Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1928-04-26 · Heft 17 (26.4.1928) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 17 (26.4.1928)
Date
1928-04-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3053753-3053769--0274-3055541
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Nr. 17 DIE STIMME Seite 9 minierende „Lage“ einnimmt. Ob er denn an diesen aufgelegten Allerweltsschwindel glaube? Die Antwort lautet: — „Ja und nein; immerhin: die überraschenden politischen und wirtschaftlichen Erfolge des zionistischen Aufbauwerkes könnten keinen Zweifel zulassen, daß dieses siegreiche Aufbauwerk in „geheimen internationalen Kongressen“ jahrelang vorbereitet wurde. Uebrigens sind ja die „Protokolle der Weisen von Zion“ von dem hebräischen Schriftsteller Achad Haam verfaßt Auch sonst hat Herr Issah el Issah von seinen antisemitischen Lehrmeistern in Europa gelernt, obgleich er ihnen v/ieder in einigen Punkten entschieden widersprechen und beispielsweise die Ritualm o r d 1 ii g e als eine lächerliche Angelegenheit, die er schon anläßlich des Beilis-Prozesses aufrichtig und ehrlich bekämpft hat, energisch ablehnen muß.... Im übrigen will Herr Issah el Issah am liebsten nicht als Judenfeind, sondern höchstens als Zionistenfeind angesehen werden. Er hätte selbst zahlreiche jüdische Freunde und unter ihnen stand ihm der ermordete Prof, de Haan Führer der Agudah, persönlich besonders nahe. Von den Zionisten wäre ihm noch Jabotinsky der sympathischeste, da er unverhüllt die wahren zionistischen Absichten darlegt. Ueberhaupt gehört das Herz des Herrn Issah el Issah den radikalen Elementen des Zionismus, während er für die „Gemäßigten“, die ihm immer etwas zu „verheimlichen“ scheinen, nichts übrig hat. Die jüdische Arbeiterin in Erez Israel Von Jehoschua Manoach (Daganiah). Nach der im Jahre 1927 vorgenommenen Zählung befinden sich in Erez Israel 4591 jüdische Arbeiterinnen. Hievon sind 85 Prozent nach dem Weltkrieg eingewandert und 57 Prozent in den Jahren 1925 bis 1927. Die Anfänge der jüdischen Frauenarbeit in Erez Israel waren schwierig. Nur äußerst wenige Frauen haben es im Anfang gewagt, diese radikale Umstellung ihrer bisherigen Lebensweise, welche die Arbeit in Erez Israel erforderte, tatsächlich durchzuführen. Und diese wenigen, die das sorgenfreie, mütterliche Heim und das gewohnte, lieb gewordene Milieu dem neuen Ideal opferten, hatten schwere innere und äußere Widerstände zu überwinden. Es war ein allzu jäher Sprung aus dem leichten, in vielen Fällen idyllischen Leben der alten Heimat in das harte Dasein anstrengender körperlicher Arbeit, die in Erez Israel geleistet werden mußte, und für die der jüdischen Frau gar oft die physischen Voraussetzungen fehlten. Kein Wunder also, daß sich die jüdische Arbeiterin in der ersten Zeit recht unbehaglich und einsam in dieser fremden, neuen Welt fühlte, die nur harte Pflichten kannte. Sie verfügte nicht gleich über die notwendige Ueberwindungs. und Schaffensenergie, die die vorbildliche Pionierarbeit der männlichen Chaluzim vom ersten Augenblick an auszeichnet und sie hatte außerdem auch um ihre* gesellschaftliche Gleichstellung in diesem neuen, von Grund auf veränderten Leben einen schweren und zähen Kampf zu führen. Die Kwuzah, die genossenschaftliche Siedlungsform, war gerade erst im Entstehen begriffen, hatte allerhand Kinderkrankheiten durchzumachen und ungeheure, geradezu übermenschliche Arbeit ohne nennenswerte Hilfsmittel zu bewältigen. Wir hatten Wüsteneien und Sümpfe urbar zu machen, es mußten heroische Kraftanstrengungen gemacht werden, um die Kwuzoth, auf die der ganze Jischuw und vielleicht das Judentum der ganzen Welt mit leidenschaftlicher Spannung blickte und von deren Erfolg die Zukunft und das jüdische Schicksal des palästinensischen Aufbauwerkes abhängig war, zu einem starken, tragenden Fundament des neuen jüdischen Lebens auszubauen. Es war eine schwere, historische Aufgabe, die mit imgeahnter Intensität erfüllt werden mußte. Es galt, im Wege der Erfahrung, die beste, ökonomischeste Bewirtschaftungsmethode zu finden und diesem Ziele strebte die ganze Kwuzah, wie ein Mann, durch unermüdliche Arbeit im Stall, auf