Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1928)
- Date
- 1928-04-19
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 16 DIE STIMME Seite 13 ** V' MX WMj' .m :7 7 k \ Das jiddische Staatstheater in Moskau, das aui seiner Europatournee auch in Wien gastieren soll; J. Michoels als 'Benjamin in dar Dramatisierung von Mendele Mocher Siorims „Die Reise Benjamins des Dritten". Die Bearbeitung dieser prachtvollen Don Qujchoterie, welche unter der Regie von Granowsky mit Musik von Pulver auigelfihrt wird, bildet ein Zugstück des Theaters. ben, welche nach Scholem Alejchems „Das große Los" bearbeitet ist. Die Fama läßt einen armen Schneider das große Los gewinnen und er steigt dadurch in die jüdische Honoratiorenschaft des Städtchens auf, woraus sich allerhand komische Verwicklungen ergeben, bis er, da der Gewinst sich als nichts entpuppt, wieder zum armen Schneider wird. Um diese Handlung hat Granovskys Regie ein Furioso an Ausdruck und Bewegung entfesselt, darin die Gestalt des „Helden", den der berühmte Schauspieler Michoels meisterhaft darstellt, den Mittelpunkt bildet. Musik (von Pulver), Tanz, groteske Gebärde wirbeln atemraubend durcheinander. Das Publikum raste Beifall. Die Berliner Kritik, voran Alfred Kerr, ist begeistert. „Habimah“ in Palästina Aus T e 1-A v i v wird uns geschrieben: Die Aufführungen der „Habimah“ im .Stadttheater in Tel-Aviv gestalteten sich zu einem glanzvollen, festlichen Ereignis für den ganzen jüdischen Jischuw Erez Israels, Das Gastspiel begann mit der Aufführung von L e i w i k s „Golem". Nach Schluß der ersten Vorstellung wurden auf offener Bühne von den Vertretern der Stadtverwaltung, des Waad Leumi und anderen Körperschaften Begrüßungsreden gehalten. Später fand unter dem Vorsitz des großen hebräischen Dichters B i a 1 i k ein feierliches Bankett statt. Den Reigen der Toaste eröffnete Bialik selbst mit einer herzlichen Ansprache, in der der Dichter Erinnerungen aus den ersten Tagen der ,,Habimah‘‘ in Moskau, aus den Tagen des Auftretens und des Wachstums dieser kleinen Gruppe fanatischer Kunstbesessener mitteilte und zum Schluß ausführte: „Ich würde mich tief beschämt fühlen, wenn ich es erleben müßte, daß „Habimah" hier, in Erez Israel, nicht jene liebevolle Förderung und tatkräftige Unterstützung erfahren würde, die sie von der sowjetrussischen Regierung in so ausgielbigem Maße erhalten hat. Ich kenne das innere Verhältnis der „Habimah" zu Erez Israel und bin von der Ueberzeugung erfüllt, daß der Epilog dieses wundervollen jüdischen Schauspiels, das wir „Habimah'1 nennen, in Erez Israel spielen muß — sonst wird das Ganze ein sinnloses Spiel gewesen sein." Das Gastspiel wird mit Anski’s „Dybuk‘‘ fortgesetzt. Ehrenabend Bernhard Wittler. In den „Jüdischen Künstlerspielen" im Theater Reklame (II., Praterstraße 34), findet Mittwoch, den 25. April eine einmalige Aufführung der Komödie mit Gesang „S t u d e n t e n 1 i e b e‘‘ von M. Markowitsch als Ehrenabend für den jugendlichen Liebhaber Bernhard Wittler statt. Für diese Vorstellung hat Oskar Beregi seine Mitwirkung zugesagt. Kartenvorverkauf im Kartenlbü'ro Aida, II,, Taborstraße 1—3 und an der Kasse der „Jüdischen Künstlerspiele". Jüdische Bühne. (II., Taborstraße 12. Hotel Stefanie.) Wochenprogramm: Freitag, 20. April, Samstag, Sonntag abends und Montag: „Ketten vin Lieb e“. Lebensbild von Libin. Sonntag, 3 Uhr nachmittags: „J ankal e‘\ Operette von Kalich. (200. Aufführung. Hauptrolle L. Glücksmann.) Dienstag, »24. April: „S c h 1 o j m a 1 e-H o-z a-z a". Mittwoch, 25. April: „D er wilde Mensc h". Lebensbild von Gordin. Donnerstag, 26. April: „C h u s e n-K a 1 e". Komödie, Beginn täglich . 