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Die Stimme · 1928-04-19 · Heft 16 (19.4.1928) · page 11

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 16 (19.4.1928)
Date
1928-04-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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i'v'r. 16 DIE STIMME Seite 11 c'aö die höher Besteuerten ihren Austritt aus der Gemeinde anmelden. In Deutschland aber werden z. B. in den einzelnen Gemeinden Steuern in der Höhe von mindestens 15 Prozent und sogar von 180 Prozent der staatlichen Steuern eingehoben und trotzdem ist die Austritlsbewegung in Deutschland viel niedriger als in Oesterreich und insbesondere in Wien. Gegen die von den Zionisten geforderte Heranziehung der jüdischen Frau — so argumentiert die Wiener Kultusmehrheit — sei das jüdische Gesetz. Frankfurt, eine sicherlich orthodoxe Gemeinde, konnte das tun, was Berlin und andere deutsche, aber auch österreichische Städte getan haben, nämlich, denFrauendas Wahlrecht gewähren, ohne zu fürchten, daß der Vorwurf der Verletzung einer jüdischen Gesetzesbestimmung erhoben werde. Die jüdische Frau, die seit je, wenn nicht selbstständig wirtschaftlich tätig war, so doch zumindest mit Rat und Tat ihrem Manne im Berufsleben zur Seite stand, hat sich in Fragen der Erziehung und der Ausgestaltung des Armen- und Fürsorgewesens als sach- und fachkundig erwiesen. Warum sollte man sie also zur gemeinsamen Beratung dieser Angelegenheiten in der Kultusgemeinde nicht heranziehen und ihr nicht das gleiche Wahlrecht wie den Männern einräumen? Der im Winter dieses Jahres bevorstehende Wahlkampf für die Kultusgemeinde muß sich daher im Zeichen der Forderung nach dem für alle öffentlichen Körperschaften bereits geltenden demokratischen Prinzip des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechtes für Mann und Frau vollziehen. Ein Sieg dieses Prinzipes wird gleichbedeutend sein mit einem entscheidenden Schritt auf dem Wege der Umgestaltung der Kultusgemeinde zur längst notwendig gewordenen Volksgemeinde, die auch für die Höchstbesteuerten eine Entlastung bedeutet. Denn nur die als organisatorischer Körper anerkannte Volksgemeinde kann die Ansprüche auf jene finanzielle Hilfe des Bundes und der Gemeinde erheben, die in den Friedensverträgen vorgesehen ist, weil sie eben als legale Organisation das gesamte jüdische Schulwerk, Fiirsorge- und Genossenschaftswesen selbsttätig zu erhalten berechtigt ist. Stiftungen und Pessachspenden der Wiener Kultus, gemeinde Der Wiener Kultusvorstand ihielt Mittwoch eine Plenarsitzung atb, um die seit der letzten Sitzung aufgelaufenen Geschäftsstücke noch vor den Feiertagen zu erledigen. Nach Verlesung des Einlaufes referierte Regierungsrat Dr. 0.ppe.n-. ■heim üiber den Rechnungsalbschluß des albgeilaufenen Verwaltungsjaihres, der bekanntlich unit einem 'Defizit von 207.000 Schilling abschließt. Gegenüber dem ,präliminierten Defizit von 239.000. Schilling bedeutet dieses Ergebnis immerhin eine kleine Besserung. Der Rechnungsabschluß wurde zur Kenntnis genommen. Der Obmann der Schullkomimission Dr. T i c h o berichtete sodann über die Einrichtung eines Juigendgottesdienstes im IffT. Bezirk, die Errichtung einer L e.h r e rib iib 1 i o - t h e ik in der Seitenstettengasse und die Ausgestaltung der S c h ü 1 e r b i b il i o t ih e ik in der MülLnergasse, Im. XX, Bezirk in der Othroangasse wurde eine T a 1 m u d s c!b u l e unter der Leitung des Lehrers Hirsch Löw Vogel' errichtet, die bereits 20 Schüler zählt, iln Vorbereitung steht die Einrichtung ähnlicher Schulen im H. Bezirk. Sodann