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Die Stimme · 1928-05-03 · Heft 18 (3.5.1928) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 18 (3.5.1928)
Date
1928-05-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 18 OIE STIMME Seite 9 Josua «ine so große Rolle gespielt (1. Mos. 33, 20. Buch Josua 24, 26). Es ist mithin bei den Ausgrabungen von Sichern geglückt, das berühmteste altisraelitisohe Kultob|ekt wiederzufindeti. Die jüdische Gemeinde M Gräber aus der Zeit des zweiten Tempels 1 In einer Höhle in der Nähe von Jerusalem wurden d r e »- - zehn Sarkophage, die hebräische und griechische Inschriften tragen, mit Gebeinen entdeckt, Aus den Inschriften ~ ist zu ersehen, daß die Gräber aus der Periode des zweiten * jüdischen Tempels stammen. Oberrabbiner Kook hat an die * Regierung das Ersuchen gestellt, die Gebeine zur Beerdigung 1 nach jüdischem Ritus freizugeben. Miszellen 1 L l Die Palästina-Verwaltung. »London Gazette« teilt mit, daß der Oberkommissär für Palästina Feldmarschall Lord P1 u m e r jetzt auch zum Oberkommissär für Trans- Jordanien ernannt worden sei. Die .»Offfcial Gazette« der Palästina-Regierung veröffentlicht eine Reihe von provisorischen Beamtenernennungen, darunter auch die von Mills, des bisherigen stellvertretenden Chefsekretärs, zum zeitweiligen Nachfolger des nach Aden versetzten Chief Secretary Colonel Symes. „Haarez“ verzeichnet das Gerücht, daß der vielfach stark angegriffene Chef des Einwanderungs-Departements der Palästina-Regierung, Hyansoo, demnächst seinen Posten verlassen würde. Einnahmen und Ausgaben der Zionistischen Palästina- Exekutive, Die Zionistische Palästina-Exekutive veröffentlicht eine Uebersicht über Einnahmen und Ausgaben von April 1908 bis 30, September 1927. Daraus geht hervor, daß die Zionistische Organisation während dieser 9 Jahre 3,998.615 Pfund in Palästina ausgegeben hat, davon 1,027.870 Pfund für die Landwirtschaft, 1,050.604 Pfund für das Erziehung s-, 402.585 Pfund für das Gesundheitswesen und 204.417 Pfund für die Förderung von Handel und Industrie, Die Ausgaben für die Verwaltung betrugen in diesem Zeitraum insgesamt 211.155 Pfund, Am 30. $eptember 1927 ergab sich ein Defizit von 156,330 Pfund. Der jüdische Bodenbesitz in Palästina betrug laut einer offiziellen Statistik Ende 1927 rund 1 Million D un am. Davon gehörten 429.000 Dunam der PICA, 214.000 dem Keren Kajemeth, 208.000 Privaten und 15LOOO der Zion Commonwealth und den mit dieser verbundenen Gesellschaften. "Wie aus Jerusalem mitgeteilt wird, werden in Ikurzem die Visa im Verkehr zwischen Palästina umid Syrien sowie der Liibanonprovinz aibigeschafft werden; die Bewohner der genannten Länder werden bei Ueberscbreiten der Grenze nur die Pässe vorzuzeigen halben, * Der Haifaer Arbeiterrat hat sechs linksorientierte Arbeiter, die anläßlich des Empfanges Vanderveldes durch die palästinensische Arbeiterschaft eine Gegendemonstration veranstalteten, aus der Arbeiterföderation (Histadruth Haowdim) ausgeschlossen, d>ie Führer der Moslems in Palästina haben eine Prot#st reßo 111 t-io® gegen die cbriet 1 iche Missionat ä t i g k e i t tm Orient an Lord Pluimer, das Londoner Kolonialamt, den König von England1, 'die Regierungen Italiens ■und Frankreichs und an alle mohammedanischen Herrscher gesendet. * Fanatisigrte arabische Christen