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Die Stimme · 1928-05-03 · Heft 18 (3.5.1928) · page 10

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 18 (3.5.1928)
Date
1928-05-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 DIE STIMME Nr. 18 C <|IBA l©doTa*ch«nuhr-n©param «9 9V für ohne Bruch bei i-jähriger | Garantie MJ| 8% Wien, IX., Liechtensteinstraße 30 ( wr Wien, IX., Berggasse 3/4a Uhren- und Antiquit&ten-KHnik, Optische Werk- | stätte. Rektameatelier. Alle einschlägigen Reparaturen und Neuanschaffungen | zu konkurrenzlosen Preisen. [ ... {Garten * Tennisplätze i| ]' Preise S l-50 bis S 4r— J 0 Abonnement nach Vereinbarung. <[ 36er und 37er Linie in nächster Nähe Kahlenbergerstr. 46 / Tel. A-12-6-35 (i Amtliche Verlautbarungen der israelitischen Kultusgemeinde Wien Erneuerung des Mietrerhältnlsses der Tempelsitze in den Gemeindebethäusern Innere Stadt und Leopoldstadt. Die Inhaber von Sitzplätzen in den Gemeindebethäusern Innere Stadt und Leopoldstadt werden ersucht, die Erneuerung der Sitze bis 15, Mai bei der Hauptkassa der Kultusgemeinde während der täglichen Amtsstunden von 9 bis 1 Uhr vorzunehmen oder sich zu diesem Behufe der ihnen übermittelten Posterlagscheine zu bedienen. Die bis längstens 31. Mai d. J. nicht bezahlten Sitzplätze gelangen ohne weitere Verständigung zur Weitervermietung und kann eine weitere. Reklamation nicht berücksichtigt werden. Dem Inhaber eines Tempelsitzes steht, im Falle er den Bezug des Sitzes aufläßt, keine Ingerenz bezüglich der Weitervergebung desselben zu. Betsitzkarten sind bei der Hauptkassa der Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, während der Amtsstunden erhältlich. Bibliothek der israelitischen Kultusgemeinde. Die Bibliothek wurde im Monate Februar von 1114 Lesern besucht, die 2260 Werke, bezw. 3643 Bände benützten. Entlehnt wurden an 163 Personen 236 Werke in 327 Bänden, zurückerstattet 200 Werke, bezw. 280 Bände. Im Berichtsmonat hat die Bibliothek 114 Werke neu erworben. Im Monate März wurde die Bibliothek von 919 Lesern besucht, die 1759 Werke, bezw. 2912 Bände benützten. Entlehnt wurden an 157 Personen 237 Werke in 308 Bänden, zurückgestellt 169 Werke, bezw. 257 Bände. Im Monate März hat die Bibliothek 84 Werke neu erworben. Matrikenbericht für den Monat März 1928. Beim Matrikenamte der israelitischen Kultusgemeinde gelangten im Monate März zur Eintragung: 128 Geburten, 296 Sterbefälle, 85 Austritte aus der israelitischen Religionsgesellschaft und 17 Eintritte ins Judentum. Konfirmation der Mädchen im Jahre 1928. Die Konfirmation der Mädchen findet im Jahre 1928 im Stadttempel, I., Seitenstettengasse 4, am Donnerstag, den 7. Juni, um 10 Uhr vormittags und im Leopoldstädter Tempel, II., Tempelgasse 5, am Sonntag, den 3. Juni, statt. Die Konfirmation der Mädchen in den übrigen Gemeinde- Synagogen wird später bekanntgegeben werden. Arbeitsnachweis- und Arbeitsvermittlungs- Stelle ine Leben gerufen werden, um stellen- und arbeitslosen Juden Verdienstmöglichkeiten zu schaffen. In Budapest sind gegenwärtig fünf unter Aufsicht der Kultusgemeinde stehende streng koscher geführte Volksküchen in Betrieb. Der in der Nachkriegszeit entstandenen schwierigen wirtschaftlichen Lage des Großteils der Budapester Juden Rechnung tragend, sollen solche Speiseballen auch in den inneren Bezirken der iStadt errichtet werden. Zum Schlüsse führt Dr. Zahler in seinem Programm folgendes aus: „Nach bewährten ausländischen Vorbildern müssen auch wir daran schreiten, zur Befriedigung des Kreditbedürfnisses der kleinen Existenzen ein entsprechendes Finanzorgan zu schaffen und auszubauen. Ebenso muß unser Streben darauf gerichtet sein, an Stelle der bisherigen unproduktiven Geldverteilungen, die hiefütr aufgewendeten Beträge zur Schaffung produktiver Werte zu verwenden. Anstatt der Behandlung der Krankheitssymptome müssen wir nunmehr zur Eruierung und Beseitigung der Wurzel des Uelbels übergehen." Baron Adol! Kohner, Präsident der ungarisch, israelitischen Landeskanzlei Aus Budapest wird uns geschrieben: Das Kuratorium der ungarisch-israelitischen Landeskanzlei, die oberste Organisationsstelle der neologen Judenschaft in Ungarn, hat an Stelle des verstorbenen Präsidenten Dr. Franz Mezey den Baron Adolf Kohner zum Präsidenten gewählt. Alter Gepflogenheit gemäß wurde Baron Kohner auch