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Die Stimme · 1928-05-10 · Heft 19 (10.5.1928) · page 10

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 19 (10.5.1928)
Date
1928-05-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite i 0 DDE SUMME Nr. 19 imiriiiiaiiiiiimTffifliiiiTiiiiiiiiniiiiHimmTfwmiwmTOfwmTfflp I ( aiea JedeTaichenuhr-Repara- 1 I 9 <9 3V «ur ohne Bruch bei l-jähriger | | Garantie I ö Wien, IX., Liechtensteinstraße 30 | j PI M r Wien, IX., Berggasse 3/4a [ Uhrenand Antlqult&ten-Kllnik, Optische iWerk- | ] stätte. Reklatneatelier.t | Alle einschlägigen Reparaturen und Neuanschaffungen | zu konkurrenzlosen Preisen. f EiiiinnminiimiiimmiiniiiiimitmmiuiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiimiiiiimiiiiiiimiiimiiiiintiimmnHiiiiiiT dem zweiten Jahrhundert nach der Zerstörung des zweiten Tempels. Die Abbildungen der Planeten, die in den alten Zeiten in den Synagogen in der Diaspora, wie auch in den Gebetbüchern anläßlich der Gebete um Tau und Regen oft benützt wurden, sind den Planetenbildern auf diesem Steine ähnlich. In den Ruinen einer anderen Synagoge neben dem Beth-Netufa-Tal, unweit Sedscherah, wurde auch eine hebräische Inschrift, die augenscheinlich aus dem 5. Jahrhundert stammt, aufgefunden. Die Inschrift enthält Schilderungen über Mäzene, die geholfen haben, die Synagoge zu errichten. Nach den Namen ist anzunehmen, daß sie Priesterfamilien gehörten, die sich nach der Zerstörung des Tempels, wie auch alte talmudische Tradition berichtet, in jener Gegend niedergelassen haben. Miszellen Wiederaufnahme der Ausgrabungen von Kiriaih Scfer. Nach iKjähriger Unterbrechung hat Professor O 1 b r i g h t, der Leiter des amerikanischen archäologischen Instituts, die Ausgrabungen an der Stelle zwischen Hebron und Beer Seba, wo der Platz der biblischen Stadt Kiriath Sefer oder Dwir vermutet wird, v/ieder aufgenommen. Professor Olbright hat die Grabungen im Jahre 1926 in Angriff genommen und hatte den Erfolg, an dieser Stelle eine kanaanitische und israelitische Stadt aufzudecken. Es wurden Festungsmauern und gut erhaltene Produkte uralter Textil- und Färberindustrie zutage gefördert. Nunmehr sollen die Ausgrabungen an dieser Stelle mit besonderem Nachdruck fer{gesetzt werden. * Die arabische Sprache an der hebräischen Universität, Das Sommersemester an der hebräischen Universität in Jerusalem hat am 22. April begonnen. Mit Beginn dieses Semesters tritt auch das neue Institut für arabische Sprache und Literatur sowie der Geschichte der arabischen Kultur als ein Zweig des Instituts für die Wissenschaft des Orients in Wirksamkeit, Es ist dies ein Vorbereitungskurs für alle, die sich den Spezialstudien im Institu; für die Wissenschaft des Orients, aber auch für die Hörer der übrigen Fakultäten der Universität, für welche die Kenntnis der arabischen Sprache und Literatur notwendig ist. Zu Dozenten für diese Abteilung wurJen Dr. S. D. G o i t e i n und Dr. J. Riwlin bestellt. * Die palästinensische Arbeiterschaft hat für den 1. Mai Arbeitsruhe proklamiert, die im ganzen Lande durchgeführt und die auch von einem Teil der arabischen Arbeiterschaft befolgt wurde. Mai-Kundgebungen radikaler Arbeiter in Jerusalem und in T e 1 - A v i v wurden von der Polizei verboten, die Teilnehmer an den Demonstrationen zerstreut und mehrere von ihnen verhaftet. * Obwohl dieses Jahr laut statistischen Berechnungen der Palästina-Regierung die Regenmenge in Palästina nicht unter normal war, so hat doch die ungünstige Verteilung auf die einzelnen Monate, wie auch .die jetzt