Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1928)
- Date
- 1928-05-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 18 - iiliSI illÜ Jüdische Polizei in den Erez-Israel-Kolonien: Ein „Hüter der Ordnung" in der Kolonie Rechoboth. dem Numerus clausus leidenden jüdischen Studenten ein Asyl bieten soll. Es werden Ziffern angeführt, um zu zeigen, wie mit verhältnismäßig kleinen Beträgen einige der neuen Staaten Osteuropas vollentwickelte Universitäten unterhalten, die gleichsam über Nacht entstanden sind und nun Tausenden von Studenten Unterricht erteilen. Ich halte es für ein unverantwortliches und gefährliches Manöver, in dieser Weise aus der Verbitterung und Enttäuschung unserer jüdischen Akademiker in Osteuropa politisches Kapital zu schlagen. Es ist vielleicht weniger populär, aber sicherlich viel ehrenvoller, offen zu erklären, daß die hebräische Universität wenigstens für einige Zeit noch nicht imstande sein wird, das Problem des Numerus clausus zu lösen, so wenig, wie Palästina gegenwärtig imstande sein kann, die wirtschaftliche Not der Diaspora-Judenheit zu lindern. In unserer Verschiedenheit von unserer Umgebung lag das Wesen der jüdischen Position im Altertum, und 2000 Jahre einer abnormalen Existenz haben sicherlich nicht beigetragen, diese Verschiedenheit abzuschwächen. Wir müssen unsere Universität in einem neuen Lande auf bauen, dem wissenschaftliche Traditionen noch fehlen. Wir müssen unsere Studenten in einem Wirtschaftsgebiet ausbilden, das noch recht lange nur eine beschränkte Zahl von ihnen in produktiven Berufen wird aufnehmen können. Kein schlimmeres Uebel aber könnte unser Kolonisationswerk befallen, als die Entstehung eines geistigen Proletariats. Wir können natürlich aus dem Auslande jüdische Studenten heranziehen; können wir aber hoffen, ihnen im gegenwärtigen Stadium eine Ausbildung gewähren zu können, die sie in den Stand setzen würde, auf dem akademischen Weltmarkt mit Berufsgenossen in Wettbewerb zu treten, die ihre Ausbildung in Ländern genossen haben, in denen seit Jahrhunderten ein reiches geistiges Leben existiert, wo technische Ausbildungsmöglichkeiten in reichem Maße und zu billigen Kosten zur Verfügung stehen und wo die ganze Struktur des wirtschaftlichen und industriellen Lebens einen direkten Anschauungsunterricht bietet, den wir im gegenwärtigen primitiven Zustand unserer nationalen Heimstätte noch nicht bieten können? Und welcher Urteilsfähige kann die technischen Probleme der Gewinnung geeigneter Lehrkräfte, der Bearbeitung guter Lehrbücher, der Schaffung einer brauchbaren wissenschaftlichen Terminologie unterschätzen? Gewiß zählen zu den jüdischen Wissenschaftlern der Diaspora einige der größten Gelehrten der Gegenwart, aber es ist doch kein Geheimnis, wie schwer es ist, bedeutende Gelehrte für Palästina zu gewinnen. Aus allen diesen Gründen hat das Kuratorium, dem einige unserer größten Geister, wie Einstein und Hadamard, und unserer nationalen und geistigen Führer, wie Bialik und Buber, Weizmann und Sokolow, angehören, die Universität nicht als ein Lehrinstitut, sondern zunächst als ein Zentrum höherer Forschung aufgebaut. Damit soll natürlich nicht gesagt sein, daß unsere Universität sich nicht in eine Lehruniversität entwickelt oder daß die Einführung eines regulären Universitätsunterrichtes für Anfänger „ad calendas Graecas“ vertagt werden soll. Es bedeutet aber wohl, daß an keinem Universitätsinstitut der Lehrbetrieb für Anfänger in weiterem Umfange begonnen werden soll, ehe nicht durch höhere Forschung und Lehre das Fundament eines wahren Gebäudes der Wissenschaft gelegt worden ist, Die Vereinigung aller jüdischen Studentenvereinigungen in Paris unter Mitwirkung des Verbandes polnisch-jüdischer