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Die Stimme · 1928-04-26 · Heft 17 (26.4.1928) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 17 (26.4.1928)
Date
1928-04-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nf. 17 DIE STIMME Seite 3 Russisch« Buchhandlung u. Bibliothek Mob Perskj, Vien III, Migfeltirlstninn Kr. 4 / Teltpbon B-SI-8-56 Bücher,Zeitungen, Noten, Ansichtskarten Vcrgtistn Sie nicht die tueeische Spräche, wenn Sie ihrer kundig sind, erlernen Sie sie» wenn Sie diese nicht beherrschen. Leset BQelter der Leihbibliothek, die mehr als 6000 Bände alter und neuer Literatur zählt. — Monatliches Abonnement 2 Schilling. Die Bibliotheksbücher kennen such in die Provinz durch Kreuzband geschickt werden. verfaßt? Ist Chanukka das Fest der Hermannschlacht, sind Monotheismus, Prophetismus, Messianismus germanische Ideen? Man höre doch endlich damit auf, den Zionismus dadurch herabzuwürdigen, daß man ihn mit geschwollenen Albernheiten bekämpft. Es ist, wie im ersten Artikel gesagt: Diese langst abgetanen Ansichten und Ideen sind Gespenster aus der Vorkriegszeit, die nun wieder aufsteigen und so tun, als lebten sie noch. Aber schon Oscar Wilde hat in seinem „The Ghost of Canterville" gezeigt, wie man der Gespenster, auch wenn sie sich modern ausstaffieren, Herr wird: Man lacht sie aus, man glaubt nicht an sie, und so müssen sie sich begraben lassen. Emile Vandervelde Uber das jüdische Aufbauwerk Zur Zeit weilt der bekannte Führer der Zweiten Internationale und frühere belgische Außenminister Emile Vandervelde in Palästina. Er hält dort Gastvorlesungen an der hebräischen Universität. Die erste Vorlesung behandelte das Thema „Friedenssicherung durch Aufbauarbeit mit besonderer Berücksichtigung des Palästina-Aufbaüs“. Der Zionismus mit seiner Aufbauarbeit und seiner Tendenz der Brüderlichkeit gegenüber den Arabern, führt Vandervelde aus, ist ein wichtiger Faktor für den Weltfrieden, der allerdings ganz anders aussehen muß als der Frieden von Versailles, dessen Verträge absolut zu revidieren seien. Dagegen haben bei der Errichtung des Völkerbundes, der neuen Nationalstaaten und bei der Entstehung des Palästina-Mandats fortschrittliche Ideen gesiegt. Aus Anlaß der Anwesenheit Vanderveldes fanden in Tel-Aviv zwei Massenversammlungen statt, bei denen auch der Gast das Wort 'ergriff. In seiner Ansprache sagte er, er habe von der schöpferischen Arbeit der jüdischen Arbeiter in der Landwirtschaft Palästinas tiefe Eindrücke erhalten. Die jüdischen Arbeiter in Palästina waren die ersten in der Welt gewesen, die eine Kolonisation auf sozialistischer Basis angefangen haben. Zwischen den Ideen des Zionismus und den Ideen der europäischen Demokratie bestehe kein Widerspruch. Der Zionismus könne ohne sozialistischen Inhalt nicht verwirklicht werden. Er überbringe der palästinensischen Arbeiterföderation die Grüße der sozialistischen Internationale und gebe dem Wunsche Ausdruck, daß die palästinensische Arbeiterföderation die Brücke bilden möge zwischen den Arbeitern des Westens und den Arbeitern des Ostens. Die palästinensischen Arbeiter mögen den Arbeitern des Orients beistehen; sie werden dies gewiß nicht nach dem Muster der Bolschewiken tun, die die erwachenden Nationen nur für ihre Zwecke benützen. In einem Gespräch mit den Vertretern der Presse äußerte sich Vandervelde über seine Eindrücke im Lande; er erklärte u. a.: Noch bevor ich Gelegenheit hatte. Palästina mit eigenen Augen zu sehen, wußte ich viel über das jüdische Kolonisationswerk in diesem Lande. Aber erst seitdem ich an Ort und Stelle weile, bin ich mir über die Schwierigkeiten klar, die dieses Aufbauwerk zu überwinden hat. Um~so höher schätze ich die Leistungen der jüdischen Arbeiter ein, die Oedland und