Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1928)
- Date
- 1928-04-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 17 Hausverwaltungen sucht langjähriger zionistischer Verwaltungsbeamter (Reichsdeutscher, Hausbesitzer) mit ausgezeichneten Erfahrungen und Referenzen. Mäßige Gebühren. M. Levi, Berlin-Steglitz, Arndtstr. 17. Sie können es Herrn RadiS nicht recht machen und deshalb beschimpft er sie. Aber sie besitzen den einen Trost, daß die jugoslawischen Völker loyaler und — logischer denken und das tun, was das übrige vernünftige Europa tut: die temperamentvollen Ausfälle des Herrn Radiö nicht ernst nehmen. Jüdische Kellner nicht erwünscht Antisemitenspiegel Feindliche Antisemitenbrüder Antisemitismus ist kein einheitbildendes Element. Antisemitismus ist eine Gruppenerscheinung in dem Sinne, daß er zumeist in Gruppen und Grüppchen zerfällt, die mitunter einander arg befehden. Es gibt innerhalb der antisemitischen Bewegung verschiedene Parteien, die einander mehr hassen, als sie gemeinsam die Juden hassen. Zu einem heftigen Zusammenstoß feindlicher Antisemitenbrüder kam es neulich in einer Versammlung, die der sogenannte „Völkisch-nationale Block" in Berlin einberufen hatte. Der Redner, Abgeordneter W u 11 e, zählte ein ganzes Sündenregister der Deutschnationalen auf. Als Wulle erklärte, daß ihm .die schwarz-rotgoldenen Erfüllungspolitiker lieber seien als die schwarz-weißroten, weil jene wenigstens ehrlich seien, da erhob sich eine ältere deutschnationale Frau und verließ mit dem Rufe „Pfui, Herr Wulle!" den Saal. Dieser Zwischenfall gab dann die Veranlassung zu einem scharfen Streit zwischen Nationalsozialisten und Völkischen. Der Führer einer nationalsozialistischen Sturmabteilung, Rittmeister Gotting, rief: „Ich erkläre es jedem, der es hören will: Wulle ist ein Schurke, ein Lump!“ Die Völkischen riefen dagegen: „Ihr Nationalsozialisten seid von Italien bestochen! Hitler ist ein Stänkerer!" Beide Parteien beschuldigten sich gegenseitig, daß ihre Führer Freimaurer seien. Ein nationalsozialistischer Stoßtrupp von etwa 40 Mann sprengte schließlich die Versammlung. Beim Deutschland-Lied blieben die Nationalsozialisten ostentativ sitzen und gröhlten dann das Hitler-Lied dazwischen. Noch auf der Straße beschimpften die völkischen Helden einander aufs unflätigste. Die Schupo verhinderte eine allgemeine Keilerei. — Man fühlt sich versucht, ein bekanntes deutsches Sprichwort zu variieren: Pack schlägt gemeinsam gegen die Juden los. Pack selber aber verträgt sich nicht. „Toldoth Jeschu“ vor Gericht Wegen Verbreitung einiger Abschnitte aus dem Buche „Toldoth Jeschu" wurde der frühere Redakteur der „Schlesischen Volksstimme", Bark, vom Breslauer Amtsgericht in erster Instanz zu 75 Mark Geldstrafe verurteilt, hingegen von der Strafkammer des Landgerichtes in Breslau f r e i g e - sprochen. Die „Jüdische Zeitung für Ostdeutschland" bezeichnet den Freispruch durch das Breslauer Landgericht als nicht gerade juristisch besonders fundiert und knüpft an das Urteil folgende Bemerkung: „Die aus dem Mittelalter stammende Schrift „Toldoth Jeschu" ist kein „jüdisches Volksbuch", noch weniger ein Religionsbuch, sondern ein übles Machwerk, das wahrscheinlich aus der Feder eines Juden stammt, dem man mit Folter und Daumenschrauben „zur höhet en Ehre Gottes" so zugesetzt haben mag, daß er seinem Grimm gegen seine Peiniger auf diese nicht zu billigende Art Luft machte. Die Person Christi und die seiner Eltern werden darin in ganz schamloser Weise herabgezogen. Natürlich versäumt der Radauantisemitismus nicht, dieses mehrere hundert Jahre alte Pamphlet den Juden von heute