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Mit Ausnahme Sonnr und Feiertage freier Eintritt. Vortrag Alfred Kerr. Alfred Kerr hat schon mit Rücksicht darauf, daß er ials anerkannte Kritiker-Autorität gilt, Anspruch darauf, gekört zu wenden. Seiner Forderung, die Kritik selbst zur Kunst zu erheben, versuchte er in seinem jüngst im Wiener Volkstheater gehaltenen Vortrag gerecht zu werden: die abrupte, stilistisch .scharf pointierte Sprache im gedruckten Wort ward vorn Sprechenden 'aufgelöst, melodischer, populärer gemacht, ohne dabei an Schlagkraft zu verlieren. Gerade weil Kerr die gegenwärtige Dramatik e rge ne ra - tion als unsohöpferisoh bezeichnet, kann er auf Grund historischen Erfahrungsprinzips für die Zukunft optimistisch sein. (Drama als Zeitausdruck erscheint ihm;ats vager Begriff, das Tendenzdrama aber nicht als mindere Kunstgattung. Ueher der Dichtung steht in der gegenwärtigen Episode das Leiben. Der Typus des künftigen deutschen Dramas ist das unpathetische Drama, das den Weg nach aufwärts inaugurieren wird. —Id. Copyright by Joseph Opatovsky, New York (3. Fortseteung.) RICHTER LYNCH Von Joseph Opatoschu. (Autorisierte Uebersetzung aus dem Jiddischen von Siegfried S c h m i t z.) Schon waren die Schritte der Pferde zu hören, deren Hufe klatschend auf dem Sumpfboden aufschlugen. Buckert wurde ungeduldig, er brannte geradezu darauf, einen seiner Verfolger zu Gesicht zu bekommen. Plötzlich blendete ein Lichtschein seine Augen und benahm ihm für einen Augenblick das Gesicht. Der Gedanke, daß sie ihn lebend hatten, raubte ihm die Besinnung und ohne zu wissen, schoß er. Es wurde noch stiller als zuvor. Der Knall des Schusses blieb in Buckerts Ohr und er hörte undeutlich eine Stimme: „Buckert, ich bin es, der Sheriff! Ich weiß — du kannst mich niederschießen und meine drei Schwäger, die mich begleiten, Doch was hast du davon? Zuguterletzt wird man dich ja doch fangen! Ich brauche dir nicht erst zu sagen, was das bedeutet — hör' auf mich und ergib dich mir.“ ... „Nicht, solange ich lebe!“ — unterbrach ihn Buckert. „Liefere dich dem Gesetze aus" — fuhr der Sheriff fort — „das Gesetz kennt weder Weiße noch Schwarze, vor dejn Gesetz sind alle gleich! Wenn du unschuldig bist, so wirst du sicher freigesprochen und bist du schuldig, so wird man dir das Leben schenken, denn Miss Mc Clur lebt; nun, was sagst du?“ Buckert lag wie im Fieber. Die Worte des Sheriff hatten ihn verwirrt; sie legten einen Nebel um seinen Kopf und sein Mut war verflogen. Er fühlte; das war der beste Weg; wenn der Sheriff wollte, konnte er ihn nach Atlanta schicken und dort bestand die Möglichkeit, daß er sein Recht bekam. „Well, warum schweigst du?“ wieder ließ sich die Stimme des Sheriff hören. — „Ergib dich, ehe die Leute vom Dorf kommen, sonst ist es zu spät!“ „Schwöre mir" — Buckert erhob sich — „daß du mich ihnen nicht ausliefern wirst!“ „Ich schwöre“ — der Sheriff hob die Hand — „noch heute nachts schicke ich dich nach Atlanta!“ Buckert trat aus dem Gebüsch hervor. Er ließ sein Gewehr stehen und ging auf den Sheriff zu: „Da bin ich, verhafte mich!“ Er bemerkte, daß der Sheriff ein Paar Handschellen vorbereitet hatte. Das erboste ihn und er fragte vorwurfsvoll: „Ihr schließt mich?