referierte Vizepräsident Dr. Ornstein über die Neu er Öffnung des L. D, K'önigsberg-Mädchenerziehungsin.stitutes in der Böcklinstraße durch das Ehepaar Dr. Josef und Rosa Bondi, die zur Erinnerung an ihre auf tragische Weise in der Blüte ihrer Jahre verstorbene Tochter das Heim vorläufig für 8 bis 10 Mädchen auf drei Jahre wieder eröffnen werden. Weiters setzte Dr. Ornstein das Plenum von einer Stiftung der Frau Jenny Steiner in Kenntnis, die zur Erinnerung an ihren verstorbenen Sohn 3000 Dollar für arme ohrenkranke Juden gewidmet hat. Die Bedürftigkeit soll durch Prof. Neuroann oder einen anderen Ohreuspezialisten geprüft werden. Der Kultusvorstand sprach den hochherzigen Wohltätern den wärmsten Dank aus. Vizepräsident Dr. Löwenherz berichtete über den Stand der Mazzoth - Aktion für das Jahr 1928. Die Kultusgemeinde wird bekanntlich im heurigen Jahre, nicht nur wie bisher, die Bedürftigen mit Miazzoth in natuna ,beteilen, sondern wird auch teilweise Geldgeschen.k.e zum. Ankauf von Osterbroten verteilen. Für diese Aktion wurden 20.000 Schilling bewilligt, doch wird dieser Betrag um ein Beträch t'li Ohes überschritten werden müssen. Auch einzelne Vereine, die bisher ihre Schützlinge mit Mazzoth beteilt haben, erhalten von der Kultusgemeinde zu diesem Zwecke 'Subventionen. Die Kriegsbeschädigtenoriganisationen erhalten Mazzoth völlig gratis. Den jüdischen Insassen des Lainzer Versorgungshauses, den Patienten des Allgemeinen Krankenhauses und der anderen Wiener Spitäler, sowie den Sträflingen des Landesgerichtes 1 und einzelner Bezirksgerichte wird während der Feiertage Koscherkost verabreicht werden, s»ferne sie darauf Anspruch erheben. Bisher wurden bereits 10.000 Kilogramm Mazzoth zur Verteilung gebracht, doch läßt sich ßin abschließendes Ergebnis noch nicht mitteilen, da die Aktion noch im Gange ist. Auch dieser Bericht wurde vom Plenum einstimmig zur Kenntnis genommen. Austritte! ausjf dem Judentum Riegine Dunay, 14. 4. 1912, Wien, led., Filippsdorf; Isidor Steiner, 18. 6. 1889 Wien, led.,!L, Am Gestade 7; Sophie Sch aff a, 29. 4. 1900 Wiera, led., X., Landgutgasse 26; Hermann W e i ß, 9. 4, 1888 Wien, ger. gescih», DI., Zirkusgasse Nr. 50; Anna Stein, 9. 6. 1909 Wien, led., II., Praterstraße Nr. 22; Maria Mandl geh. Charwiat, 23, 3. 1852 Wien, verw., II., Unt, Donaustraße 25; (Israel K o sin z e r, 26. 2. 1909 Eli,- sabethgrad, led., XX., Bäuerlegasse 26; iRiosa Fisch, 22. 9. 1904 Sambor, led., II., Stuwerstraße 17; Elise Erber, 19. 7. 1906 Wien, led., Will,, Josefstädterstraße 101; Theresia Klara Spiegel, 4. 1. 1902 Samarany, led., XIX., Silbergasse 43; Friedrich Spitz, 7. 8. 1894 Saitz, veth., Kellner, XVII,, Kalvarienberggasse 68; Felix P o 11 a k, 2. 6. 1882 Baden, ger, gesch, Ingenieur, VIII., Piaristengasse 2; Emanuel Jelinek, 20. 3. 1890 Iglau, led., IL, Taborstraße 61; Lina Stern, 11. 11. 1907 Wien, led., V., Margaretengürtel 4; Dr. Max Winkler, 15, 3. 1873 Malhotic, verih., Rechtsanwalt, IUI., Salmgasse 16. Emilie Klein, 28. 4. 1905, Wien, led., XIII., Hietzinger Hauptstraße 71; Anna W i t 11 i n, 25. 11. 1906, Lemberg, XII., Hakkingerhof 5; Robert T r e b i t s c h, 14. 3. 1928, Wien, led., IV., Frankenberggasse 11; Margit Anna Berger, 24. 8. 1902, Wien, led., II., Rueppgasse 10; Stefanie Glas, geb. Hauser, 1. 4. 1885, Wien, verh., II., Heinestraße 41; Kind; Peter Glas, 3. 3. 1922, Wien, led., II,, Heinestraße 41; Kind: Felice Glas, 18. 5. 1911, Wien, led., II., Heinestraße 41; Barbara M o 1 n a r, 24. 3. 1908, P6cs, led., VII., Kaiserstraße 57; Ernst Schneider, 29, 12. 