Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1928)
- Date
- 1928-05-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 OK SUMME Nr. 19 _Schuht D cra_ Wien 11, Tabcraivaße Qfv. Sa Moderne Schuhe «tum besten» Material gediegenst «xusgetühvt War sertßse 'Preise Die Erdbebenschäden der jüdischen Gemeinden in Bulgarien Mehrere jü'dische Gemeinden in Sudbulgarien haben unter den Erdbebenkatastrophen, von denen dieser Teil des Landes betroffen wurde, schwer gelitten. Den größten Schaden haben die Gemeinden in T s c h i rban und Philippopel zu verzeichnen. Von den 59 von Juden bewohnten Häusern in Tschirban wurden 17 so zerstört, daß kein Stein auf dem anderen blieb, während die übrigen mehr oder weniger schwer beschädigt wurden. Die Synagoge und die jüdische Schule sind vollkommen zerstört. Drei Mitglieder der jüdischen Gemeinde wurden verletzt. Die jüdische Gemeinde in Philippopel, die rund 1500 Familien zählt, ist schwer heimgesucht. Die vor. Juden bewohnten Gassen haben am meisten gelitten. Man zählt unter den Juden zwei Tote und eine Anzahl Verwundeter. Da die Bevölkerung in provisorischen Zelten und zum Teil im Freien die Nächte zubringen muß, befürchtet man das Aufkommen von Epidemien. Das Zentralkonsistorium der jüdischen Gemeinden Bulgariens hat einen Appell um Hilfe veröffentlicht, der sich auch an die jüdischen Gemeinden des Auslandes wendet. Die jüdische Gemeinde in Sofia hat bis jetzt für den H i 1 f sf o n d s 150.000 Lewa aufgebracht. Kleine Nachrichten Die jüdische Arbeitslosigkeit in Rußland. In Moskau sind etwa 7000 jüdische Mitglieder der Gewerkschaften arbeitslos, in Leningrad sind es 3500 jüdische Gewerkschaftsmitglieder. Die Gesellschaft »ORT« hat eine eingehende Untersuchung über die Arbeitslosigkeit unter den Juden der Ukraine und Weißrußlands durchgeführt; die Zahlen werden demnächst veröffentlicht werden. Vor einem Gericht in Charkow spielte sich ein eigenartiger Prozeß ab. Ein gewisser Abraham Danziger erhob Klage gegen Frl. Dora Palawintschik, die ihm in beleidigender Absicht das Wort »Zionist« zugerufen hatte, Dora Talawintschik wurde verurteilt, sich öffentlich bei Danziger zu entschuldigen und die Gerichtskosten zu tragen. Wie aus Riga gemeldet wird, ist der in Odessa geborene Führer des »Haschomer Hazair« in Rußland, Samuel Bronstein, der vor einiger Zeit wegen zionistischer Betätigung nach Uzbekistan verbannt worden ist, in einem Gefängnis zu Chiwa von einem Wächter erschossen worden, als er gegen die schlechte Behandlung im Gefängnis protestierte. Nach einer Maifeier überfielen in Prag kommunistische Studenten die jüdische Studenten- Mensa, veranstalteten einen Tumult und verhinderten die Ausgabe der Mahlzeiten. Polizei griff ein und verhaftete mehrere der Ruhestörer. Der 1. Mai verlief in Warschau sehr blutig. Bei Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten im Verlauf der Mai-Kundgebungen, wurden viele Schüsse abgegeben, wobei 3 Personen getötet und etwa 200 verletzt wurden. Da sich die Zusammenstöße in jüdisch e n Wohnvierteln abgespielt haben und die kommunistischen Trupps offenbar mit Huligans durchsetzt waren sind die meisten Opfer Juden. Von den drei Toten sind zwei, von den ungefähr 200 Verletzten etwa 180 Juden, Das überwiegend von Juden bewohnte Städtchen R a t n e (Kreis Kowel) ist ein Raub der Flammen geworden, Ungefähr 80 Häuser jüdischer Familien und vier Bethe- Midraschim sind durch Feuer vernichtet worden. Es sind auch einige Menschenopfer zu beklagen. Der Prozeß gegen die 15 jüdischen Abiturienten von Czernowitz, über dessen neuerlichen Beginn in Suczav/a wir in unserer vorigen Nummer berichtet haben, wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Die neugewählte französische Kammer hat elf Juden zu Mitgliedern, darunter Handelsminister Bokanowski, Maurice de Rothschild, der Bürgermeister von Havre Leon Meyer, der ehemalige Kolonialminister Andrö Hesse, der frühere Kabinettschef Cleraenceaus Georges Mandel. Uelberdies wurden acht Senatoren gewählt, darunter die früheren Minister Klotz und Schrameck, SIEGM. KÖR.MEHL, Croßfleisclihauerei Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. 