Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1928)
- Date
- 1928-05-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 DIE STIMME Seite 5 Russisch« Buchhandlun« u. Bibliothek Jltab fmli VIm TU, MtfiMlarlstMRm Ir. 4 / Mi|1mhi 8-314*54 Bücher,Zeitungen, Noten, Ansichtskarten V«rg«*Mn SU nicht 41« rusaischc Sprache, «renn Sie Ihrer kundig sind, erlernen Sie sie, wenn Sie diese nicht beherrschen. Leset Bücher der Leihbibliothek, die mehr als 6000 Binde alter tmd neuer Literatur zählt. — Monatliches Abonnement 2 Schilling. Die Bibliotheksbücher können auch in die Provinz durch Kreuzband geschickt werden. die ich in meinem letzten Buche vertrete. Mein Vorschlag auf Umwandlung Palästinas in ein englisches Dominion hat zum Ziele, den Juden und den Engländern die guten und vorteilhaften Seiten eines Zusammenlebens vor Augen zu führen. Durch die Tatsache der Umwandlung Palästinas in dn englisches Dominion wird die jüdische Heimat keineswegs an Selbständigkeit verlieren, d. h. die jüdische Heimstätte soll geschaffen werden, unabhängig von der zukünftigen Form des Verhältnisses zu England. Das Dominion soll in der Art der anderen Dominions, wie Kanada, Südafrika, Irland, gebildet werden. Auf dem Wege der Umwandlung Palästinas in ein englisches Dominion konnte die jeweilige britische Regierung leichter die Sympathien der Engländer für den Aufbau eines jüdischen Palästina gewinnen, Avas auch dann in der weiteren Folge eine intensivere Unterstützung Palästinas durch England hervorrufen müßte. Man könnte auch in diesem Falle mit einer ausgiebigeren materiellen Förderung rechnen und alle diesbezüglichen Argumente jener englischen Kreise, die den Aufbau eines jüdischen Palästina bekämpfen, aus der Welt schaffen. Die Bereitwilligkeit, aus Palästina ein englisches Dominion zu machen, kann für die i Entwicklung eines jüdischen Palästina nur von Vorteil sein. Wir Engländer haben das Bestreben und den guten Willen, den Juden in Palästina eine eigene nationale Heimstätte zu geben, eine Idee, für die englische Staatsmänner seit Beginn des XIX. Jahrhunderts in Wort und Schrift eingetreten sind, und dies nur aus einem Grunde, weil sie dank ihrer Kenntnis der Bibel zur Einsicht gelangt sind, daß es Englands Pflicht und Aufgabe sei, das historische Unrecht, das an den Juden durch die Zerstörung des Reiches Judäa begangen wurde, gutzumachen. Als im XIX. Jahrhundert England daranging, die orientalische Frage zu lösen, war es jedem Engländer klar, daß England berufen sein wird, im Komplex dieses Prbblems den Juden die Möglichkeit zu geben, eine Heimat in ihrem Vaterlande Palästina zu erlangen. Denn die edlen Geister unseres Volkes waren stets überzeugt, daß demjenigen der Segen verheißen wird, der den Söhnen Abrahams Wohlwollen entgegenbringt, und ihr Wunsch ist es — so schrieben zahlreiche englische Blätter, in den Jahren 1840/41 —, daß Großbritannien diesen' Segen verdienen soll. Aus diesen Stimmungen heraus hatte sicherlich der unsterbliche Begründer und Führer des Zionismus, Theodor H e r z 1, in seiner Rede am IV. Zionistenkongreß jenen klassischen Satz geprägt, der uns folgendes besagt: ,,EngIand, das mächtige, das freie England, das mit seinem Blick die Welt umspannt, wird uns und unsere Aspirationen verstehen. Mit England als Ausgangspunkt können wir sicher sein, daß die zionistische Idee mächtiger und höher steigen wird, als jemals zuvor." Der weitblickende Führer hatte vollkommen richtig vorausgesehen. Denn Sie können versichert sein, daß England sein Versprechen, in Palästina eine jüdischnationale Heimstätte zu errichten, einhalten wird. An uns Engländern und an Ihnen, den Juden, liegt es, durch gemeinsame Arbeit und gegenseitiges Verständnis das Aufbautempo dieser