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Die Stimme · 1928-05-10 · Heft 19 (10.5.1928) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 19 (10.5.1928)
Date
1928-05-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 19 DIE STIMME Seite 9 Pater Elpidius, verfaßt, stellt eine antisemitische Hetzschrift schlimmster Sorte dar. In der Auseinandersetzung mit dem Sozialismus heißt es u. a.: »Bet der Pariser Kommune hat Moltke sich sehr gewundert, daß man katholische Priester umbrachte und ihre Wohnungen zerstörte, den Palast des Rothschild aber nicht anrührte. Die Judenschaft, die dem Mammonismus ergeben, »deren Gott das Geld und deren Kultus der Schacher ist«, wie der Jude Marx selbst sagt, ist in unsrer Zeit in ihrem Haß gegen das Christentum immer darauf aus gewesen, die sozialdemokratischen Arbeiter auf die Christen zu hetzen und unterstützt sie reichlich mit Geldmitteln, um ihre mit christlichem Geld gefüllten Säcke in Sicherheit zu bringen und auf den Trümmern der christlichen Völker ihre Macht zu errichten.« — Es gibt also in Deutschland neben vielen anderen Antisemitenspezies auch den antisemitischen Religionslehrer, der Unterricht in Religion und Antisemitismus erteilt. Daß dieser Lehrer auch von jüdischen Steuergeldern bezahlt wird, das ist für ihn kein Hinderungsgrund das antisemitische Gift in junge Gemüter zu träufeln. Im übrigen sei ohne Kommentar bemerkt, daß sich die Schulverwaltung damit begnügte, dem betreffenden Lehrer wegen Verteilung des Schriftchens einen Verweis zu erteilen.. Knüppel-Kunzes Ende Die meisten haben es heute sicherlich schon vergessen, wer Richard Kunze ist; nennt man aber den schönen Namen ,,Knlüppel-Ktmze,' — bei diesen Herren kann man das Wesen gewöhnlich aus dem Namen lesen — so wird dieser „Heros" wie aus der Versenkung wieder in Erinnerung gehoben. Es war im Jahre 1921, da machte Knüppel-lKunze die Entdeckung, daß die deutschnationale Volkspartei, der er angehörte, einen gar schwächlichen, unterwertigen Antisemitismus propagiere. So ging er denn hin, sammelte ein kleines Häuflein um sich und begründete die scharf antisemitische Deutschsoziale Partei, zu deren Führer er sich selber ernannte. In den letzten zwei Jahren schrumpfte die Partei zusehends zusammen, die meisten Anhänger gingen ihr verloren, nur ihr Führer, Richard Kunze, blieb ihr als solcher erhalten. Jetzt aber ist auch diese Säule der Deutschsozialen Partei geiborsten. Auif dem in Berlin abgehaltenen Pia/rteftag der „Deutschsozialen Partei" wurde nämlich Richard Kunze aus der P artei a u s.g e s ch 1 o ss e n. Welche Gründe für diese strenge Maßnahme sprachen, darüber schweigt merkwürdigerweise die antisemitische Tageschronik, Jedenfalls gehört es zu den Seltenheiten, daß der Gründer und nahezu einzige Führer einer Partei aus derselben ausgeschlossen, vulgär gesagt, hinausgeworfen wird. Knüppel-Kunzes Ende wirft ein eigentümliches Licht auf die Stellung manches Antisemitenhäuptlings innerhalb seiner eigenen Partei. Wien L, Hctenluvm* steuße SVr. 22 toie beste und billigste ßinkuuts^ quelle ßinheiia~ preise $ 7’— S 9‘— S 12‘ Die Wirtschaft Palästinas im Jahre 1927 Die letzte Nummer des „Commercial Bulletin" veröffentlicht einen Bericht der Palästina-Regierung über die Entwicklung von Industrie und Handel in Palästina im Jahre 1927. Danach betrugen in diesem Jahre die Zolleinnahmen der Regierung 976.952 Pfund gegen 1,017.008 Pfund im Jahre 1926. Der Rückgang ist hauptsächlich auf die Aufhebung des Zolles für eine Reihe von Rohstoffen zwecks Förderung der einheimischen Industrie zurückzuführen. Im November trat der neue Zolltarif in Kraft, der eine stärkere Spezialisierung vorsieht und die Zölle nicht wie früher nach Gewicht, sondern ad valorem festsetzt. Dieser