Sumpfgebiet in blühende Kolonien verwandelt haben. Tiefe Eindrücke habe ich sowohl von den alten Kolonien, als auch Von den neuen Arbeitersiedlungen davongetragen. Ich hege die größte Bewunderung für Aus dem römischen Ghetto (zu unserem heutigen Feuilleton): Nähstube im Freien au! der Portica d'Ottavia. LLOYD TRIESTINO Rascheste Verbindung zwischen EUROPA UND PALÄSTINA über Ägypten mit den Luxusdampfern „VIENNA“ und „HELOUAN“ För Freunde längerer Seefahrten empfehlen wir unsere herrlichen, billigen 28-tägigen Rundfahrten nach Griechenland, Ägypten, Palästina, Syrien, Cypern und Rhodus (mit Berührung von 23 Häfen). I. Kl. S J616‘- , II. Kl. S 1043-— inklusive vorzüglicher Verpflegung und Außenkabine. Zahlreiche andere, kürzere und noch billigere Reisekombinationen« Wöchentliche Abfahrten 1 Auskünfte: Passagebüro, Wien I, Kärntnerring 6 Qi das größte kollektivistische Experiment der Arbeiter-Kolonisation, das die jüdischen Arbeiter durchführen. Tel - Aviv, schloß Vandervelde, ist ein bewundernswerter Ausdruck der jüdischen Aufbau-Energie. Die Industrien in Tel-Aviv und Haifa stehen auf fester Basis. Italien und der vordere Orient Die Bedeutung der Palästinareise des italienischen Kronprinzen, Aus Rom wird uns berichtet: Die gesamte italienische Presse benützte die Palästinareise des Kronprinzen zu außenpolitischen Kundgebungen und besonders zur Präzisierttng der Stellung Italiens zu den Fragen des nahen Orients und der Einflußsphäre Italiens in Palästina. Sämtliche einflußreichen Blätter betonen ausnahmslos, daß Kronprinz Umberto nicht ohne besonderen Grund die heiligen Stätten in Jerusalem aufgesucht habe. Der italienische Kronprinz habe in Jerusalem die katholische Welt repräsentiert. Dies gehe — schreibt „Popolo d'Italia" — schon aus der Tatsache hervor, daß, als der Kronprinz seinen feierlichen Einzug in die Basilika hielt, neben ihm auf der einen Seite der lateinische Patriarch, auf der anderen Seite der Kurator der heiligen Stätten schritt. Diese sind die höchsten Vertreter der römischkatholischen Kirche in Jerusalem, Große Auswahl in echten Schlangenschuhen von S 45"— aufwärts Odespangenschuhe S üs Detailverkauf zu Engros-Preisen direkt in der Fabrik, VII. Bezirk, Kaiserstrasse Nr sm&ftttamuBaßssBBNuni dem heidnischen Tempel des Friedens, während das Gesetzbuch in das Kaiserschloß gebracht wurde, wo es auch bis zu der Zeit verwahrt blieb, da Rom von den Vandalen zerstört und ausgeplündert wurde. Der König der Vandalen ließ alles Gold und sonstigen Schätze, die in Rom aufzustöbern waren, auf sein Schiff laden und entführte sie. Die von den Römern in Jerusalem erbeutete Menorah des heiligen Tempels ließ er nach Karthago bringen, ebenso die goldenen Leuchter. Als das Reich der Vandalen besiegt wurde, sandte der siegreiche Heerführer Belisar diese Reliquien aus dem heiligen Tempel von Jerusalem dem König Justinian nach Byzanz. Weiter konnten bisher die Spuren der Tempelgeräte nicht verfolgt werden. Zu einem wirklichen Ghetto wurde das römische Judenviertel erst * zur Zeit der Päpste, Es handelte sich auch damals nicht um eine förmliche völlige Abschließung durch Ghettomauern, sondern um das Verbot in anderen Teilen der Stadt zu wohnen. Hingegen haben einzelne römische Adelsfamilien ihre in diesem Stadtteile gelegenen Palastruinen zu herrlichen Familienpalästen umbauen lassen. Diese Adelsgeschlechter wohnten bis in die Neuzeit hinein unter den Juden in dem Ghettoviertel des heutigen Trastevere - Bezirkes. Der Großteil der jüdischen Bewohner des römischen Ghetto fristete während des ganzen Mittelalters ein recht kümmerliches Dasein. Es waren kleine Handwerker, Krämer und Trödler. Nur eine kleine Oberschicht hatte sich zeitweilig mächtigen Einfluß gesichert. Es waren die berühmten