“ „Yes“. „Ich habe mich doch freiwillig ergeben, warum schließt Ihr mich?“ 4 „So ist es üblich.“ Rasch fesselte ihm der Sheriff die Hände. Bukker t sah Reiter auf tauchen und seine Hände zuckten nervös. Er empfand, daß er wehrlos war und bereute, daß er sich ergeben hatte: „Vor einer Minute war ich noch frei, konnte mit jedem von ihnen abrechnen; und jetzt kann jeder mich beleidigen, mich schlagen... tmd ich — ich kann nichts tun als mit den Zähnen knirschen wie ein Hund an der Kette!“ Es fuhr ihm durch den Kopf, daß die Reue zu spät kam und er schämte sich vor den Burschen des Dorfes; er, Buckert, der mit fünfen von ihnen fertig werden konnte, war gefesselt und sie waren frei. Das Bewußtsein, in Fesseln zu sein, zermürbte ihn so, daß er selbst seine Schuld mehr empfand als alle anderen und darauf wartete, sie mögen mit ihm abrechnen, überzeugt, er würde die Sümpfe nicht mehr lebend verlassen. „Da ist der Neger! Da steht er!“ — lärmend sprangen die Reiter von den Pferden und einer gab einen Freudenschuß ab — „Drei Hurra für den Sheriff!“ „Hurra, hurra, hurra!“ Ein Reiter nach dem andern kam näher; sie umringten den Neger, zeigten ihm den Strick, an dem er baumeln sollte, und schlugen ihn mit den Fäusten ins Gesicht, Gefesselt, blutüberströmt stieß Buckert nach jedem Schlag einen knurrenden Laut aus; seine Augen schienen lächelnd auf den nächsten Schlag zu warten. Mc Clur sank dem Sheriff an die Brust und küßte ihn unter Tränen ab; dann trat er auf den Neger zu und spuckte ihm ins Gesicht: „Bestie, jetzt werde ich mit dir abrechnen!“ Er ballte die Fäuste, bog den Kopf mit dem breiten roten Hals vor und stürzte sich wie ein gereizter Stier auf den Neger. Der hob leicht den Fuß und Mc Clur überschlug sich in weitem Bogen, „Faßt ihn, faßt ihn!“ — tönte es von allen Seiten. Der Sheriff trat dazwischen; „Bürger, Nachbarn! Denket an euer Versprechen! Ihr habt versprochen, mir zu helfen, ihn der Justiz zu überliefern!“ „Wir sind selbst die Justiz!“ „Ein Neger ist kein Mensch!“ „Ein Hund!“ „Sehr richtig! Ein Hund! Ein toller Hund wird erschossen!“ „Ich appelliere an euch im Namen des Gesetzes!“ — schrie der Sheriff noch lauter: „Versetzet euch in meine Lage! Wozu bin ich hier? Wozu bezahlt mich der Staat? Damit das Gesetz geachtet werde! Ich weiß — euch tut es weh, was geschehen ist, ich weiß, daß Mc Clurs Herz blutet, denn er ist der Vater des Opfers! Doch wir sind vor allem Bürger der Vereinigten Staaten und müssen das Gesetz der Vereinigten Staaten achten! Tun wir das nicht, so sind wir keine Bürger mehr! Ohne die Achtung vor dem Gesetz wird einer den anderen bei lebendigem Leibe 'auffressen! Freunde und Nachbarn! Versetzet euch in meine Lage, keiner von euch würde an meiner Stelle anders handeln! Ich appelliere ..." „Helft mir, Boys!“ — Mc Clur stürzte sich auf den Neger, der mit blutunterlaufenen Augen und offenem Munde dastand, als wollte er sich mit den scharfen Zähnen verteidigen. Der Sheriff stieß Mc Clur zur Seite, doch andere stürzten herbei. Eine Schlägerei begann. Der Sheriff teilte nach rechts und links Kolbenhiebe aus und ließ niemanden an den Neger heran. Die Entrüstung der Menge wuchs; immer stärker wurde der Aerger über den Sheriff, der sich sogar mit Schlägen des Negers annahm. Plötzlich blutete ein Kopf von einem Kolbenhieb. Das genügte. Mit einem Wutschrei stürzte sich die Menge auf den Sheriff, warf ihn nieder und trat ihn mit den Füßen. Bis zum Morgengrauen wurde der Neger gequält und dann mit Gesang ins Dorf geführt. 