neue Tarif soll die wichtigsten einheimischen, sich gut entwickelnden Industrien fördern, so vor allem die von Zement, Speisefetten, Seifen, Wein, Spirituosen, Schokolade und Süßigkeiten, Biskuits, Salz, Lederwaren, Möbeln und Zündhölzern. Auch das Monopol auf Salzverkauf wurde von der Regierung im November aufgehoben und anstatt dessen eine Akzise von 1.5 Mils per Kilogramm auf das in Palästina hergestellte und von 3 Mils auf das eingeführte Salz bestimmt. Infolgedessen ist der Salzpreis bedeutend zurückgegangen. Ebenso wurde der Verkauf von Spirituosen neu geregelt. Die einheimische Produktion wurde durch Aufhebung der Akzise auf exportierten Spiritus und durch Erhöhung des Einfuhrzolles gefördert. Der Import von Waren für einheimischen Verbrauch betrug 1927 6,184.454 Pfund gegen 6,594.098 Pfund im Jahre 1926, der Export 1,899.759 Pfund gegen 1,308.333 Pfund. Der Export weist somit eine Steigerung von fast 60 0.0 00 Pfund auf. Hauptsächliche Exportartikel waren: Orangen, Wassermelonen, Getreide, Seife, Speisefette, Zement, Wein, Strümpfe, Zigaretten und Lederwaren. Besonders erfreulich ist die Entwicklung des Handelsverkehres mit Aegypten und Syrien, wohin viel Textilien und Zement ausgeführt werden. Die allgemeinen Handelsbedingungen zeigen eine Besserung auf. Es gab weniger Falliments als im Jahre 1926. Die Zahl der i n der Industrie beschäftigten Personen ist gestiegen und kann schätzungsweise mit 7500 angenommen werden. Zahlreiche Betriebe arbeiten Tag und Nacht mit voller Ausnützung der Betriebseinrichtungen, um die Bedürfnisse des einheimischen und des auswärtigen Marktes zu decken, nicht zum wenigsten dank der Befreiung der Rohmaterialien vom Einfuhrzoll und der Erhebung von Schutzzöllen für eine Reihe von eingeführten Fertigfabrikaten. An Orangen wurden 2,658,500 Kisten für 813.600 Pfund exportiert, gegen 1,887.591 Kisten für 580.712 Pfund im Jahre 1926. Die Größe der Orangen-Pflanzungsfläche ist auf 1 1,000 Acres gestiegen, gegen 6000 im Jahre 1926. Neue Märkte wurden erschlossen in Deutschland, Dänemark, Rumänien und Holland. Die Jaffa Electric Ckonnte eine Dividende von 8 Prozent auf Vorzugsaktien* und 6 Prozent auf gewöhnliche Aktien ausschütten. Die Palestine Electric Corporation hat jetzt alle Rechte der Jaffa Electric Co. erworben. 200 Arbeiter sind am Jordan bei den hydroelektrischen Arbeiten beschäftigt. Das größte Industrieunternehmen im Lande ist die Zementfabrik Nesher in Haifa, deren Arbeiterzahl 300 beträgt. 1927 wurden, hauptsächlich nach Syrien, 9015 Tonnen für 22.959 Pfund ausgeführt, viermal soviel als 1926. Die Nesher-Fabrik versendet ihre Waren nach Syrien, Aegypten und Zypern auf einem eigenen Motorboote. Die Baubewegung im Lande wies 1927 einen Rückgang auf, bis auf Jerusalem, wo große Gebäude, so Schulen, Hotels, Läden und Regierungsgebäude, errichtet wurden. üü * 1 x - Der belgische Staatsmann und Führer der Internationale Emile Vandervelde (X)in Palästina: Besuch im Hauptbüro des Keren Hajessod in Jerusalem. (XX, der Leiter des Hauptbüros Doktor Artur Hantke). Der Export von Speisefetten ist auf das Achtfache gegenüber dein Vorjahre gestiegen und bette einen Wert von 75.673 Pfund. Die Shemenfabrik in Haifa, die 130 Arbeiter beschäftigt, stellt Speise- und unraffiniertes Ogi, Oelkuehen für Vieh und gewöhnliche und Toiletteseife her, die einen großen Absatz in Palästina sowie in Syrien und Aegypten hat. Der Export von Waschseife betrag 5316 Tonnen im Werte von 232.948 Pfund. Die gute Qualität der Seife läßt eine weitere gute Entwicklung dieses Industriezweiges erwarten. Die Mühlenindustrie entwickelt sich befriedigend. Die Grands Moulins in Haifa beschäftigen 150 Arbeiter und produzieren täglich 30 Tonnen Mehl von guter Qualität, hauptsächlich aus einheimischem Weizen. Der Mazzoth-Export betrug 6532 Pfund. Die Anpflanzungsfläche für Tabak betrug 10.197 Dunam. 