Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1928-04-26 · Heft 17 (26.4.1928) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 17 (26.4.1928)
Date
1928-04-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3053753-3053769--0275-3055542
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

st'S<;o DIE STIMME Nr. 17 iiiiiiiinmmmmiiiuumimmm1 I $ 3*50 IHAP Jede Taschenuhr-Reparatur Ohne Bruch bei 1 -jähriger Garantie Wien, IX., Liechtensteinstraße 30 Wien, IX., Berggasse 3/4a Uhrentind Antlqultäten-KHnlk, Optische Werk- | Stätte. Reklameatelier. | Alle einschlägigen Reparaturen und Neuanschaffungen | zu konkurrenzlosen Preisen. I einem Aktienkapital ron 750.000 und einem Hypothekarkredit ▼on 250.000 Pfund, den eine englische Versicherungsgesellschaft die „Prudential", unter Regierungsgarantie nach der „Trade Facilities Act" gewährte. Zwanzig Prozent der Anteile übernahmen der Palästina-Aufbaufonds „Keren Hajessod1* und der „Jewish Colonial Trust" in London, ebensoviel die Londoner „General Electric Company" und deren Freunde, den Rest in der Hauptsache Rothschild und der in London lebende russisch-jüdische Millionär Nassatissin. Die technische Idee, die Ruthenberg mit diesem Gesamtkapital — einer Million Pfund oder zwanzig Millionen Mark — verwirklichen will, ist die Ausnutzung der Niveauunterschiede zwischen den verschiedenen Stellen des Jordanlauf9, zunächst zwischen dem See Genezareth und Gescher. Auf diesen zwölf Kilometern fällt der Fluß um 50 Meter. Im ersten Stadium der Arbeit will Ruthenberg zunächst vierundzwanzigtausend Pferdekräfte erzeugen. Später, wenn auch das zweite Werk, bei Abadieh, errichtet sein wird, soll der Jarmuk in den See Genezareth gelenkt werden, um das ungenützte Flutwasser, das er während der Regenzeit mit sich führt, dort aufzuspeichern. Der Ausfluß des Jordans aus dem See wird dann auf sechs bis sieben Meter vertieft werden, die doppelte Tiefe des Rheins in Holland, und die vereinten Wasser des Jordan und des Jarmuk zu den Turbinen von Abadieh und Gescher (bringen. Dies sind die ersten Etappen eines fertigen Gesamtplanes zur Verwertung aller Wasserkräfte des Landes, Wenn Ruthenberg nur die Aufstellung der drei 8000-PS- Turbinen bei Gescher rechtfertigen will, von seinem großen Gesamtplan ganz abgesehen, dann muß er den Weg gehen, den Rathenau gegangen ist, als er die A. E. G. schuf: Er muß sich selbst Kunden gründen. Und das ist seine Idee von Anfang an. Er hat seine Konzession nicht erworben und sein Unternehmen nicht ins Leben gerufen, um eine reizvolle technische Aufgabe zu lösen, sondern um sie zum Instrument, zum Motor der jüdischen Repatrierungsarbeit zu machen. Er sieht iö seiner „Korporation*1 die wirtschaftliche Zentralstelle, die das Werk der jüdischen Kolonisation durchführt und seine wirtschaftlichen und technischen Bedürfnisse befriedigen soll. Kapital lebt nur, wenn es sich verzinst. Das Kapital, das in den Jordanwerken steckt, hat nur eine Möglichkeit, sich zu verzinsen: es muß kolonisieren. Sonst stirbt es. Ruthenberg geht an die Schaffung eigener Industrieunternehmungen, die Kunden für seinen Strom sein werden. Zunächst solcher, die organisch aus dem einen der beiden eigentlichen Arbeitsgebiete seiner Gesellschaft, der Durchführung von Bewässerungsarbeiten, herauswachsen. In der Gegend von Jaffa wird er als nächsten Schritt di« Anlage eines Irrigationssystems beginnen, das eine große Fläche besten Landes durch das Wasser des Jarkon befruchten soll. Den Siedlungen in diesem Landstrich, zu denen die größten Orangenkolonäen gehören, werden dadurch die hohen Unkosten ihrer privaten Brunnenmotoren erspart, die mit dem teuren Dieselöl betrieben werden. Zur Ausführung dieser Anlage sind Zementröhren notwendig. Er wird daher