dem Felde und am Abend am Diskussionstisch, zu. Und die Chaluzah? Sie mußte diese große, heroische Zeit in der Küche und am Waschtrog zubringen. Es war für die Kwuzah etwas selbstverständliches, daß die jüdische Frau und das jüdische Mädchen eben dorthin gehören, wo ihre Mütter im jüdischen Galuthleben stehen. Und dies hatte die psychologische Folge, daß der männliche Teil der Kwuzah auf die weniger historische, alltägliche Arbei der Chaluzah unwillkürlich von oben herabsah. Die restlose Hingabe an den Boden beeinträchtigte das Verständnis des Chaluz für die natürliche Notwendigkeit und Bedeutung der häuslichen Frauenarbeit, die heute niemand anzuzweifeln wagt. Durch diese Geringschätzung aber, die die Leistung der jüdischen Frau in der Kwuzah anfänglich erfuhr, fühlte sich die Chaluzah natürlicherweise zu einem Geseilschaftsmitglied zweiten Grades herabgesetzt und allmählich begannen Zweifel in ihr aufziisteigen, ob die Opfer, die sie gebracht hat, indem sie das ruhige, sorgenfreie Leben im mütterlichen Heim gerfen das primitive, entbehrungsreiche Leben in der Kwuzah vertauschte, überhaupt einen Sinn SW FÜRS FROHJAHR die allerletzten Kreationen der Pariser Haute couture unö eigener Schöpfungen aus edelsten Materialien in unerreichter Auswahl zu den bekannt billigen Krupnih•Preisen ms Mi NUR V». KflISERSTW. 115 Wir haben nirgends Filialen! hatten. Und zusammen mit den Zweifeln kamen die innere Unruhe und die Apathie. Die Arbeit in der Küche und im Heim, die man heute als eine wesentliche Voraussetzung für die gedeihliche Entwicklung der Kwuzah auffaßt, freute sie nicht mehr und sie tat sie nur mehr noch unter innerem Zwang und mit Widerwillen. Die jüdische Frau fühlte, daß die Arbeit in der Küche allein keineswegs der Sinn jener inneren Revolution sein kann, die sie aus dem geordneten Familienleben der Galuth in die Einsamkeit und Einfachheit des palästinensischen Lebens getrieben hat. Man sprach damals von der Einführung der Hofwirtschaft in den Kwuzoth, von Bienen- und Geflügelzucht u. dgl., in der die Chaluzah ein passendes Betätigungsgebiet finden könnte. Die Kwuzoth standen damals diesen Projekten skeptisch gegenüber. Man war nicht darauf eingerichtet und befürchtete ein allzugroßes Defizit. Andererseits aber war es klar, daß man den Versuch unternehmen muß, den Eigenbedarf der Kwuzah an Gemüse, Milch und Molkereiprodukten in eigener Wirtschaft zu decken. Diese Wirtschaftszweige jedoch waren die Stiefkinder der Kwuzah. Man schenkte ihnen nicht viel Aufmerksamkeit und die Chaluzah, die in der Hof- und Gartenwirtschaft tätig war, fühlte sich nun wieder für die ersten natürlichen Defizite verantwortlich, die sie zwar nicht verschuldete, die aber immerhin geeignet waren, ihr Selbstgefühl zu schwächen und das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit herabzusetzen. Es war eine schwere, krisenhafte Zeit für die arbeitende Frau in Erez Israel, Heute hat auch schon die Chaluzah ihre ersten inneren Zweifel und Selbstquäl'ereien überwunden. Es gibt heute in Erez Israel blühende Mädchenfarmen und andere starke Wirtschaftszweige, in denen die Arbeit der jüdischen Frau eine dominierende Stellung einnimmt. Die jüdische Frau hat auf allen Gebieten der produktiven Wirtschaft in Erez Israel eine derartige Fülle von Fleiß, Tüchtigkeit und Ausdauer an den Tag gelegt, um die sie manche männliche Arbeitskameraden beneiden. Es ist ein großer Sieg, den die jüdische Frau im Kampf um ihre innere und äußere Freiheit und Gleichstellung errungen hat. Die Arbeiterinnen in Stadt und Land D'ie wirtschaftliche Tätigkeit: Da die Arbeiterinnengruppen dieses Jahr von der Zionistischen Exekutive kein Budget erhielten, wurde ihre Existenz hauptsäch. lieh dank der Tätigkeit der „P r o-C h aluzo t h-L ig a" bei der Poale Zion-Partei in Amerika und der Mithilfe der Frauenorganisation „W i z o“ ermöglicht. Die von der „Pro-Chaluzoth- Liga" überwiesenen Gelder wurden ausschließlich für die Entwicklung der Wirtschaften verwendet. Das Budget für Ernährung und andere Lebensbedürfnisse wurde durch die Arbeit der Genossinnen selbst gedeckt. Die Arbeiterinnenwirtschaften und Gruppen sind jetzt mit dem V erkauf vorhandener