1907, Wien, led,, VI,, Stumpergasse 62; Wanda K u 1 a k o w s k a, 12. 4. 1893, Mydlucki, led., I., Kurrentgasse 2t: Kind: Heinz Robert Kulakowska, 13. 8. 1926, Wien, led., I., Kurrentgasse 21; Anton Eduard Jank, 6. 3. 1896, Altstadt, VIII., Kupkagasse 2; Koloman Fischer, 9. 6. 1872, Szt. Grost, verw., XVII., Pezzlgasse 14; Walter Rosenzweig, 12, 8. 1904, Wien, led., XXL, Donaufelderstraße 8; Sigmund Donath, 24, 7. 1869, Prerau, verh., XXI,, Mengergasse 10; Gattin: Leonora Donath geb. Komlos, 12. 2. 1870, Budapest, verh., XXI., Mengergasse 10; Ilse Kamilla Fried, 30. 4. 1910, Wien, led., XVIII., Herbeckstraße 61; Emil W a n g, 11, 12. 1902, Lemberg, led., IX,, Simon-Denk- Gasse 11; Trude W e i s s, 18, 3. 1909, Wien, led,, II., Praterstraße 66; Dr. Eduard Popper, 20. 5. 1904, Wien, led,, I,, Gonzagagasse 19; Rudolf K a d i s c h, 20. 7. 1913, Wien, led., XX., Allerheiligenplatz 6; Dr, Anton Fischer, 18. 9. 1901, Preßburg, led., XVIII., Türkenstraße 25: Theodor Schwebe 1, 31. 8. 1897, Wien, verh., XX., Donaueschingenstraße 30; Helmut S c h w e b e 1, 6. 8. 1876, Wien, led,, XX., Donaueschingenstraße 30: Friedericke Fried, 6. 1. 1908, Wien, led., XX., Wintergasse 19; Serafine Serna W e i s s, 29. 4, 1906, Wallern, verarenciM VerhUt'Kugeln (Vaginal- Desinficiens) Ärztlich empfohlen u. glänzend begutachtet. — Nachnahmesendung (I Utz.) S 3.50. — In allen Apotheken erhältlich. Qeueraidepot: Marienapotheke, Wien, VI., Schmaizhofgassel. Ersatzpräparate weise man entschieden zurück. FRAUEN led., II., Stuwerstraße 35; Dr. Emanuel T a r m e r l, 29. 4. 1897, Wien, led., III., Kolonitzgasse 7; Friedrich Gutmann, 7. 4. 1897, Wien, Kfm., Pilsen; Antonie M a t h e s i u s, 25. 6. 1902, Wien, Pilsen; Dr. Ernst Flaum, 22. 3. 1904, Wien, led., Arzt, III., Strohgasse 6; Karl Berger, 13, 4. 1900, Wien, led., IX., SchuIz-iStraßnicky-Gasse 13; Paula Kornfeld gelb. Mandl, 6. 4. 1887, Wien, verh., XX., Vormosergasse 3; Dr. Emmerich K o t a n y, 16. 2. 1896, Szeged, led., VII., Kirchengasse 17; Margit Engel, 4. 9. 1897, Budapest, led., II., Praterstraße 64: Viktor W e i s s, 4. 11. 1910, Nagykanizsa, led., Praktikant, III., Untere Weißgärberstraße 49; Samuel P e i s a c h, 26. 12. 1896, Jagielnica, led., XVIII., Cottagegasse 5; Grethe S o b 1 geb. Weiner, 10. 6. 1893, Brünn, verh., VI., Linke Wienzeile 62: Elsa Schwarz geb. Silberstein, 12. 3. 1898, Czaczan, gr. getr., VI,, Stumpergasse 62; Kamilla D a m b o r i t z, 8, 7, 1896. Wien, led., II., Stuwerstraße 23; Natan Elster, 12. 7. 1884, Lemberg, gr. gesch., I., Kärntnerstraße 21; Mark Brunswik, 6, 1. 1902, New York, led., I., Hohenstaufengasse 7. Israelitischer Jugendgottesdienst. Samstag, den 21. April d, J,, findet um 3 Uhr nachmittags der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks- Synagogen statt. Wissenschaft, Literatur, Kunst Theodor Lessing ' j ÜI .- a* W$r4 . mm. . \ ” -> * ••SÄ! mm r,'l V 5 In den nächsten Tagen wird Professor Theodor L e s s i n g aus Hannover in Wien am Vortragspult erscheinen. Als Gelehrter, Publizist und Redner hat Theodor Lessing durch seine temperamentvolle Art auch außerhalb seines eigentlichen Wirkungskreises tiefe Wirkung geübt: Aufmerksamkeit bei seinen Berufsgenossen, Begeisterung bei seinen Ideeverwandten, Entrüstung bei den Reaktionären. Das könnte verwunderlich sein bei Philosophen, deren Leben und Forschen abseits des Alltags liegt. Theodor Lessing gehört nicht zu ihnen. Seine Arbeiten sind aus dem Drang nach Wahrheit, aus der Sehnsucht nach Erkenntnis entstanden, also gerade dadurch das Wesen des Judentums repräsentierend, als dessen charakteristisches Merkmal das Streben nach dem Sinn des Lebens gilt. Auf diesem Weg hat Professor Lessing tiefen Einblick in das Wesen der Geschichte bekommen, ——————— Erstkl. Tennisplätze Wiens II. Taboratrafie 63 a, Augarten. Telephon R-46-1-44 Hochmodern. Eröffnet ab 1. April. Elegante Cafl-Terrasse, reiches Büfett, Zentralheizung. Garderoben, Schlieökasten. Duschen, kalt und warm. Trainer und Lehrer. Sorgfältigster Unterricht. Erste SpezialwerkstMe für §6SS6I und IISCI16 Salongaritlturait und ElnxelmöMlstOcka AP8>ER| Vllp ApOllOE« 18 Kmlmormti1. 