17-3-99 u. 16*9-34 Lieferant für Heilanstalten« Abteilungen für *ntf3-Flel*cli unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien IX, Berggasse 15 XVIII, Währlngerstraße 97 Die Völkerbundversammlung ist zu ihrer neunten Tagung auf den 3. September nach Genf einberufen. Die Tagesordnung enthält 20 Punkte. Zu den ersten 5 Punkten gehört u. a. auch die Beglaubigung der Mandate. Professor Dr. Albert Einstein ist, wie wir erfahren, vor kurzem erkrankt. Die Aerzte haben eine Herzerweiterung leichteren Grades festgestellt und bis ungefähr Mitte Mai Bettruhe verordnet. Der berühmte Gelehrte befindet steh den Umständen angemessen wohl. * Professor Franz Oppenheimer, der berühmte Nationalökonom und 'Professor an der Frankfurter Universität, der jahrelang sich in der zionistischen Bewegung aktiv beteiligt hat, weilt gegenwärtig als Gast der Zionistischen Exekutive in London. # Der zweite Weltkongreß der jüdischen Studentenorganisationen wird in nicht allzu ferner Zeit in Paris stattfinden. Der XXII, Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland findet vom 27. bis 29. Mai in Breslau statt. Auf der Tagesordnung stehen Referate der Herren Kurt Blume n f e 1 d und Martin Rosenblüth über die zukünftige Gestaltung der zionistischen Arbeit in Deutschland, ferner ein Referat des Vertreters der Zionistischen Exekutive, Herrn Dr. Felix Rosenblüth, über »Die Lage in Palästina und im Gesamtzionismus«. Der vor kurzem in Zagreb verstorbene Kaufmann Lavoslav Schwarz hat durch letztwillige Verfügung 940.000 Dinar für wohltätige Zwecke hinterlassen, davon 820.000 Dinar MELLlNGERS Wiener Heilteemischungen bei Zuckerkrankheit, Gallen-, Nieren-, Blasensteinen und Magenleiden sind vorzüglich. Preis per Paket S 6*50. Postversand. Wien. XVII, iachwergasse Nr. 37/3. sssssgasB! 3. ,wuie——a—nsaaaa—c—e für jüdische Wohlfahrtsinstitutionen in Zagreb und 50.000 Dinar für den Jüdischen Nationalfonds. Unser am 26. April erschienener Bericht über die in Ungarn immer mehr überhandnehmende Tätigkeit bezahlter Missionäre, die für Geld, das aus geheimen Fonds fließt, jüdische Seelen kaufen, hat nicht verfehlt, die größte Wirkung auszuüben. Die maßgebenden Faktoren wurden durch diese Veröffentlichung angeregt, dem Treiben dieser Missionäre, mehr als dies bisher der Fall war, ihr Augenmerk zuzuwenden. Auch in Wien treiben diese bezahlten Agenten — meist sind es getaufte Juden — ihr Unwesen. Sie gehen von Haus zu Haus, offerieren Broschüren mit dem Zionsstern für 10 Groschen und erwecken durch ihr Auftreten den Anschein, als ob sie offizielle Werber für den Zionismus wären. Vor uns liegt eine solche Missionsschrift, die den Titel führt: „Die nahe Wiederherstellung des Volkes Israel." Das Büchlein ist tatsächlich geeignet, auf 'den ersten Blick eine wirksame Täuschung hervorzurufen. Erst das letzte Kapitel: „Müssen die Juden Christen werden, um wieder in die Gnade Gottes aufgenommen werden zu können?" deklamiert den wahren Inhalt dieser Missionsschrift, die von einem Verlag der „Internationalen Vereinigung ernster Bibelforscher" herausgegeben ist, Der Preis von 10 Groschen soll die Fiktion einer Spende für den Palästinaaufbau erwecken. (Es werden auch ganze Bücher um 60 Groschen feilgeboten.) In Wirklichkeit ist selbstverständlich mit den 10 Groschen nicht einmal das Papier für diese Broschüre, geschweige denn das Honorar für den Agenten bezahlt. Man läßt sich eben den jüdischen Seelenfang recht viel Geld kosten. Wir haben uns nun an eine Reihe von hervorragenden Vertretern des Wiener Judentums mit der Bitte gewendet, unseren Lesern ihre Ansicht über die Missionstätigkeit in Oesterreich und die Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung bekanntzugeben. Der Vorstand des Rabbinatskollegiums, Professor Dr. David Feucht wang, hatte die Liebenswürdigkeit, sich unserem Mitarbeiter gegenüber, wie folgt, zu äußern: „Es ist schwer, in Oesterreich eine organisierte Abwehr gegen die Tätigkeit der Missionäre einzurichten, weil diese Missionen, im Gegensätze zu Ungarn, nicht offen auftreten, sondern den Seelenfang immer nur in geheimen Konventikeln betreiben. Unsere Kultusgemeindeverbände kann man im technischen Sinne nicht als solche Abwehrorganisationen bezeichnen, obwohl sie mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln der Missionstätigkeit entgegentreten. Die einzige Abwehrinstitution ist bisher die „Union österreichischer Juden", doch auch hier besteht keine besondere Sektion, die es sich ausschließlich zur Aufgabe machen würde, der Missionstätigkeit einen Riegel vorzuschieben. Die einzige offene Mission in Oesterreich ist die Schwedische Mission in der Seegasse. Sie arbeitet nicht nur mit Vorträgen, sondern unterstützt diese auch durch gute Jausen und kostenlosen Landaufenthalt. Es gibt immer noch jüdische Eltern, die auf diesen Wochen-Kalender Mai 1928 Gedenktage TX n*B-in 10 Donnerstag n 1 11 Freitag 21 - X3 12 Samstag 22 - 23 Haftaraht Adonoj usi 13 Sonntag 1872 - der Dichter Moritz Hartmann in Wien gestorben. 