Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1928)
- Date
- 1928-05-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 DIE STIMME!l- / sein kann. In einer geharnischten Berichtigung an jene Blätter, die ihn in den schrecklichen Verdacht einer sittlichen Anwandlung gebracht hatten, stellt er stolz fest, daß er wohl derjenige Zilahy sei, der alle die Schändlichkeiten gegen Professor Adam inszeniert, geleitet und auch selbst aktiv durchgeführt hat, es ist auch wahr, daß Professor Adam die schwierige Operation an ihm mit Erfolg durchgeführt hat, unwahr jedoch ist es, daß er jene Handlung bereut habe, unwahr ist es ferner, daß er überhaupt den Wunsch geäußert habe, von dem jüdischen Professor Adam operiert zu werden, Stolz erklärt Zilahy nunmehr, da er ohne störenden Blinddarm gesund herumläuft, daß er auf seine Antisemitenmoral nicht verzichten wolle. Antisemitische Erziehungskultur Das Alpha und das Omega der antisemitischen Kultur ist der Judenmord. Es ist kein Unterschied, wem diese Kultur eingeimpft werden soll, Erwachsenen oder Kindern, Intellektuellen oder Bauern. Das Ergebnis ist immer dasselbe. Die Erziehung zu Mord unid Haß, In einer neurumänischen Großgemeinde, Illolba, hielt vor kurzem der antisemitische „Cercul Cultural“ für den ganzen Bezirk eine große Versammlung, verbunden mit einem „großzügigen“ Kulturabend, ab. Die Hauptattraktion dieses Kulturabends bildete der vom Schuldirektor Flautas verfaßte und von zwei Volksschulkindcrn vorgetragene Dialog. Die Personen des Dialogs waren ein alter Jude und ein rumänischer Bauer. Der Schüler, der den Juden darzustellen hatte, wurde in einen Kaftan gesteckt, mit langem Bart und mächtigen Pajes versehen, und hat schon durch sein Erscheinen gewaltige Heiterkeit 'hervorgerufen. Und nun zur „Handlung“ der Szene! Der rumänische Bauer bittet den Juden um ein Darlehen von 6000 Lei. Dieser weigert sich anfangs auf das Geschäft einzugehen, gibt aber schließlich den Bitten des bedrängten Bauern nach, wenn er für die 6000 Lei einen Wechsel auf 10.000 Lei ausstellt; und sich überdies verpflichtet, dem Juden an Zinsen eine gewisse Menge Holz und sonstige Naturalien zu liefern und dbenclrehi noch einige Tage Lohnarbeit zu leisten. Der Bauer geht auf die Bedingungen ein, stellt auch sofort den Wechsel über 10,000 Lei aus und übergibt ihn dem Juden. Kaum hatte der Jude den Wechsel in der Tasche, als er erklärte, daß er überhaupt nicht daran denke, dem Bauern auch nur einen Bani auszuzahlen. Daraus entsteht ein Wortwechsel, der schließlich in einen Streit ausartet, dem der Bauer damit ein Ende bereitet, daß er sein Messer zieht und den Juden nicderstioht. Der Jude stirbt auf der Szene, Der mörderische Bauer ruft, als er des Leichnams ansichtig wird, mit Selbstbefriedigung: „Ich habe hiemit eine große Wohltat vollbracht, so sollte man mit der ganzen Rasse verfahren!'1 Das ist die Lehre des Stückes, das von den rumänischen Antisemiten als Kulturarbeit hingestellt wird. Südtirol — und hebräische Grabinschriften Wenn jemand erklären würde, zwischen der Südtirolet Frage und hebräischen Grabinschriften bestünde irgend wel- §y •>T 4 mm 7? mmA I UICMNEß H» IOC* deri~(>esierb$cvt SßoLcßjv&r'1öOl ist ein FeUtninderungsmirtel, das als Badezusatz dem warmen!.’ k > beigegeben wird, die Anwendungsart ist also die denkbar bequema'.e. Das Schlankheitsbad enthält keinerlei starke Arzneien, überhaupt keine Rohstoffe, die in irgendeiner Weise auf den menschlichen Organismus schädigend wirken könnten. Demzufolge ist das Leichner- Bad auch von Personen mit schwachem Herzen anzuwenden; denn tatsächlich werden Herz und Nieren nicht angegriffen. - Machen Sie einen Versuch, wahrscheinlich können Sie schon nach den ersten Bädern eine merkliche Gewichtsabnahme feststellen. Außer diesen Gewichtsverminderungen hat das Schlankheitsbad noch eine besonders erwähnenswerte Eigenschaft: es ist auch das idealste Schonheitsbad, da es die Haut mit der Zeit blütenweiß und zart macht und Hautunreinheiten beseitigt. — Preis pro Bad o. S 3*5U Überall erhältlich Wien XVIII. Nachspiel zum Magdeburger Dreyfus-Fall Wie wir bereits berichteten, hat der längst .geklärte Kriminalfall Schröder-Haas ein Nachspiel, in dessen Mittelpunkt die Magdeburger Richter Hofmann und Kölling stehen. ■Die öffentliche Verhandlung gegen sie hat vergangene Woche vor dem Großen Disziplinarsenat in Berlin begonnen. Die Vorgeschichte des Falles mag hier kurz rekapituliert '.verden: Im Juli 1925 verschwand auf rätselhafte Weise der Buchhalter Helling, der früher bei der Firma Haas in Magdeburg angestellt war. Der Leichnam wurde ein Jahr später im Hause eines gewissen Haikenkreuzlers Schröder entdeckt. Schröder wurde verhaftet, gestand die Tat, beschuldigte aber der. Fabrikanten i Haas ider Anstiftung zum Mord. Der Kriminalkommissär l Tenttolt, der mit der Aufklärung des Falles betraut wurde, trat ganz auf die Seite Schröders. Viel Aufsehen erregte es damals, daß Tenttolt einem deutsCbnatiomalen Journalisten, der ein Interview mit dem Mörder erbat und erhielt, den Schröder mit den Worten vorführte: „Sieht so ein Mörder aus?" Das Landeskriminaliamt in Berlin erkannte bald, daß Tenttolt zur Lösung der Aufgabe unfähig war, und entsandte den Kriminiailkommissär iBußdorf nach Magdeburg. Nun begann ein Kesseltreiben gegen Haas. iDcr Untersuchungsrichter Kölling weigerte sich, mit Rüßdorf zu arbeiten, lln einem Schreiben an. den Magdeburger Polizeipräsidenten machte er Bußdorf den Vorwurf der „Bespitzelung“ und der „Begünstigung", Inzwischen legte Schröder ein volles Geständnis ab; Direktor Haas wurde freigelassen, Schröder zum Tode verurteilt. Es stellte sich dann heraus, daß Kölling nur eine Puppe in der Hand des Landgerichtsdirektors Hoffmann war. Gegen Hoffmann und Kölling wurde das Disziplinarverfahren eingcleitet. 'Der Diszipliarsenat in Magdeburg erkannte gegen Kölling auf Ordnungsstrafe (einen Verweis), gegen Hoffmann auf Strafversetzung nebst 200 Mark Geldstrafe, Die Milde dieses Spruches fiel allgemein auf. Die jetzige iBerufungsverhiandlung ist also das Sclhlußkapitel zum Magdeburger Justizskandäl. Bei der Vernehmung erklärte Hoffmann, daß er noch heute mit der Schuld des Haas rechne, da die Voruntersuchung nie richtig durchgeführt worden sei. Das sagt jetzt derselbe Hoffmann, der selbst in einem Briefe die Unschuld' des Haas ausdrücklich anerkannt hat. — Nach zweitägiger Verhandlung hat das .Disziplinarverfahren gegen Hoffmann und Kölling eine sensationelle Wendung genommen. Der Senat beschloß, das Revisionsverfahren auf unbestimmte Zeit zu vertagen, um erneute Ermittlungen vor Zunahmen. Es .scheint