mit der Errichtung ein er’Zeinen trohrfabrik anfangen, die aber „von selbst" nicht nur seinen Bedarf decken, sondern auch für den offenen Markt arbeiten wird. Die Fabrik, ebenso wie die Irrigationsschema, für das sie ursprünglich errichtet wird, wird ihm Strom abnehmen, den Stromkonsum <fer Haifaer Zementfabrik erhöhen und Arbeitsstellen für Immigranten schaffen. Gleichzeitig wird sie den Import eines bestimmten Artikels «inschränken. Die März-Eingänge des Keren Hajessod Wie das Jerusalemer Hauptbüro des Keren Hajessod mitteilt, sind im Monat März rund 45.000 Pfund «ingegangen, gegen nur 34.495 Pfund im Monat Februar. Miszellen Ausgabe von palästinensischen Pfandbriefen. Das Jerusalemer Finanzinstitut „Halwaah Wechissachon" erhielt, wie aus Jerusalem berichtet wird, von der Palästina-Regierung die Bewilligung zur Herausgabe von fünfprozentigen Pfandbriefen. Diese 5 Prozent werden zum Teile durch Kupons und zum Teile durch Verlosung (jährlich 2000 Stück) bestritten. Damit ist u. a. auch die Möglichkeit gegeben, Anlagekapital im Lande zu belassen. In den letzten Jahren wurden große Kapitalien palästinensischer Juden zum Ankauf von ausländischen Wertpapieren ausgeführt. Besonders stark favorisiert sind bis jetzt ägyptische Credit Fonciere. 0 Eine in Tel-Aviv stattgefundene Konferenz von Jugendlichen, angeblich Kommunisten, wurde aufgelöst, wobei 19 jüdische Jugendliche, unter ihnen 6 Mädchen, und ein jugendlicher Araber verhaftet wurden. Der Stadtrat von Tel-Aviv gab in einem Beschlüsse dem Proteste über die Verletzung der jüdischen Rechte durch die transjordanische Grenzbehörde Ausdruck und lehnte die Einladung zur Teilnahme an der Organisation der Wettspiele, die die Grenzer demnächst in Tel-Aviv zugunsten der Erdbeben- Geschädigten veranstalten, ab. Kein Jude wir4 bei diesen Wettspielen zugegen sein. .4,1- Wegen dieses Boykotts hat die Regierung die Wettspiele der transjordanischen Grenztruppe, die in Tel-Aviv stattfinden sollten, abgesagt. In Jerusalem wurde eine Ortsgruppe der Gesellschaft zur Verteidigung der jfldisoben individuellen und kollektiven Rechte in Palästina, die vor einiger Zeit in Haifa begründet wurde und den Namen „S’chussenu" (Unser Recht) trägt, konstituiert. Dem Komitee gehören M. M. Ussischkin, Steimatzki, Schalit, Schwarz u, a, m. an. * Gegen die gegenwärtig tagende Missionskonferenz in Jerusalem fanden mehrfach K u n d g e b u n g e n'der palästinensischen Araber statt. Bei einer dieser Demonstrationen in Gaza machte die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch, um die Demonstranten zu zerstreuen. Es gab mehrere Verwundete. * Prinzessin Mary, die einzige Tochter des englischen Königs, weilte vom 11. bis 15. April in Palästina; sie besuchte mit ihrem Gatten Viscount Lascelles u. a. die hebräische Universität in Jerusalem, die Arbeitersiedlung Dilb sowie eine Reihe von jüdischen Kulturinstitutionen, darunter die Evelina- Rothschild-Schule. * Wie die arabische Presse mitteilt, trifft in diesen Tagen in Palästina eine Abordnung der chinesischen nationalen Organisationen ein. Die Abordnung wird auch Reisen durch Syrien und Aegypten unternehmen. Die chinesische Abordnung hat sich die Erforschung der nationalen Bewegungen in den Mandatsländern zur besonderen Aufgabe gestellt, * Laut Mitteilung des Empire Marketing Board wurden bis zum 8. März aus Palästina 1,230.000 Kisten Orangen nach England verschifft, gegen 1,370.000 im Vorjahre. Insgesamt betrugen die Verschiffungen rund 1,450.000 Kisten, gegen 1,380.000 im Vorjahre. * Die Palästina-Regierung hat, wie offiziell mitgeteilt wird, eine Zählung der Industrien in Palästina angeordnet, die in den ersten Tagen des Mai durchgeführt werden soll. Zweck der Zählung ist die Erhaltung genauer Aufschlüsse