Heimstätte zu beschleunigen. Auf beiden Seiten darf und soll es an dem guten Willen nicht fehlen. Tragoedia finita? Vor kurzem Ikam vor dem Gericht in Konstantiaopel eine Affäre zum Abschluß, die, im Wesen eigentlich nicht ungewöhnlich, doch zu bedeutungsvollen Entwicklungen führte. Es ist noch in allgemeiner Erinnerung, daß zu Anfang 1927 der ehemalige türkische Offizier Osman ßey ein spaniolisch-/jüdisches Mädchen aus einer angesehenen Konstantinopler Familie, Elsa iNiego, auf der Straße erschoß^ dia> sie seine Werbungen zurückgewiesen hatte. Dieser nahezu alltägliche Fall schuf nun eine Stimmung, die geeignet wurde, das jahrhundertelange gute Einvernehmen zwischen Türken und Juden zu zerstören. (Da die Behörden von Konstantinopel sich bei der Verfolgung des Mörders merkwürdig saumselig zeigten, erhob die Judemschaft der alten Hauptstadt beim Begräbnis der Ermordeten durch demonstrative Massenbeteiligung Protest gegen diese Verletzung des /natürlichen Rechtsempfindens. Die Kundgebung der Juden, ibei der es auch zu kleinen Zwischenfällen Ikam, gab Anlaß zu antijüdischer Hetze in einem Teil der türkischen Presse, zu antisemitischer Propaganda chauvinistischer Elemente, vornehmlich von Studenten. /Dieser Wühlarbeit Ikam es zustatten, daß die B ehörden gegen Teilnehmer an der jüdischen Kundgebung in Konsbantinopel vergingen und sie vor Gericht stellten. Es entwickelte sich in verschiedenen Teilen des Reiches eine antijüdische Strömung, die sich auch da und dort explosiv entlud. Bis heute kommen 'antijüdische Zwischenfälle vor, so erst vor einigen Tagen in Adrian op eil, wo es eine antisemitische Sprachpropaganda für das Türkische gab, /bei der der Direktor des öffentlichen Unterrichtes die Hauptrolle spielte; ea gab auch vereinzelte Ueberlälle auf Juden der Stadt, die jedoch von den Behörden rasch unterdrückt wurden; der Schuldirektor wurde abgesetzt. Die Stimmung, welche die Hetze schuf, wurde nun wirtschaftlich von der Regierung ausgenützt, die die Gelegenheit waihrnefomen wollte, dem „fremden" wirtschaftlichen Einfluß zu Leibe zu rücken; die Freizügigkeit der Juden wurde .beschränkt, da sie nur mit besonderer Erlaubnis in« flache Land reisen durften. Der beabsichtigte Effekt wurde nicht erzielt, da die Landbevölkerung seihst nach den jüdischen Vermittlern für den Absatz ihrer Produkte rief. Die Verordnung mußte daher jüngst wieder aufgehoben werden, iNun stand nach langer Untersuchung der Mörder der Elsa iNiego vor einigen Tagen vor dem Konstantinopler Gericht. Er wurde auf Grund eines ärztlichen Gutachtens, das ihn als irrsinnig erklärt, freigesp rochen. Der Vertreter der Zivilpartei legte gegen den Freispruch Berufung ein, über die demnächst entschieden werden soll. Es liegt kein türkischer Fall Rothstock oder Novosad vor, wie oberflächliche Beurteilung glauben machen könnte; aber der Freispruch des Osman Bey fällt auf einen durch üble Propaganda gedüngten Boden und kann von den chauvinistischen Hetzern, die eine Zeit lang so viel Erfolg hatten, zu neuen „Erfolgen" mißbraucht werden. Hier erhebt sich die Frage: Ist die Tragödie der Elsa Niego, die so unheimlich deutlich die bis dahin verborgene Tragödie der Juden in der neuen Türkei symbolisiert, wirklich zu Ende? Die völlige Vernichtung der religiös-kulturellen Autonomie der türkischen Juden, zu der jetzt auf Grund eines /netten vorbereiteten Gesetzes das Verbot von Vereinigungen, wie z, B. der Bnei-Brith-Logen, hinzuikommt, der wirtschaftliche Kampf, der immer rücksichtsloser gegen die jüdischen Faktoren im ökonomischen Leben der Türkei geführt wird --- das sind die tragischen Verwicklungen für die türkische Judenheit und sie dauern fort. Der Kampf gegen Lipsky Die Lage der American Zion