eingetretene große Hitze, ungünstig auf die Entwicklung der diesjährigen Ernte gewirkt. Besonders schlecht sind die Aussichten im mittleren und östlichen Teil des Emck und im Jordantale. Auch die Aussichten für das Sommergetreide sind ungünstig. Die Getreide- und Mehlpreise sind infolge dieser schlechten Ernteaussichten in Palästina in letzter Zeit gestiegen. Die jüdische Gemeinde Was das Schulamt der Wiener Kultusgemeinde nicht leistet Von Kultusvorsteher Dr. Isidor Klaber. Die in der Nr. 17 Ihres geschätzten Blattes veröffentlichten Aufsätze über „jüdische Elternvereine“ und über „die körperliche Erziehung der jüdischen Jugend“ veranlassen mich als Mitglied des derzeitigen Vorstandes wiederum einmal, wie ich es oft und oft in Versammlungen bereits tat und tun werde, auf das fast vollständige Versagen des leitenden Inspektor ates hinzuweisen. Man darf Alter und Krankheit niemals als Entschuldigung dort gelten lassen, wo es um das Wichtigste geht; und was könnte es Wichtigeres für eine Gemeindeverwaltung geben, als die Heranbildung der künftigen Generation? Die vor wenigen Jahren begründeten Elternvereine fanden im Getriebe des jüdischen Gemeindelebens schwersten Widerstand. Ich entsinne mich noch der Vollversammlung der „Zentralstelle”, in der die Vertreter der Elternvereine, es war im Jahre 1924, nur mit Mühe ihre Anerkennung durchsetzen konnten; man wollte damals nur „Fürsorge”, jede kulturelle Arbeit wurde abgelehnt und aus Angst vor „Zionisierung“ gehemmt. Man versuchte dann gemeinsam mit dem Schulamt der Kultusgemeinde die Elternvereine zu beleben. Das Inspektorat hatte immer, wie es scheint, Wichtigeres zu tun. Als ich hernach selbst als Mitglied der Schulkommission Gelegenheit bekam an der Arbeit teilzunehmen und leider beobachten mußte, wie lange selbst von allen als richtig und notwendig anerkannte Dinge brauchen, um zur Durchführung gebracht zu werden, gab ich die Hoffnung auf, wirkliche Reformen des Unterrichtswesens und der körperlichen Ertüchtigung der jüdischen Jugend unter der derzeitigen Leitung des Inspektorates durchzusetzen. Unsere Vorschläge zum Ausbau von Schulgemeinden, Jugendbibliotheken, Lichtbilderzentralen, Lehrausflügen sind bis heute von der Schulkommission nicht behandelt worden; wohl standen sie einmal auf der Tagesordnung, aber die damalige Sitzung mußte sich mit den zur Genüge bekannten „energischen” Ausführungen des Herrn Dr. R e d i s c h befassen. Man wird mir entgegenhalten: Die Gemeinde hat mm doch einige hundert Schilling für die Jugendbibliotheken bewilligt, sie subventioniert doch alle unsere Institutionen, sie schafft jetzt im Jahre 1928 eine Lehrerbibliothek. Gewiß, wir sind uns dessen wohl bewußt, daß manches unter dem, Druck der zionistischen Mandatare besser wurde; aber wer brachte die Initiative, wer trägt die ganze Last der Arbeit? Ein dem Inspektorat zugeteilter tüchtiger Lehrer. Der Inspektor selbst braucht Ruhe und sucht durch gemache Vertrauenskundgebungen der Lehrer sein Prestige' zu wahren. Nur Ruhe war sein Prinzip in all den Jahren, nur keine Umwälzungen! Der Religions¬ I unterricht ist doch wohl gut genug, Ergänzung wohl nicht zeitgemäß. (Orgelsang und Weihnachtskerzen stimmen vielleicht religiöser). Antizionistische Bemerkungen von Religionslehrern, wie sie erst jüngst bekannt wurden, werden uns Mandataren sicherlich Gelegenheit geben, Rechenschaft zu verlangen, aber was hilft es, wenn der Wille fehlt, bewußt jüdische Arbeit zu leisten. Ist es nicht bezeichnend, daß seit jener Konferenz, in der Herr Dr. Redisch seine bekannten Ausführungen