zum Präsidenten des Pester jüdischen Gemeindebezirkes gewählt. Baron Adolf Kohner ist einer der wenigen in der liberalen Aera geadelten Juden in Ungarn, die noch im Judentum Bilderschwemme KUNSTHANDLUNG WÜRTHLE Wien I, Weihburggasse 9 Bilder, Aquarelle, Handzeichnungen prominenter Melsfer von 30 Schilling aufwärts geblieben sind und sich auch im jüdischen öffentlichen Leben aktiv betätigen. Vor etwa 15 Jahren begründete Kohner den ungarisch-israelitischen Landesfonds, der es sich zur Aufgabe gestellt hatte, in den nationalistischen Gegenden des alten Ungarns ungarisch-jüdische Schulen zu errichten. Diese Magyarisierungstätigkeit der Juden hat nicht wenig zur Verbreitung des Antisemitismus unter den Nationalitäten beigetragen. Erfolgreich war die Tätigkeit Baron Kohners als Präsident des Verbandes zur Verbreitung von Handwerk und Landwirtschaft unter den Juden Ungarns. Auch in der Kultusgemeinde ist Baron Kohner seit zehn Jahren aktiv tätig. Im wirtschaftlichen Leben Ungarns spielt er eine führende Rolle. Das Bankhaus Kohner, dessen Chef Baron Adolf Kohner ist, erstreckt seine geschäftliche Tätigkeit auf nahezu sämtliche Gebiete der Industrie. Die ungarisch - israelitische Landeskanzlei, an deren Spitze Baron Adolf Kohner berufen wurde, hat vor dem Kriege im Leben der ungarischen Juden eine sehr wichtige Rolle gespielt. Es gibt in Ungarn infolge der Trennung zwischen den Orthodoxen und Fortschrittlern auch zwei israelitische Landeskanzleien, die die Verbindung zwischen der Regierung und den jüdischen Konfessionen in Ungarn herstellen. Durch den Krieg haben diese Landeskanzleien an Bedeutung stark eingebüßt, und Baron Kohner, dessen Organisationstalent bekannt ist, hat es nun auf sich genommen, die neologe Landeskanzlei zu neuer Geltung zu bringen. I BÜCHERSTUBE M. RATH I | II. TABORSTRASSE 20 a, TELEPHON 43-1-58 8 :: MODERNE LITERATUR / WISSENSCHAFT g H JUGENDSCHRIFTEN / JUDAICA UND HEBRAICA #### u ••«••«•••• Kohner hat auch an dem Zustandekommen der P r 0 - Palästina-Vereinigung und der Legalisierung des Statutes der zionistischen Organisation in Ungarn mitgewirkt. Warum jüdische Gemeinden in Galizien aufgelöst werden Aus Warschau wird gemeldet: Die Seijim-Depufeierten Oberrabbiner Dr. Thon (Krakau) und ®r, Leon Reich (Lemberg) intervenierten beim Vizekanzler Professor Bartel wegen der Auflösung einer größeren Zahl (jüdischer Gemeindeverwaltungen in G a 1 iz i e q, darunter in der hochangeselhenen Gemeinde Neu-Sand ec, die vom Krakauer Wotjwoden verfügt wurde, weil die Mehrheit der Vorstandsmitglieder Zionisten sind. Der Vizekanzler Professor Bartel versprach, sich mit dem Innenminister dahin zu verständigen!, daß die Auflösungsdekrete zurückgezogen werden. Die staatliche Beihilfe für die jüdische Konfession in Jugoslawien Das jugoslawische Kultusministerium hat soeben das Budget für das Jahr 1928 veröffentlicht, dem zu entnehmen ist, daß auf einen Gläubigen der orthodoxen Kirche 9.66, auf einen der römischkatholischen Kirche 8.88, auf einen der evangelischen Kirche 5.25, auf einen Islam'iten 14.23, auf einen Altkatholiken 3.25, auf einen Angehörigen der jüdischen Konfession aber 17.64 Dinar an Ausgaben des Staates entfallen. (Dies wlürde bedeuten, daß der Staat der jüdischen Konfession die größte Unterstützung angedeihen lasse. In Wirklichkeit ist dem nicht so, da die Ziffer 17.65 unter Zugrundelegung einer Zahl von 65.000 Juden berechnet ist, während die Zahl der Juden in Jugoslawien bedeutend höher ist, — Die Red.) Der Führer der kroatischen Bauernpartei, Stephan Radic, hat, wie wir bereits berichtet haben, den antisemitischen Kampf begonnen. Der jugoslawische Ministerpräsident Velja V uk icevic, der in diesen Tagen in Zagreb weilte, äußerte sich über die antisemitische Taktik des Bauernführers wie folgt: wRadic ist zum Angriff auf die Juden übergegangen. Ob dies klug und richtig ist, darüber mag er selbst entscheiden. Meiner Meinung nach ist dies kein kleines Unterfangen. Ich glaube, daß sich die Juden zur Wehr setzen werden und daß sie auch Möglichkeiten haben, sich zu verteidigen." Predigten in den israelitischen Gemeindetempeln. Am Samstag, den 5. Mai 1928, finden in den Gemeindetempeln XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang), und XXI., Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M, Rosenmann), beim