über die kommerziellen und industriellen Verhältnisse im Lande, •••••* 4«•••#•••••••••« ««•«*••• ««4 »**••• •«••• I BÜCHERSTUBE M. RATH I SS 11. TABORSTRASSE 20 a, TELEPHON 43-1-58 {! W ii H MODERNE LITERATUR / WISSENSCHAFT Y SS JUGENDSCHRIFTEN / JUDAICA UND HEBRAICA {; t« «f «•«•••* §••••••• •««•••»• ••••••«-. Am 9. April fand auf dem vom Keren Kajemeth zur Verfügung gestellten Platze auf der Karmelstraße in Tel- Aviv die Grundsteinlegung für das Mütterberatung*- und Säuglingsheim, das von der Weltorganisation zionistischer Frauen (WIZO) gegründet wurde, statt. Die Judenschaft Jugoslawiens geht daran, in Palästina unweit der Siedlung Dschedda in Südgaliläa einen „König- P e t e r - W a 1 d" zu schaffen. Für die Anlage dieses Waldes soll eine Million Dinar von allen Schichten der Judenschaff Jugoslawiens aufgebracht werden. Bei einer Propagandaversammlung des belgischen Komitees für das arbeitende Palästina in Antwerpen hielten u. a. der belgische Arbeiterführer Pels, der Berliner sozialistische Landtagsabgeordnete Dr. Oskar Cohn und die hebräische Dichterin Elische wa Ansprachen. Die Elischewa ist eine Russin, die noch in jungen Jahren zum Judentum übergetreten ist, die hebräische Sprache erlernt hat und darin wertvolle Lyrik und Erzählungen schreibt. Sie lebt jetzt in Palästina, wo sie einen jüdischen Arbeiterführer geheiratet hat. * Im Alter von 62 Jahren verstarb in Jerusalem Professor Jacob D o 1 i a n s k y, der als der hervorragendste Chirurg Palästinas galt. Bevor er nach Palästina kam, bekleidete Professor Doliansky den Posten des Leiters der chirurgischem Abteilung an dem Medizinischen Institut in Jekaterinoslaw. Die jüdische Gemeinde Die Wiener Kultusgemeinde und der „Schandvertrag“ Von Dr» Leo Goldhammer. „Immer wieder betonen wir die Notwendigkeit, daß der Aufwand für Kultuszwecke und Wohltätigkeitsangelegenheiten in weiser Uebereinstimmung mit den Einnahmen der Kultusgemeinde gebracht und nichts außer acht gelassen werde, was ohne Preisgabe der unserer Gemeinde obliegenden Pflichten eine Entlastung des Budgets herbeiführen könnte. Eine derartige Erleichterung könnte insbesondere durch die Inanspruchnahme einer aus gesetzlicher Verpflichtung erwachsenden angemessenen Beitragsleistung von Stadt und Land für jüdische Kranke und Arme erzielt werden. Mit der Geltendmachung dieses Anspruches würde aber zugleich der Vorstand der Kultusgemeinde seinen festen Willen bekunden, auch in seinem statutarischen Wirkungskreise sich jederzeit und überall für die volle bürgerliche Gleichberechtigung der jüdischen Bevölkerung einz u s e t z e n.“ Diese vernünftige, gerechte und der Sachlage entsprechende Forderung stammt nicht, wie man auf den ersten Blick meinen sollte, von den Zionisten und ist auch nicht allzuneuen Datums. Diese Forderung hat nämlich die „Oesterreichische Israelitische Union" in ihrem, für die Wahlen in den Kultusvorstand, im Jahre 1908 verfaßten Programm auf gestellt (Nr. 11 vom November 1908 der Monatsschrift der „Oesterreichisch-Israelitischen Union"). Der damalige Präsident der Union, Sigmund Mayer, und ihr Vizepräsident, Wilhelm Anninger, haben, von der richtigen Erwägung ausgehend, daß die regulären Einkünfte der Kultusgemeinde niemals hinreichen können, um den gesamten Bedarf der Gemeinde zu decken, selbst wenn eine völlige „Aussteuerung" der Gemeindemitglieder erfolgen würde, das Postulat nach einer gesetzlichen Verpflichtung von Stadt und Land zu einer entsprechenden Beitragsleistung aufgestellt. Damals war aber noch keineswegs die leistungsfähige jüdische Bevölkerung zur Erfüllung der Steuerpflicht der Gemeinde gegenüber so sehr herangezogen wie heute; die Kultusgemeinde zählte damals kaum die Hälfte der heute bereits vorhandenen und erfaßten 54.000 