in die Schuhe zu schieben." Interessant ist, daß bei Verlesung der betreffenden Abschnitte die Oeffentlichkeit ausgeschlossen wurde. Warum dies geschah, ist ganz unerfindlich, da doch die Stellen aus dem erwähnten Buche in einer Zeitung gedruckt waren und außerdem in einer antisemitischen Broschüre bereits in dritter Auflage verbreitet sind. Erwähnenswert ist ferner, daß ein Gesinnungsgenosse des Herrn Bark, Oberpostsekretär J e n k e, wegen öffentlicher Verlesung der gleichen Stellen von der Strafkammer in Schweidnitz rechtskräftig bestraft wurde. Das Reichsgericht hat diese Verurteilung bestätigt. — Die Radauantisemiten schrecken wirklich vor keiner Niederträchtigkeit zurück. Wenn sie schon nicht selber irgend welche „Weise von Zion“ erfinden können, so stöbern sie irgend ein jahrhundertealtes Schund- und Schmutz-Pamphlet auf, lassen es drucken, lesen es öffentlich vor, beschimpfen dadurch den Stifter ihrer eigenen Religion — nur um die Juden verleumden zu können! Gotteslästerung in einer Novelle Neben dem „Völkischen Beobachter" besitzt die Hitler- Bewegung in Deutschland auch ein schöngeistiges Organ, den „Illustrierten Beobachter", dem die Aufgabe zufällt, die scharfmacherische Politik des Hauptorganes „schöngeistig" zu frisieren. So veröffentlichte diese Zeitschrift in ihrer Weihnachtsnummer eine Novelle: „Der ewige Faun", die in widerwärtiger Weise die Verführungskünste eines reichen Müßiggängers schildert, natürlich eines häßlichen, schwarzhaarigen Juden, der ein engelhaft blond-arisches Mädchen zu Fall bringt. Dieser Jude, der in der Novelle Siegfried Manasse heißt und Kuppler, Mädchenhändler, Wüstling und auch sonst ein Ausbund an menschlicher Schlechtigkeit ist, weiß und fühlt es, daß ihm kein anderer als der Judengott selber die blonde Maid als Opfer zugeführt habe. In der Novelle steht wörtlich zu lesen: „Von neuem hatte ihm (dem ewigen Faun Siegfried Manasse) Jahwe ein Opfer zugeführt." Die Novelle stellt also Gott als Helfershelfer bei dem schmutzigen Liebeshandel eines Juden hin. Wegen Gotteslästerung hatte sich nun der Schriftleiter des „Illustrierten Beobachters", Philipp ß o u h 1 e r, vor dem Schwurgerichte München zu verantworten. Natürlich wollte der angeklagte Schriftleiter das Manuskript vor Aufnahme nur flüchtig gelesen haben und berief sich im übrigen zur Rechtfertigung der gotteslästerlichen Stelle auf die bekannten antisemitischen Talmud-Auslegungen. Die Erörterung der Verteidigung und der Sachverständigen (Alfred Rosenberg, Geheimrat Goetzberger) betraf besonders einen angeblichen Unterschied zwischen dem biblischen und dem talmudischen Gottesbegriff, sowie die Verhaltensgesetze gegen Nichtjüdinnen, die, wie Geheimrat Goetzberger nachwies, von den Antisemiten willkürlich und falsch umgedeutet wurden. Redakteur Bouhler wurde zu 20 Tagen Gefängnis umgewandelt in eine Geldstrafe von 200 Mark — verurteilt, — Befremdlich ist es, daß die Staatsanwaltschaft die Anklage nur gegen den Schriftleiter erhob und nicht auch gegen den Verfasser des Machwerkes „Der ewige Faun“. Vermutlich ist der Name Hans Hesse ein Pseudonym; aber bei entsprechenden Bemühungen der Anklagebehörde hätte dieses Pseudonym wohl gelüftet werden können. Antisemitische Komödie des Herrn Radic Jugoslawien braucht Geld und sucht es, wie alle andern europäischen Staaten, bei einer englisch-amerikanischen Finanzgruppe, der auch die Banken Rothschild in London und Kuhn-Loeb in New York angehören. Ernste Männer, wie sechs Minister und die Repräsentanten der Wirtschaftsorganisation Kroatiens, Slawoniens und Dalmatiens treten zu einer großen Wirtschaftskonferenz zusammen, um die