Studenten, ces Klubs palästinensischer Studenten unid der Organisationen rumänisch-jüdischer Studenten in Paris veranstali tete eine große Kundgebung unter dem Motto ,,Die he-; bräische Universität den jüdischen Studenten!" Der Hauptredner des Abends, Wladimir J >a b o t i n s k y, verlas eia Kommunique des Rates der Jerusalemer Universität, in welohem die Umwandlung der Universität in eine akademische Bilduugsanstalt, die den Bedürfnissen und Nöten der jüdischen Studenten- , schäften der Welt »angepaßt «ein soll, in Aussicht gestellt wird. Hier liegt, sagte Jabotinsfky, ein Versprechen vor, auf dessen Einlösung wir unablässig dringen müssen, Redner verlas auch ein Schreiben des Professors der Sorbonne, Hadamiar, der dem Kuratorium der Jerusalemer Universität angehört und der sich ebenfalls für die Umwandlung der Jerusalemer Universität in eine Bildungshodaschule nadb dem Muster der Universitäten j Dt. Paula Kicktet, Wien Dt. K. feldschuh (Ben Schern), Watschau Verlobte April J928 (Ifar 5688) oTina SCändel Israel tPais Wien XX. Wien II. Verlobte aller Völker taiussprioht. Eis sprachen dann Vertreter des allgemeinen jüdischen Studentenverbandes, der polnisch-(jüdischen Studenten, der palästinensischen Studenten u. a., worauf eine Resolution einstimmig angenommen wurde, in der gegen» die Verfolgungen, denen die jüdischen Studenten in Osteuropa ausgesetzt sind, protestiert und gefordert wird, daß die Jerusalemer Universität in eine richtige Lehruniversität umgewiandelt werde. Ein Sanatorium für Mutter und Kind Nach der Errichtung des Sanatoriums „Arsah" in Mozah bei Jerusalem gelang es der palästinensischen Krankenkasse, auf dem Karmel ein Sanatorium zu vollenden, das speziell kranken Müttern und ihren Kindern dienen soll. Durch den Bau dieses Sanatoriums, den die Krankenkasse schon seit Jahren anstrebt, wird ein Bedürfnis befriedigt, das im Lande sehr lebhaft fühlbar ist. Der Uebergang zu körperlicher Arbeit bei Menschen, die aus Europa kommen und sich an das Klima Palästinas gewöhnen müssen, ist Ursache zahlreicher Erkrankungen und zwingt die Krankenkasse zu intensiver Tätigkeit auf dem Gebiete der Erholungsfürsorge, Der Anfang auf diesem Gebiete wurde mit dem Sanatorium bei Jerusalem gemacht, wo fünfhundert Kranke alljährlich die Möglichkeit finden, sich vollständig zu erholen und zur Arbeit zurückzukehren. Unter der Schwächung der Gesundheit leidet, wie in allen Ländern, so besonders in Palästina, hauptsächlich die arbeitende Frau. Nun ist in bezug auf die Erholung gerade die Lage der Frau und Mutter in Palästina besonders schwierig. Es gibt im Lande keine Anstalt, die für sie sorgt, und das Sanatorium in Mozah, mit all seinem guten Willen und Verständnis, kann Seriös 99 HANSA «i Diskret WIEN I., FRANZ JOSEFS-KAI 13 TELEPHON 75-409 Muser, Büros, Wohnungen, Hypotheken, Verwaltungen Unter wenigen Tagen beste Resultate Eigene Kreditabteilung nur Kr groll« nur Transaktionen dieses lebenswichtige Bedürfnis nicht erfüllen, da es nicht dazu geeignet ist. In der einzeln arbeitenden Familie kann die Mutter das Kind nicht zu Hause lassen, sie muß es also mit sich nehmen, und für das Kind ist kein Platz im Sanatorium. Dadurch ist vielen Müttern die Gelegenheit genommen, gesund zu werden. Deshalb erstrebt die Krankenkasse schon seit Jahren ein Sanatorium folgender Art: ein Erholungsheim speziell für Mutter und Kind, in welchem die Mutter drei bis vier Wochen richtig ausruhen kann, frei von der Sorge um das Kind. Der Versuch wurde von der Krankenkasse vor etlichen Jahren in Nazareth gemacht und die Resultate waren ausgezeichnet. Das Kind wurde der Aufsicht einer erfahrenen Schwester übergeben, und da die Mutter frei war von der Sorge um das Kind