Paradies gratis! — Die größte bisherige Reklameveranstaltung. Für 1 bis 3 Dolus-Buchstaben Volksbelustigungen aller Art; für 2 Buchstaben großer Reklame-Juxbasar (jedes Los gewinnt); für 3 Buchstaben sensationelle Variete-Vorstellung, mit Luftattraktionen usw. Juxbasar-Lose und Straßenbahn-Fahrscheine im Vorverkauf. Um überflüssiges Gedränge am Dolus-Tag zu vermeiden, werden die Karten zur Variete-Vorstellung am Olympia- Platz, die Juxbasar-Lose und die Straßenbahn-Fahrscheine für Kinder ab 1, Juni 1928 in allen bekannten Bezirks-Einlösestellen der Dolus und im Zentralprämienbureau, Wien XVII., Ottakringerstraße 24, abgegeben. Dolus-Buchstaben sind in jeder Dolus-Schuhcreme, Dolus-Fußboden-Pasta und in jeder blauen Packung des altbewährten Meta-Seifenpulvers eingelegt. Aus den zionistischen Ortsgruppen

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