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Die Stimme · 1928-05-03 · Heft 18 (3.5.1928) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 18 (3.5.1928)
Date
1928-05-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr 18 Tuchhaus ^J|| |I|SAM | srtiiiiM 4 im« MUIIZ ■■ Kramargass« 11 ■ Zugang: Rot«ii<urm straft« 11—13 Import original englischer und schottischer Damen* und Herrenstofle Detailverkauf zu Engrospreisen die Idee des »Internationalen Weltverbandes für die Wiederauflebung des Orients« (Sociätä Internationale Universelle pour la renovation de l’Orient) zu verbreiten begonnen und war auch gleich an dem Versuch einer Verwirklichung des Projekts, das die Neutralisierung Palästinas unter der Aufsicht einer großen Kolonisationsgesellschaft vorsah, geschritten. Ein Jahr später entstand die »Internationale Gesellschaft für Palästina« (Compagnie Internationale de la Palestine), deren Präsidium Dunant übernahm. Sie trat in Beziehungen zu verschiedenen anderen Gesellschaften und schloß Verträge ab. Der Begründer des Roten Kreuzes nimmt auf diese Weise mit Recht einen Platz ein unter den Vätern des Zionismus.« Diese Gesellschaften und die im Jahre 1874 von Dunant begründete »Syrian and Palestine Colonisation Society« hatten, wie Dunant in seinem Statutenentwurf für die zuletzt genannte Gründung ausführt, den Zweck, die »Landansiedlung von anständigen Menschen und besonders Juden« durchzuführen. Dunant konnte diese seine vom Geiste der Menschlichkeit erfüllten Ideen, für deren Propagierung er viele Opfer gebracht hatte, nicht durchführen. Er blieb ihnen jedoch weiter treu und als der erste Zionistenkongreß in Basel zusammentrat, sandte er ihm einen begeisterten Gruß. Auch weiter blieb er bis zu seinem Tode ein Freund der zionistischen Sache, in der er eine Menschheitssache sah. Tagung der jüdischen Minoritäten - Exekutive Am 22. und 23. April 1928 fand in Berlin eine Beratung der Mitglieder der in Zürich gewählten Exekutive zum Schutz der jüdischen Minderheitenrechte 3tatt. Es.waren anwesend: L. Motzkin, Prof. Dubnow, J. Grünbaum (vom Präsidium), sowie die Herren H. Farbstein (Warschau), Dr. E. Margulies (Leitmeritz), Dr. L. Reich (Lemberg) als Exekutivmitglieder, ferner der Beauftragte der amerikanischen Exekutivmitglieder Dr. N. Goldmann (Berlin), der Vertreter der Exekutive in Genf Z. A b e r s o n, sowie Dr. N. Feinberg (Genf). Der Präsident N. S o k o 1 o w, der an der Teilnahme verhindert war, übersandte in einem Begrüßungstelegramm seine Vorschläge und erklärte sich mit der Beratung solidarisch. Nachdem Prof. Dubnow die Tagung eröffnet und der beiden verstorbenen Mitglieder der Exekutive, Oberrabbiner Dr. C h a j e s und Wladimir T i o m k i n gedacht hatte, erklärte sich über Antrag von L. Motzkin die Tagung in Anbetracht der Abwesenheit des Präsidenten N. S o k o 1 o w und der amerikanischen Exekutivmitglieder Dr. Wise und G. B. Richards, sowie zweier anderer Mitglieder, des Herrn J. Jefroykin (Paris) und des Herrn Dri J. Robinson (Kowno), als eine provisorische, deren Beschlüsse nur bis zur nächsten Vollsitzung im Sommer Gültigkeit haben und in der Zwischenzeit durch eine weitere T eilsitzung unter Vorsitz von Herrn Sokolow in Paris ratifiziert werden sollen. Sodann erstattete Herr Motzkin einen ausführlichen Bericht über die bisherige organisatorische und politische Arbeit der Exekutive, u. a. über ihre Mitarbeit in der internationalen Minderheitenorganisation und die Beziehungen zu anderen internationalen Gesellschaften, zum Völkerbund usw. In seinem Bericht berührte Herr Motzkin auch die Rolle, die das Komitee der Jüdischen Delegationen in der Sache Schwarzbarth gespielt hat. Das Bureau des Komitees hat u. a. die Arbeiten des Verteidigungskomitees durchgeführt, ein großes Buch über die Pog r o | m e in der Ukraine in französischer und englischer Sprache veröffentlicht und das gesamte Material in umgearbeiteter Form der Verteidigung zur Verfügung sowie auch der Ligue des Droits de l‘Homme zur Publizierung eines besonderen Heftes zur Verfügung gestellt. Mit bezug auf Rumänien hat das Pariser Bureau wichtiges Material zusammengebracht und durch einen