für den Staat so wichtige Anleihe zu besprechen. Auch der Vorsitzende der kroatischen Bauernpartei und Führer der bäuerlich-demokratischen Koalition ist dabei. Er heißt — Stepan Radiö. Man kennt seine Masken, seine Clownerien, seine Chamäleonscherze. Es ist noch nicht lange her, daß Radiö gemeinsam mit den bulgarischen Bauernführern von einer „Grünen Bauerninternationale’' träumte und sich Moskau anbiederte. Es ist noch nicht lange her, daß Radiö dem Belgrader Zentralismus den Krieg ansagte. Und es ist auch noch nicht lange her, daß Radic wie ein Schuljunge versprach, wieder brav zu werden und sogar ein Kabinett biLden wollte. Nun beginnt er' wieder zu blödeln. Während nüchterne Männer über die finanziellen Notwendigkeiten des Staates beraten, hat Herr Radic nichts besseres zu tun, als die Judenschaft zu beschimpfen. Pressevertretern spricht er von der „Niedertracht „HANSA“ WIEN I., FRANZ JOSEFS-KAI 13 TELEPHON 75-409 Hfluser, Büros, Wohnungen, Hypotheken, Verwaltungen Unter wenigen Tagen beste Resultate Eigene Kredltabteilung nur für grofie Transaktionen der Juden und ihrer Kriecherei vor den Mächtigen". Wir erinnern uns, daß die serbische Presse ihn selbst solcher Charaktereigenschaften bezichtigte. Aber was will das bei einem Mann bedeuten, den selbst seine nächste politische Umgebung belächelt! Herr Radiö hat sich noch nicht in die neue Zeit hineingefunden. Er hat noch immer den parlamentarischen Hetzerton der haibsburgischen Aera. Er muß erst entösterreichert werden. Dann wird er sein neues Schlagwort „Antisemitische Kampfpolitik" ad acta legen. Geben die Juden kein Geld her, dann sind sie Feinde des Staates. Geben sie Geld her, dann sind sie Wirtschaftsverderbet. Die Armen! In der Werkstatt der arabischen Nationalistenhetze Ein Besuch bei Herrn Issah el Issah. Von A. Z. Ben Jischai (Tel-Aviv). Die arabische Presse in Palästina führt ein recht bescheidenes Dasein. Es erscheinen zur Zeit im ganzen Lande fünfzehn kleine Wochenblätter, von denen sieben mohammedanisch und acht christlich sind. Arabische Tageszeitungen Fcllachinnen in der Umgebung von Jerusalem. In dem idyllisch gelegenen Tatra-Kurort Strbskö P1 e s o (Csorbaer See) sucht die Restaurationsunternehmung fünf junge Kellner. Auf das Offert einer Vermittlungsstelle antwortete die Restaurationsunternehmung mit einem Schreiben, worin es wörtlich heißt: „Beiliegend sende ich Ihnen die Offerte retour und bitte Sie, mir nach Ihrem Gutdünken sofort 5 junge Kellner — jedochkeine Juden —, die die slovakische, deutsche und ungarische Sprache beherrschen, zu besorgen; die Kenntnis aller 3 Sprachen ist keine Bedingung. Ihrer je früheren Erledigung entgegensehend, zeichne ich hochachtungsvoll Restaurationsunternehmung Strbskö Pleso (Csorbaer See), Jdn Ozska m. p." — Alljährlich in den Sommermonaten sieht sich die jüdische Presse gezwungen, eine Liste derjenigen Sommerkurorte zu veröffentlichen, die antisemitischen Charakter haben, denen also jüdische Gäste nicht erwünscht sind. In diesem besonderen Falle sind aber nicht jüdische Kurgäste, sondern jüdische Kellner unerwünscht. Es mag ja jedes Unternehmers gutes Recht sein, sich sein Personal nach seinem Geschmacke auszuwählen. Es ist aber zu erwarten, daß auch das jüdische Kurpublikum im Hinblicke auf die Geschmacksrichtung des Herrn Jan Ozska das tut, was in solchem Falle die jüdische Würde erheischt. Rumänien in Paris .