'Der Ertrag wird auf 624 Tonnen geschätzt, Die Anpflanzung von Tabak wurde auf Flächen, die mindestens einen halben Dunam groß sind, beschränkt, um die Kontrolle zu erleichtern. Es gibt im Lande 11 Tabak- und 5 Tombakfabriken, die zusammen 60 Arbeiter beschäftigen. Die Produktion betrug 402 Tonnen. Der Export palästinensischer Zigaretten, der 1925 noch weniger als eine Tonne betrug, überstieg im Jahre 1927 bereits 16 Tonnen. Die ausländischen Weine werden allmählich von der einheimischen Produktion verdrängt; Die Schokoladen- und Süßigkeitenfabriken beschäftigen einige 100 Arbeiter. Die führenden Fabriken sind in Tel-Aviv. Deren Erzeugnisse von guter Qualität beginnen die eingeführten Waren zu verdrängen. Es wurden auch neue Industrieunternehmungen begründet, die alle möglichen Fabrikate, von Metall bis zu Teigwaren, herstellen. 300 Arbeiter sind in den Kartonnagefabriken beschäftigt und nicht weniger als 800 in den verschiedenen Werkstätten für Herstellung von Möbeln, Spiegeln, Korken, Metallutensilien, Lederwaren, Parfümerie- und Toiletteartikeln, Andenken, Perlmutterarbeiten und Artikeln religiösen Charakters. Die Kosten der Lebenshaltung, berechnet auf der Basis der Detailpreise, sind um 22.6 Prozent gegenüber 1922 und um 4.7 Prozent gegenüber 1926 gesunken. Die Zahl der Touristen, die 1927 Palästina besuchten, betrug 59.305. Südafrika leistet 50.000 Pfund iür den Keren Hajessod Colonel F, H. K i s h, der Leiter der Zionistischen Exekutive in Palästina, der gegenwärtig die Werbeaktion für den Keren Hajessod in Südafrika leitet, telegraphierte an das Zentralbüro der Zionistischen Organisation in London, daß die Werbeaktion bisher eine Summe von 50.000 Pfund erbracht hat. Allein in Transvaal wurden 23.000 Pfund gesammelt, davon 17.000 Pfund auf dem Bankett zu Ehren von Colone! Kish in Johannesburg. In Kapstadt wurdep „21.000 Pfund im Verlauf der neuen Werbeperiode aufgebracht. Colonel Kish schließt sein Telegramm mit der Mitteilung, daß die Aktion mit gutem Erfolge weitergeht, sodaß man erwarten kann, daß das Gesamtergebnis die bisher aufgebrachte Summe weit übersteigen wird. Eine neue Industriebank in Palästina »Haarez« erfährt aus Kreisen, die der Vereinigung der palästinensischen Industriellen nahestehen, daß jetzt die letzten Vorbereitungen für die Eröffnung einer Industriebank als Gründung der erwähnten Vereinigung bei Beteiligung amerikanischer Kapitalisten getroffen werden. In New York hat sich vor einigen Monaten zur Förderung dieser Bankgründung und Aufbringung des nötigen Kapitals, das mit 1 Million Dollar festgesetzt wurde, ein besonderes Komitee unter Vorsitz des Industriellen Jakob Segall gebildet. Die vorerst nötigen 250.000 Dollar sind nach den letzten eingetroffenen Meldungen bereits gesichert, so daß nach Erledigung noch einiger technischer Fragen die Bank noch im Monat Mai ihre Tätigkeit wird aufnehmen können. Es ist wahrscheinlich, daß außer diesen amerikanischen Geldern der Bank gleich nach Eröffnung auch aus anderen Quellen bedeutende Beträge zur Verfügung stehen werden, so daß sie schon am Anfang über 75.000 Pfund wird disponieren können. Alte Synagogen in Galiläa. Aus Jerusalem wird uns berichtet: Bei den Ausgrabungen, die jetzt im Aufträge der hebräischen Universität in Jerusalem zur Erforschung der alten Synagogen in Galiläa unternommen werden, wurde in einer der alten Synagogen bei Safed ein Tragbalkenstein ent* deckt, in dem die Bilder der Planetenscheibe eingraviert sind. Der Stein stammt aus Neuer Synagogenstil in Palästina: Die große Synagoge in Tel-Aviv. '"' vX 1 ’-Ä * ..>.

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