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Die Stimme · 1928-05-03 · Heft 18 (3.5.1928) · page 12

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 18 (3.5.1928)
Date
1928-05-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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Seite 12 DIE STIMME Nr. 18 FRAUEN varwMidm VerhUt-Kugeln I (Vaginal-DeilnHcfens) Ärztlich empfohlen ti. glänzend begut- Mhtet. — Nicheetunesendung (t Dt*,) 8 3.50. — In allen Apotheken erhältlich. Qeneraidepot: Marlenapotnekfe, Wien, VI.» Schtflalshofgaftse 1. ErsatzprBpatate weise man entschieden zurück. und unter der obersten redaktionellen Leitung B i a 1 i k s bearbeitet wurde und schon in der nächsten Zeit herauskommen soll. Es bringt die hebräische Ueberset2ung von etwa 60.000 englischen Wörtern, denen in den meisten Fällen fünf bis sechs hebräische Synonyme entsprechen. — a— „Morgenlied und Morgenland" Das vorliegende Bändchen ausgewählter (Dichtungen von Bernard Tag stellt nur einen (quantitativ nicht bedeutenden) Teil eines langjährigen dichterischen Schaffens dar. Es enthält •inen Teil seiner lyrischen Produktionen, den ersten Teil des dramatischen Gedichtes „Moses" und die lyrische Prosaarbeit ,3et*adi". Es zeigt also nur die eine Seite, die rein emotionell dichterische, des in gleichem Maße riesenhaften Essayisten, Philosophen und Kulturpolitikers Tag. Dieses Bändchen ist aber dennoch mehr als «in Ausschnitt aus dem Stoffgebiet eines Dichters. Es (gibt in einem aum ersten Male einer größeren >Oeffentlichlkeit Kunde von der menschlichen und geistigen Grundhaltung eines zu Unrecht bisher nur von engeren Kreisen anerkannten und geschätzten dichterischen Gestalters der Gegenwart. Das Persönliche an diesem, den lyrischem Grundzug des Dichters beibehaltenden Bändchen ist die heute kaum sonst wo wahrnehmbare innige Verbundenheit mit Gottes Natur, die aus menschlich-dichterischer Quelle fließt, (ln den 'kleineren Gedichten.) Die visionäre 'Kraft, 'geboren aus qualvollem Erleben und Wissen um die Schande einer von Blut und Krieg getränkten Zeit (im „apokalyptischen Reiter"); das Ringen um die ewige menschliche Formungstendenz, mythisch und historisch (im .„Jungen Moses”); die psychologische Bloßlegung der mit der Einsamkeit ringenden, in, ihr verharrenden und dennoch das ganze große menschliche Erleben in sich sammelnden Einzelseele (im „Benadi"). Es muß nicht 'betont werden, daß diese sanfte und starke Erlebötsfährgikeit jüdisch sein wiU nicht nur im Sinne seelischer Verbundenheit sondern auch als aktive Potenz, Bernard Tag ist nicht nur Jude (kraft seines Seins. Er steht seit seinem Jünglingsalter mitten drin m der jüdischen Bewegung miterlebend und mitkämpfend. p, Ih, Jüdisches Theater Der „kleine Rott“ jubiliert ln Budapest haben sie dieser Tage den „kleinen Rott“, wie der jüdische Komiker Max Rott im allgemeinen genannt wird, anläßlich seines 40jährigen Darstellerjulbiläums gefeiert, Der (jkieme 'Rott" ist einer der Mitbegründer -und, derzeit älteste Vertreter jener von jedem bewußten Juden bekämpften Richtung der „iBudapester“ Jiargonkomödie, Rott, Eisenbach, Martin Schenk waren das Dreiglestirn, das in dem Konjunktur- Budapest vor etwa einem halben Jahrhundert mit .ihren Zerrbildern jüdischer Charaktere und. ihren als jüdischen Humor gebotenen jüdisch-deutschen Zoten viel Geld' verdienten und zu Popularität gelangten. Der Genießbarste unter ihnen war Martin Schenk, der es stets aibgelehnt hatte, Juden in seiner Gbanakterkomik zu verhöhnen. Schenk kam sehr früh nach Wien, wo er zu den beliebtesten Gharakterkomikern des Vianet 6s gehörte und vor einigen Jahren starb. Eisenbach verließ auch vor vielen Jahren Budapest, tbnachte eine eigene BucTapester Gesellschaft nach Wien und' verbreitete (hier all die Geschmacklosigkeiten, die in Budapest