überfielen zwei jüdische Touristenführer, die Touristen zum Besuch des Heiligen Grabes geleiteten, und mißhandelten sie schwer. Arabische Moslems, die zur Grabwache gehören, beteiligten sich an der Mißhandlung der jüdischen Tpuristenführer. Bei der (Bekämpfung der Heuschreckenplage in der Gegend von JericJko in Palästina mit Hilfe von F)«wncnensahleudem wurden ein Araber getötet und ein Jude schwer verletzt Die Arbeiter-Krankenkasse „Kupabh Gholim“ veranstaltet vom 1. bis 8, Mai d. J. in ganz Palästina eine ,,/W o c b e für s oziale Hygien e", 'io deren Verlauf überall Referate über praktische (Hygiene gehallten, sowie aufklär ende Broschüren und Aufrufe über die verschiedenen (Fragen der sozialen Hygiene verbreitet werden sollen. * Der in Jerusalem verstorbene berühmte Chirurg Professor D o l>j>amsky 'hat seinen Leichnam dem medizinischen Institut der hebräischen Universität zu iForschiungszweckeni vermacht. In seinem Testament hat er ferner bestimmt, daß wenn eines seiner Kind e r, sei es Söhn oder Tochter, aus Palästina fortzieht, es seines Teiles am väterlichen Erbe verlustig geht. Die „Gemeinnützige Genossenschaft schweizerischer Sclhuil- und Valkskinos“ entsandte eine 'große (Filmexpedition nach den Süd- und O&tländern des Mittelländischen Meeres. Die Hauptaufmerksamkeit 'gilt Palästina, wo alle biblischen und (historischen Plätze filmisch aufgenommen werden sollen. Die Expedition ist am 11. April nach Palästina 'abgereist. * Das Direktorium der Mi sr aohi - Bank in (Palästina beschloß, der demnächst stattfindeniden Generalversammlung der Aktionäre varzusdhlagen, für das vergangene Jahr eine D i v id e <nd e vao 4 Prozent lausausabütten und die DarlehenszüiAen zu ermäßigen. Arbeitsfürsorge, nicht Almosenl Von Dr. Leo Goldhammer. Die mißlichen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse, die sich bei der jüdischen Bevölkerung in allen Ländern und auch in Wien herausgebildet haben, legen jenen Institutionen, welche als die Repräsentanten jüdischer Interessen anzusehen sind, besondere Verpflichtungen auf. Zunächst, wie sind diese wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung Wiens geartet? Ungefähr 55 Prozent der Judenheit Wiens sind berufstätig; ihre ökonomische Gliederung ist dieselbe, die man überall bei den Juden vorfindet, und zwar sind ungefähr 28 Prozent in der Industrie und im Gewerbe, ungefähr 44 Prozent im Handel und Verkehr, ungefähr 9 Prozent in den freien Berufen und öffentlichen Diensten und ein Bruchteil eines Prozentes in der Landwirtschaft tätig. Umgekehrt liegen die Verhältnisse bei der nicht jüdischen Bevölkerung. Wenn man die soziale Gliederung berücksichtigt, ist das Ergebnis ein noch krasseres: 45 Prozent der berufstätigen Juden sind selbständig und 55 Prozent unselbständig, bei der nichtjtidischen Bevölkerung 29 Prozent selbständig und 71 Prozent unselbständig. Die größte Zahl der Arbeitslosen stellen in der Industrie und im Gewerbe jene Kategorien, welche mit der Herstellung von Bekleidungsgegenständen beschäftigt sind, im Handel die Kategorie der Detailleure, also jene Kategorien, in denen gerade die jüdische Bevölkerung am meisten vertreten ist. Untersucht man. die Verhältnisse bei den selbständig Berufstätigen, so muß man ebenfalls konstatieren, daß in jenen Berufskategorien, in denen die Juden beschäftigt