die Absicht zu .'bestehen, die ganze Mordfrage von neuem aufzurollen. Man gewinnt den Eindruck, daß die hakenkreuzlerisdhen Magdeburger Richter freigesprochen werden sollen! Mi ] Palästina eher Zusammenhang, so würde man mit Recht an seiner ganz normalen Geistesverfassung zweifeln dürfen. Denn die Südtiroler Frage ist ein Politikum, während hebräische Grabinschriften ein religiöser, pietätvoller Brauch ist, der seit Jahrtausenden von den Juden geübt wird. lEirt (antisemitischer Kopf jedoch wird sich nicht entblöden, die inkommensurabelsten Dinge miteinander zu verbinden, wenn ihm nur diese Verbindung, die willkommene Gelegenheit 'bietet, gegen die Juden zu hetzen. Die israelitische Kultusgeimeinde in Meran erhielt kürzlich auf eine Anfrage am. den Präfekten, olb h e ib r ä i s c ih e Grabinschriften auf dem jüdischen Friedhof gestattet seien, einen zusagenden Bescheid. Diese Meraner*Meldung bringt nun die Berliner „Kreuzzeitumg", die sich als Organ des altpreußischen Adels für wunder wie vornehm hält, unter der UebersChr.ift ,,© a s a u s e r w ä ih 11 e V o 1 ik“ und knüpft daran folgende demagogische Bemerkung: „Auch die Grabinschriften von Ausländern dürfen in der .Muttersprache des Verstorbenen gehalten sein. Den deutschen Südtirolern wird dies Recht aber verwehrt." — Man beachte nur die Ueberscihrift „Das auseiwählte Volk“ und die Wendung von „Grabinschriften! der Ausländer“, um die versteckte Hetze und die offensichtliche Gemeinheit des Berliner ihlochkonservativen Blattes richtig einzuschätzen. Weil die Meraner Juden ihren Toten Grabinschriften •nach tausendjähriger Ue'beriieferung setzen, wenden sie im Gegensatz zu den deutschen Südtirolern zu „Ausländern“ gestempelt. Wie es scheint, ist der 'Denkapparat der deutschen Antisemiten derart aus den Fugen, daß sic selbst für ihre deutschem 'Brüder nicht anders eintreten können als durch eine Hetze g e g e n die Juden. Drei Jahre hebräische Universität Von Dr. M. D. Eder, Mitglied der Zionistischen Exekutive. Anläßlich des dritten Jahrestages der Eröffnung der Universität veröffentlicht Dr. Eder den nachstehenden Aufsatz, der zur Frage der Umwandlung der Jerusalemer Universität in eine Lelhruniversität scharfe Stellung nimmt, in dem offiziellen Organ ,T;he New Judaea“ Dr, Eder betont dabei, daß er allein für die im Artikel ausgesprochenen Auffassungen die Verantwortung trägt. Wir geben die wichtigstem Teile des Aufsatzes wieder, wobei wir jedoch bemerken, daß wir den darin geäußerten Auffassungen nicht in allen Punkten beipflichten. Die Red. Der dritte Jahrestag der Eröffnung der hebräischen Universität durch Lord Balfour bietet eine willkommene Gelegenheit zur Rückschau auf die Entwicklung des neuen hebräischen Geisteszentrurns während des seither verflossenen Zeitraumes und zur Ueberprüfung der Richtlinien seines Aufbaues im Lichte der gewonnenen Erfahrung'. Nicht als ob die Entwicklung dieser drei Jahre den Anspruch erheben könnte, bereits eine Epoche im Aufbau der Universität zu bezeichnen. Die Universität ist und wird wohl noch eine Zeitlang im Anfangsstadium ihrer Eniwicklung bleiben. Dennoch hat die Erfahrung der vergangenen drei Jahre bereits gewisse Tendenzen, günstige wie ungünstige, aufgezeigt, die von symptomatischer —.'V _.* < v * _V - j A ' > ' ' » 1 ■i mmmk * * '..