speziellen Abgesandten eine Enquete an Ort und Stelle vornehmen lassen, die eine große Zahl wichtiger Dokumente zusammengebracht hat. Auf Grund der gesammelten Materialien sei vorläufig ein großes Memorandum ausgearbeitet worden, welches der letzten allgemeinen Minderheitentagung der Union der Völkerbundligen übergeben wurde und dessen Inhalt in der nächsten Sitzung der Union der Völkerbundligen im Haag zur Sprache kommen soll. Redner führte weiter aus, daß infolge der verschiedenen Wohnsitze der Mitglieder der Exekutive die organisatorische Arbeit auf J. H. Dunant. (Zu dem Aufsatz auf Seite 3.) Schwierigkeiten stoße und schlug vor, daß in der Zeit zwischen den Sitzungen ein Ausschuß die laufenden Geschäfte leite, wodurch vor allem die Stabilisierung und Ausbildung einer jüdischen Vertretung möglich sein werde. So halte er es für dringend erforderlich, daß die in Zürich gewählte Exekutive oder deren Vertretung eine Koordinierung der gesamten jüdisch - politischen Aktionen auf internationalem Gebiete möglichst bald realisiere. Sonst laufe man Gefahr, daß wegen des Mangels einer organisierten Geschäftsführung der Exekutive die Züricher Beschlüsse zum größeren Teil das Leben nicht treffen werden. Er halte es deswegen für dringend, daß in Paris ein beratendes Komitee aus bekannten jüdischen Persönlichkeiten zur Durchführung der Züricher Beschlüsse geschaffen werde. Die Frage der weiteren organisatorischen Arbeit erweckte sodann eine sehr lebhafte Diskussion, an der sich die Herren Dubnow, Grünbaum, Margulies, Dr, Goldmann und Dr. Reich lebhaft beteiligten. Allgemein war die Auffassung vorherrschend, daß es notwendig sei, an einem Punkte außer der bestehenden Exekutive einen Ausschuß zur permanenten Durchführung der Züricher Beschlüsse zu schaffen. Die Beratung einigte sich jedoch dahin, daß dieses Problem bis zur Vollsitzung a u f geschoben werde. Auf Antrag des Herrn Dr. Margulies wurde der einmütige Beschluß gefaßt, bis zur nächsten Plenarsitzung den Vizepräsidenten, Herrn Motzkin, als Leiter der gesamten Arbeiten' der Exekutive zu bestimmen. Allseitige Zustimmung fand der Antrag Motzkins betreffend einer weiteren Aktion hinsichtlich der Koordinierung der jüdisch - rechtlichen Arbeiten im internationalen Leben mit denjenigen sich damit befassenden jüdischen Organisationen, welche der Züricher Konferenz und ihrem Rat sich noch nicht angeschlossen haben. De Tagung beschloß, die nächste Vollsitzung im Hochsommer in Paris abzuhalten. Freier Boden — freie Menschheit Zum 30. Todestage von Professor Hermann Schapiro. Während einer zionistischen Versammlung in Köln am 3. Mai 1898 ereilte einen Teilnehmer, der als Redner vorgemerkt war, ein jäher Tod. Es war der Professor Hermann Schapiro, Inhaber der Lehrkanzel für Mathematik an der Universität Heidelberg, welcher seit dem Auftreten Theodor Herzls aktiv an der zionistischen Bewegung teilnahm, der er nur allzufrüh entrissen wurde. Ihm dankt der Zionismus ein wichtiges, vielleicht das wichtigste Prinzip der kolonisatorischen Arbeit: das Prinzip des Volkseigentums am Boden. Denn Professor Schapiro hat auf dem ersten Zionistenkongreß in Basel im Jahre 1897 das Projekt der Schaffung eines ,.Allgemeinen jüdischen Fonds" vorgelegt, von dem zwei Drittel den Territorialfonds zum Bodenerwerb in Palästina bilden sollen, ein Drittel der Erhaltung und Kultivierung des erworbenen Bodens sowie gleich wichtigen allgemeinjüdischen Zwecken zu dienen hat. Der aus diesem Fonds erworbene Boden bildet das Eigentum des jüdischen Volkes und darf nur auf höchstens 49 Jahre verpachtet werden. Der Vorschlag Professor Schapiros sah einen solchen Fonds von mindestens 10 Millionen Pfund vor, der vor Erreichung dieser Summe nicht angetastet werden solle. Erst einige Jahre nach dem Tode seines Initiators wurde der Vorschlag in die Tat umgesetzt, natürlich entsprechend den Grenzen, welche die Verhältnisse boten, in modifizierter Form; so wurde der JüdischeNationalf onds geschaffen. Die Summen, mit denen der mit Riesenzahlen arbeitende Mathematiker operiert hatte, ließen sich nicht so rasch herbeischaffen, denn Kreuzer um Kreuzer nur konnte das Volk seinem