sind, d i e S t a g n a t i o n am größten ist, und zwar in jenen Berufsarten, die sich mit der Herstellung von Luxusgegenständen befassen, bei den Händlern und schließlich in den freien Berufen. Eine Unzahl von privaten Wohltätigkeitsvereinen, sowie das Wohlfahrtsamt der jüdischen Gemeinde versuchen helfend einzugreifen, insbesondere hat die letztere dank der besonders energischen Initiative der zionistischen Mandatare die für Wohlfahrtszwecke ausgeworfenen Beträge um ein Vielfaches erhöht. Wir sind aber in allem und jedem noch immer nicht aus der Armenfürsorge herausgekommen und finden daher kaum einen Ansatz einer produktiven Arbeitsfürsorge. Bei den geltenden Verhältnissen, wo der Almosengeber von gestern morgen zum Almosenempfänger wird, wo also das persönliche Verschuldensmoment fast ganz geschwunden und das Moment der sozialen Gesamthaftung in den Vordergrund getreten ist, muß es Aufgabe einer jeden zielbewußten Fürsorgetätigkeit sein, alle mit ihr notwendig verknüpften Maßnahmen produktiv zu gestalten und die Menschen arbeitsfähig zu machen und zu erhalten. Ist doch das Ideal aller produktiven Fürsorge, die menschliche Arbeitskraft in den gesamten Wirtschaftsprozeß einzuordnen und sie womöglich zu verselbständigen, während zeitweilige, größere oder geringere geldliche Unterstützung immer den Empfänger demoralisiert und seine wirtschaftliche produktive Kraft der Gesamtheit allmählich entzieht. um FROHJAHR die allerletzten Kreationen der Pariser Haute couture und «iganar Schöpfungen aus edelsten Materialien ln unerreichter Auswahl zu den bekannt billigen Krupnlk-Preisen NUR VU. KflISERSTR. 115 Wir haben nirgends Filialenl Worin soll nun diese produktive Fürsorgetßtig# keit der Kultusgemeinde bestehen? Die einleitend in wenigen Worten angedeuteten wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung Wiens lehren uns, daß heute dringender denn jt eine Berufsumschichtung notwendig ist, Die jüdische Jugend — und diese kommt vor allem in Frage, denn bei den schon heute in bestimmten, traditionellen Berufen Stehenden wird eine Umschichtung nur noch selten möglich sein — muß jenen Berufskategorien zugeführt werden, in denen ein Abbau nicht so leicht möglich und bei deren Ausübung ihrem Träger die ganze Welt offen steht. Oberste und wichtigste Forderung ist es also, daß die jüdische Gemeinde die Berufsberatung in die Hand nimmt und sie intensiv gestaltet, Was auf diesem Gebiete geleistet werden kann, zeigt die jüdische Gemeinde Berlin, wo von den die Berufsratungstelle in Anspruch nehmenden jungen Menschen im Jahre 1924 noch 47.39 Prozent den kaufmännischen Beruf wählten, während im Jahre 1927 nur noch 33.51 Prozent ihn ergriffen. Für diejenigen, die schon in Berufen stehen und eine Aenderung derselben schwer möglich ist, muß die jüdische Gemeinde dort eingreifen, wo öffentliche Unterstützungsquellen nicht oder nicht genügend vorhanden sind; so muß sie den berufslos gewordenen jüdischen Angestellten produktiveren, indem sie ihm Arbeitsstellen verschafft. Die Arbeitsnachweise der jüdischen Gemeinde in Berlin konnten im Jahre 1926 von 9138 Bewerbern 4334 unterbringen, im Jahre 1927 von 9409 eine Zahl von 5865. Wir besitzen in Wien ebenfalls einen jüdischen Arbeitsnachweis, der aber eigentlich nur mehr seine Existenz auf dem Papiere hat, da er nicht über die