über die jüdische Schule hielt, keine Lehrerkonferenz mehr stattfand. Wie notwendig wäre die Schaffung einer jüdischen Kinderzeitschrift, wie wichtig die Einführung eines modernen hebräischen Lehrbuches, von einer zeitgemäßen Geschichtslektüre gar nicht zu reden. Was ist bisher geschehen? Wo bleibt ein einheitlicher Plan für das Bibelschulwesen? Hat das Inspektorat je die Leiter der geschlossenen Anstalten zu einer Besprechung über jüdische Erziehungsarbeit eingeladen? Kümmert es uns nicht, wenn man hört, daß Kinder aus jüdischen Waisenhäusern nicht einmal hebräisch lesen können? Müssen die Kinder solcher Anstalten ausgerechnet am Sabbath in Konzerte fahren? In dem Kultusgemeindewahlprogramm der österreichischen israelitischen Union vom Jahre 1908 ist klar und deutlich das Verlangen nach einem hauptberuflichen Inspektorat zu lesen — wir haben bereits ein solches — aber ich bin überzeugt, die Verfechter jenes Programmes im Jahre 1908 haben sich den Inspektor nicht als Beamten ohne jedwede Initiative, ohne jedweden Einfluß auf Lehrer und Institutionen gedacht. Nicht die Lehrer sind schuld, im Gegenteil, die meisten .geben ihr Bestes und opfern sich für die jüdische Sache, aber die Führung versagt, sie finden beim Inspektor keine Stütze, daher versagt auch der Vorstand, der fast nicht informiert ist. Die Zusammenfassung der Jugendorganisationen, die Beeinflussung der Institutionen, der Vereine, auch der Ferialheime, deren Unterstützung vor allem in der Kulturarbeit, muß Aufgabe der jüdischen Schulbehörde werden! Die Förderung der Sportvereine ist so selbstverständlich, daß es nur Menschen, die die letzten Jahrzehnte einen Dornröschenschlaf geschlafen haben, nicht einsehen können. Die Entfremdung der Jugend ist nur durch Schaffung großzügiger Institutionen, wie Volkshäuser, Sportplätze, Bibliotheken, Zeitschriften und Stärkung des jüdischen Selbstbewußtseins aufzuhalten. — Man komme nicht mit Geldmangel, die Männer, die Bilderschwemme KUNSTHANDLUNG WÜRTHLE Wien I, Weihburggasse 9 Bilder, Aquarelle, Handzeichnungen prominenter Meister von 30 Schilling aufwärts n l! BÜCHERSTUBE M. RATH II. TABORSTRASSE 20 a, TELEPHON 43-1-58 tt H -- 11 \\ MODERNE LITERATUR / WISSENSCHAFT K JUGENDSCHRIFTEN / JUDAICA UND HEBRAICA 11 für die Leichenhalle Milliarden bewilligt haben, sind auch verpflichtet, für die kommende Generation zu sorgen. Unsere Wohlfahrtseinrichtungen werden eben zugrunde gehen, wenn keine neue Generation kommt, die Sinn für das spezifisch Jüdische haben wird. — Also erst Erziehung, dann erst alles übrige. Sprachenstreit in der Warschauer Kultusgemeinde In der ersten Sitzung nach den Pessachtagen wurde, wie uns aus Warschau berichtet wird, im Vorstande der Kultusgemeinde wieder einmal eine der vielen fast schon obligat gewordenen Sprachendebatten abgeführt. Den Anlaß hiezu bot die Beratung über die Budgetpost »Kultur- und Schulangelegenheiten« für das Jahr 1928. Kultusrat Finkeistein wiederholte in längerer Rede seinen schon des öfteren gestellten und begründeten Antrag, daß die Unterrichtssprache in den Schulen der Kultusgemeinde die jiddische sein soll und die Schulen weltlichen Charakter tragen mögen. Demgegenüber vertrat der Vizepräsident Feldstein den Standpunkt, daß obwohl in der jiddischen Sprache bereits eine sehr schöne respektable Literatur geschaffen worden ist, diese Sprache nicht unsere nationale Sprache sei, sondern ein verdorbener deutscher Dialekt ist. Er ist aber auch gegen die hebräische Sprache als Unterrichtssprache und . sprach sich aus praktischen Gründen für die