12 dessen Resultate in dem Buch »U ntergang der Erde am Geist« und der jüngst erschienenen »G eschichte als Sinngebung des Sinnlosen« sichtbar wurden. Beide Werke zusammen bilden eine Philosophie der Geschichte und damit eine Leistung von unerhört erzieherischem Wert, da hier alle Ergebnisse auf Grund intensivster Wahrheitsforschung gefunden wurden. Den Mut zur Wahrheit bewies Lessing in ungezählten Fällen auch als Publizist. Ueberaus aufschlußreich für seine Gesinnung war die Reihe von Aufsätzen anläßlich des Falles Haarmann, worin er mit unerbittlichem Fanatismus und tiefer psychologischer Begründung den Zusammenhang von Politik und Recht, von Polizei und Spitzeltum, von Reaktion und Deutschtümelei, von Jesuitismus und Rassenhaß aufdeckte. Es ist nur natürlich, daß die Hannoveraner Hakenkreuzler, in erster Linie die Studenten, einen wütenden, mit der ganzen Blindheit des völkischen Fanatismus geführten Kampf gegen Lessing inszenierten und sogar seinen Abgang von der Universität verlangten. Wenn sich auch die große Menge des reaktionären Deutschland in dieser Kampagne auf ihre Seite stellte, gab sich doch der akademische Senat der Universität Hannover zu einer derartigen Kapitulation nicht her. Auf der anderen Seite stand das zivilisierte Europa, das Lessings Kampf mit allen Zeichen der Sympathie und Bewunderung begleitete. Von großem Interesse für uns ist Lessings .Einstellung zum Problem der »geschichtlichen Figur«, die seiner Forschung gemäß nur unter der Voraussetzung der Blutsgemeinschaft und Rassenverwandtschaft möglich ist. Diesbezüglich klingt wie ein innerstes Bekenntnis die Stelle in seinem Werk »Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen«: »Historische Gestalten dürfen nicht nur geographisch, sondern auch biologisch bedingt sein. Bisher hat sich noch immer erwiesen, daß die seltensten Fähigkeiten und hervorragendsten Leistungen wenig wiegen und keinen Ersatz bieten, wenn im Volksbewußtsein, sei das nur eine bloße „Einbildung“ oder laure eine Naturgewalt dahinter, Befremdung und Ferne aus Blut- und Rasseninstinkt erspürt wird. Die tragische Geschichte der Juden, die, unter alle Völker zerstreut, eine schlechthin beispiellose Summe von Kräften und Werten ahasverisch-aussichtslös an fremde Ziele, ohne Gegenliebe, vergeudeten, muß diesen Tatbestand für jedermann mitleidlos klarmachen. Wo immer Juden zu geschichtlichen Größen werden, da ist ihr tragischer Ausgang ganz unvermeidlich. Entweder müssen sie lügen und sich verleugnen, oder sie werden zugrunde gehen.« Diese tragische Wahrheit haben wir an den Gestalten Eisner, Liebknecht, Rathenau erlebt. 4t * Professor Theodor Lessing wird während seiner Anwesenheit in Wien zwei Vorträge halten; er spricht als Gast des Zionistischen Landeskomitees am Samstag, den 21. April, um 8 Uhr abends im Hotel Continental über das Thema »Karl Marx und Theodor Herzl«. ferner über Einladung des Jüdischen Hochschulausschusses Montag, den 23. April, über »Zur Psychologie des jüdischen Radikalismus«,

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