Commonwealth. Aus New York wird berichtet: Die Auseinandersetzungen zwischen den Führern des amerikanischen Zionismus und den Führern der Opposition nimmt immer schärfere Formen an. In beiden Lagern bedient man sich der schärf sten Waffen, auf beiden Seiten herrscht Entschlossenheit, im Hinblick auf die im Juni d. J. zusammentretende Konvention der amerikanischen Zionisten den Kampf durchzufechten und die Entscheidung zugunsten der eigenen Partei herbeizuführen. . Die Auseinandersetzungen finden auch ihren Niederschlag in der Presse. Die letzte Sensation ist die scharfe Presse-Fehde, die zwischen dem Präsidenten der amerikanischen Zionistischen Organisation Louis Lipsky und dem oppositionellen Führer Ros.enson ausgebrochen ist. Rosenson veröffentlichte einen Aufsatz in der Presse, in welchem er von großer Mißwirtschaft in der Verwaltung der American Zion Commonwealth spricht, die drei Millionen Dollar Schulden habe. Aus den bei dem United Palestine Appeal einfließeiiden Geldernmußte eine halbe Million Dollar für die Commonwealth vorgestreckt werden. Rosenson richtet scharfe Angriffe gegen Lipsky, den er für die Mißerfolge in der American Zion Com- KARTONNAGENFABRIK 31 GELBAND & Co, WIEN IX. Grundlslr. 5 |t i\ Telephon A-19-0-69 beliefert alle führenden jüdischen Firmen mit|£ ALLEN ARTEN KARTONS monwealth verantwortlich macht. Lipsky habe ohne Zustimmung des Administrativ-Komitees, und ohne dieses Komitee hiervon offiziell in Kenntnis gesetzt zu haben, 285.000 Dollar der American Zion Commonwealth überwiesen. Auf den Angriff Rosensons antwortete Lipsky in einem Artikel, in welchem er feststellt, daß die Zionistische Organisation Amerikas die moralische Verantwortung für die American Zion Commonwealth schon im Jahre 1915 übernommen hatte und daß Richter Julian W. Mack, einer der Führer der Opposition, diese Verantwortung bis zum Jahre 1921, da er Präsident der amerikanischen Zionistischen Organisation war, mitgetragen hat. Lipsky behauptet, er habe niemals, wie ihn Rosenson beschuldigt, die Ueberweisungsordre über 285.000 Dollar an die Commonwealth ohne Befragung des Administrativ-Komitees unterzeichnet, und erhebt die Anschuldigung gegen Rosenson, daß dieser, als der Anwalt der American Zion Commonwealth, sich eine Gebühr von 6000 Dollar habe auszahlen lassen, obwohl er sich nach außen hin den Anschein gab, als ob er freiwillige Dienste tue. Zum Schluß teilt Lipsky die Tatsache mit, daß die American Zion Commonwealth endlich über alle Schwierigkeiten hinausgekommen sei, indem eine kleine Gruppe New Yorker Zionisten es übernommen hat, die Angelegenheiten der Commonwealth aus eigenen Mitteln restlos zu ordnen. Die Epidemie der Friedhof Schändungen hat jetzt auch auf Galizien übergegriffen. In der westgalizlschen Stadt Chrzanow wurde in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai der jüdische Friedhof in vandalischer Weise geschändet. 30 Grabsteine wurden umgestürzt und zerstört, 16 Gräber wurden vollständig aus geraubt. Die jüdische Bevölkerung der Stadt ist über diesen Vorfall TUCHHANMUNQ „MR SCHWERIN“ ALBERT HARDT WIEN I, FREISINGERGASSE 1 (Ich* Bauernmarkt) Original englische Damenmäntel* und Herrenmodestoffe in höchste Erregung geraten; die gesamte Judenschaft von Chrzanow zog zum Friedhof, von dort zum Bürgermeisteramt, wohin eine Deputation mit der Bitte um energische Intervention entsendet wurde. Mit Berufung auf den Staatsfeiertag am 3. Mai wurde die Deputation nicht empfangen. Bisher ist noch keine behördliche Untersuchungsaktion gegen die unbekannten Täter eingeleitet. Für eine einheitliche zionistische Organisation in Polen Aus Warschau wird uns geschrieben: Im. Polen bestehen bekanntlich drei zionistische Landesorganisationen, und zwar in