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Die Stimme · 1928-05-10 · Heft 19 (10.5.1928) · page 11

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 19 (10.5.1928)
Date
1928-05-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
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Nr. 19 DIE SUMME Seite 11 BfS Pfingsten erhält jede Dame, jeder Herr, jedes Kind ein scfbönes Geschenk beim Einkauf von zwei Paaf Strümpfen oder Socken und gleichzeitigem Schuheinkauf während der D e! - K ä-S cätuih - und S trumpfpropaganda. Siehe Inserat Seite 3. (Entgeltlich.) Wissenschaft, Literatur, Kunst Verknöcherte Kunstpolitik Von Prof, Dr. Max Eisler. (Nach einem Gespräch.) In Fortsetzung unserer Rundfrage üiber d'ie Gründe der Notlage der jiddischen Künstler Wiens veröffentlichen wir heute die temperamentvollen Aeußerungen* des Prof. Dr. Max Eisler, der als Kunsthistoriker internationalen (Ruf igejnießt jnd dessen kürzlich erschienenes Werk .,Der alte Rembrandt“ allergrößte Beachtung gefunden hat. Daß die Notlage der Wiener jüdischen Künstler existiert, darüber braucht man kein Wort zu verlieren. Die Not ist so groß, daß wir uns in den Wohlfahrtsinstitutionen immer wieder mit Maßnahmen zur Linderung dieser Not befassen mußten und faktisch auch Aktionen ins Werk setzten, die im Grunde genommen dem Sinne der Bestimmungen nach nicht für Künstler anzuwenden waren. Die Unterstützung jüdischer Künstler mußte immer wieder von Institutionen allgemein sozialer Bestimmung in Angriff genommen werden. Es ist klar, daß sich diese Not nicht durch Unterstützung, sondern nur durch Arbeit aus der Welt schaffen läßt. Mit den Arbeitsverhältnissen aber steht es nun so: Was die privaten Besteller oder Käufer anlangt, ist vorerst das allgemeine Kunstverständnis ungemein gering und das Interesse für jüdische Kirnst erschöpft sich größtenteils in der Anschaffung einiger graphischer Blätter, die gewöhnlich von den namhaften Künstlern herkommen. Eine persönliche Einstellung in dieser Hinsicht besteht so gut wie nicht. Bei Aufträgen für Bauten und Inneneinrichtungen wird unter gleichen Voraussetzungen der jüdische Künstler gewiß nicht bevorzugt. Eine Besserung auf Seiten des Publikums ist nach allen Erfahrungen und nach allen Versuchen, aufklärend und anregend zu wirken, nicht zu erwarten. Die Erleichterung der Situation wäre also meines Erachtens nur möglich, wenn mit wirksamen Mitteln die erschreckende Zunahme des Künstlerproletariats hintangehalten würde. Man begeht — und namentlich in den jüdischen Kreisen — immer wieder den Fehler, eine geringfügige Anlage für die Ankündigung eines starken und den ungeheuren Widrigkeiten des Lebens gewachsenen Talents oder gar Genies zu halten. Aber die geläufigen Kunstbegabungen, die in der Jugend sich melden, entsprechen in den meisten Fällen den ungezählten Klavierspielern und Poeten, von denen ein großer Teil auf halbem Wege zurücktritt, während in der bildenden Kunst derjenige, der einmal begonnen und sich die Fiktion seiner Begabung in den Kopf gesetzt hat, bis ans Ende geht. Aus diesem Unwesen ergibt sich dann später die Notwendigkeit, das Künstlerelend als soziales Problem aufzufassen. Wichtiger vielleicht scheint mir die S t e 11 u ng der öffentlichen Körperschaften zur Kunst und die ist in Wien unbeschreiblich trist. Zwei Beispiele aus jüngster Zeit sollen sie beleuchten, Beispiele aus dem Gebiete der Architektur: Es wird vielleicht vielen bekannt sein, daß Wien seit mehr als einem Menschenalter eine Hauptstätte der internationalen modernen Architektur ist, wenigen aber, daß in den letzten Jahren die jüdischen Architekten hier eine besonders wichtige Rolle spielen. Sie