* Diese Ueberschrift ist nicht etwa so zu verstehen, wie ehemals Venedig in Wien. Mit „Rumänien in Paris1’ hat es seine besondere Bewandtnis. Bis vor kurzem gab es nämlich in Paris zwei rumänische Studentenvereine: einen jüdischen und einen christlichen. Von französischen Undversitätskreisen wurde nun 'der Wunsch geäußert, daß sich beide rumänischen Vereine zu einem einzigen zusammenschließen. Diese Anregung wurde vom rumänischen Unterrichtsministerium unterstützt, und es heißt, daß die rumänische Regierung sogar mit Entziehung der Geldunterstützungen drohte, falls die Einigung nicht zustande käme. Daraufhin wurde ein „Verein der rumänischen Studenten in Paris" gebildet, dessen Ausschuß au» Juden und Christen zusammengesetzt war. Zwischen den einzelnen Ausschußmitgliedern entstanden im Hinblick auf die Exzesse in Siebenbürgen Meinungsverschiedenheiten. Die jüdischen Ausschlußmitglieder verlangten, daß der Verein gegen die barbarischen Ausschreitungen protestieren solle, die christlichen weigerten sich, einer Protestresolution zuzustimmen. Die Entscheidung wurde der allgemeinen Studentenversamm. hing überlassen. Diese begann im Zeichen großer Erregung, als bekannt wurde, daß der Präsident des Vereins, ein bekannter fortschrittlicher Gelehrter, von dem Sekretär, einem Antisemiten, tätlich mißhandelt worden war. Als dann die Resolution geigen die Pogrome eingebracht wurde, hielt der antisemitische rumänische Professor Ralf Tret eine provozierende judenhetzerische Rede, die' von einem Teil der Zuhörerschaft mit Beifall begrüßt wurde. Die jüdischen Studenten protestierten, woraufhin die christlichen Studenten sich auf ihre jüdischen Kollegen stürzten. Es entwickelte sich eine gefährliche Schlägerei, bei der die Einrichtungsgegenstände des Saales als Wurfgeschosse benutzt wurden. Auf beiden Seiten zählte man viele Verletzte. — Dieser Vorfall beweist, daß typischer Judenhaß auch an fremdem Ort und in anderer geistiger Atmosphäre sein spezifisches Gewicht nicht verliert. Die fremde Umwelt vermag ihn wohl eine Zeitlang einzudämmen, bei der erstbesten Gelegenheit bricht er doch in seiner ganzen rohen Art hervor. gibt ps überhaupt nicht. Die Mehrzahl dieser Blätter war bis vor wenigen Jahren extrem nationalistisch eingestellt und sie dienten als bereitwillige Hetzorgane der sogenannten arabischen Exekutive, die bekanntlich einen heftigen Kampf gegen die englische Administration und die zionistische Weltorgansation führte. In den letzten zwei Jahren hat sich der politische Einfluß der arabischen Exekutive stark verflüchtigt und infolgedessen hat auch die Presse ihren militanten Chauvinismus aufgegeben und eine etwas gemäßigtere Richtung angenommen, die in der Hauptsache auf die überwältigende Wirkung, die das zionistische Aufbauwerk auf alle Einwohner des Landes ausgeübt hat, zurückzuführen ist. Gleichwohl aber konnten es einige unentwegte kleine arabische Hetzorgane nicht lassen, auch weiterhin ihren gehässigen Kampf gegen das britische Palästina-Mandat und gegen den Zionismus fortzusetzen. Von diesen zeichnet sich das in Jaffa erscheinende christlich-arabische Wochenblatt „Feie §- t i n“ durch einen besonders wütenden Judenhaß aus, der allwöchentlich von seinem Redakteur und Herausgeber, Issah el Issah, seiner immer spärlicher werdenden Leserzahl vorgesetzt wird. Das Blatt ist ein recht wohlfeiler Abklatsch der üblichen antisemitischen Phraseologie Hitlerscher oder Cuza scher Couleur und ebenso ist dieser antijüdische, christlich-arabische Hetzer und Prediger eine mäßig gelungene Reproduktion seiner aus Europa importierten antisemitischen Vorbilder.... Ich sah ihn an der Arbeit, in seiner engen, staubigen Redaktionsstube, über seinen Schreibtisch gebückt, auf dem die arabische Ausgabe der berühmten „Weisen von Zion“ (von einem katholischen Geistlichen aus Aegypten übersetzt) eine do- Palästina Diskret Promot