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Die Stimme · 1928-04-26 · Heft 17 (26.4.1928) · page 11

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 17 (26.4.1928)
Date
1928-04-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
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Seite 11 Nr. 17 eniii icy PKMUElV verwenden VerhUt-Kugeln (Vaginal- Deslnflciens) Ärztlich empfohlen u. glänzend begutachtet- — Nachnahmesendung (I Diz.) S 3.50. — In allen Apotheken erhältlich. Generaldepot.- Marienapotheke, Wien, VI., Schmalzhofgassei. Ersatzpräparate weise man entschieden zurück. wirkt, die Anleihe, die eine Sanierung der österreichischen Valuta ermöglichte, akzeptiert usw. Und nun soll nach Ansicht einiger weniger, die bessere Patrioten sein zu müssen glauben als es unsere Staatslenker sind, gerade die jüdische Gemeinschaft, beziehungsweise die Kultusgemeinde auf die ihr eingerätimten Rechte verzichten lediglich darum, weil sie auf dem Vertrag von St. Germain beruhen, der in das Staatsgrundgesetz Aufnahme gefunden hat, und weil wir Grund haben, auf den Friedensvertrag böse zu sein. Eine g esetzliche Verpflichtung wollte die Union im Jahre 1908 als oppositionelle Partei, um eine Beitragsleistung von Stadt und Land zu erlangen und dadurch eine berechtigte Entlastung des Kultusgemeindebudgets zu bewirken. Kann es eine wirksamere und unumstößlichere gesetzliche Verpflichtung geben, als das Staatsgrundgesetz? Die Kultusgemeinde hat bei der fast völlig zerstörten jüdischen Wirtschaft die Pflicht, sich nicht bloß, wie es bis jetzt geschieht, mit einer mehr schlechten als rechten Aufrechterhaltung des Kultus, mit der mangelhaften Erledigung von Armen- und Fürsorgeangelegenheiten, mit der unzureichenden Subventionierung der wenigen jüdischen Schulen und Soutenierung der unzulänglichen Bibelschulen zu begnügen, sie muß vielmehr auch jene ungeheuren Aufgaben auf sich nehmen, die ihr die Not der Zeit auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiete aufzwingt, weil weder Bund noch Gemeindesie erfüllen können oder wollen. Diese Aufgaben werden aber nicht zur Durchführung gelangen, wenn nicht alle Quellen, die der Gemeinde zur Verfügung stehen, voll und ganz ausgeschöpft werden. Zu diesen Quellen gehören vor allem auch jene gesetzlichen Bestimmungen, die den Juden schon als religiöser Minderheit zustehen, Amerikanische Frauen im sozialen und öffentlichen Wirken Von Adele Schreiber.*) Stärkste Kontraste finden sich, wie überall in den Vereinigten Staaten, auch innerhalb der 'Frauenwelt, trotz des nivellierenden Zuges. 'Nichts ist falscher aÜs Verallgemeinerung; lebenswahr ist daher sowohl der Typus der launischen, verwöhnten Nichtstuerin, der DollarpriinzessSn rund spleenigen Milliardärin in kaum mehr steigerungsfähiger Hoehzüchtung, wie auch der Typus der Fr.au, die arbeitet, obwohl sie es nicht nötig Ihat, 'die sich rückhaltlos dem Kampf für eine Idee, für eine Rechtsforderung, ein Stück -menschlichen Fortschritts hiiingjübt. Manch Abkömmling plutokratischer Familien findet sich unter diesen Frauen, manch eine, die unbefriedigt1 von Luxus and holilem Gesellsdhaftstreiben, sich auf die Seite des „anderen Amerikas" stellte. Die Konkurrenz, im amerikanischen Gesohäftsleben wie auch in der Politik, von wenig Rücksicht beschwert, ist in punkto Frauen insofern gemildert, als das weibliche Geschlecht, immer noch in der .glücklichen Lage begehrter Minderheit, auch -nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage, höhere Einschätzung findet als in (Europa mit