können vermöge ihrer sachlichen Bedeutung bei öffentlichen Wettbewerben Aufträge bekommen und bekommen sie sowohl in Wien wie im Ausland. Nur seitens des einzigen öffentlichen Bauherrn, der in der jüdischen Gemeinde in Betracht kommt, seitens der Kultusgemeinde, ist in dieser ganzen Zeit niemals etwas für die Förderung dieser Baukunst geschehen, dagegen allerhand unternommen worden, um sie nicht zur Geltung kommen zu lassen. Als vor etwa zwei Jahren die Ausschreibung für den neuen Friedhof veranstaltet wurde, da hatte man dafür gesorgt, daß in die Jury kein prominenter jüdischer Vertreter der modernen Richtung Einlaß finde und übrigens der Ausschreibung eine Form gegeben, welche — was ja der Verlauf der Angelegenheit bestätigt hat — alle modernen Architekten von Namen von der Beteiligung abgehalten hat. Und als nun unlängst die Züricher Gemeinde von der hiesigen Kultusgemeinde eine Liste der wirklichen Künstlerbegabungen, die für den Wettbewerb um einen neuen Tempel in Betracht kommen, verlangte, ist wieder von derselben Stelle in solch rückständigem Geist das Entsprechende unternommen worden, daß die Qualität und Freiheit dieses Wettbewerbes wesentlich gelitten hat. Eine wirklich wirksame Gesundung der Verhältnisse, soweit sie nicht vom Künstler, sondern vom Auftraggeber kommt, ist nicht früher zu erwarten, als bis sich die hiesigen verantwortlichen Vertreter der öffentlichen Körperschaften zu einer echten jüdischen Kunstpolitik, das heißt zu einer Politik der einwandfreien und besten Qualität entschlossen haben. werkstätte für Sessel und Tische Salongarnituren und EinzelmöbelstUcke ADLER, VII, Apollos. 18 Kafaonstr. 12 Jüdische Musik Synagogale Musik der Juden Von Arno Nadel (Berlin). Neben Artikeln über allgemeine Fragen der jüdischen Musik und Musiker der Gegenwart wollen wir nun in einer Reihe von Aufsätzen das immer mehr in den Vordergrund rückende Problem der sywaigogalen Musik, ihre Erforschung und ihre Ausnützung sowohl für 'den Gottesdienst als auch für die Erweckung eines eigenen Stils in der jüdischen Musik, von verschiedenen Gesichtspunkten aus (behandeln. und beleuchten lassen. Dadurch hoffen wir einer Klärung der mannigfachem und strittigen Fragen näher zu kommen, Arno N a d e l, dessen anregende Betrachtungen diese Artikelserie eröffnen, hat einen wesentlichen Teil seines iLefoens der Erforschung der symagogalen Musik, der Dichtung und Ordnung des gesammelten Materials gewidmet. Er arbeitet an einem zelhtribändigem Kompendium, das, wenn es einmal veröffentlicht ist, wohl die Frage, ob die Juden eine eigene Musik gehabt haben, endgültig beantworten und außer Diskussion stellen wird. Der erste Band des umfangreichen Werkes, das leider immer noch im Manuskript vorliegt wird bereits von der Berliner jüdischen Gemeinde verwertet. Die Red, Will man sich über das Wesen der synagogalen Musik klar werden, so muß man sich zunächst über den Begriff verständigen. Synagogale Musik, das ist Musik der Synagoge, d. h. gottesdienstliche Musik — im Grunde, wenn man will, Musik zweiten Grades, wenn auch nicht zweiten Ranges. (Ist sie als Kunst Musik zweiten Ranges, so ist es nicht Schuld der Synagogenmusik, sondern derer, die sie geschaffen haben. Wir kommen noch darauf zurück.) Musik zweiten Grades. Das ist die synagogale Musik deswegen, weil sie im Dienste einer höheren Sache steht, einer höheren, als sie selbst ist, nämlich im Dienste der Religion, im Dienste Gottes — „kawajochol", wie der Chassid sich ausdrückt, wenn er Gottes Namen in einem menschlichen Zusammenhang nennt. Das bedeutet: wenn man so sagen darf. Hier haben wir einen Kernpunkt des trüben, ungeklärten, originellen, für Horcher, Sucher