Pflanzen und der Aufzucht neuer beschäftigt. Die früher vorhandene Furcht, es werde an Absatzmöglichkeiten fehlen, hat sich als unbegründet erwiesen. Im Gegenteil, dieses Jahr wurden neue Märkte erschlossen. So hat man Be_ Stellungen aus Damaskus und Beirut erhalten. Außer den gewöhnlichen Bestellungen der Zionistischen Exekutive und anderer Kunden, lagen auch solche von seiten der R eg i e r u n g vor. Die Arbeiterinnenwirtschaften und Gruppen beabsichtigen, den Zweig der Geflügelzucht, den einträglichsten in diesen Wirtschaften, zu vergrößern. Der Bau von 12 Hühnerställen wurde begonnen. Die Arbeiterinnenwirtschaft „Nordgruppe’’ in Tel-Aviv erwarb 3 holländische Kühe aus dem örtlichen Nachwuchs in Deganiah. In einer Reihe von Gruppen: in Petach-Tikvah, Ramat Gan und anderen ist man an den Bau von Wohnhäusern aus den von der „Pro-Chaluzoth-Liga’1 in Amerika, sowie seitens der „Wizo" überwiesenen Mitteln, herangetreten. Die Arbeitslage: Bei den Regierungsaufforstungsarbei ten sind auch 70 Arbeiterinnen aus Tel-Aviv, Haifa und Tiberias beschäftigt. Eine gewisse An_ zahl von Arbeiterinnen hat auch beim Straßenbau von Jericho Beschäftigung gefunden, Bekannitlich ist es den Arbeiterinnen besonders schwer, in die Privatwirtschaft in die Kolonien einzudringen. Die Gruppen, in denen schon Genossinnen vorhanden sind, die eine gewisse Schulung in der Landwirtschaft erhalten haben, versuchen jetzt, diese Arbeiterinnen in den für sie entsprechenden Wirtschaftszweigen zu konzentrieren. So schickte der „Vereinigte Kibuz“ (Hakibuz Hameuchad) nach Herzliah 3 Arbeiterinnen zwecks Organisierung einer Baumschule, Die Kulturarbeit: Fast in allen Arbeiterinnenwirtschaften und Gruppen im Lande wurden in der letzten Zeit Besprechungen und Vorträge über die das Leben der Arbeiterin betreffenden verschiedenen Fragen, in den meisten Gruppen auch Lehrkurse für verschiedene Gegenstände veranstaltet. Man bereitet auch die Herausgabe eines Arbeiterinnensammelbuches vor, in dem die Fragen der Arbeiterinnenbewegung, ihre wirtschaftliche Tätigkeit uisw. behandelt werden sollen. Die Arbeit in der Stadt: In Tel-Aviv existieren bis jetzt zwei Ar.beiterinnengcnossenschaften: Eine genossenschaftliche Klüiche und eine Näherinnenge, nossenschaft. Aus der Arbeiterzählung ist zu ersehen, daß in T e 1-A v i v in der Hausbedienung 456 Arbeiterinnen beschäftigt sind, von denen nur ein Teil organisiert ist. Die Zahl der einzelnen Schneiderinnen, Gärtnerinnen usw. beträgt in Tel-Aviv 275, In den Fabriken arbeiten ungefähr 700 Arbeiterinnen. Ungefähr 150 weibliche Arbeitslose sind im Arbeitsamt in Tel-Aviv registriert Ruthenberg und Rafhenau Ueber die wirtschaftliche, wirtschaftspolitische und nationale Bedeutung der Ruthenbergschen Elektrizitätsproduktion in Erez Israel schreibt Ernst Davis im „Berliner Tageblatt": Am Jordan, eine halbe Autostunde südlich vom See Genezareth, bei Gescher Nechalim, errichtet Pinchas Ruthenberg ein Wasserkraftwerk, das dem heiligen Lande die nötige Triebkraft zu seinem neuen Aufstieg geben soll. Ein Strom von dreihunderttausend Pferdekräitem, halb soviel wie die ganze Elektrizitätsproduktion Norwegens, soll an dem biblischen Flusse erzeugt und durch Hochspannungsleitungen über das ganze Land hin verteilt werden, Palästinas wirtschaftlich verwertbarer Energievorrat ist in seinem Wassergefälle konzentriert und Ruthenberg beherrscht es. Er hat als Kandidat der Zionistischen Organisation das alleinige Recht zu seiner Ausnutzung und zur Belieferung Palästinas mit elektrischer Energie erhalten, unter Bedingungen, die der Regierung eine Kontrolle der Strompreise von einer Minimalhöhe ab und eine gewisse Gewinnbeteiligung sichern. Er schuf zur Ausnutzung der Konzession die „Palestine Electric Corporation Ltd.‘* mit mumm iiii -1 I L 1 : ' ‘.r \IH fi Die konstruktiven Arbeiten in Palästina; Links; Bau der neuen Straße von Rechoboth nach Neß-Ziona. Rechts; In der Kwuzah Schiller (benannt nach dem jüdischen Pädagogen Salomon Schiller), die bei Rechoboth auf Boden des Jüdischen Nationalfonds angesiedelt wurde. 010101000202010102000253534823235353532353905323235353

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.