seinem, durch den Krieg noch gestiegenen Frauenüberschuß. Manzählte drüben 1920 einen Männer'Überschuß von fast drei Millionen, freilich ist er ungleich aerteilt, überall im Rückgang, in New York sogar schon verschwunden, Dennoch blieb etwas übrig vom Seltenheitswert der tapferen ersten 'Pionierinnen, denen besondere Verehrung galt. Unter den Klubs .gebührt den Frauenklubs an Zahl, Umfang, zum Teil auch an Vermögen eine beachtenswerte Stelle. Vor allem sind sie bedeutsam für das geistige Leiben, die Beeinflussung der 'öffentlichen Meinung. Viele Amerikanerinnen verfügen, trotz des Mangels an 'Hauspersonal, über reichlich freie Zeit. Relativ gutes Einkommen des Mannes, Rationalisierung des Haus/halts, eine neue psychische Einstellung« die freilich manche uns liebe Tradition opfert, aber Zeitersparnis, Freiheit und Freizügigkeit mit sich bringt, spielen hier mit. Zahlreiche Frauenkräite, weder in Beruf noch- Haushalt verbraucht, wirken sich in den Frauenklubs aus, die, auch das Vereinswesen umfassend, Stützpunkt verschiedenartigster sozialer und politischer llnteressen sind. Früh traten Amerikas Frauen kämpfend1 mit sozialen und politischen Forderungen hervor. Carrie Ghapman C-att kann man <als Beispiel einer Amerikanerin großen Formats bezeichnen. 'Sie vereint Energie und Begeisterung mit diplomatischem Talent, untrüglichem Gefühl für die mittlere Linie, ungewöhnlichem *) Aus dem /Buche „Frauen jenseits der Ozeane", herausgegeben von Margarete Driesch, mit Genehmigung des Verlages Niels Kampmann, Heidelberg. DIE STIMME wenn etwa der Begriff der nationalen Minderheit, unter den die Juden zu subsummieren sind, die Kultusgewaltigen kopfscheu macht. Die Gruppe der „werktätigen Juden", die im Kultusvorstande sitzen und deren Programm, soweit man überhaupt von einem solchen sprechen kann, in seinen spezifisch jüdischen Teilen eine Kopie des zionistischen ist und in sozialwirtschaftlicher Hinsicht blind das allgemeine sozialdemokratische Gemeindeprogramm akzeptiert, halten es für nicht opportun, auf Durchführung der im Friedensvertrag uns zugestandenen Rechte zu bestehen, weil wir viel leichter ohne Berufung auf denselben von der Gemeinde Zuschüsse werden erhalten können. Ist ihnen nicht bekannt, daß die maßgebendsten Faktoren der Wiener Gemeindemajorität erklärt haben, daß sie nur dann für „konfessionelle" Zwecke etwas leisten werden, wenn es ihnen mit den Zähnen entrissen wird?. Wissen die „werktätigen Juden" denn noch immer nicht, welchen Leidensweg die Kultusgemeinde gehen muß, wenn sie für nach Wien zuständige Juden, die im Versorgungshaus untergebracht sind oder im Rothschild - Spital behandelt werden, die von der Gemeinde Wien zu leistenden Beiträge erhalten will. Bei den heutigen Verhältnissen, wo alle Einnahmsquellen in allen Körperschaften rar sind, ist der Verzicht auf eine unzweifelhaft vorhandene Einnahmspost ein Luxus. Ihn leistet sich — nahezu beispiellos in der ganzen Welt — einzig und allein die Wiener Kultusgemeindemajorität. Sie betreibt geradezu sträflichen Luxus, weil sie die jüdische Bevölkerung Wiens, deren Lage von Tag zu Tag schlechter wird, um die Hilfs- und Fürsorgemöglichkeiten bringt, welche heute in fast allen Judengemeinden geübt werden, während in der Wiener Judengemeinde sehr wenig Sinn für soziale Arbeit, dafür aber eine geradezu komisch anmutende patriotische Empfindlichkeit herrscht. Die jüdische Bevölkerung von Wien wird bei den kommenden Wahlen für den Kultusvorstand zur Selbsthilfe greifen müssen, um ihre Gemeindeverwaltung aus dem Bereiche