jüdischen Aerzte jener Zeit, und die Geldwechsler und Geldvermittler, welche die Finanzen Roms in Ordnung krachten. Allerdings machte man auch damals mit einem Telle der reichgewordenen und einflußreichen Juden dieselben Erfahrungen wie heute. Sie zogen sich immer mehr von ihrer jüdischen Umgebung zurück, gingen zur katholischen Kirche über oder ließen ihre Kinder taufen, um, wie sie angaben, das erworbene Familiengut mit Sicherheit ihren Kindern vererben zu können. Ein Sproß aus einer dieser Renegatenfamilien saß später sogar auf dem päpstlichen Thron. Der Vorfahre dieses dem Judentum entstammenden Papstes, der sich bei seiner Taufe Benedictinus Christianus nannte, war doch im Ghetto einer der bekannten Geldmakler gewesen, der als Jude; noch dem Vatikan wiederholt größere Darlehen gab. Sein Sohn Leo, dessen Taufpate, wie der,Historiker Paul Hoitsy in einem Aufsatz über das römische Ghetto feststellt, der Papst gleichen Namens war, spielte bereits zur Zeit des großen Investiturstreites eine einflußreiche Rolle und galt als einer der Führer der Partei der freisinnigen Päpste, Leo hatte einen Sohn Petrus, der sich nach seinem Vater Petrus Leoni oder auch Pierleoni nannte. Das blieb auch der Familienname der Nachkommen des Benedictinus Christianus bis auf den heutigen Tag, Petrus Leoni wurde dann der Besitzer jenes adeligen Schlosses, das aus den Ruinen des ursprünglichen Marcellus-Theaters auf dem Gebiete des alten römischen Ghettos erbaut wurde. Der Grabstein dieses Judenstämmlings Petrus Leoni ist auch heute noch erhalten und steht im Hofe der Paulus-Kirche. Er datiert aus dem Jahre 1128 und verkündet, daß der Verstorbene ein mächtiger Mann war, viele Kinder und ein großes Vermögen hinterließ. Einer der Söhne des Petrus widmete sich der geistlichen Laufbahn. Er war sehr bald als päpstlicher Legat an verschiedenen europäischen Höfen tätig, und als Papst Honorius starb, wurde der Enkel des einstmaligen jüdischen Geldverleihers und späteren Benedictmus Christianus der Kandidat einer ansehnlichen Partei für den päpstlichen Stuhl. Es entspann sich ein heftiger Wahlkampf, der, wie die zeitgenössischen Christen berichten, die groteskesten Formen annahm und schließlich dazu führte, daß zu gleicher Zeit zwei Päpste gewählt wurden, von denen jeder, unerstützt von seiner Partei, sich als den rechtmäßigen Vertreter der katholischen Kirche in Rom bezeichnete. Wahrend Gregor, der sich auf die Familie der Frangepanis stützte, von deren Söldlingen in der Markuskirche zum Papst Innocenz II. ausgerufen wurde, ist der Judenstämmling Pierleoni unter dem Namen Anaklet II. im Lateran zum Papst proklamiert worden. Innocenz mußte vor den Verfolgungen der Anhänger Anaklets nach Frankreich flüchten. Die heutigen Juden von Rom werden den letzten Ueberresten des früheren Ghettos keine Träne nachweinen. Die Applanierung dieses Stadtteils und die Demolierung der uralten Häuser in dem von schmalen Gassen durchzogenen Judenviertel hat der jüdischen Gemeinde von Rom die Aufgabe auferlegt, sich jener blutarmen jüdischen Familien atizunehmen. und für ihre Behausung zu sorgen, die durch die Regulierungsarbeiten um ihr altes, wenn auch unzulängliches, aber dennoch liebgewordenes Heim gebracht worden sind. In früheren Zeiten, so lange das Ghetto noch bestand und strenge Präfekten darüber wachten, daß die Juden ihren Zwinger im Ghetto nicht überschreiten, wurden solche Wohnungssorgen auf die Weise gelöst, daß die Häuser in die Höhe erweitert wurden. So konnte man an manchen jetzt endgültig verschwundenen Ghettohäusern fast mit Sicherheit die Epochen feststellen, in denen der eine oder andere Aufbau zur Behebung der Wohnungsnot im Ghetto durchgeführt wurde.

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