-j Der alte Brauch des Ole-Regcl zur PeßatcazeH lebt xn Erez Israel wieder auf. Links: Die Teilnehmer an der Olc-Regcl-Feier in Jerusalem ziehen am Davidsturm vorüber. Rechts; Oberrabbiner Kuk als Redner bei einer der Feiern. Bedeutung sind und im Weiteraufbau dieses einzigartigen intellektuellen Unternehmens werden berücksichtigt werden müssen. Zu den günstigen Faktoren, die die bisherige Entwicklung aufgezeigt hat, ist vor allem das aufrichtige und ungesclrwächte Interesse zu rechnen, welches das jüdische Volk, weit über die Reihen der organisierten Zionisten hinaus, nach wie vor an dem Schicksal der Universität nimmt. Die Universität hat während der verflossenen drei Jahre vielerlei finanzielle Förderung, sowohl von Einzelfreunden als von Organisationen, erhalten, und zwar auch aus solchen Ländern, in denen die allgemeine Wirtschaftslage gewiß keine leichte ist. Es zeigt dies, daß die Universität sich eine sichere Stellung im Herzen des jüdischen Volkes erworben hat. Es ist jedoch interessant, zu untersuchen, wie die materielle Förderung der Universität sich auf die verschiedenen Departements verteilt. Während die Universitätsbibliothek im wachsenden Maße tatkräftige Förderung aus allen Kreisen des „Volkes des Buches" erfahren hat, sind es andererseits die humanistischen Abteilungen, die bisher in höherem Maße als die naturwissenschaftlichen Institute die materielle Unterstützung der Freunde der Universität gefunden haben, Es ist dies gewiß ein erfreuliches Anzeichen für die idealistische Gesinnung, in welcher diese neuen Freunde an das Problem der jüdischen Wiedergeburt herantreten. Dennoch möchte man, sowohl im Interesse der Universität wie Palästinas, wünschen, daß diese Unterstützung nicht allzu einseitig sei. Es kann nämlich kein Zweifel daran bestehen, daß eine organische und intensive Weiterentwicklung der naturwissenschaftlichen Abteilung der Universität von wesentlicher Bedeutung für den Aufbau Palästinas und die Entwicklung eines normalen jüdischen Lebens ist. In der Tat kann nicht entschieden genug darauf hingewiesen werden, wie wichtig es für den Aufbau des neuen jüdischen Lebens in Palästina ist, daß die Universität neben ihrer großen Funktion als dynamisches Zentrum jüdischer Geistigkeit auch eine Stätte jenes Geistes exaktwissenschaftlicherForschung werde, welcher für den Ausbau eines gesunden und fortschrittlichen modernen Gemeinwesens von lebenswichtiger Bedeutung ist. In Palästina, wie in den meisten Ländern des Orients, fehlt es noch an wissenschaftlichen Traditionen. Diese müssen erst allmählich durch intensive und objektive Forschungstätigkeit auf allen Gebieten der Natur- und Geisteskunde im Sinne des alten jüdischen Geistesideals des Studiums der Dinge um ihrer selbst willen entwickelt werden. Aus diesem Grunde und nicht aus irgend welchen weltfremden akademischen Neigungen hat das Kuratorium der hebräischen Universität die bisherige Richtlinie des Aufbaues der Universität auseinemForschungs-ineinLehrzentrum cingehalten, statt den opportunistischeren, aber durchaus verfehlten gegensätzlichen Entwicklungsgang zu verfolgen. Ich sehe, daß die revisionistische Partei sich gegenwärtig eine billige Popularität dadurch zu erwerben sucht, daß sie für die baldige Gründung einer vollentwickelten Lehruniversität eintritt, die den unter