und Künstler im Grunde dankbaren Problems. Natürlich kann, wie schon betont, Musik zweiten Grades — wenn der Ausdruck überhaupt glücklich gewählt ist —, also angewandte Musik, Kunst ersten Ranges darstellen. Man denke an die Hohe Messe, an die Passionen von Bach, an Palestrina und an alles Schöne und Herrliche des christlichen Gottesdienstes. Wobei einem Juden das Herz erbebt, weil er es zu sehr empfindet, daß wir nicht im entferntesten Aehnliches aufweisen. Warum nicht? Warum wir keine wahrhaft bedeutende Kunst auf dem Gebiete der synagogalen Musik besitzen? — Weil wir, um es rasch zu sagen, keine eigene Kultur haben. (Man verzeihe mir, daß ich in dieser Plauderei über ernsteste Dinge fast ausschließlich Resultate bringe. Doch hoffe ich, daß vielen Lesern auch diese Brocken etwas bieten werden, zumal für diese unsere Musikdinge das eigene Organ sich nach und nach zu bilden beginnt, und nicht zum geringsten Teile: in Wien.) Man denke an die christliche Architektur des Mittelalters, an die bildende Kunst, an die Religionskämpfe und an alles sonst des Großen innerhalb des römisch-französisch-deutschen Sommersprossen Wlmmerln, Ausschläge der Haut, Pickel, Sonnenverbrannte Haut, Rote Wangen, Nase und Hände usw. bringt sofort zum Verschwinden, die auf wissenschaftlicher Basis hergestellte „Olm“ Kampfer-Sauerstoff-Creme (matt, für Tag) „Dlm“ Gitronen- Sauerstoff-Creme (fett, für Nacht) und, macht die sprödeste oder rauhe Haut samrnctwctch u, blendend weiß. Jede Tube S 2*- (beide Tuben S 3*75 >. I ililir Jiotfciki, Dniirit. Fvfiuuli idw Unkt n bsäu: „Un“ Utei!irtw.wiu ü, dkm Duiulr. tr WERKE VON JULIUS WOLFSOHN Für Klavier zu zwei Händen: U. E. Nr. 6931/32i Paraphrasen über alf-jüdische 6930 l Volksweisen, 3 Hefte . ... ä Mk. 3*— U. E. Nr. 7217 Jüdische Rhapsodie.Mk. 1*50 U. E. Nr. 3349 2 Doppelgriff-Studien n. der Eiüde op. 25 Nr. 2 von Chopin.Mk. 2*— op. 8 Hebräische Suite U. E. Nr.6739 Für Klavier zu zwei Händen . . Mk. 5*— Im Repertoire von Julius isserlis, Bruno Eisner, Stefan Bergmann, Trude Zerner, Nelly Friedländer-Reichlin, Betty Fischer, Lina Magasanik. Einige Urteile über die „Hebräische Suite“: DR. WILHELM KIENZL: . . vortrefflich planlstlsche Wirkung und jedem Pianisten von Qualität schon wegen ihrer Besonderheit, warm zu empfehlen. DR. ERNST RYCHNOVSKY (Prager Tagblatt): Wolfsohn varlfertl das Thema psychologisch, er belichtet es oder stellt es im Schatten sein Satz ist meisterlich, vollgriffig und aus dem Geiste des Klaviers gezeugt, harmonisch interessant und milieuecht . . . j .„Bildprospekt mit Pressestimmen_puf^ Verlangen gratis. In^jeder^Musikalienhandlung erhältlich. UNIVERSAL-EDITION A. G., WIEN-LEIPZIG Horizontes, und man wird begreifen, warum der christliche Gottesdienst so herrliche Blüten treiben mußte. Was aber haben wir Juden solchen gewachsenen Kulturwesenheiten an die Seite zu setzen? Wenig, sehr wenig. Und dem entsprechend sind die Ergebnisse. Dennoch ... 1 Einiges weisen wir schon auf. Und zwar will ich gleich die wertvollste Synagogenmusik nennen, die nicht allzu bekannt sein dürfte, zum mindesten nicht in diesem Zusammenhang. Da ist obenan der Wiener S u 1 z e r zu nennen. Sulzer, obgleich er kein eigentlich großer Musiker, sondern ein vornehmer Klassizist ist (man sehe sich seine Kompositionen deutscher Lieder an), hat er im Schir Zion ein Werk geschaffen, das unseren Gottesdienst am repräsentativsten und vollkommensten darbietet. (Bei dieser Gelegenheit will ich auf Sulzers vielleicht schönste hebräische Piece hinweisen, nämlich auf „Schim’u banim", das der Meister 1849 zur Synagogenszene in Gutzkows ,,Uriel Acosta" für die Aufführungen im Hofburgtheater