polnische Unterrichtssprache aus. Vorsteher E 11 e n b c r g stellte, unterstützt von den Zionisten, den formellen Antrag, die hebräische Sprache als Unterrichtssprache in den Schulen der Kultusgemeinde zu bestimmen, während der Redner der »Agudah« sich bezüglich der Unterrichtssprache völlig desinteressiert erklärte, da ihm das Wichtigste die religiöse Erziehung in der Schule sei. Bei der Abstimmung werden alle Anträge auf Aenderung der Unterrichtssprache abgelehnt, so daß in den Schulen der Warschauer Kultusgemeinde die Unterrichtssprache nach wie vor die polnische bleibt. Dem Reichsverband der deutschen Juden entgegen Die Kommission der deutschen Landesverbände jüdischer Gemeinden, die zur Schaffung des Reichsverbandes eingesetzt wurde, ebenso wie die in Nürnberg geschaffene Arbeitskommission der deutschen Landesverbände werden a m 3. Juni in Köln zusammentreten. Am 4. Juni wird dann in Köln auch der Große Rat des Preußischen Landesverbandes seine Sitzung abhalten. Es wird erwartet, daß die Tagung der Reichsverbandskommission die Vorarbeiten zur Schaffung des Reichsverbandes auf der Kölner Konferenz beendet. Frauen als Mitglieder der Synagogenvorsteherschaften’ in Berlin Der Vorstand der jüdischen Gemeinde Berlin hat beschlossen, den Frauen auch das passive Wahlrecht in die Vorsteherschaften der Synagogen zu geben. Die Tätigkeit der Frauen in den Synagogenvorsteherschaften wird sich allerdings auf die Beteiligung an den Sitzungen und auf die Aufsichtsführung auf den Frauenemporen beschränken; Funktionen als Synagogenvorsteher an den Sabbath- und Feiertagen werden sie ni c h t versehen. Errichtung eines jüdischen Bethauses in Gmunden Seit zirka sechs Jahrzehnten besteht in Gmunden eine kleine jüdische Siedlung, die gegenwärtig 13 Familien mit 52 Seelen umfaßt. Dank der Unterstützung des Auslandes, auswärtiger Gemeinden und der heimischen Juden konnte diese kleine Gemeinschaft im Jahre 1923 einen Friedhof errichten. Nun will sie an die Errichtung eines bescheidenen Bethauses schreiten, um den bisherigen unwürdigen Zuständen ein Ende zu machen. Doch ist die wirtschaftliche Not noch eine derartige, daß die wenigen in Gmunden ansässigen jüdischen Familien, die aus eigenen Mitteln bereits einen Bauplatz für ein Bethaus im Betrage von S 3300 erstanden haben, die ziemlich hohen Baukosten im Betrage von S 30.000 unmöglich erschwingen können. Daher richtet die Gmundner Judenschaft an alle auswärtigen Glaubensgenossen die Bitte, ein Scherflein für den Bethausbau in Gmunden beizutragen. Spenden über S 10.— werden in einer demnächst erscheinenden Festschrift veröffentlicht. Austritte aus dem Judentum Leo Paul Leiclht, 26, 9. 1899 Wien, verih., II. Große Sperlgiasse 8; Olga Rudolf, 6. 9. 1897 Wien, led., XVIII., Staudgasse 2; Josef Lichtschein, 17. 8.1912 Wien, led., II,, Obere Viaduktgasse 2; Paula Marchfeld, 9. 8. 1893 Holic, led,, XX., Othmargasse 46; Marie Leb mann, geb. Gelobter, 18. 3. 1899 Lancut, verh., VII., Stiftgasse 21; Theresia Schwebe 1 geb. Hössinger, 3. 3. 1902 Ebersberg, verh., XX., Donaueschingenstraße 30; Martlba Klein geb. Beck, 28, 2. 1898 Iglau verh., XIII., Hauptstr. 123; Stella Hi mm er, 20.10. 1908 Wilmersdorf, led., IX., D'Orsayg. 10; Josef B r e n d e 1, 20, 2, 1886 Wien, led., XX,, Wiasnergasse 15; Josefine Jindra, 28. 11. 1901 Wien, led., XV., Schanzstraße 24; * Israelitischer Jugendgottesdienst, Samstag, den 12, Mai d. J., um 3 Uhr nachm., findet der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks- Synagogen statt.

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