1900 — der berühmte Dirigent Hermann Levl, Vorkämpfer der Wagner-Musik, in München gestorben 1016 — der berühmte jüdische Humorist Scholem Alejchem gestorben. 23 - 14 Montag t* \ I d 15 Dienstag 1822 — der Ghetfodichter Leopold Kompert in MUnchengrätz (Böhmen) geboren 1862 — Arthur Schnitzler in Wien geboren. 25 - ns 16 Mittwoch 1864 — Dr. Nathan Birnbaum (Mathias Acher), einer der ersten Kämpfer für die jttd. Reu.das'ince, in Wien geboren. 26 - -ja Der Verlag der großen New Yorker jüdischen Tageszeitung »Jewish Morning Journal« hat die jüdische Tageszeitung »Togblatt« käuflich an sich gebracht. Das »Togblatt« hat als separates Organ zu erscheinen aufgehört. (Das »Morning Journal« vertritt die national-jüdische Richtung im amerikanischen Judentum; das »Togblatt« war bis jetzt das Organ der orthodoxen Juden in Amerika. Die Red.) Zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde in G ö r z wurde der Rabbiner von Korfu, Dr. Schreiber, ein Absolvent des Seminars von Florenz, berufen. Leim gehen. Mir ist ein Währinger jüdisches Elternpaar bekannt, das in vollständiger Unkenntnis der Sachlage die Bibelvorträge in der Seegasse besuchte und auch die Kinder in Obhut der Schwedischen Mission zum Landaufenthalt gab. Einen organisierten Abwehrkampf gügen die Tätigkeit der Missionäre halte ich für nicht zweckmäßig, weil die Missionszentren einfach nicht erfaßbar sind oder nur erst dann erfaßt werden können, wenn der Schaden schon geschehen ist. Obwohl der Erfolg der Missionstätigkeit bei uns nur ein ganz geringer sein kann und mit dem Aufwand an Geld und Kraft keineswegs im Einklang steht — eine jüdische Seele kostet den Auftraggebern in Rom, London und Budapest, wo ganz offen Missionszentren bestehen, viele Millionen, die hauptsächlich den getauften jüdischen Agenten zufließen —, so muß dennoch besonders die leichtgläubige Jugend vor diesem Einfluß bewahrt werden. Dies kann einzig und allein durch rastlose Aufklärungsarbeit von Katheder, Kanzel und Elternhaus erfolgen. Ein wichtiges Instrument zur wirksamen Gestaltung dieser Aufklärungsarbeit ist die jüdische Presse aller Parteirichtungen, die sich mehr als bisher in den Dienst der Sache stellen sollte. Man muß immer wieder aufzeigen, mit welch unlauteren Mitteln diese Missionäre arbeiten, denen gerade an der Gewinnung einer jüdischen Seele besonders viel liegt, weil der Kampf um sie am aussichtslosesten erscheint. Bei dieser Gelegenheit möchte ich die Anregung geben, daß diejenigen Funktionäre, die mit der Seelsorge betraut sind, bei den Totenandachten, die immer sehr zahlreich besucht sind, auch einmal von den Seelen der Lebenden, die uns verloren zu gehen drohen, sprechen sollten." Dr. Jakob Ornstem, Vizepräsident der Wiener Kultusgemeinde und Präsident der „Union deutschösterreichischer Juden": „Uns ist von einer besonders aktiven Tätigkeit von Missionären in Wien nichts bekannt. Kommt ein oder der andere Fall dennoch vor, so suchen wir, soweit es noch möglich ist, das Geschehene wieder gut zu machen. Es ist uns nicht möglich, die einzelnen, geheim arbeitenden Agitatoren zu überwachen. Das einzige Mittel, das uns an die Hand gegeben ist, besteht in der Aufklärung vor den Gefahren der Missionäre, die wir auch im Rahmen unseres Wirkungskreises gewissenhaft durchführen. Im übrigen möchte ich betonen, daß nach den letzten Ausweisen d i e AustritteausdemJudentum eine Verminderung erfahren haben, sodaß zur Besorgnis wohl kein Anlaß vorhanden ist." Dr, Josef Löwenherz, Vizepräsident der Wiener Kultusgemeinde, erklärt: „Der Kultusgemeinde ist als einziges offizielles Missionszentrum nur die Schwedische Mission in der Seegasse bekannt, der auch ein großes Augenmerk zugewendet wird. Wiederholt haben wir an Rabbiner und Religionslehrer die Aufforderung ergehen lassen, in dieser Hinsicht aufklärend zu Der Seelenfang in Wien Äußerungen von Vertretern jüdischer Organisationen über die Missions tätigkeit und ihre Bekämpfung