geschrieben hat.) Als zweiten nenne ich Samuel David (1836—1895). Soviel ich weiß, wird er selbst in Pariser Synagogen wenig gepflegt. Weil dort überhaupt, wie ich mich vor einigen Jahren persönlich überzeugen konnte, der musikalische Teil des Gottesdienstes im argen liegt. — Neben David mag Israel L ö w y genannt werden, der ebenfalls in Paris wirkte (1773—1832). Mit seinem Werke: „Chants religieux“, das dreißig Jahre nach seinem Tode von seiner Familie, wahrscheinlich von den Herausgebern bearbeitet, veröffentlicht wurde. — Endlich — und eigentlich zu allererst: der Italiener Salomon R o s s i, der um 1600 in Mantua wirkte. In seinem Hauptwerk hat dieser Ehrenmeister unvergänglich gute Musik geschaffen, im Grunde weit bedeutendere noch als David, weil er eine ernstere und heiligere Natur in sich barg. Das ersehen wir aus Stücken wie ,,L’mi echpoz" und dem Sabbathpsalm. Das Hauptwerk gab Naümbourg heraus (Paris 1877), seine Madrigale Vincent D’ Indy, der hochangesehene, noch heute in Paris wirkende Altmeister. Wenn man später — wir stehen ja am Beginn einer nationalen künstlerischen Bewegung — für bedeutende Synagogenmusik den rechten Sinn wird gewonnen haben, wird man der Musik Rossis staunend lauschen und für diese wunderbare, im Grunde einzige hebräische Kunst die rechte Andacht mitbringen. Man denke ja nicht, daß ich Naumbourg, Weintraub, Lewandowski, Mombach, Gerewitsch, Donajewslci, Nowakowski u. a. vergessen hätte. Alle diese verdienstvollen Männer haben mehr lokale Bedeutung und sind zu wenig reine Künstler den Genannten gegenüber. Lewandowski ist allerdings eine Persönlichkeit für sich und schwer in diesem Zusammenhänge zu würdigen. Wir haben auch heute vielleicht noch nicht den rechten Abstand zum Schaffen dieser Komponisten, und so muß ich manches heute hier vorwegnehmen. Entweder — oderl Entweder ist es uns ernst mit unserem Problem oder nicht. Nun darf man nicht mit dem ewig-leichten Einwand kommen: Beurteilung ist Geschmackssache. Der Einwand stimmt, aber: es gibt einen besseren und einen schlechteren Geschmack, und wer ein eigenes Urteil wagt, wird immer auf die Zeit warten müssen, die alle Urteile nachprüft und wertet. Nur Klarheit verhütet Mängel und Zeitverlust. Da bilden sich in Wien, Rußland, Amerika und Palästina Vereinigungen zur Förderung jüdischer Musik. (Jüdische Musik und synagogale Musik, das ist noch ein schwieriger Abschnitt für sich.) Die synagogale Musik wird zunächst und Gott sei Dank von den Aufführungen nicht ausgeschlossen. Nun denn: Sowohl die große Ge« meinde der Hörer wie die kleine der Kenner wird mit der Zeit das Wertvolle vom weniger Wertvollen unter*’ scheiden lernen.; ' Nussach. Das ist so etwas wie Tradition. Es lassen sich zwei große Sphären, fast Hemisphären der musikalischen synä1 gogalen Tradition unterscheiden: die orientalische und die europäische. Abarten sind: die sefardische Tradition, die mit der orientalischen verwandt ist, weil sie von ihr herkommt; die polnische, die namentlich in den Rezitativen ebenfalls mit der orientalischen zusammenhängt; die aschkinasische, die keine ausgeprägte Eigenart hat (oder vielmehr eine wenig lobenswerte) und in &(*?$ wertvollen Beständen an die polnische sich anschließt. So ungefähr. Das Wichtige bleibt: an die beiden großen Sphären zu denken und zu wissen, daß die europäische Tradition in ihrem Echtesten irgendwie ebenfalls örieh^ talisch, sogar asiatisch ist. Daß die orientalische Tradition nunmehr bekannt ist, verdanken wir Idelsohn, der ip seinen Bänden des „Hebräisch-orientalischen Melodiep* Schatzes“ tatsächlich einen Schatz entdeckt und gehoben hat.

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