und sicher war, daß es gut gepflegt würde, wurde sie rasch gesund und nahm noch an einem praktischen Kurs in Kinderpflege teil. Diese ausgezeichneten Resultate in Nazareth verpflichteten die Krankenkasse noch mehr und mit der Hilfe des „Nationalarbeiterverbandes" in Amerika, des verstorbenen Lange in Sichron Jakob und des Herrn Rosenthal in Deutschland, welcher einen speziellen Pavillon zum Gedächtnis seines als Chaluz in Deutschland verunglückten Sohnes errichtete, gelang es ihr, diesen Gedanken in die Tat umzusetzen. Die Anstalt trägt den Namen des unvergeßlichen Ber Boroc h o w. Das neue Sanatorium, ein moderner Bau voll Licht und Luft, steht auf dem Karmel, ist von Haifa aus mit dem Auto in zwanzig Minuten erreichbar und in drei Pavillons geteilt; zwei sind für 15 Kranke mit ihren Kindern bestimmt, der dritte für Küche, Speisesaal und Personal. Dazu gehört auch eine Fläche von 45 Dunam, auf welcher ein Hain und rings um die Gebäude ein Garten angelegt ist. Das monatliche Budget wird 200 Pfund betragen, von denen 100 die Kranken bezahlen und 100 aus anderen Quellen aufgebracht werden müssen, Das Sanatorium muß in den nächsten Wochen eröffnet werden, es fehlt aber noch die Einrichtung, die 250 Pfund kosten wird, und die Kasse hat vorläufig die Quelle für die Aufbringung der oben erwähnten 100 Pfund noch nicht gefunden, die notwendig sind, um das Sanatorium zur Gänze zu eröffnen und seine Erhaltung zu ermöglichen, Gelingt dies, so werden in der Anstalt 200 Mütter mH ihren Kindern Erholung finden und einen Kurs io Kinderpflege machen können, Die Kasse wendet eich also besonders an die F r a u e n, denen eine soziale und gesundheitsfördernde Anstalt wie diese besonders nahestehen muß, und erwartet ihre Hilfe, welche sicherlich nicht ausbleibea wird. Joschm Mann ach IDaguniu), Hausverwaltungen sucht langjähriger zionistischer Verwaltungsbeamter (Reichsdeutscher, Hausbesitzer) mit ausgezeichneten Erfahrungen und R farvnzen. Mäßige Gebühren. M. Levi, Berlin-St; t»Iiiz, Arndtstr. 17, Die nächste zionistische Palästina-Arbeit Mitteilungen von Mrs. Henrietta S z o 1 d. Bei einer vor kurzem stattgefundenen Pressekonferenz im Hauptbüro des Keren Haiessod in Jerusalem besprach u. a. das Mitglied der Zionistischen Palästina-Exekutive Mrs. S z o 1 d die nächsten Aufgaben der gegenwärtigen Palästina - Exekutive; sie nannte folgende: Die Arbeit in Palästina auf eine gesunde finanzielle Grundlage zu stellen; die bestehenden Siedlungen in vollem Ausmaße zu konsolidieren; dem Jischuw zu helfen, sich selbst für die U e b e rnahme seines Erziehung s- und Gesundheitswesens zu organisieren; Regierungsbeihilfe für die Erziehungs- und sanitäre Arbeit zu erlangen; die Steuergesetzgebung jeder Art zu beeinflussen; die A n- Siedlung von Einzelpersonen und die Entwicklung der Industrie zu fördern; in der grundlegenden Frage der E i nwanderung jede mögliche Gelegenheit auszunützen; gemeinsam mit der Londoner Exekutive einen Plan für die zukünftige Entwicklung auszuarbeiten, der über eine Periode von Jahren reichen soll, und einen Plan für die Lancierung einer weit ausschauenden konstruktiven Finanzpolitik auszuarbeiten. „Wir glauben fest daran“ — führte Frau Szold aus — „daß die Ausbalancierung des Budgets und die Konsolidierungspolitik uns zu einer verheißungsvollen positiven Stellung bringen wird. Wer verstehen, daß dieses Jahr ein Jahr gestaltlosen Ueberganges ist. Nächstes Jahr müssen wir noch in einer Periode des Ueberganges sein, aber sie wird bereits Charakter und Form gewonnen und von einem starken und schöpferischen Geist beseelt sein.