Kongreßpolen, Ostgalizien und Westgalizien, Diese territoriale Zergliederung ist schon vielfach als hemmend für die Durchschlagskraft der zionistischen Arbeit in Polen empfunden worden und daher wurden schon vor einigen Jahren Versuche auf Vereinheitlichung der Organisationen gemacht. Sie führten seinerzeit zur Bildung eines Oberrates der drei Organisationen, der jedoch mach verhältnismäßig kurzer Zeit wieder aufgelassen wurde. Nun haben nach den Parlamentswahlen, bei denen sich die organisatorische Teilung besonders stark fühlbar machte, abermals Bemühungen eingesetzt, um eine einheitliche Organisation der Zionisten von ganz Polen zu schaffen. Ueber Anregung des Präsidenten der zionistischen Organisation von Kongreßpolen Leon L e v i t e, trat nun tarn 29. April in Lodz eine Konferenz der Zentralkomitees der drei zionistischen Organisationen Polens zusammen mit dem Zweck, die Vereinheitlichung der Organisation vorzubereiten und schon jetzt eine Koordinierung der zionistischen Arbeit durchzufiühren. Die Konferenz, in der die Herren L e v i t e, Dr. Leon Reich und Dr Schwarzbart den Vorsitz führten, beschloß nach mehrtägigen Beratungen, einen provisorischen Hauptrat als oberste Instanz der föderativ zusammetj^escHossenen zionistischen Organisationen in Polen zu schaffen. Er besteht aus 14 Personen, davon wurden sieben Vertreter aus Kongreßpolen (Leon Levite, Dr. Rosenblatt, Dr. Hindes, Redakteur Heftman, Redakteur A/penschlak, Dr. Seidemann und' ein noch zu bestimmender Vertreter aus Wilna), vier Vertreter aus Ostgalizien (Dr, Leon Reich, Doktor Schmorak, Dr. Rotfeld und Dr. Lezer) und drei Vertreter aus Westgalizien (Dr. Thon, Dr. Feldblum und Dr, Schwarzbart) gewählt. Tätigkeitsgebiet dieses neu geschaffenen Hauptrates ist: Führung der zionistischen Arbeit im Rahmen der gesamten zionistischem/ Bewegung in Polen, Vereinheitlichung der zionistischen Tätigkeit der drei Landeskomitees und Koordinierung der Landespolitik der Zionisten Polens. Der Hauptrat wurde auch von der Lodzer Tagung (bevollmächtigt, zu einem ihm (geeignet erscheinenden 'Zeitpunkte eine allgemeine Vertreter konferenz der Zionisten von gam>z Polen einzuberufen. Dr. Siegmund Werner gestorben In Iglau ist, kaum zwei Wochen nach dem Hinscheiden seiner Gattin, der Zahnarzt Dr. Siegmund Werner verstorben. Weit über den Kreis seines Wohnortes und Berufes war Dr. Werners Name bekannt. Er zählte zu den ersten, die sich dem Rufe Theodor Herzls anschlossen und hat in den Anfängen der zionistischen Bewegung reiche organisatorische und propagatorische Arbeit geleistet, besonders in seinem engeren Heimatlande Mähren, wo er bis in seine letzten Lebensjahre zionistisch tätig war. Er war auch eine Zeitlang Leiter des von Herzl begründeten zionistischen Zentralorgans »Die Welt«. In der jungjüdischen Kultur- und Literaturbewegung, die in den ersten Zeiten des Zionismus begann, war Werner neben Bcrthold Feiwel, Martin Buber, Hugo Zuckermann u, a. mitschaffend tätig und seine Lyrik fand damals viel Beachtung. Mit Werner ist ein treuer und eifriger Verfechter des zionistischen Gedankens dahingegangen. DEN NAMEN des Glücklichen, der am 14. X. 1927 mit dem hier gekauften, ganzen Klassenlos Nr. 36.518 den großen Haupttreffer mit 250.000 Schilling gewonnen, können wir nicht bekanntgeben, da wir bestimmungsgemäß zur absoluten Verschwiegenheit und Diskretion unseren Kunden gegenüber verpflichtet sind. Wir können Ihnen aber die Versicherung geben, daß ihm der volle Gewinnbetrag schon am 15. X. bar und ohne Abzug ausbezahlt wurde. Die Geschäftsstelle der österr. Klassenlotterie: J. Prokopp. Losversand für die Bundesländer. (Unserer heutigen Nummer liegt ein Prospekt der Firma bei, ajif den wir hiemit aufmerksam machen.)