sich so lohnend; gezeigt hatten. Das war gerade in Wien um so unangenehmer und gefährlicher, als auch Eisenbach ein wirklich begabter Komiker war. Nicht zuletzt durch die konsequente Aufklärungsarbeit der zionistischen Presse und; das Vordringen der jüdischen Kunstbühnen hat 'das 'Budapester Genre in Wien schließlich an Anhang verloren, auch Eisenbach wandte sich soliderer Kunst zu. Der „klein« Rott" ist Budapest und den Budapestern treu geblieben, und findet mit seinen ungarisch-jüd'isoh-deutschen Zoten auch heute noch bei Juden und Christen starken Anklang. Auch Rott hat ganz entschieden schauspielerisches Talent und! es ist umsomehr zu 'bedauern, daß er jetzt als der unbestrittene Setbstbeherrscher auf 'dem jüdischen Brettl gefeiert wird, wo das ungarisch-jüdisch-deutsdhe .^Mauscheln" noch abstoßender wirkt als seine Wiener Abart, Scbalom Asch‘s Roman „Glaubensmartyrium" dramatisiert Der bekannte Roman „Glaubensmartyrium" von Schalom Asch, welcher die Zeit der Chmielnicky-Pogrorae behandelt, wurde von Dr. Michael W e i c h e r t für die Bühne bearbeitet und wird, vom Bearbeiter inszeniert, anfangs Mai in Warschau von der dort gastierenden Wilnaer Truppe aufgeführt. „Der Dybuk" au! der norwegischen Bühne Der bekannte jüdische Regisseur David Hermann, welcher in der letzten Zeit wieder bei der Wilnaer Truppe tätig war, wurde nach Oslo eingeladen, um dort am Theater „Balkangen" An-skis’ „Dybuk“ in norwegischer Bearbeitung zu inszenieren. Israel Brandmann Im Rahmen eines Kompositionsabends, an welchem Werke junger Musiker zur Aufführung gelangten, trat Israel Brandmann als Komponist und Geiger besonders hervor. Seine Violinsonate zeigte durchaus moderne Färbung kn Aufbau und in der Klangwirkung, der letzte Satz überraschte iÄ'V.: _i_,1» l, w Das Moskauer jiddisch-akademische Theater; linkst Der Leiter Alexis Granowsky. Unten: Szene ans Scholem Alejehems Komödie „200.000“. ili-- uUJL‘j ut- /.u. U. nt’i m m —a* . mimt durch seine chassidisch anmutende Thematik. Ferner gefielen die Stücke und Lieder von Skoöic, Zinner und Tschoepe. Im Quartett führte Brandmann, im Trio Kurt Fuchsgelb die Kompositionen zu glänzendem Erfolg. Ehrenabend Bernhard Wittler in den »Jüdischen Künstlerspielen«. Der beliebte Künstler wählte für seinen Ehrenabend das moderne Lebensbild »Studentenliebe«, das viele Möglichkeiten zur Entfaltung schauspielerischen Könnens bietet. Bernhard Wittler ließ sich keine entgehen und wurde vom ausverkauften Haus zusammen mit dem ganzen Ensemble stürmisch gefeiert, Oskar Beregi fesselte seine Verehrer durch den Vortrag klassischer Gedichte. Es war wirklich ein Sonderabeüd. Copyright by Joseph Opatovsky, New York (Schluß.) RICHTER LYNCH Von Joseph Opatoschu« (Autorisierte Uebersetzung aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz.) „Ich wette, daß es länger als eine halbe Stunde dauern wird!" „Um wieviel?" „Zwei zu eins!" „Allright!" „Und den Sheriff haben sie gut verbeult, was?" — warf einer ein. „Er liegt zu Bet^t!",. „Ganz recht!" „Er hatte ohnehin schon zu viel Flöhe in der Nase!" „Er wird sich lange hüten, einen Neger zu schützen!" „Warum lassen wir uns eigentlich hier von der Sonne braten? Kommt, setzen wir uns unter den Baum dort, dort ist es kühler!" „Hallo, Harry, wo ist der Vater?" der Schuster klopfte dem Sohn des Eisenhändlers Levy auf die Schulter. „Du kennst doch meinen Alten — er ist total verdreht! Ich habe heute eine „Auseinandersetzung" mit ihm gehabt!" — Harry lachte. — „Er droht, uns in Burke sitzen zu lassen; und er selber will nach New York, unter Juden wohnen! Seiner Meinung nach sollte man das ganze Dorf lynchen, nicht den Neger — was sagst du dazu? Ha, ha, ha!" „Unter uns gesprochen" — der Schuster schob langsam seinen steifen Hut aus der Stirn, was er immer tat, wenn er zu philosophieren begann — „einen Menschen zu verbrennen, selbst einen Schwar_ zen, dazu muß man schon ein Herz haben; das sind nur Gojim imstande!" „Du bist genau so ein Grünhorn wie miein Alter!" — Harry lachte dem Schuster ins Gesicht. Der Schuster legte seine schwielige Hand auf Harrys Kopf, daß er sich unwillkürlich tief bücken mußte, sah ihn, ohne ein Wort zu sprechen, verächtlich an und verschwand im Gedränge. „Ein Grünhorn" — Harry sah ihm lange nach . . „Er spricht mit dem Pastor" — rief iemand. „Wer, der Neger?" „Was will er?" „Er wünscht eine Bibel!" „Vor dem Tode werden sie fromm!" „Der Pastor soll die ganze Nacht bei ihm gewesen sein!" „Er müßte uns eigentlich dankbar sein — bald werden wir ihn ins Paradies befördern," Buckert kniete nieder und begann mit lauter Stimme die Offenbarung des heiligen Johannes zu Schule ftlr rhythmische Gymnosllk Hede Juer (Bodeawleser-Qruppe) Wien I, Welhtmrggasse 0 Warme Dusehe Neue Schule tUr Bewegungskunsl Inheber: Hilde Holger und Orete Kollmann Wien 1, SlngerslroQe io Telephon 77-4*43 Universeller Unterricht und Berufsausbildung in rhythmischer Gymnastik und Tanz für beide Geschlechter. Theoretischer Unterricht ln Anatomie, Pädagogik, Harmonie- und Pormenlehre, Musik- und Tanzgeschichte, Kunstgeschichte und KoatUmhunde, lesen. Die Zuschauter, die noch immer ihre Scherze machten, wurden neugierig, brachen ihre Unterhaltung ab und hörten zu, Buckerts Stimme, die im Anfang gebebt hatte, wurde fest und tönte frei und laut: „~-und ich sah im Himmel ein Tor sich öffnen; und die erste Stimme, die zu mir sprach,, klang wie eine Posaune und sie redete zu mir: Komm* zu mir, ich werde dir zeigen, was später geschieht-" Es wurde still wie in der Kirche. Auf den Fußspitzen stehend hörte die Menge zu; vor ihren Augen schimmerte bleich der steinstarre Friedhof, dessen weiße Kreuze jedes Begehren dämpften und eindämmten. Die älteren Farmer fühlten sich unbehaglich und ihre Augen wichen einander aus. Buckerts Stimme klang immer klarer und freier; seine Augen blickten fromm zum Himmel. So sahen wohl die ersten Christen aus, als sie auf dem Scheiterhaufen standen. Die Leute fingen an sich umzusehen; sie vergaßen an Buckert und ein Fragen begann: „Was bedeutet das? Was gibt es dort?" Mitten in der Menge Stand ein kleiner Mann; nur seine erhobenen Fäuste waren zu sehen; und er erhob seine Stimme, die dumpf und feucht klang wie aus einem Grabe: „Ihr wollt Christen sein? Wenn ihr Christen seid, dann ist es eine Schande Christ zu sein, dann bin ich kein Christ!" Ein Beben ging durch die Menge. Die Augen waren starr, die Münder offen. Diese ganze Masse sah jetzt aus wie aus weichem Lehm und iedie Hand hätte sie nach ihrem Willen kneten und formen können. 7. Das mit Holz beladene Auto, das auf dem sandigen Weg erschien, genügte, um die eben erst niedergezwungene Freude an der Qual eines Schwachen wieder zu wecken, und von allen Seiten wurden. Stimmen der Entrüstung laut: „Was will der Yankee?" „Wer hat ihn gerufen?" „Er soll nach Boston gehen!" „Gäbe es nicht die verdammten Yankees, es wäre nie so weit gekommen!" „Sie haben die Neger befreit — sie können sich mit ihnen verschwägern!" Das^ Auto hielt. Der Eisenpfahl wurde in den Hügel eingerammt. Schwere Hammerschläge übertönten die Worte des heiligen Johannes. Um den Pfahl wurden Steine gelegt, das Holz darüber geschichtet. Einige Männer traten auf Buckert zu: „Fertig?" Buckert erhob sich langsam. Er sah die Männer an, als wollte er sich ihre Gesichter genau einprägen. Dann riß er Blatt um Blatt aus der Offenbarung Johannes aus dem Buch und verteilte die Blätter an die Menge. Ein heiliger Schauer durchrieselte alle; sie fühlten — wenn jetzt jemand Fürbitte für den Neger einlegt, so erhebt sich keine Hand gegen ihn und alle kehren heim.

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