erforderlichen Geldmittel und, als Privatinstitution, auch nicht über das notwendige^ Ansehen verfügt; so kann von einer Vermittlung bei ihm heute fast gar keine Rede sein, Die Verdrängung der jüdischen Arbeitnehmer von ihren Arbeitsplätzen nimmt aber immer schärfere Formen an. Dazu kommt noch, daß nicht wenige aus religiösen Gründen auf die Einhaltung der Sabbathruhe Gewicht legen. Der Arbeitsnachweis muß daher von der jüdischen Gemeinde übernommen werden, da nur sie jene Beziehungen und Verbindungen mit den jüdischen Arbeitgebern herzustellen vermag, die zu einer erfolgreichen Tätigkeit notwendig sind. Ueber das Gewerbeförderungsamt wird sie auch nicht mehr hinwegkommen können. Eine nicht geringe Zahl unserer in Gewerben tätiger Menschen ist infolge mangelnder Ausbildung erwerbsbeschränkt und daher nicht voll konkurrenzfähig. Dieses Amt wird daher an die Errichtung von Lehrwerkstätten, eventuell in Verbindung mit Werkheimen, schreiten müssen, um den Lehrlingen zunächst jene Ausbildung geben zu können, die sie in dem ungeheuren Wirtschaftskampf konkurrenzfähig macht, ihnen aber auch die jüdischen Werte vermittelt, welche die gerade in diesen Kreisen besonders stark sich ausdehnende Abfallbewegung einzudämmen vermag. Den Heimarbeitern werden geeignete Maschinen und Werkzeuge zur Verfügung zu stellen sein, damit sie absatzfähige Produkte auf den Markt bringen können. Eine zentrale Einkaufs- und Verkaufsgenossenschaft wird sodann das notwendige Rohmaterial für alle Lehrwerkstätten und Heimarbeiter besorgen und die produzierten Waren zu entsprechenden Preisen abzusetzen versuchen müssen. Besondere Aufmerksamkeit werden wir aber unseren Erwerbslosenfragen zuzuwenden haben. Wer Einsicht in die Verhältnisse zu nehmen Gelegenheit hatte, wird ohneweiters finden, daß in nicht wenigen Fällen die von der Gemeinde errichteten und die privaten Kreditinstitute beim jüdischen Kreditnehmer fast völlig versagen. Hier heißt es, Darlehenskassen zu schaffen, die vorhandene, wohl ausgezeichnet funktionierende, aber infolge der ihr zur Verfügung stehenden unzureichenden Geldmittel doch nur unzulängliche Vorschußkasse entsprechend auszubauen und auszugestalten. Dies darf in Hinkunft nicht Sache einiger weniger sein, die lediglich von charitaiiven Momenten zur Mittätigkeit veranlaßt werden, sondern hier muß die jüdische Gemeinde einschreiten. Sie soll auch die Frage der Erwerbslosen- und der Arbeitslosenversicherung vom Flecke bringen. Für all das ist, ich höre es schon sagen, ungeheuer viel Geld notwendig, das der immer mehr verarmenden jüdischen Bevölkerung nicht zur Verfügung steht und somit auch von der jüdischen Gemeinde nicht beschafft werden kann. Wir haben aber in unserem früheren Aufsatz auf eine der wichtigsten Quellen auch hiefür hingewiesen, die wir nunmehr unbedingt in Anspruch nehmen müssen, nämlich d 1 e Beitrags 1 eistung von Bund und Gemeinde. Denn was heute not tut, ist soziale Arbeit und nicht Wohltätigkeit, produktive Fürsorge und nicht Spenden, Arbeitsmöglichkeit für alle gesunden, kräftigen und arbeitsfähigen Menschen und nicht Almosen. / ' •; 485323535353534853482348532353482353235323482323482323232323482323 9090534848482348534823534853234853485323484823234853484848234848234853232348532348484823232323532323

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