Bodenschatz geben; aber das Grundprinzip, das Schapiro ausgesprochen hatte, blieb gewahrt: Der Boden des Nationalfonds ist Volkseigentum. Und dieses Prinzip hat dem Jüdischen Nationalfonds jene Popularität gegeben, welche die Masse für den Gedanken von ,,Geulath Haarez" gewann. Diesem Prinzip hat es der Nationalfonds in erster Linie zu danken, daß das Volk Vertrauen zu dem Werke der neuen Landnahme in Palästina gewann und daß die Kreuzer der Armen dem jüdischen Volke Palästina-Boden im Ausmaße von bisher etwa 1 % Millionen Dunam schufen. Der Mann, der dem großen menschheitlichen Gedan- •ken von dem Rechte der Gemeinschaft auf den Boden sozusagen die zahlenmäßige Durchführung schuf, war auf dem Gebiete der Mathematik, auf dem die Juden schon so viele große Männer hervorgebracht haben, einer der bedeutendsten wissenschaftlichen Vertreter des letzten Jahrhunderts. Schapiro stammte aus Litauen, wo er im Jahre 1840 in der kleinen Stadt Erswilken bei Tauroggen geboren* wurde. Ein scharfdenkender Geist, erregte er durch sein talmudisches Wissen schon in früher Jugend Aufsehen und wurde mit 20 Jahren Rabbiner. Doch von einem unbezähmbaren Drang nach europäischer Bildung erfaßt, ließ er sein Rabbinat im Stich, durchwanderte Rußland, arbeitete bei Tag als Taglöhner, später, in Odessa, als Handelsangestellter, und studierte in der Nacht. Dann ging er nach London, von da nach Berlin, immer arbeitend und studierend, schließlich nach Heidelberg, wo er das Doktorat der Mathematik erwarb und sich als Dozent habilitierte. Im Jahre 1887 erhielt er die Professur für Mathematik an der Heidelberger Universität. Sein Spezialgebiet war die Funktionentheorie, über die er grundlegende Schriften veröffentlichte. Bemerkenswert ist, daß Professor Schapiro, der ein ausgezeichneter Hebraist war, auch eine alte hebräische mathematische Schrift: „Die Lehre von den Maßen" (Mischnath hamidoth) nach der in der Münchener Bibliothek befindlichen Handschrift herausgab. Mit dem jüdischen Kolonisationsproblem befaßte sich Schapiro seit langer Zeit; seinen Vorschlag auf Schaffung eines Bodenfonds hatte er schon im Jahre 1883 der von den Chowewe Zion einberufenen Kattowitzer Konferenz vorgelegt, ohne jedoch dort Anwert zu finden. Erst die neue große Volksbewegung hat den Kern der Gedankeni gänge Schapiros erfaßt, der Befreiung des Volkes, der j Völker, der Menschheit durch die Befreiung des Bodens heißt. Wer hat dem Judentum den besten Dienst geleistet? Vor drei Jahren schuf die »Zeta-Beta-Tau-BrüderschafL in Amerika eine Ehrenmedaille zum Andenken des verstorbenen Professors Dr. G o 11 h e i 1, welche alljährlich demjenigen Amerikaner ohne Unterschied der Konfession zuerteilt werden soll, der in dem abgelaufenen Jahre dem Judentum den wertvollsten Dienst geleistet hat. Das Urteil hierüber wird von einem aus Publizisten zusammengesetzten Richterkomitec gefällt. Im ersten Jahre (1925) wurde der bekannte Politiker und Kanzelredner Dr. Stephen Wise mit der Medaille ausgezeichnet. Nunmehr wurde die Medaille für das Jahr 1927 an Aron S a p i r o in Anerkennung seines mutigen und konsequenten Kampfes gegen Henri Ford verliehen. Der langwierige Prozeß Sapiros, dem Henri Ford in seinem Blatte »Dearborn Independent« die unanständigsten Dinge vorhielt, gegen den mächtigen Financier des internationalen Antisemitismus, ist noch in allgemeiner Erinnerung. Interessant ist, daß nahezu sämtliche Mitglieder der Jury, die als Publizisten in der Lage sind, auch in die politischen Kutissengeschichten Einblick zu gewinnen und Gelegenheit hatten, den Sapiro-Ford-Prozeß in allen seinen Einzelheiten zu verfolgen, in ihrem Urteil die Ueberzeugung aussprachen, daß die konsequente, zielbewußte Haltung Sapiros ausschlaggebend für die Aenderung der Haltung Henri Fords in der Judenfrage und seinen Widerruf des Antisemitismus gewesen sei. Die feierliche Ueberreichung der Medaille wird am 10. Mai im Rahmen eines großen Banketts erfolgen und die Radiostationen kündigen schon heute an, daß die Rede, die Aron Sapiro bei diesem Anlaß halten wird, durch die Radiostationen gesendet werden wird.

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