“ Eine Gedenkfeier für die Märtyrer von Pefach- Tikwah Anläßlich der siebenten Jahreswende des Ueberfalles arabischer Banden auf die Kolonie Petach-Tikwah veranstaltete der Vorstand der Kolonie zum Andenken an den Heldentod von vier jungen Kolonisten, die im Kampfe um die Verteidigung der ältesten jüdischen Kolonie ihr Leben ließen, eine große Gedenkfeier. In geschlossenen Reihen marschierten die Bewohner von Petach-Tikwah, die Schüler der öffentlich :n Anstalten unter Führung ihrer Lehrer, die Organisationen mit ihren Fahnen, auf den Friedhof, wo am Grabe der Gefallenen Gedenkreden gehalten wurden. Unter den Rednern befand sich auch der Vater eines der jungen Märtyrer, Gessin, der schluchzend davon sprach, daß die Juden auch weiterhin der alten jüdischen Tradition treu bleiben und das vergossene Blut nicht durch neues Blutvergießen, sondern durch die Erlösung des Bodens rächen wollen, der das Blut unserer jungen Verteidiger in .sich gesogen hat. Diese Erlösung sei fast ganz durchgeführt, der ganze Landstrich, der früher das Hauptquartier der arabischen Banden gewesen ist, ist zum größten Teile bereits in jüdischem Besitz und er hoffe, daß dieser Teil der Nachbarschaft von Petach-Tikwah zur Erinnerung an die vier Märtyrer auch amtlich den Namen »Kirjath-Haarbah« (die Stadt der Vier) erhalten werde. Vor -kurzem erst wurde vor dem Gemeindehaus in Petach-Tikwah ein Denkmal jenes Kampfes vor sieben Jahren enthüllt, auf welchem die vier Märtyrer gleichfalls verewigt erscheinen. Am Schlüsse der Feier, während welcher sämtliche Geschäfte in der Kolonie geschlossen waren und jede Arbeit ruhte, wurde das Denkmal von den Schulkindern mit Blumen geschmückt, und die jüdischen Vereine unter Führung der Mannschaft der »Brith Trumpeldor« legten Kränze nieder, Der Stein von Sichern gefunden? Der berühmte Berliner Archäologe Professor Sellin, der bei den von ihm geleiteten Ausgrabungen im Gebiete des alten Sichern, wie wir seinerzeit eingehend berichtet haben, den alten Königspalast und den Tempel des Bundesgoites der Stadt — beides Lokalitäten, die aus dem 9. Kapitel des Richter-Buches bekannt waren —, sowie mehrere Urkunden in Keilschrift gefunden hat, weilt seit Anfang März wieder in Sichern. Dort sind ihm, wie der Breslauer Professor Z i r k u in der „Vossischen Zeitung" auf Grund der letzten Berichte Sellins mitteilt, neue, überaus wertvolle Funde geglückt. Neben der Freilegung des doppelten 8 * f e s M g ,u u g s - g Ur tels der alten Stadt Siebern wurden zwei Feststellungen 'gemacht' $*' für die «Ittestameotarisehe Religionsgesclhiicih te von hoher Bedeutung sind und sicher noch viel diskutiert werden dürften. Zunächst stellte Sellin, was bisher ganz übersehen worden war, lest, daß der Eingang zu dem Tempel des Bundesgottes von zwei großen Steinsäuien flankiert war, welchen Brauch wir bisher nicht nur von phönizischen Heiligtümern' sondern auch vom salomonischen Tempel in Jerusalem kannten (I. Königsbuch' 7. 21}. Diese StemsöuXen, die nach oben bin vielleicht in Verzierungen endigten, sollten wohl die Stelle von Schutzgottheiten einnehmen, die den Eingang zum Tempel bewachen, Ueberdies aber fand Sellin, daß eine schon früher entdeckte große Steinplatte, deren Zweck man noch nicbj erkannt hatte, zweifellos ihren Standort unmittelbar östlich vom Altar hatte und hier als kultische Steinsäule fauch das Alte Testament kennt solche) Verwendung fand. Der Tempel, in dem dieses Steiobeiligtu» stand, wurde zwar, wie wir aus der Bibel wissen, Im 12. Jahrhundert vor Christi durch Abimelek zerstört, Da aber durch die jetzt gefundene Keramik bezeugt ist, daß dieses Heiligtum auch noch in den folgenden Jahrhunderten weiter bestand, so kann kein Zweifel obwalten, daß dieses Steinheiligtum den berühmten Stein von Sichern darstellt, der in den Erzählungen von Jakob und IM .'.twi»- **—**!—wrw*-yniüiwi