6. In den „Burke Home News“, dem Wochenblatt der Gegend, stand auf der ersten Seite in großen Lettern: „Heute nachts wurde nadh fünfstündiger Jagd. Sn den Sümpfen der Neger gefangen, der Mr. Mc Clurs Toahter vergewaltigt hat. Das Urteil wird morgen, Sonntag miaahmittags, beim Indianerhügel unweit des (Friedhofes vollstreckt, an derselben .Stelle, wohin der Mörder sein Opfer verschleppt hat. Wir hoffen, daß ikeiner unserer Nachbarn es verabsäumen wird, der Exekution ibeizuwohnen. Das Komitee." Schon am frühen Nachmittag begannen die Farmer sich beim Indianerhügel zu versammeln. S'ie kamen in Familien. Kleine, breitschultrige Schottländer mit kurzgeschorenen Bärten und glattrasierter Oberlippe, welche die Gesichter so verzogen, daß sie aussahen, als wollten sie niesen; knochige, glattrasierte Engländer mit aufeinandergepreßten Lippen; alte Deutsche, auf deren Kinn der „Uncle Sam“-Bart saß und deren Gespräche im reinsten Plattdeutsch geführt wurden, als wären sie eben erst eingewandert; ein paar Italiener, Altwarenhändler, fuhren mit Gebimmel auf ihren schmalen, über und über mit Glöckchen behangenen Wägelchen heran, auf die sie Frau und Kinder hoch aufgeladen hatten; Slawen, die beim'Orangenpacken arbeiteten, kamen im Sonntagsstaat ihrer Heimat. Die Reporter der Familienblätter der Umgebung sausten -auf ihren Fahrrädern heran, drängten sich, Notizblocks in der Hand, hochnäsig und unverschämt durch die Menge und suchten „Stoff“. Mit „Hallo, Professor!“ umringten sie den früheren Apotheker, einen Greis mit schneeweißen, bis auf die Schultern reichenden Locken und einem verschossenen George Washington-Hut, und notierten mit Befriedigung, daß der „Professor“ der dreißigsten „Lynchexekution“ seines Lebens beiwohnte. Auf dem sandigen Weg tauchte der Dorfschuster auf, ein Jude von sehr gewöhnlichem Typus. Er war bestaubt, verschwitzt und in Eile; so schmierig hatte er wohl auch in seiner russischen Heimat ausgesehen, als er dort nach dem Amtshaus lief, um nachzusehen, wann er zum Militär würde einrücken müssen. Menschen, die miteinander nie gesprochen, aneinander ihr Leben lang gemieden, ja gehaßt hatten, verloren plötzlich alle ihre Vorurteile; es gab keinen Unterschied mehr zwischen Amerikanern, Deutschen, Italienern und Slawen, die Individuen und Schichtungen waren verschwunden, als hätten sie nie existiert, und es gab nur eine Einheit: die weiße Rasse war gekommen, um mit der schwarzen abzurechnen. * (Fortsetzung folgt.) Erfolg beweist! Im Geschäftsleben gibt es keinen Zulfallserfolg. Der Kaufmann, dem es dauernd gelingt, seinen Kundenkreis zu vergrößern und immer neue zufriedene Stammkunden zu erwerben, der muß wirklich besonders leistungsfähig sein und Besonderes bieten können. Die bekannte Tatsache, daß das Warenhaus Brüder Scihiffmann, I'I,, Taborstraße 48, speziell in den letzten Jahren, einen ungewöhnlich großen Aufstieg zu verzeichnen hat, beweist, daß der Ruf dieses Hauses als verläßlichste tmd billigste Einkaufsquelle woMbegründet ist. Hn allen Wiener Bezirken und in der gesamten österreichischen Provinz gibt es eine große Anzahl von Konsumenten, die ihren Warenbedarf iau »schließlich nur bei Brüder S eihilfmann decken. Wer einmal „Schiffmiann'‘-Ware kauft, bleibt Stammkunde, Ueberzeugen auch Sie sich duroh einen unverbindlichen Besuch von der Konkurrenzlosigkeit der Angebote! (Fürs Frühjahr 'kaufen Sie u. a.: Diagonal-Seide, für Kleider, per 'Meter S 1.98, Wasch-Seide für Kleider, moderne