Morgengottesdienste (Beginn 8 Uhr 30 Minuten) exegetische Vorträge statt. Israelitischer Jugendgottesdienst. Samstag, den 5. Mai d. J., findet um 3 Uhr nachmittags der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks- Synagogen statt. Wissenschaft, Literatur, Kunst Das soziale Fürsorgeprogramm der Budapester Kultusgemeinde Aus Budapest wird uns das Programm des neugewählten Kultusvorstandes auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge zugesendet. (Das Programm wurde von dem wiedergewählten Obmann der Wohltätigkeitssektion, Dr. Emil Zahler, entworfen, der seit mehreren Jahren Referent für Wohlfahrtsangelegenheiten ist. In dem Zukunftsprogramm heißt es u. a.: Die Regelung des Armenwesens ist im Grunde genommen durchaus nicht Aufgabe der Kultusgemeinde, sondern Pflicht des Staates. Die Kultusgemeinde vermag höchstens durch Schaffung von Investitionen im Rahmen der ihr zur Verfügung stehenden Mittel ihre notleidenden Glaubensgenossen in ihren Schutz zu nehmen. Um nun die zur Verfügung stehenden finanziellen und sonstigen Naturalhilfsmittel in möglichst gerechter Weise an die Würdigsten zur Verteilung zu bringen, wurde die Wohltätigkeitssektion in drei Unterabteilungen geteilt, Diese sind: 1, Abteilung für Gründung von Existenzen. Von hier aus soll mit Hilfe kleinerer oder größerer Beträge die Gründung von Existenzen durch Ankauf von Nähmaschinen, Marktverkaufshütten, Verkaufsständen und die Erlangung der hierzu erforderlichen behördlichen Bewilligungen ermöglicht werden. — 2. Abteilung für die Unterstützung verschämter Armer und 3. die Abteilung für monatliche Unterstützung an invalide und arbeitslose Personen auf Grund genauer Prüfung der einzelnen Lebensverhältnisse, — Zur Bekämpfung des Professionalbetteins und der unzulässigen Doppelbeteilung soll schon binnen kurzem eine zentrale Die jüdischen Künstler Wiens — hungern! Aeußerungen jüdischer Persönlichkeiten aus dem Wiener Kunstleben. Eine Reihe von Zuschriften bezeugt die Aufmerksamkeit, welche unser Aufsatz, der sich mit der Lage der jüdischen Künstler in Wien beschäftigt, in Künstler- und Käuferkreisen gefunden hat. Wir haben uns im übrigen an prominente Künstler selbst gewendet, um ihre persönliche Einstellung und ihre individuellen Erfahrungen kennen zu lernen und veröffentlichen zunächst die Aeußerungen zweier Persönlichkeiten, denen weitere folgen werden. Professor Jehudo Epstein, ein Maler von internationalem Ruf und über ein Vierteljahrhundert im Wiener Kunstleben stehend, findet keinen Grund, die gegenwärtige Epoche für die jüdischen Künstler pessimistisch zu betrachten. Er äußert sich folgendermaßen: »Wenn ich auch den Wert eines publizistischen Hinweises auf die Lage des WieneT jüdischen Künstlers nicht unterschätze, so glaube ich doch, daß Ihre Skepsis, Ihr Pessimismus zu scharf pointiert ist. Man weiß ja, daß die geistig Schaffenden schwer ringen müssen. Aber ich habe das Gefühl von der Ueberwindung der schwersten Krise. Ein Vierteljahrhundert im Kunstleben Wiens stehend, hatte ich genug Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln und die Einstellung Künstler—Käufer zu studieren. Gegenwärtig scheint mir diesbezüglich eine Besserung platzgegriffen zu haben. Man geht wieder in Ausstellungen, man gibt wieder Aufträge, man kauft wieder. Eine Zeitlang war es der Kunsthändler, der zwischen dem Künstler und dem Käufer stand und diesem seine Ware anhängte, die sogenannten »alten« Bilder, die man als Kapitalsanlage erwarb — obwohl es bekanntlich fast keine guten alten Meister im Privathandel mehr gibt, da sich alles Wertvolle bereits in festen Händen befifidet. Die Faszination, der Rummel, die Irreleitung war groß. Diese Epoche ist im großen und ganzen vorüber. Dem Taumel der Kunstschriftstellerei zum Trotz, die sich immer noch in Richtungsschlagwörtern nicht genug tun kann, ist eine Beruhigung des Publikums eingetreten. Man ist wieder zum Begriff und zum Begreifen der Qualität zurückgekehrt. Gediegenes Können und Talent ist eine Sache, und Talent allein, ohne Können, ist eine andere. Man kommt bald darauf, was Bestand hat. Es gibt nach dem Ausspruch eines geistreichen Kopfes etwas, das der Mensch umsonst hat: den Genuß großer Kunstwerke. Für die Kulturwerte, die die großen Meister geschaffen haben, können diese-

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