der Sentimente zur realen Wirklichkeit zu bringen. Israelitischer Jagendgottesdienst. Samstag, den 28. April, findet um 3 Uhr nachmittags der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks-Syna- I gogen statt. Rednerfialent, repräsentativer Erscheinung und vornehmstem Auftreten. Ihr politischer Einfluß ist groß; ich habe es oft als durchaus ernste Meinung aussprechen gehört: Amerika könne keinen besseren Präsidenten in .das Wetiße Haus entsenden. Auf einen .Dornenpfad blickt, bei allem Erfolg, Jane A'diams zurück. Die Schöpferin und Leiterin von Hüll House, dem ersten amerikanischen Settlement lin einem der isdhllimmsten Eiendsquartiere von Chicago, die .Bahnbrecherin sozialer Hilfsarbeit in den Vereinigten Staaten, nennen Millionen „Amerikas besten Bürger". Aber Anfeindung' haben ihr wahrhaftig inlicht gefehlt! Zum Trost gehört ihr schon in zweiter und dritter Generation die Liebe des Proletariats, das sie wohl in der ganzen Stadt kennt. Hüll House, Jane Addaxns Gründung, heute ein großer Komplex von Gebäuden, wurde Mittelpunkt sozialen Fortschritts, sozialer Forschung, Heim für Zehntausende ‘Heimatloser, befruchtend für einen Kreis geistig Strebender. Gleich wie in New York, drängt sich auch in Chicagos lEinw.andererviertel bunt gewürfeltes Menschenmateriai,, der Rohstoff für die künftigen amerikanischen Bürger, zunächst aber das große Reservoir, aus dem gering entlohnte oder unangenehme 'Industriezweige ihre Arbeitskräfte Jüdische Frauen in Amerika: Die 70 Jahre alte Mrs. Hanna G. Solomon (Chicago), die Gründerin des amerikanisch-jüdischen Frauenbundes, mit ihrer Enkelin. nuu-rflnm iiiiuw ,,n—H.< u J nun t.numim. „m «-i lilir Prima große lebende pro kg S 2.60. FISCHHANDEIS-A. G. beziehen. Neben anderen Nationen bevölkerten vornehmlich Italiener, Tsohedhen, polnische und russische Juden, Mexikaner, Iren, Deutsche die Umgebung von Hüll House. Sie lebten unwissend, ausgebeutet, freudlos, bis das Settlement entstand, Bald aber fanden die verwahrlosten Kinder iBehütung und Erziehung, auf Spielplätzen, in Horten, bald nahmen Klubs für Iheranwachsende Knaben und Mädchen siegreich den Wettbewerb mit Straße und Bar auf, bald stand den Erwachsenen ein Gemeinschaftsheim offen, das Aufklärung, Bildung, Kunstpflege, Verständnis, aller Nöte bei. Hul'l House ward die treibende Kraft für den Ausbau systematischer Wohlfahrt«- und Hauspflege, geregelter Arbeitsvermittlung, für Kampf gegen Kinderarbeit wie gegen menschenunwürdige Zustände in der Heimarbeit. Von ihm ging dlie große Organisation zugunsten gewerblichen Kind er Schutzes und Arbeiterseih u t z e s aus. Die erste Fabrikinspektorin, Florence Kelly, wertvollste Kraft der Arbeiteninnenbewegung, begann als Bewohnerin van Hüll House ihre Laufbahn. Andere Namen ,und Erscheinungen werden im (Zusammenhang mit dem 'Settlement lebendig. Dort wohnte Julia Lat h r o p, erste Leiterin des staatlichen Jugendamtes in Washington, das jetzt die ihr ebenbürtige Grace Abbott verwaltet. Seine große Aufgabe ist Schaffung einheitlichen Kindersdhutzes in den Vereinigten (Staaten, ein schweres Problem angesichts der so verschiedenen Entwicklung und Gesetzgebung der Einzelstaaten. Die Leiden der kleinen Farbigen führen hinüber zu Jeanette Rank in,, dem ersten Parlamentsmitglied der Vereinigten Staaten, die, als einzige Frau dm Kongreß unter 500 Männern, allein gegen /Amerikas Eintritt in den Krieg stimmte. Auch sie tralf ich als Bewohnerin von Hüll House, wo sie sich unter anderen sozialen Aufgaben (de,r Vereinigung widmete, die U e b