Steuerträger. So ziemlich jeder zahlungsfähige und zahlungskräftige Jude dürfte bereits zur Leistung eines Beitrages für den Haushalt der jüdischen Gemeinde herangezogen sein, so daß also die Förderung einer entsprechenden Entlastung des Gemeindebudgets durch Bund und Gemeinde dringender denn je geworden ist. Das letzte Budget von zirka 6,000.000 Schilling wird nach Angabe des Budgetreferenten zum größten Teile ungefähr von 10.000 höher besteuerten Zensiten getragen, wäh- ,p Bilderschwemme 'KUNSTHANDLUNG WÜRTHLE I '* Wien I, Weihburggasse 9 Bilder, A quarelle, Hondzelchnungen prominenter Meister von 30 Schilling oufwKrls rend zirka 44.000 mit weniger als 10 Schilling bemessen sind. Bedenkt man, daß alljährlich, und zwar vor allem aus der Mitte der letzteren, an die 20.000 Rekurse wegen zu hoher Bemessung einlaufen. so ist ohneweiters ersichtlich, daß bei dem überwiegenden Teil der „kleinen Leute" die vorgeschriebene Steuer das Maximum dessen erreicht, was die Rekurrenten nur unter besonderen Anstrengungen aufzubringen vermögen. Es darf aber auch nicht übersehen werden, daß bei einer nicht unbeträchtlichen Zahl der Höchstbesteuerten die heute geltende Höchststeuer noch lange nicht dem entspricht, was sie ihrem Einkommen und ihrer Lebenshaltung gemäß zu leisten imstande wären. Jedenfalls ist es einleuchtend und für jeden, der die Verhältnisse kennt, außer Zweifel, daß die Gemeinde, soll sie ihren gesteigerten Verpflichtungen und den durch die Verhältnisse geschaffenen Notwendigkeiten entsprechen, die Beträge hiefür selbst bei Erhöhung des Steuermaximums und bei Heranziehung der noch nicht erfaßten Gemeindemitglieder, im Wege der Steiler allein niemals zur Gänze wird aufbringen können. Es bleibt nur der von der Union im Jahre 1908 vorgeschlagene Weg. der mit dem von den Zionisten seit Jahren imunterbrochen aufgewiesenen identisch ist, nämlich: Die volle Erfüllung aller im Friedensvertrage von St. Germain und sohir in dem S t a a t s g r un d g e s e t z e eingeräumten Rechte mit Nachdruck geltend zu machen. Die Herren der Majorität, die fast zur Gänze derselben „Union" angehören, welche als Opo os i t i o n vernünftige Forderungen zumindest aufzustellen vermochte, erklären aber plötzlich: „Wir lehnen es ab. uns auf diesen Schandvertrag zu berufen." Nur bei kleinen Kindern kann man es beobachten, daß sie, wenn sie auf jemanden böse sind auch auf Dinge verzichten, auf die sie unbedingt Anspruch haben. Wo aber ist bei einer Gemein..* schaft von Erwachsenen in der ganzen Welt jemals vorgekommen, daß man auf ein gesetzlich eingeräumtes Recht verzichtet, weil mar auf das Gesetz böse ist? Die Hausherren sind durch das Mietengesetz entschieden in ihrem Eigen» tumsrecht eingeschränkt und betrachten es daher als ein „Schandgesetz". ’ gegen das Sturm gelaufen werden muß. Ist es aber auch nur einem einziger Hauseigentümer eingefallen, zu erklären, daß er auf das gesetzlich festgelegte Multiplum des Friedenszinses, oder gar auf den Instandhaltungszins verzichtet, der in diesem Gesetze vorgesehen ist? Tst den Herren der ..Union" auch nur ein Fall bekannt, dn.ß e>n Hauseigentümer es unterlassen hätte, den Versuch zu machen, bei Vornahme von Reparatur^" die Kosten derselben auf die Hausoarteien zu überwälzen, mit der Begründung, daß er sich auf das von ihm abgelehnte, bekämpfte „Schandgesetz" nicht berufen will? Der Bund und die Gemeinde können mit vM mehr Berechtigung auf den „Schandvertrag" von St. Germain böse sein. Nichtsdestoweniger wurde auf Grund dieses ..Schandvertrages" das Burgenland der österreichischen Republik einverleiht, die Freigabe der österreichischen Pfandrechte in den Ländern die früher zu den feindlichen gehörten, er-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.