erbrü c kung d er Klassengegensätze erstrebt, d. fh, (Beseitigung der Abschließung und Aedh>- tiung, denen .die Neger und ihre Abkömmlinge trotz Abschaffung der Sklaverei und Gewährung der 'Staatsbürgerrechte ausgesetzt sind. Besondere Verdienste erwarben such amerikanische Frauen, am Ausbau und Aufschwung des modernen Kranke n p fl e g e rinn e nbe ruf es, sie schufen vorbildliche Auisbildungsmiögliich'keiten und eine Organisation, durch idie der Beruf aus den engen 'Grenzen konfessioneller Vereinigungen hinauswuchs zu einer Tätigkeit hochwertig vorgebildeter, vollqualifizierter, selbständiger Frauen. Washington, beherbergt neben dem erwähnten (Kinderscibutzamt auch das große F r iau e n ar b ei tsam t. Seine Leiterin, Mary Anderson, wanderte als 14jähriges Kind mittelloser Eltern aus Schweden ein, be^nn /als Arbeiterin in einer Handschuhfabiftk* Heute bekleidet sie, eine blühende und 'lebensfrohe Fünfzigerin, einen der .angesehensten Frauenposten der Union. /Sie dirigiert einen Stäb wissenschaftlich gebildeter Kräfte, der, die Problem e der Frauenarbeit untersucht und ständig wertvolle Publikationen veröffentlicht, /die auch den Bestrebungenzugunsten gesetzlicher Verbesserungen der (Lage der Arbeiterinnen als Unterlage dienen. Etwa. 20 Prozent der weiblichen Bevölkerung von über 10 Jahren stehen i m E r w« rb s 1 e b e n, etwa 43 Prozent der Lohnaibeiterinnen haben keinen Achtstundentag, etwa ein volles Viertel der 'Gesamtheit arbeitet wöchentlich 52 bis 60 Stunden und darüber. Während /die Gewerkschaften, die meisten Sozialaribeiterinnen, der starke Staatsbürgerinnen-Verband (League of Women Voters), der kleine Kreis sozialistischer Frauen durchwegs besonderen und vermehrten Arbeiterinnenschutz erstrebt, vertritt die „Nationale F rauenp aitei“ (National Wourens /Party) einen rückhaltlos feministischen Standpunkt. Die Frauenpartei, deren Vorsitzende Alice Paul ist, zählt zweifellos eine Anzahl sehr befähigter und begeisterter Frauen in ihren Reihen, die vom Hauptquartier in Washington aus große Aktivität, besonders durch Bestürmung der gesetzgebenden Körperschaften, Senat und Kongreß, entfalten. De(r /mühsamen g e we r kschiaif tllchdn Frauemorganisation widmen sich u. a. Mrs. Raymond Robins, Agnes Nestor, Mary Dreyer und Rose Sclhneiderm a n n. Als Leiterin des Arbeiterbildungswesens der großen Frauengewerkscihaften der Bekleidungsbranche wirkt erfolgreich Faniia Co'ha. Auch in der ausgezeichneten Arbeiterbildungsschule „The Rand School" im New Yorker Volkshaus sind Frauen zu nennen, vor allem 'Bertha M aley, ebenso in der Konsumgenossenschaftsbewegung, der sich besonders Agnes Warbasse widmet. Einige Zahlen dürften noch interessieren: Man zählte im Jahre 1925 über 1700 Richterinnen und' weibliche Anwälte (unter ihnen sei Florence Allan, die am' Obersten Gerichtshof wirkt, erwähnt), 1800 P r e d i g e r i n n e n und Geistliche dienen den zahllosen iSekten, 14.000 Bibliothekarinnen verwalten die wissenschaftlichen und Volksblbliofheken, wir Neue Schule lUr Bewegungskunsl Inh 'ber: Hilde Holger und ürete Kollmann Wien I, Singerstraße 16 Telephon 77-4-43 Universeller Unterricht und Berufsausbildung in rhythmischer Gymnastik und Tanz für beide Geschlechter. Themetischer Unterricht in Anatomie, Pädagogik, Harmonie- und Formenlehre, Atusik- und Tanzge.schichte, _K 1 nsteeschi< hte und KostUmkunde._ Sctvule für rhylhmlsche Gymnastik Hede Juer (Bodenwieser-Gruppe) Wien I, Weihburggasse 9 Warme Husche Lift Die jüdische Frau

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